Demo-Aufruf: Fehlende Finanzierung der Psychotherapie-Weiterbildung

Fehlende Finanzierung der Psychotherapie-Weiterbildung

Sehr geehrte Damen und Herren,

die Ausbildung künftiger Psychotherapeut:innen steht auf der Kippe, da die Finanzierung der Therapie-Weiterbildung nicht geklärt ist. Patient:innen stehen vor einem Versorgungsnotstand. Studierende blicken auf eine unsichere berufliche Zukunft. Hier muss die Politik endlich handeln!

Das Problem: Es fehlt eine gesicherte Finanzierung der Weiterbildung.

  • Eine fünfjährige Psychotherapie-Weiterbildung im Anschluss an das Masterstudium wurde 2019 beschlossen. Diese ist verpflichtend, um als Fachpsychotherapeut:in arbeiten zu können und Leistungen mit den Krankenkassen abzurechnen.

  • Die Weiterbildung wird nicht ausreichend finanziert: Praxen und Ambulanzen können Weiterbildungskosten nicht refinanzieren. Kliniken haben zu wenige Planstellen, um ausreichend Weiterbildungsplätze anzubieten.

  • Schon jetzt warten Absolvent:innen auf Stellen – ab 2026 mindestens 2.500 pro Jahr.

Gemeinsam mit unseren Fachschaften kämpfen wir für die Sicherung der psychotherapeutischen Ausbildung und - damit einhergehend - der psychotherapeutischen Versorgung. Am 24.10.2025 demonstrieren wir um 15 Uhr, beginnend am Bochumer Hauptbahnhof und der Kölner Fakultät für Humanwissenschaften.

Unsere Forderungen:

  • Finanzielle Sicherung der Weiterbildung

  • Kostendeckende Vergütung für Ausbildungsstandorte, inklusive Theorie, Supervision und Selbsterfahrung.

  • Schaffung flächendeckender Weiterbildungsstellen

Wir laden Sie herzlich ein, über die Demonstrationen zu berichten. Im Anhang finden Sie eine weiteres Infomaterial. Für Rückfragen oder Interviews stehen wir Ihnen gerne zur Verfügung.

Mit freundlichen Grüßen

Stella Rohlmann, Psychologiestudentin, Universität Münster
Jost Brosthaus, Psychologiestudent, Ruhr-Universität Bochum
Wolfgang Wagner, Psychologiestudent, Universität zu Köln
Lara Dreckmann, Psychologiestudentin, Universität zu Köln

Wichtige Links:

Homepage der PsyFako, die das Problem mit der Psychotherapie-Weiterbildung erklären:

Flyer zur einfachen Erklärung der Situation: https://ptw-forum.de/wp-content/uploads/2025/04/PtW_Wie-ihr-eure-Liebsten-den-Weiterbildung-erklaert_v5.pdf

Instagramkanäle: psy_muenster, fsr_psycho_rub, fsr_psychkoeln, fs_psychologie_bonn, psychofachschaft_uwh

E-Mail: nrw.demo.psychotherapie@gmail.com

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Danke an euch (werdende und bereits ausgebildete) Psychotherapeut:innen,

ich hoffe einfach, dass mehr und mehr gesehen wird, wie dringend ihr benötigt werdet in der Gesellschaft.

Als Schulpsychologin und als selbst Neurodivergente, die viel mit anderen Neurodivergenten zu tun hat, ebenso wie mit (unverschuldet) stark vorbelasteten Menschen (auch unabhängig von Neurodiversität), krieg ich das seit Jahren mit, wie lang die Wartezeiten auf so dringend benötigte Therapieplätze sind. Und diese Psychotherapien sind so (lebens-)wichtig für so viele Menschen, weil die ja irgendwie mit den von der statistischen Norm(!) geprägten gesellschaftlichen Anforderungen klarkommen müssen. Denn in vielen Fällen ist ja unsere Gesellschaft ursächlich für deren Leidensdruck. Und nicht etwa, weil der Therapiesuchende vermeintlich “selbst schuld” an seinem Leiden ist, alles mögliche nur “falsch” macht, sich bloß mal “mehr anstrengen”, positiver denken und sich nicht “so anstellen soll”. Aber da von Gesellschaft und Regierung viel zu wenig das wahre Ausmaß gesehen wird und wir stattdessen uns selbst überlassen werden, schaffen wir es oftmals nur mit Psychotherapie. Denn die “Normalos” würden ja nicht auf die Idee kommen, sich ihrerseits selbst alle “therapieren” zu lassen (im Sinne von: sich selbst auch mal mehr anzutrainieren, sich UNSEREN Bedürfnissen und Anforderungen stärker anzupassen (also den Anforderungen von uns Neurodivergenten und Vorbelasteten). Stattdessen sind wir es, die uns immerzu anpassen müssen an die Norm. Deshalb: ich selbst sprech jetzt v.a. für viele Neurodivergente: Wir brauchen mehr Psychotherapeut:innen!

Es müsste doch eigentlich jeder mitbekommen haben, wie viele Leute heutzutage psychisch erkranken. Aber wie von Seiten der Regierung und Gesellschaft (von den Glückspilzen der Gesellschaft) damit umgegangen wird, ist so krass unverhältnismäßig.

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Die Absurdität dieser Situation muss man sich mal auf der Zunge zergehen lassen. Die Wartezeiten für Psychotherapie sind bereits jetzt unmenschlich lang. Gleichzeitig gibt es eine riesige Gruppe qualifizierter junger Menschen die gerne Psychotherapie anbieten würden. Einzig die Politik steht dazwischen und weigert sich vehement, dieses Angebots- und Nachfrageseiten zu verbinden. Durch die unbeholfene Reform von Herr Spahn sowie die künstliche Verknappung der Kassensitze wird das Volk aktiv geschädigt und das Gesundheitssystem ad absurdum geführt. Wenn Sie Psychotherapie bräuchten aber keine erhalten kann Ihr körperlicher Gesundheitszustand noch so gut sein, Sie werden trotzdem eine miserable Lebensqualität haben. Wie kann das bei der Politik noch nicht angekommen sein?

Für Psychologiestudenten ist dieser Stillstand zudem ein Schlag ins Gesicht. Man hängt sich jahrelang rein für ein Einser Abi, muss jede einzelne Klausur im Bachelor mit 1,0-1,3 bestehen um überhaupt in den Master zu kommen (40-60 Plätze, auf die sich all deine Kommilitonen sowie ganz Deutschland bewerben kann), auch hier muss man zu den besten der besten gehören um auch nur von einem Ausbildungsplatz träumen zu dürfen. Wenn man diesen dann wider Erwarten erhält kann man sich auf eine 50h Woche bei 1300€ Netto einstellen. Und das nach fünf Jahren Studium. All das, um vielleicht irgendwann mit 30 das Privileg zu erhalten einen Kassensitz für viele 10 Tausend Euro zu erwerben und dann endlich mal schwarze Zahlen zu schreiben, während man den entsprechenden Kredit abstottert. Ah, natürlich 4,5% WENIGER als bisher, versteht sich. Ohne reiche Eltern hat man keine Chance in diesem Land als Psychotherapeut arbeiten zu können.

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Es ist nicht der Staat, sondern es sind die kassenärztlichen Vereinigungen.
Diese haben u.a. die Aufgabe, dafür zu sorgen, dass die Krankenkassenbeiträge gering bleiben, indem sie entscheiden, wie viel Arztleistungen welcher Art wo angeboten werden, dh. z.B. wie viele Psychotherapeuten auf X Einwohner kommen.

Das Problem ist daher nicht „der Staat“, sondern ein System der Selbstverwaltung der Ärzte und Krankenkassen, welches den legitimen Zweck hat, die zur Verfügung stehenden Mittel der Versicherten sinnvoll zu verteilen. Dabei gibt es zahlreiche Interessenkonflikte - viele Versicherte wollen einfach nicht, dass die Krankenkassenbeiträge dafür steigen, mehr Psychotherapie anzubieten oder die Therapeuten besser zu bezahlen. Finde ich auch doof, aber das muss man bei der Debatte schon verstehen.

Letztlich geht es um die Frage, ob die Mehrheit der Versicherten willens ist, mehr für Psychotherapie zu zahlen. Und da spielt das Problem mit hinein, dass psychische Leiden weiterhin als „Leiden zweiter Klasse“ angesehen werden.

Daher ist es problematisch, von „Angebot und Nachfrage zusammen bringen“ zu sprechen. Diese Termini sind grundsätzlich schwierig, wenn es um Abwägungsfragen und Kollektivfinanzierungen geht, da in diesem Kontext eben kein Preis zur Regulierung von Angebot und Nachfrage geändert werden kann. Und das Konzept von Angebot und Nachfrage macht ohne den Aspekt der Preissetzung keinen Sinn.

In diesem Sinne: Ja, es ist natürlich eine „politische“ (im Sinne von „gesellschaftliche“) Frage, wie viel die Versichertengemeinschaft für Psychotherapeuten zahlen soll. Aber es ist nicht „die Politik“, die das festlegt, sondern ein (nicht der Politik im Sinne von Regierung gegenüber weisungsgebundenes) Gremium, welches im Prinzip ein Gremium der Selbstverwaltung ist.