Darauf können wir uns denke ich ganz klar einigen. Es wäre sinnvoll gewesen, wenn gegen die Hamas-Führerschaft (gerade auch den Teil, der sich im Ausland versteckt) schon viel früher Haftbefehle beantragt und bewilligt worden wären.
Ja, die Hamas trägt eine massive Mitschuld für die hohe Zahl an toten Zivilisten im Rahmen der israelischen Militäroperation - das bestreitet wohl niemand. Aber das ist wieder keine „Entweder-Oder“-Situation. Daher: Nur weil es auch ein Verbrechen der Hamas ist, bedeutet das eben gerade nicht, dass es nicht auch ein Verbrechen Israels sein könnte.
Die Hamas nutzt es als Taktik, sich hinter Zivilisten zu verstecken - das Ziel ist letztlich die Herstellung einer Waffengleichheit. Israel soll nicht mit seinem „schweren Gerät“ agieren können, sondern mit Bodentruppen - was die Verluste Israels deutlich erhöhen würde. Die völkerrechtliche Frage ist nun, inwiefern das Einfluss auf die Frage der militärischen Verhältnismäßigkeit hat. Die eine Seite sagt: „Israel darf trotz hoher zu erwartender ziviler Verluste die Ziele angreifen“, die andere Seite sagt „Ein unverhältnismäßiger Angriff, daher ein Angriff der unverhältnismäßig viele Zivilisten gemessen am militärischen Zweck tötet, kann grundsätzlich nie verhältnismäßig sein“ und fordert daher, dass Israel andere Wege finden muss, das Problem zu lösen.
Beide Seiten haben gute Argumente und es kommt wirklich immer auf den Einzelfall an, welche Seite nun „im Recht“ ist. Grundsätzlich gestehe ich Israel, auch hier im Forum schon, durchaus zu, mehr zivile Opfer in Kauf zu nehmen, als es sonst üblich wäre, weil ein effizientes Vorgehen gegen die Hamas möglich sein muss (und eine erhebliche höhere Opferzahl auf Seiten Israels, z.B. durch Bodenoffensive ohne vorherige Zerbombung der Stellungen, nicht zumutbar ist).
Kurzum: In diesem Punkt mache Ich Israel eigentlich kaum Vorwürfe. Sehr pro-palästinensische Personen hingegen natürlich schon - aber dieser Kritik schließe ich mich ausdrücklich nicht an.
Meine Kritik basiert in erster Linie darauf, dass zu Beginn des Kriegseinsatzes gezielt Wasser und Elektrizität für den Gaza-Streifen abgestellt wurde (was, wenn es länger angehalten hätte, definitiv ein Kriegsverbrechen wäre) und dass Israel nun die Hilfelieferungen zu stark blockiert. Ich teile daher eher die Kritik von Human Rights Watch, UNICEF und co.