Effizienz der Bundeswehr im internationalen Vergleich

Hallo zusammen!

Bin ich der einzige, der sich etwas wundert weshalb im Rahmen der deutschen Verteidigunsfähigkeit im öffentlichen Diskurs immer über Budget bzw. Finanzierung gesprochen wird? Die Effizienz der Bundeswehr und der Nutzung der bestehenden Budgetmittel wird m.E. nicht adressiert.

Gemäß dieser Statistik (Militärausgaben nach Ländern weltweit 2023 | Statista) lag Deutschland im Jahr 2023 im internationalen Vergeich auf Platz 7. Umgekehrt bezweifle ich aber, das wir die das siebtstärkte Militär haben. Z.B. gibt Frankreich demnach weniger aus, obwohl die Franzosen Atomwaffen und einen Flugzeugträger unterhalten.

Unter sonst gleichen Bedingungen müsste man daraus schließen, dass wir vorhandene Mittel nicht gut einsetzen und ggf. ein Effizienzproblem in unserer Bundeswehr haben.

@LageDerVision: Es wäre super spannend, wenn ihr dieser Frage einmal auf den Grund gehen könntet. Insbesondere würde mich interessieren:

  • Wie schlagkräftig ist unser Militär wirklich? (Truppenstärke; einsatzbereites Material; Modernität des Materials; Stärken; Schwächen)

  • Wie (in)effizient sind wir im „Back Office“ der Bundeswehr? (Verhältnis von Soldaten zu sonstigen Mitarbeitenden; Durchschnittliche Führungsspannen; etc.)

  • Wurde das Beschaffungswesen inzwischen optimiert? Ich erinnere mich dies war vor einigen Jahren ein großes Thema.

  • Welche Vorschläge hättet ihr, unser Militär effizienter zu machen?

Vielen Dank vorab!

Beste Grüße,
Oliver

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Oder, wenn man zum Beispiel mal bei der Stiftung Wissenschaft und Politik vorbeischaut, sieht man, dass Deutschland bei der Einstiegsbesoldung von Offizieren im Vergleich zu Frankreich knapp 60% besser zahlt (Abb. 1). Bei der durchschnittlichen Besoldung von Mannschaften und Unteroffizieren (Abb. 5) sind es bummelig 50% mehr.

Die Studie ist zwar von 2019, aber macht deutlich, dass wir im europäischen Vergleich unseren Soldaten verhältnismäßig viel Geld bezahlen.

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So weit ich weiß ist ein Problem, dass viel alt und anfällig ist. Wartung ist dann teuer und ineffizient.
Ukrainehilfen werden zu Teilen auch in die Ausgaben eingerechnet.

Ich verlinke eine Studie von Greenpeace, die einen Vergleich der deutschen, französischen und britischen Streitkräfte anstellt:

https://www.greenpeace.de/publikationen/Greenpeace_BICC_StreitkraefteVergleich.pdf

Kurzzusammenfassung:
Deutschland, Frankreich und Großbritannien haben in den letzten Jahrzehnten vergleichbare Summen für ihre konventionellen Streitkräfte ausgegeben. Die Bundeswehr verfügt über moderne Waffensysteme mit einem deutlich geringeren Durchschnittsalter als die Streitkräfte Frankreichs und Großbritanniens. Während Frankreich die meisten schweren Waffensysteme besitzt, liegt Deutschland bei Land- und Luftstreitkräften im Mittelfeld. Die Marine ist die kleinste, aber modernste. In puncto Einsatzbereitschaft sind Frankreich und Deutschland schneller als Großbritannien, allerdings sind die Munitionsvorräte in allen drei Ländern knapp.

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Aber das ist dann auch eher Sympton als Ursache und würde darauf hindeuten, dass die Bundeswehr einfach nicht gut geführt wird. In der Privatwirtschaft kann ein Unternehmen mit massivem Investitionsstau auf Dauer ja auch nicht konkurrenzfähig bleiben.

Und wie man in den Rüstungsausgaben sieht, wird ja schon heute sehr viel Geld ausgegeben. Meine Vermutung ist nur das wir einen riesigen Wasserkopf an teuren Mitarbeiteren „mitschleppen“ und daher viel Geld für Investitionen in neueres Material fehlt.

Hier mal der Haushalt von 2024
Haushaltsplan 2024 - Einzelplan

Das tun wir, da wir auf Grund des historischen Kontexts in Deutschland enorme Probleme mit Personalwerbung haben. Wir wollen/dürfen Krieg in den Werbespots der BW nicht als Abenteuer verkaufen (sondern wie in der aktuellen werbekampagne „übernimm Verantwortung“), wir wollen/dürfen an Schulen nicht „werben fürs sterben“, es gibt keine paramilitärischen Bewegungen, die hier beitragen und durch die Nachkriegspolitik sind in Deutschland militärische Berufe so gering angesehen wie nirgends sonst (auch wenn sich das in den letzten paar Jahren jetzt wandelt).
Das kann man alles gut oder schlecht finden, aber diese Analyse haben die Gegner einer Abschaffung der Wehrpflicht damals vor dem Aussetzen vorgebracht. Sie habe davor gewarnt, dass die optimistischen Rechnungen des Verteidigungsministeriums zu einer „günstigeren professionellen Armee“ nicht aufgehen werden, weil es ohne das Reservoir Wehrpflicht zu personellen Engpässen kommen würde und dies auf Grund der spezifischen deutschen (historisch belasteten) Anwerbesituation dazu führt, dass es im Grunde nur eine Stellschraube gibt, um die Personalsituation dann zu adressieren: Das Gehalt. (Die Versuche der Superministerin von der Leyen, die Armee in einen familienfreundlichen Arbeitsplatz mit wlan und Kinderbetreuung umzubauen waren ja ein alternativer Versuch den Beruf attraktiver zu machen - sind aber kläglich gescheitert. Nur zu Erinnerung: Anzahl der Kasernen die unter vdL das versprochene freie Wlan bekamen: *rudigiulianivoice ZERO und glaub ich 280 kitaplätze in 4 jahren iirc)
Daher ist die Explosion bei den Salären eine direkte Folge der Aussetzung der Wehrpflicht und der Anwerbesituation in Deutschland. Wir können nur Geld auf das Problem werfen, aber es löst das Problem nur ein Stück weit.

(Derartige Diskussionen finden sich etwa im 2010 erschienen Symposiumband „Wehrpflicht - Legitimes kind der Demokratie“ in dem alternative Wege zur Aussetzung diskutiert wurden. Little fun fact: Zur Veröffentlichung des Buches gab es eine Diskussionsrunde zu der Karl Theodor zu Guttenberg eingeladen war, aber vor dem Hintergrund der damals öffentlich laufenden Debatte, dann sehr kurzfristig nur einen Staatssekretär schickte. Da war den Anwesenden - so wurde es mir von zwei Teilnehmern geschildert - klar, dass das Verteidigungsministerium bereits im Sommer 2010 kein Interesse mehr an einer Reform hatte - obwohl die öffentliche Debatte zu dem Zeitpunkt noch ergebnisoffen wirkte.)

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Militärische Stärke aus Budgets abzuleiten ist eine komplette Milchmädchenrechnung aus vielerlei Gründen:

  • Kaufkraft, unterschiedliche Pensionsmodelle, Verpflichtungszeiten etc. zwischen Staaten
  • Wehrpflicht: Wehrpflichtige können auch weitab der Front viele wichtige Aufgaben für sehr wenig Kosten (Sold) übernehmen. Zb. Logistik, Objektschutz etc. in Russland.
  • Wirtschaftliche Rahmenbedingungen: zb. ist Russlands Wirtschaft mittlerweile auf Kriegswirtschaft umgeschaltet. Jegliche Vergleiche mit einer marktbasierten Wirtschaft machen jetzt (noch) wenig(er) Sinn
  • Schattenhaushalte, Geheimhaltung.
  • Paramilitärische Verbände die nicht offiziell in Wehretats miteinbezogen werden (zb. Interne Truppen in Russland die motorisiert sind und eigene Artillerie besitzen)
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