Für mich läuft es immer wieder darauf hinaus, dass eine Krankenversicherung für alle auf Solidarität beruht. Als Gesellschaft haben wir uns dafür entschieden, dass jeder behandelt wird, egal wie unwirtschaftlich das ist und ob die Person es sich leisten kann – die Solidargemeinschaft übernimmt dann die Kosten. Meiner Meinung nach haben sich Privatversicherte zu ihrem eigenen Vorteil aus dieser Solidargemeinschaft verabschiedet, und das finde ich nicht in Ordnung.

Könnte man nicht einfach eine „Alle sollen gesundheitlich behandelt werden“-Steuer einführen? Der Ertrag würde den GKV zufließen, da sie verpflichtet sind, alle aufzunehmen, unabhängig davon, wie krank oder teuer die Behandlung ist. Dadurch sollten die GKV ihre Beiträge senken können, und die Privatversicherten könnten weiterhin privat versichert bleiben und Vorteile genießen, aber dennoch ihren Teil zur Solidargemeinschaft beitragen.

Eine Frage weil ich mich nicht so viel mit dem Thema beschäftigt habe, gibt es eigentlich seriöse Argumente dagegen das die GKV einen signifikanten Wettbewerbsnachteil haben weil sie jeden aufnehmen müssen ?
Und wird dieser staatlich festgelegte Wettbewerbsnachteil eigentlich irgendwie ausgeglichen um eine fairen Wettbewerb am Markt zu ermöglichen?

Tatsächlich habe ich insbesondere was das angeht noch nie diese Probleme gehabt. Selbst der Termin beim Kinderorthopäden war mit 4 Wochen vergleichsweise kurzfristig zu bekommen. In manchen Fälle war erst der dritte Arzt den ich anrief kurzfristig verfügbar, aber ich habe bei uns den Eindruck, dass das bei meiner Partnerin kaum anders ist. Weiß nicht ob das auch regional sehr unterschiedlich ist.

Nein, das passt schon.Weil die BusinessClass Flieder nutzen ja dieselben Flugzeuge. Economy ist kostendeckend, First und BusinessClass tragen zum Gewinn der Fluggesellschaft bei.
Ich wette, das ergibt sich auch für den Gesundheitssektor.

Das schließt sich ja nicht aus.

Seit einiger Zeit scheinen sich die Bedingungen für gesetzlich Versicherte erheblich zu verschlechtern. Probleme, einen Arzt zu finden, der noch neue Patienten nimmt, lange Wartezeiten… das ist das, was ich höre.
Wenn aber kein Kinderarzt mehr im Umkreis von 50 km zur Verfügung steht, der die Vorsorgeuntersuchungen machen kann, ist doch etwas falsch am System. (Dieses Beispiel habe ich irgendwo gelesen und weiß nicht mehr wo. Ich glaube, in der Nähe von Bielefeld. Gerne durch andere Beispiele ersetzen. Halbes Jahr Warten auf Kardiologen oder so)
Und das wird mit der Rente der Boomer ja noch schlimmer.
Bei einem solchen Mangel wird es zwangsläufig zu schlechter Versorgung gesetzlich Versicherter kommen.
Meine 87jährige Mutter muss den Augenarzt wechseln, da ihrer jetzt nur noch Privatpatienten behandelt.

Es fehlt noch, dass jeder potentielle Economy-Class-Nutzer (auch wenn er es seit Jahren nicht mehr nutzt) einen Flat-Beitrag zahlen müsste, damit die Vielflieger in der Economy-Class sich das auch leisten können.

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Ich bin da auch skeptisch.
Zumal eine einheitliche staatliche Bürgerversicherung ja nicht ausschließt, dass sich jemand eine zusätzliche, medizinisch nicht notwendige Leistung im Krankenhaus über eine private Zusatzversicherung oder auch als Selbstzahler in Anspruch nimmt.

Obwohl ich wirklich ein überzeugter Marktwirtschaftler bin, habe ich noch kein überzeugendes Argument pro PKV gehört.

Darüber hinaus verstehe ich auch nicht wie es zulässig sein kann die Wahlmöglichkeit im wesentlichen an die Einkommenshöhe zu knüpfen.

Habe Chat GBT befragt und auch nur halbgare Argumente erhalten.

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Und was hat die Versorgung mit Kinderärzten mit der PKV zu tun? Das Problem hier ist, dass die Berechnungsmethoden für die Abdeckungsquoten von vor 30 Jahren sind und dass Kinderärzte in der GKV nur geringwertige Leistungen abrechnen können, wodurch der Job nicht lukrativ ist, gleichzeitig aber ungemein stressig im Vergleich zu anderen niedergelassenen Fachärzten.

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Der hinkt aber gewaltig. Wenn dann musst du für beide „potentiell“ schreiben, oder weglassen. :smiley:
Und in Wahrheit ist es ja umgekehrt.

Wenn Ärzte aus Verdienstgründen nur noch Privatpatienten aufnehmen, ist das ein Problem.

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Wobei zumindest in den Fällen wo sie das tun, weil sie keine weiteren GKV Patienten abrechnen dürfen wäre das Ergebnis dann wohl eher, dass sie dann halt gar niemanden mehr behandeln.

Auch mit einer Bürgerversicherung wird man an einer Reform bestimmter Mechanismen wohl nicht vorbeikommen.

Aber genau das ist doch nicht der Fall. Wer wenig verdient wäre in diesem Fall der, der mit Lockangebot für 9 Euro auf Malle fliegt, während der freiwillig Versicherte der ist, der im ungünstigen Moment buchen musste und für den gleichen Flug 450 € zahlt.

Flat Tarif wäre ja, wenn jeder ungeachtet des Einkommens z.B. 250 € zahlen müsste.

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Vor allem finanzieren die Jungen in der gesetzlichen die Alten. Ohne junge Leute, die kräftig zahlen, aber keine Leistungen in Anspruch nehmen, würde das System kollabieren, natürlich mit dem Hintergedanken, dass später auch sie von dem System finanziert werden, was aber aufgrund demographischem Wandel gar nicht so sicher ist (wie bei der Rente übrigens).

Was bei deinem Vergleich gar nicht gegeben ist :wink:
@Slartie hat es ja gezeigt: pro Beitragszahler gerechnet, zahlen Privatversicherte nicht mehr als gesetzlich Versicherte. Nur verteilt es sich anders.

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Die 2-Klassenmedizin hat viele Auswirkungen:
Ärzte folgen dem Geld, nicht den Kranken

Außerdem gibt es immer mehr Privatpraxen. Eine Statistik wie viele gibt es aber nicht! Diese entziehen dem System das Geld.
Und ob Privatpatienten besser behandelt werden? Sie werden mehr behandelt, mehr diagnostiziert. Oder wie der Gesundheitsexperte der SZ Werner Bartens gesagt hat: „sie werden schlechter behandelt, aber dafür schneller!“
Es ist wohl unumstritten, dass das aktuelle System unsolidarisch und ungerecht ist (außer ein paar Lobbyisten werden widersprechen), puh: aber wer will das ändern? Besonders weil im Bundestag viele Beamte sind, und die wollen das erst recht nicht!

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Hast du hierzu Zahlen? Du forderst eigentlich als Moderatorin von jedem, der Behauptungen ins Feld führt, Nachweise und Belege.

Wo steht, dass Ärzte mit Kassensitzen nur noch Privatpatienten behandeln?

Auf jeden Privatpatienten kommen 9 Kassenpatienten. Die Privatpatienten sind tendenziell gesünder und gehen weniger zum Arzt. Wenn also ein Arzt an einem Tag Privatpatienten mehr behandeln würde, wie viel besser wäre dann die Terminsituation für GKV-Versicherte? Hat das mal jemand berechnet? Oder sucht man nur einen Sündenbock für die Terminsituation und es wäre alles sofort besser, wenn es keine Privatversicherten mehr gebe?

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In der von dir verlinkten Quelle steht aber sehr gut beschrieben, dass das Problem eben nicht nur die Privatpatienten sind.

Es gibt ja durchaus gute Argumente für eine Bürgerversicherung, aber würde diese so aussehen, dass wir ab sofort einfach alle neu Versicherten in die GKV zwingen, dann würde wohl nicht wirklich viel besser werden. Man hätte etwas bessere finanzielle Ausstattung, die Praxen kämen aber wohl auch ohne die Einnahmen der privaten Patienten nicht mit den aktuellen Sätzen aus. Letztlich bleibt es dann bei dem Faktor, dass Leute mit hohen Einkommen mehr Beiträge zahlen und das was sie mehr zahlen als sie privat versichert bezahlen würden zusätzlich ins System kommt.

Ja, sorry, ist das nicht allgemein bekannt? Ich sehe es im Verwandten- und Freundeskreis, in dem es privat und gesetzlich Versicherte gibt.

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Ich finde eher, anders herum betrachtet, es gibt moralisch überhaupt gar keine Begründung für das jetzige System. Es ist im Grunde eine einzige Übervorteilung von wirtschaftlichen und politischen Eliten gegenüber dem Rest der Gesellschaft, eine medizinische Zweiklassengesellschaft.

Wenn man sich die realen Folgen davon ansieht, dann sind da Beamte und Besserverdiener die ganzjährig in geheizten bzw. Klimatisierten Büros sitzen und auf Anruf sofort einen Arzttermin bekommen. Während andererseits der Handwerker, der bei Wind und Wetter im Rohbau arbeitet, Wochenlang auf einen Termin wegen seiner Rückenschmerzen warten muss.

Und der Handwerker könnte nicht mal, wenn es ihm wichtig ist, einen einmaligen Zuschlag bezahlen, damit er einmalig schneller an einen Termin kommt.

Daran sieht man, finde ich, dass es bei dem System auch gar nicht primär ums Geld geht, sondern wirklich um eine bessere medizinische Versorgung weniger Privilegierter, zwangsläufig auf Kosten der Gesundheit aller anderen.

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Und was davon liegt an den Privatversicherten?

Warum sollte es mehr Termine geben, wenn es keine privaten Kava mehr gebe? Wie viel Kapazitäten leiten Ärzte mit Kassensitzen denn zulasten der Versicherten in dir Behandlung Privatversicherter um?

Die Anzahl Kranker und Ärzte bleibt doch davon völlig unberührt.

Tatsache ist, die Deutschen werden immer kranker. Verglichen mit pre-COVID haben sich die Krankentage verdoppelt. Natürlich wird es da schwieriger an Termine zu kommen.

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Nun, es wird zumindest keine Bevölkerungsgruppe begünstigt.
Aktuell eine Zwei-Klassen-Gesellschaft.

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Ich glaube es gibt keine Statistik, auf jeden Fall habe ich keine gefunden. Wenn man aber online einen Termin klickt, wartet man als GKV-Versicherter Wochen, als PKV-Versicherter klappt es übermorgen.
Jetzt ist die Frage, muss ich beweisen, dass bei einer Bürgerversicherung die Wartezeit für die GKV-leer besser wird, oder Sie, dass sie gleich bleibt. Eines ist sicher, für die PkVler wird es länger.

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