E486 Politiker:innen sprechen mit Demokratieskeptikern

Ich finde es verwirrend, wenn Lesen/Schreiben und Sprechen durcheinandergebracht werden. Ist es für dich als Legasteniker auch im Fall gesprochener Sprache schwierig, wenn gegendert wird?

Nein das Problem - aus legathner sicht - liegt in der Tat in der Schrift. Da dies für mich aber ein enormes Problem für die lebarkeit von text ist (lesen ist und bleibt anstrenden, ählich einem konstanten Berganstieg), will ich allein aus diesem Grund auch nicht die Mündliche Variante befördern. Würde mir eine gute Fee den Vorschalg machen, dass sich das Mündliche generdern, für den der der Es tun möchte, in der Gesellschaft für immer und evig Festsetzt um zum Preis davon, dass ich in zukunft nie wieder :Innen, *in, _Innen, oder was auch immer lesen muss. Dann würde ich den Vorschalg der guten Fee annehmen. Da es die gute Fee aber nicht gibt und leute die gendern, alleinschon der kongnitiven dissonanz wegen das, dies nicht beim Reden erlauben und bein schreiben verbieten werden, bleibe ich bei meiner ablehnung.
Da das lesen und schreiben wie schon geschrieben sie für legasthniker wie ein eviger Berganstieg anfühlt ist auch das lesen von „Sängerinnen und Sänger“ anstrengend. Es macht texte länger und damit sinkt die lust sollche texte überhaupt zu lesen.

PS: ich habe bei diesem Text mal nicht die Rechtschreibkorrektur drüber laufen lassen damit man mal sehen kann, wie ein 45 Jähiger legasteniker - der sich wirklich bemüht - so schreibt. (sollten Laut progrann ca. 40 Fehler sein)

Warum darauf verzichten wenn es j́emandem wichtig ist zu gendern? Das übt Toleranz, auch bei Gesprächspartnern.

Ich glaube, diesen Gedanken haben viele Menschen, die sich des Genderns bedienen. Aber er kommt mit dem Beigeschmack des Erziehungsanspruchs. Und bei der Erziehung – im herkömmlichen Sinne – gibt es immer einen Ziehenden und einen Gezogenen, einen Erzieher und einen Zögling und damit letztlich ein Oben und ein Unten. Will man den Menschen auf Augenhöhe begegnen, muss man sich, imho, zumindest in diesem Gespräch von seinem Erziehungsanspruch verabschieden. Ein Lehrer, der mit Erwachsenen an einer Volkshochschule an einem Thema arbeitet, hat – anders als Lehrende an Schulen für Kinder – nur einen Bildungsanspruch, keinen Erziehungsanspruch (mehr). Dort findet Wissensvermittlung dann auf Augenhöhe statt. Solange man sich davon aufgrund seiner Einstellung – letztlich egal, zu welchem Thema – nicht verabschiedet, befürchte ich, bleibt das Gespräch fruchtlos, aber in jedem Fall weniger nachhallend. Ansonsten würde ich Alex0815s Vorschlag als eine sinnvolle Alternative betrachten, da das Aussprechen beider Varianten historisch erhärtet ist und – wenn auch etwas sperrig – eben nicht wieder der Konvention entspricht (und traditionelle Konventionen scheinen ja bei AfD-Sympathisanten einen gesteigerten Stellenwert zu haben).

Also, wenn man sein Bedürfnis zu gendern auch für so ein kurzes Gespräch wirklich gar nicht aufgeben/pausieren kann/will, dann erscheint mir dein Vorschlag, die traditionelle Form des Aussprechens beider Bezeichnungen, in der Tat als eine gangbare Möglichkeit. Jedenfalls dürfte das den Leuten weniger auffallen und damit weniger Barrieren aufbauen als das „:innen“.

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Das schlägt fehl, die meisten werden das gar nicht registrieren.
Wie Du ja schon angemerkt hast, gibt es verschiedene Arten des Genderns. Sarah Bosetti nennt es bei sich „inkonsequentes Gendern“, indem sie alle Arten durcheinanderwürfelt. Gendern wird damit in allen seinen Varianten Teil der Sprache und genauso irrelevant wie „Buletten“ oder „Fleischpflanzerl“ zu sagen.
Damit wird auch klar, was es für manche, gerade für junge Menschen, bedeuten würde.
Sie werden gezwungen, sich von ihrer angelernten Art zu sprechen zu verabschieden, jeden Satz und jedes Wort abzuwägen und damit geistig in der Diskussion mit Nebentätigkeiten zu beschäftigen.
Und das wegen Leuten, die den anderen Teilen der Gesellschaft vermeintliche Sprachdiktatur und Denkverbote vorwerfen.

ist mir nicht aufgefallen…

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Danke für Dein Feedback. Da ist viel wahres drin.

Und ich bin da vielleicht auch zu sehr von mir ausgegangen. Mir ist es gleich, ob jemand gendert und auch der Grund warum. Heute in Deutschland ist es meist aus Gründen der Geschlechtergerechtigkeit. Ich selber praktiziere es nicht und verstehe trotzdem, dass es anderen wichtig sein kann. Und ich sehe auch einen Sinn darin, wenn es noch so viele in unserem Land zu geben scheint, die an die Gleichstellung der Frau erinnert werden müssen.

Das von Dir zitierte hatte ja, wie gesagt, übersehen, dass es um eine spezifische Situation mit AfD Sympathisanten geht. Zwar ist die AfD die Partei, die das Wort „Gendern“ so häufig benutzt wie keine andere und Vertreter der Partei ebenso viel oder wenig gendern wie Vertreter von FDP und CDU/CSU (da gab es mal eine Analyse in 2021), so gehe ich auch davon aus, dass gendern im hier relevanten Szenario wenig förderlich wäre. Gerade wenn sich die grundsätzliche Bereitschaft etablierte, mit Demokratieskeptikern friedlich in Begegnung und den Austausch zu gehen, sollten alle beteiligten den kleinsten gemeinsamen Nenner ansetzen. Von da aus geht es oft gut weiter.

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Vielen Dank, Daniel, für deine ausführliche Antwort.
Ich kann es jetzt besser nachvollziehen, welche Mühe es macht, lange und komplizierte Texte zu lesen.

Ich engagiere mich ehrenamtlich für Barrierefreiheit.
In erster Linie betrifft dies die blinden und sehbehinderten Menschen.
Daher auch die Frage:
Ist es für Menschen mit Legasthenie vielleicht auch eine Lösung, sich digitale Texte durch eine App vorlesen zu lassen?
Dies nur als Anregung, falls das nicht eh schon Usus ist.
Ich will nicht vom Kernthema ablenken.

Was das Gendern betrifft, haben wir damit ein Prioritäten-Problem:
Entweder man formuliert gendergerecht oder man nimmt Rücksicht auf Menschen mit Legasthenie.

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Das sehe ich sehr anders.

Erstens wäre das in dem geschilderten Fall symmetrisch:
A „erzieht“ durch Gendern, B „erzieht“ durch das Weglassen von Gendern.

Zweitens setzt Lernen in meinem Weltbild kein „oben“ vs. „unten“ voraus.
Ich lerne sehr viel von Menschen, die halb so alt sind wie ich, keinen akademischen Abschluss haben usw. usf.
Wir alle haben Kompetenzen in bestimmten Bereichen und in anderen eben nicht oder weniger.

Und Arroganz gibt es erfahrungsgemäß in allen möglichen Gruppen und Kontexten:
bei Menschen, die gendern, ebenso wie bei Menschen, die nicht gendern.

Letztlich würde ich die Entscheidung, in einem Gespräch mit Demokratieskeptikern wie sonst zu gendern oder auch nicht, jedem einzelnen überlassen.
Aus der Situation heraus kann man ja oft gut herausspüren, wie man am sinnvollsten formuliert.

Am Ende bleibt eigentlich wie in der LdN formuliert die Strategie:
Gemeinsamkeiten suchen.
Und irgendwann kommt man zum springenden Punkt, den Differenzen, und dann kann man zum anderen sagen:
„Verstehe ich, aber die Schlüsse, die du daraus ziehst, teile ich nicht.“

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Ja, die Vorlese-App ist mein bester Freund. Übrigens ist es auch beeindruckend, dass ein gutes Barrierefreiheitstool nur für Geld zu haben ist. Die hauseigenen Vorleser von Apple, Android und Windows sind eine Katastrophe. Die Integration der Bezahl-Apps hingegen – so gut sie auch sein mögen – kämpft bei jeder Betriebssystemiteration aufs Neue um ihre Funktionalität. Ein Trauerspiel.

Davon abgesehen präsentieren digitale Publisher Webtexte oft paywallbedingt als nicht kopierbaren Text. Und was ich nicht kopieren kann, kann ich mir auch nicht vorlesen lassen. Alles ein Trauerspiel. Davon abgesehen möchte ich auch weiterhin gern auf Papier lesen, und da geht das Vorlesenlassen ohnehin nicht.

Es gibt meiner Meinung nach auch noch andere gute Argumente gegen das Gendern, welche die intendierten Vorteile meines Erachtens nach trumpfen, aber das ist dann wahrscheinlich besser in einem anderen Diskussionskontext aufgehoben.

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Das klingt wirklich alles erbärmlich, was du über die Vorlese-Funktionen schreibst.
Es ist wirklich unfair.

Ja, Weiteres zum Gendern lieber nicht hier.
Es gab schon diverse Diskussionen; zuletzt hier:

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