Aus gegebenem Anlass: der Papst ist tot, habemus papam. Wie mächtig ist der Papst noch? Welchen Einfluss hat der Papst auf das Weltgeschehen? Eher Präsident der Vereinigten Staaten oder Präsident der Bundesrepublik Deutschland?
In die Medien schafft es der Papst häufiger als viele hohe Politiker. In Sachen DEI kann gefühlt nicht mal Trump ihm das Wasser reichen, in Friedensvermittlung wirkt er ähnlich prominent und ähnlich erfolgreich. Ebenso vergleichbar scheint der Lifestyle in Prunk und Protz, wenngleich auf ein Image von Demut und Bescheidenheit bedacht. Untertanen hat der Papst etwa viermal so viele, der direkte Einfluss auf das Leben dürfte bei Trump im Schnitt höher sein, aber beim Papst ist’s wohl sehr von den individuellen Lebensumständen abhängig. (Einmal mit den Trump-Vergleichen angefangen und dann einfach nicht mehr davon lösen können)
Ich persönlich habe noch keinen direkten Einfluss des Papstes auf mein Leben verspürt (ausgenommen akute Anfälle von Bluthochdruck), aber das heißt ja nicht, dass er nicht existiert. Und ausserdem soll es ja auch noch ein paar andere Menschen auf dieser Welt geben. Daher die Frage: welche Macht hat der Papst? Was hat er mit dieser Macht in jüngerer Vergangenheit angestellt? Was könnte er anrichten wenn er es drauf anlegt? Und wie wichtig ist es, wer der nächste Papst wird, wie groß ist also die Gestaltungskraft der Person hinter dem Titel?
In der aktuellen Weltlage scheint mir das eher eine Randnotiz, aber trügt das Gefühl? Kann der Papst wirklich Frieden vermitteln, oder wirkt das Sprachrohr Gottes nur als Megafon der Unterdrückung?
Naja, der Papst kann eine massive destruktive Kraft entfalten (man denke an JoPauls Kampf gegen Verhütungsmittel und dessen Auswirkungen auf christliche Gemeinden in Afrika im Hinblick auf HIV), das zumindest ist uns unter Franziskus erspart geblieben.
Was ein Papst an den verrosteten Strukturen der katholischen Kirche wirklich ändern kann ist die große Frage. Wenn man sich die Schriften von Fraziskus anschaut könnte man schon meinen, dass er eigentlich wesentlich mehr hätte ändern wollen, dazu aber vermutlich einfach nicht den Rückhalt in der „Führungsetage“ der katholischen Kirche hat.
Sorry, aber gerade die aktuell hinter verschlossenen Kammern stelle ich mir vor wie „Game of Thrones“ auf Steroiden. Ich wüsste gerne, was für Absprachen und Intrigen, was für Machtpolitik da betrieben wird, bevor endlich „Weißer Rauch“ aufsteigt - und welche Kompromisse Franziskus z.B. vor seiner Wahl schon eingehen musste, damit er schließlich Papst werden konnte. Das stelle ich mir echt vor wie damals die Königswahl durch die Kurfürsten, wo jeder Stimmberechtigte versucht, möglichst viel für sich rauszuholen.
Die Frage ist, wie sich die katholische Kirche im Hinblick auf den weltweiten Aufstieg rechtsautoritärer Kräfte positionieren wird. Wird sie nun einen Papst wählen, der damit kompatibel ist und versucht, im Einklang mit den Melonis, LePens und co. den Einfluss der Kirche zu stärken, oder wird sie einen Papst wählen, der - vielleicht noch stärker als Franziskus - das Thema Nächstenliebe in den Vordergrund stellt, damit die katholische Kirche nicht die Fehler der 1930er-Jahre wiederholt. Wir dürfen gespannt sein!
Vladimir Putin hat nicht umsonst als erstes Kyrill I. seinen Krieg loben lassen.
Auch wenn mit der Kirche nur noch wenige etwas am Hut haben (was in Afrika und Südamerika ganz anders ist), wird sie immer noch gemeinhin als moralische Instanz anerkannt. Auch Trump zeigte sich im Wahlkampf gerne betend im Kreise wichtiger Geistlicher.
Eine Jesus-App feiert in den USA gerade riesige Erfolge.
Jesus sells. Immer noch.
Trotzdem geht mir die Berichterstattung auf die Nerven. „Papst gestorben!!! Aktuelle Entwicklungen im Live-Ticker!!!“ Ein Zirkus🙄
heute morgen 3 oder 4 Berichte/Reportagen/Interviews etc. in „meinen“ Informationen am Morgen🙄 ist das im Vergleich zu allem, was sonst so los ist, wirklich ne angemessene Gewichtung?
Reicht, wenn man das in den Nachrichten erwähnt, maximal ergänzt mit einem Rückblick auf die Amtszeit. Dann will ich frühestens was dazu hören, wenn es einen neuen gibt und was von dem zu erwarten sein könnte.
In meinen Augen, ein Thema, das die LdN gut auslassen könnte.
Kommt auf die Relation an. Im Vergleich zu dem was berichtet wird wenn Promis versterben könnte man das Ausmaß verstehen, in Relation zu vielen anderen Ereignissen nicht.
Der Papst hat letztlich in vielen Regionen der Welt doch noch einen massiven Einfluss auf das Denken der Menschen und damit auch auf die Politik.
In Deutschland ist der Einfluss sicherlich deutlich geringer und wahrscheinlich ist der größte Einfluss auf die Rate der Kirchenaustritte.
Letztlich dürfte der Hauptteil der Berichterstattung aber dann doch eher voyeuristischer Natur sein, da es kaum Neuigkeiten von Substanz gibt. Nachrufe, Rückblicke etc. Dagegen sieht man auch nach dem Tod von Schauspielern, Musikern und Sportlern, daher in meinen Augen völlig ok, auch wenn es mich meist nicht interessiert.
In der Lage könnte man z.B. sehr wohl thematisieren wie sich der Einfluss der Kirche je nach Strömung die sich durchsetzt verändern könnte, wenn man davon eine Ahnung hat oder einen passenden Gesprächspartner.
In einem Aspekt würde mich doch die Meinung von Philip & Ulf interessieren:
Der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, Georg Bätzing, hat über die von Franziskus angestoßenen Reformprozesse gesagt:
„Er hat den Stil der Kirche verändert, indem er Anfänge gesetzt hat. Es war ihm klar, dass er vieles, was er vielleicht als Idee im Kopf und im Herzen hatte, nicht mehr selber bis zum Ende bringen konnte, aber er hat so vieles begonnen, was nicht mehr umkehrbar ist, was sich wie ein Stil, wie eine neue Kultur in unsere Kirche hinein verwurzelt hat.“
Bezog er sich dabei auf den synodale Weg, die Öffnung für Reformthemen (Zölibat, Frauen in kirchlichen Ämtern), den Kulturwandel in der Kirche?
Welche unumkehrbaren Spuren hat der Paps in dieser verknöcherten Institution wirklich hinterlassen? Ein Interview mit einem distanzierten Kenner der katholischen Kirche wäre interessant.
Wird bestimmt in Kürze eine Einordnung von Frau Florin im Deutschlandfunk zu dem Thema geben. Die kennt sich aus und ist (deswegen) ziemlich distanziert
Das stimmt so nicht pauschal und ist je nach Region der Welt sehr unterschiedlich. In Deutschland wird die Kirche ehr als Missbrauchsverein wahr genommen mit intransparenten Finanzen. Da kommt ehr die sollen mal bitte bei sich anfangen und aufhören Minderheiten zu diskriminieren.