"Die einzige Demokratie im Nahen Osten" Rojava: Ein Experiment in basisdemokratischer Selbstverwaltung

Im Norden Syriens hat sich seit 2012 unter dem Namen Rojava ein politisches Projekt entwickelt, das in der modernen Geschichte kaum Vergleichbares kennt.

Die Region, offiziell als Autonome Administration Nord- und Ostsyriens (AANES) bekannt, umfasst drei Kantone entlang der türkischen Grenze und wird mehrheitlich von Kurden, Arabern, Assyrern und anderen Minderheiten bewohnt. Politisch stützt sie sich auf die Ideologie des Demokratischen Konföderalismus, die der inhaftierte PKK-Gründer Abdullah Öcalan in Anlehnung an den amerikanischen Anarchisten Murray Bookchin entwickelte. Kern dieses Modells ist die Ablehnung des Nationalstaats zugunsten einer dezentralisierten, auf Kommunen basierenden Selbstverwaltung, in der Entscheidungen von unten nach oben getroffen werden sollen.

Das institutionelle Herzstück Rojavas sind die sogenannten Kommunen, lokale Basisversammlungen, die in Fragen der Versorgung, Justiz und öffentlichen Ordnung direkte Entscheidungsgewalt besitzen. Ein besonders markantes Merkmal ist das Prinzip der doppelten Führung: Jede politische Position wird gleichzeitig von einer Frau und einem Mann besetzt, ergänzt durch autonome Frauenräte mit Vetorecht in frauenspezifischen Angelegenheiten. Dieses Prinzip zieht sich von der Gemeindeebene bis in die obersten Verwaltungsstrukturen.

Trotz anhaltender Bedrohung durch die Türkei, den syrischen Staat und islamistische Milizen sowie trotz wirtschaftlicher Isolation hat das Projekt überlebt und gilt linken Theoretikern weltweit als ein lebendiger Versuch, libertären Sozialismus unter realen Bedingungen zu verwirklichen.

Ich würde mich über einen nach eurem Ermessen detaillierten Beitrag dazu sehr freuen. Es wäre zugleich eine gute Gelegenheit, den Mythos zu dekonstruieren, Israel sei die einzige Demokratie im Nahen Osten.

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Für wen dieses Thema interessant ist und vielleicht auch als unterstützendes Argument für die Aufnahme ins Pad einer Folge:

Vor ein paar Tagen erschien dieser tolle artikel in ArtReview: The Distance Between Art and Survival in Rojava - ArtReview Kurdische Künstlerin und Journalistin Zehra Doğan berichtet aus Rojava, wo sie ehemalige Künstlerfreunde wiedertrifft, die heute an der Front kämpfen – und beschreibt, wie Krieg und kulturelle Vernichtung Kunst nicht zum Verschwinden bringen, sondern in Widerstand verwandeln. Der Text verwebt persönliche Erinnerung, politische Analyse und Frontberichte zu einer eindringlichen Reflexion über die Frage, was ein Volk verteidigt, bevor es ausgelöscht wird: zuerst seine Existenz, dann seine Freiheit - und wenn möglich, sein Recht zu träumen.

Während Al-Sharaa also bei uns in Deutschland mit dem roten Teppich empfangen wird belagern seine Jihadisten diese Region in dem Unterfangen sie etnisch zu säubern.