Das Problem mit den Politikern?

In der aktuellen Folge seid ihr etwas auf die Frage eingegangen, warum Politiker sich momentan so schwer tun, Politik zu machen, die weite Teile der Bevölkerung anspricht. Das ist eine extrem wichtige Frage, denn das “Versagen der Mitte” ist eines unserer Hauptprobleme im Moment.

Eure Analyse fand ich, für die Lage eher untypisch, recht dünn. Die Politiker verstehen nicht, was die Leute wollen und die Lösung ist, mehr Geringverdienern zu helfen und mehr Klimaschutz?

Ist das nicht ein Paradebeispiel von “alle wären viel glücklicher wenn die Politiker das machen, was ich sowieso will”? Das ist fast immer Wunschdenken. Selbst wenn man ein paar Meinungsumfragen dazu hat, hängen die Ergebnisse meist stark vom exakten Wortlaut ab und bilden nicht ab, dass es tradeoffs gibt.

Um nicht nur zu meckern, hier mal eine Alternatividee warum Politik gerade so schwächelt:

Politiker kommen nicht voran, weil sie so viel Energie auf ihre Kommunikation verwenden müssen, um nicht in den Medien zerrissen zu werden.

Merz’ Aussage zur Rente ist hier ein tolles Beispiel: Ihr gebt sogar zu, dass er in der Sache recht hat, aber basht ihn trotzdem dafür. Mir ist das gelinde gesagt scheiß egal was Merz, Reiche und sonstewer so sagen (Außenpolitik mal ausgenommen). Ich will, dass sie 100% ihrer Zeit damit verbringen, ein Reformpacket zu schnüren und Deutschland strategisch auszurichten. Das geht aber nicht, wenn sie ständig Reden/ Interviews/ Kommunikationen planen müssen, bei denen jeder Halbsatz als Clip bei TikTok landet und von Journalisten zerrissen wird.

Dieses ständige Aufregen schadet der Demokratie, und Journalismus ist am besten wenn er sich auf Sachfragen und Gesetzesentwürfe fokussiert. Das ist ja auch, weswegen ich Lagehörer geworden bin.

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Ich kann die Alternatividee ein stückweit nachvollziehen, hier aber mal eine Gedanken dazu:
Deine Aussage impliziert, dass Politiker 100% Ihrer Arbeitszeit in Sacharbeit und nicht in Kommunikation geben. Kommunikation ist aber ein Teil der Sacharbeit: Mehrheiten organisieren, Koalitionspartner einbinden, die Bevölkerung mitnehmen.
Die Regierung bzw. Politiker sollen, nein müssen sogar erklären und kommunizieren, denn ansonsten scheitern Reformpakete.
Am konkreten Beispiel der Rentenaussage von März: Das Problem hier ist weniger die Reaktion der Medien, als vielmehr die zumindest aus meiner Sicht völlig ohne Not und ohne weitere Erklärung getätigte Aussage.
Kommunikation ist wichtig. Natürlich sehe ich die Gefahr auch, dass Themen in Medien bzw. Social-Media zerrissen werden.
Aber als Hauptgrund für das schlechte Vorankommen der Politik sehe ich eher die Heterogenität der Koalitionen, den blockierenden Föderalismus und die mächtigen Interessengruppen.
Zusätzlich reagieren zumindest die Menschen, mit denen ich mich unterhalte, negativ, wenn die das Gefühl haben, dass eine Reform nur einseitig ist. Und das sind leider einige der momentan geplanten Reformen.

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Ich finde die Analyse sehr interessant, gerade auch weil ich die Parteien generell als eher schwach in der Kommunikation erlebe - ich bekomme nur während des Wahlkampfes mit dass Parteien Podcasts bespielen, Streams haben, intensive Formate wie Wahlkampfstände anbieten usw.
Dabei würde ich @Tikka zustimmen, dass Kommunikation wichtig ist und Teil der Aufgaben, aber ich glaube es ist möglich da eine geschicktere Arbeitsteilung zu erreichen, gerade wenn jeder MdB eine eigene Social Media Beauftragten hat und damit haufenweise mittelmäßiger Kommunikationskanäle bespielt werden würde ich mir gerade von den Fraktionen und Parteien wünschen, dass da mit mehr Fokus einzelne erfolgreiche Formate etabliert werden und damit vielleicht auch die Personen an der Spitze der Parteien (und Ministerien) entlastet werden, weil mehr Kommunikation von anderen übernommen wird

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Wenn Politiker jede Äußerung für jede mögliche Öffentlichkeit kallibrieren, dann wirkt das sehr unathentisch (was dann immer angeprangert wird), und kostet natürlich Zeit und mentale Bandbreite. Und danach muss man sich rechtfertigen bzw. die Gegenseite anprangern, und wieder ist ein Nachrichtenzyklus rum und nichts ist passiert.

Die einzigen die profitieren sind Populisten wie Trump, die diese Aufregung über verbale Entgleisungen nutzen, um Aufmerksamkeit zu generieren.

Ich kann sehr gut mit einem Kanzler oder einer Kanzlerin leben, die mal dumme Sachen sagt aber in der Sache gut liefert. In der Praxis heißt das, einfach mal durchatmen, nicht klicken, nicht berichten, sondern darauf fokussieren was substantiell passiert.

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Hätten wir so einen Kanzler, würde ich dir beipflichten. Wir haben aber jemanden, der ständige “Ausrutscher“ produziert und ansonsten mit viel Geld praktisch nichts wesentliches geregelt bekommt. Erste 100 Tage? Jahreszeiten der Reformen… von “CDU pur” oder “Politik-/Wirtschaftswende” ganz zu schweigen.

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Es geht nicht darum Merz in Schutz zu nehmen, die Frage ist wie man ein Umfeld schafft in dem Politiker effizient Arbeiten können.

Und da sehe ich keinen Mehrwert in ständigen “Gotcha” Berichten und Tonkritik.

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Oder man wählt halt Leute, die in einem subotimalen Umfeld trotzdem Leistung bringen können. Statt nur sich etwas zu leisten. Soll es ja in der deutschen Politik durchaus auch geben. Sogar in einer verfallenden Partei, wie der Union soll es noch solche Leute geben :wink: Aber zielstrebig und ohne/trotz Zirkus ordentliche Arbeit zu machen, ist an den Wahlurnen leider kein Verkaufsschlager. Ein zu großer Teil der Wähler will halt so pseudo-Machos wie Söder oder Merz so Typen, die aus “hat sich nicht im Griff” ein “endlich sagts mal jemand” machen können. Bei denen aus “Ahnungslosigkeit und fehlendem Interesse” “hemdsärmliges Machertum” wird. Bei denen ein gestörtes Verhältnis zu Recht und Realität kein Mangel an Integrität sein soll, sondern Bodenständigkeit und Volksnähe (letzteres trifft wohl leider mehr zu, als man hoffen würde). Und wenn die dann mit ihrer Bullshit-Politik so ungebremst auf dem Boden der Wirklichkeit aufschlagen, wie man das erwarten konnte, kommt der Katzenjammer.

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Es soll Politiker geben, die praktisch nie solche Probleme haben, vor Mikrofonen die richtigen Worte zu finden und gleichzeitig solide Arbeit abliefern. Vielleicht besteht da doch ein engerer Zusammenhang.

Das Problem bei Merz und Co ist halt, dass sie zu einem taktisch ungünstigen Zeitpunkt so eine Aussage treffen, weil sie sich grade danach fühlen oder nicht so den Blick für die Wirkung von Kommunikation haben, weil sie nicht überblicken, wie sehr sie sich manchmal auch selbst einmauern, mit bestimmten Aussagen. Und aus ähnlichen Gründen auch inhaltlich nichts auf die Reihe kriegen, weil sie in einer politischen Karriere, die im letzten Jahrhundert begann, erfolgreich vermieden haben, sich persönlich oder politisch-handwerklich weiterzuentwickeln. Merz scheitert heute am gleichen Problem, wie schon in seiner ganzen Laufbahn: Sich selbst. Dafür können die Medien und ihre Konsumenten nur insofern was, als die einen nicht nachdrücklich genug darauf hingewiesen haben, wie unfähig der Mann für sein angestrebtes Amt ist und die anderen hat es halt nicht genug interessiert.

Bei dem, was Merz als Problemlösungen seit 30 Jahren zuverlässig anbietet (Ausländer raus, Steuern runter, Armut vergrößern und härter bestrafen) müssen wir alle froh sein, wenn er seine Zeit mit ergebnisarmen Auslandsterminen verbummelt, statt sich 100% seiner Zeit, womöglich noch im Konzert mit Totengräberin Reiche über die Zukunft Deutschlands herzumachen. Klar: Hätten wir jemanden in den Schlüsselpositionen, der sich eine Zukunft abseits der 1990er Jahre vorstellen könnte, wäre das was anderes.

Um es mal konkret zu machen: Merz Aussage mag zutreffend sein. War es klug, diese zutreffende Aussage hier, so zu treffen? Ohne aus der Problembeschreibung gleichzeitig eine sinnvolle politische Reaktion zu entwickeln? Damit eben die Menschen (und der Koalitionspartner) nicht den Eindruck gewinnen können, dass Merz hier eigentlich gemeinsam mit Bankern ganz ok findet, dass es so ist und für eine große Gruppe der Menschen, die kaum nennenswert fürs Alter vorsorgen können, auch gern so bleiben darf? Solange die Marge stimmt.

Klug wäre es doch eher, vor allem zu schweigen (dann muss man nicht viel Energie auf Kommunikation verschwenden), es sei denn, man weiß wenigstens selbst vorher, was man warum genau jetzt sagen will. Und zwar am besten dann, wenn Lösungen wirklich fertig erarbeitet sind, sodass man die vorstellen und dann auch tatsächlich liefern kann, was man angekündigt hatte. Wann ist Merz das zuletzt gelungen?

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Ich halte Kommunikation für einen zentralen Bestandteil politischer Arbeit. Politische Entscheidungen müssen erklärt, eingeordnet und nachvollziehbar gemacht werden, im Speziellen sobald diese Menschen belasten oder verunsichern. Genau hier liegt derzeit ein großes Problem. Politik wirkt häufig widersprüchlich, schlecht abgestimmt, schlicht dumm und ohne Weitblick. Viele Menschen verstehen nicht mehr, warum bestimmte Entscheidungen getroffen werden, und fühlen sich nicht ernst genommen. Das untergräbt Vertrauen.

Welcher ergänzende Gedanke mir beim Lesen kam: Wir leben in einer stark fragmentierten Gesellschaft mit einem hohen Grad an Individualismus. Viele Menschen bewegen sich heute fast ausschließlich in ihren eigenen Bubble, verstärkt durch soziale Netzwerke und eine fragmentierte Medienlandschaft. Gemeinsame Erfahrungen, gemeinsame Bezugspunkte und das große Miteinander und Füreinander schwinden zunehmend. Das macht Politik schwieriger.

Man kann den Punkt auch wieder mit der Kommunikation verknüpfen: Wenn viele Minderheiten mit oft stark zugespitzten Positionen große Aufmerksamkeit bekommen, laut, gut organisiert und medial präsent sind und große Teile der Bevölkerung im leiser und desinteressierter werden, gerät die Politik unter Druck zu reagieren, statt sich konsequent ans große Ganze und der breiten, oft diffusen Mehrheit zu orientieren.

Untermauern kann man dies mit dem Verlust klassischer verbindender Strukturen. Vereine, Ehrenamt, der Stammtisch und andere Orte des breiten gesellschaftlichen Austauschs verlieren an Bedeutung. (Bsp.: Nirgends habe ich mehr fürs gesellschaftliche Miteinander gelernt als in meiner Zeit in der Feuerwehr mit Menschen aus allen Schichten und Bildungsniveaus) Es fehlen Räume, in denen unterschiedliche Perspektiven direkt aufeinandertreffen und Ausgleich finden.

Gerade deshalb braucht es klare, ehrliche und verbindende Kommunikation, die erklärt, und auch Widersprüche aushält. Auch die Förderung dieser eher klassischen Strukturen könnte uns helfen.

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Ich gebe dir Komplett recht mit deiner Analyse dazu, welche strukturellen Gründe dazu führen, dass es für die Politik immer schwieriger wird breite Zustimmung zu finden. Diese Probleme können aber bestenfalls mittelfristig gelöst werden.

Die Frage ist dann, wie du darauf reagierst: Forderst du immer utopischere Skillsets von deinen Politikern, oder versuchst du die Debatte so zu lenken, dass Handlungen die eine materiellen Unterschied machen, also Gesetze, stärker belohnt werden?

Zur Erinnerung, um Spitzenpolitiker in Deutschland zu sein musst du (ungefähr in dieser Reihenfolge):

  1. Dich innerhalb der Partei hocharbeiten (Fähigkeit für sich)
  2. Ständig beachten, mit deinen Äußerungen nicht irgendeinem Interessenverband deiner Partei auf die Füße zu treten
  3. Kompromisse mit deinem Koalitionspartner aushandeln, oft daher Sachen machen über die du vorher geschimpft hast
  4. Bloß nichts vorschlagen was in irgendeiner Weise “Verhetzungspotential” hat wie es so schön heißt (Heitzungegesetz jemand?)
  5. Im Detail durchdachte, faire und politisch machbare Gesetze durchbringen
  6. Ach ja, nebenbei musst du noch Außenpolitik machen und persönliche Beziehungen mit irgendwelchen narzistischen Autokraten aufbauen (womit Merz dem hören nach 90% seiner Zwit verbringt, zurecht)

Die Bild-Zeitung sieht in allem, was ihnen in den Kram passt, Hetzpotential. Da kannst du garnicht inhaltlich dagegen halten. Du kannst nur versuchen, mit deiner Person dahinterzustehen und dich nicht von der Hetze unterkriegen zu lassen. (Die Version des Gebäudeenergiegesetzes, welche von der Bild geleaket und verhetzt wurde, war ja noch nichtmal ein fertiger Entwurf: Das heißt, in der Logik dürfte man noch nichtmal Entwürfe rumschicken, die sich verhetzen lassen).

Zum Thema Kommunikation hat es finde ich Bernd Ulrich in der Zeit letztens auf den Kopf getroffen. Es ist leider ein Plus-Artikel, deswegen hier nur ausschnittsweise:

Wenn Robert Habeck, Christian Lindner, Karl Lauterbach, Hubertus Heil, Annalena Baerbock, Claudia Roth oder Cem Özdemir im Fernsehen waren, dann haben die Leute gewiss nicht alle Beifall geklatscht, aber sie haben den Kopf gehoben und zugehört. Es hat sie bewegt, sie fühlten sich gemeint. Was die damalige Regierung gesagt hat, kam nicht immer gut an. Aber es kam wenigstens an.
Sprechen hingegen Ministerinnen oder Minister der amtierenden Koalition in der Öffentlichkeit, scheinen die Wörter kraftlos in sich zusammenzufallen, noch bevor sie die Ohren der Menschen überhaupt erreicht haben. Nach knapp einem Jahr im Amt muss man leider sagen: Diese Regierung hat mit dem zu regierenden Volk noch immer nicht gebondet, nicht mal ansatzweise.
[…]
Was viele Menschen fragen: Was wird aus meinem Job, wenn die KI demnächst so richtig durchstartet? Was soll ich überhaupt noch studieren, welcher Beruf hat Zukunft? Verlieren wir unsere Kinder an Social Media? Kann Deutschland ein Industriestandort bleiben? Ist es nicht irgendwie peinlich und besorgniserregend, dass wir uns gerade von der Klimapolitik verabschieden? Ist Europa bald allein auf der Welt? Ist die Demokratie gefährdet? Und was hat das alles mit mir zu tun?
Was die Regierung antwortet: Mehrwertsteuersatz. Beitragsbemessungsgrenze. Eingangssteuersatz. Solidaritätszuschlag. Ehegattensplitting. Kostenlose Mitversicherung. Renteneintrittsalter. Pflegestufe. Karenztage. Spitzensteuersatz. Transferentzugsrate. Erbschaftsteuer. Grüngasquote.
[…]
Im Grunde müsste die Regierung den Leuten sagen: Wenn alle, die können, sich richtig reinhängen, dann machen wir Deutschland gemeinsam schöner, gerechter, stärker, freundlicher, wehrhafter, effizienter und gesünder. Überhaupt kann fast alles besser werden – außer halt finanziell. Noch macht die Merz-Regierung das nicht. Aber vielleicht, wenn wir sie mal ganz doll drücken.

In dem Text finde ich mich wieder. Es geht ja nicht nur um „Gotchas“ und das Rauspicken einzelner Passagen. Es geht um das große Ganze. Eine Vision. Und die bekommen wir nicht. Stattdessen bekommen wir leere Ankündigungen, gebrochene Versprechen, Lügen. Und würde ich dann hier widersprechen:

Dieses ständige Aufregen schadet der Demokratie

Ich würde sagen, dass wir uns noch nicht genug aufregen. Es passieren einfach so viele Aufreger-Themen, dass man garnicht mehr weiß, wohin mit der ganzen Energie. Und die endlädt sich dann auch mal an einzelnen Aussagen.

und dann beschwert sich der Kanzler, dass er ja nur missverstanden wird und wir sollen mal nicht so getriggert sein.

SPIEGEL: Auf Ihre Wortwahl. Da haben Sie öfter mal danebengelegen, zum Beispiel als Sie über das Stadtbild geredet oder insinuiert haben, dass es in Brasilien nicht so schön sei wie in Deutschland. Wollen Sie künftig vorsichtiger formulieren?
Merz: Ich bin von meinem ganzen Naturell sehr offen. Ich spreche aus, was ich für richtig halte, und nehme in Kauf, dass darüber kontroverse Debatten geführt werden. Ich nehme allerdings auch wahr, dass diese Sprache auf eine hypernervöse Öffentlichkeit stößt, die sich auch triggern lässt. Trotzdem will ich mich nicht verbiegen.
SPIEGEL: Was heißt das? Sie wollen eigentlich doch nichts an sich ändern?
Merz: Ich werde noch mehr erklären und erläutern müssen, als ich das bisher getan habe. Erklären, erklären, erklären. Sie müssen in einer Demokratie die Menschen mitnehmen.

PS: Der Titel mit dem ertragen bezieht sich auf die schlimmen Kommentare, die über ihn im Internet geschrieben werden. Mit anderen Worten: er erfährt mal das, was Frauen im Internet jeden Tag erleben. Aber anstatt was zu tun wird wieder nur rumgemosert.

Sorry für den etwas unkonstruktiven Beitrag, aber ich bin der Meinung, Top-Politiker brauchen nicht von uns in Schutz genommen werden. Anders sieht es natürlich z.B. auf Kommunalebene aus.

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Das ist nicht bös gemeint, aber aus meiner Sicht zeigt dein Beitrag genau das Problem, das wir in der deutschen Politik haben.

Deutsche Politiker reden sich den Mund fusselig über diese Themen. Die geben ständig öffentliche Reden und Statements dazu.

Es hört sich aber niemand an. Kein Mensch schaut sich Politikerreden an. Ich Wette 10€, dass du dir noch nie ne ganze Rede von Merz angeschaut hast (hab ich auch nicht). Wenn überhaupt hört man mal eine O-Ton aus einem Clip oder Podcast, der dann aber von anderen für Aufmerksamkeitsgenerierung rausgesucht wurde.

Dann zu meckern, dass Politikern dazu nicht kommunizieren, und ihnen dann noch vorzuhalten, dass sie auch mal von Gesetzesänderungen sprechen, ist komplett absurd. Das ist genau wie man eine handlungsunfähige Mitte erzeugt.

Paradebeispiel:

Da sitzt unser Kanzler, die letzte Patrone der Demokratie, dem gerade die eigene Fraktion aufs Dach steigt, der nur wenige Wochen hat um endlich Reformen durchzubringen, und er wird nach seiner WORTWAHL gefragt? Haben wir nichts wichtigeres? Aus meiner Sicht ist das ein schlechter Scherz.

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Somit haben wir ein massives Medienversagen. Niemand hat in seinem Leben ausreichend Platz um sich zusätzlich ganze Reden vom Politikern anzuhören. Wir müssen auf Medien vertrauen. Und wenn diese nicht liefern oder widergeben, was in Reden wichtig war, haben wir anscheinend das heutige Problem.

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Die Wette gewinnst du. Ich kann dir aber auch sagen, warum: weil auf das Gelaber (bisher) keine Taten folgen. Wie häufig wurde jetzt schon die große Reform angekündigt? Und nichts passiert? Ich hab aber z.B. das gesamte Spiegel-Interview gelesen, aus dem ich hier auch nur auszugsweise zitieren kann, da es ein Plus-Artikel ist. Es gibt dort auch Aussagen, wo ich bei Merz mitgehe und ich mich verstanden fühle:

SPIEGEL: Ist diese Regierung die »letzte Patrone der Demokratie«, wie Markus Söder es gesagt hat?
Merz: Das ist nicht meine Wortwahl. Aber das hier ist eine der letzten großen Chancen der politischen Mitte.
SPIEGEL: Wenn dies der ultimative Test für die Leistungsfähigkeit der politischen Mitte ist, wo stehen Sie dann gerade?
Merz: Sie meinen auf einer Skala zwischen 0 und 100?
SPIEGEL: Gern.
Merz: Noch nicht bei 50.
SPIEGEL: Was fehlt?
Merz: Es fehlt der Nachweis, dass uns wirklich große Reformen gelingen können. Und es fehlt unsere eigene erkennbare Überzeugung, dass diese Reformen richtig sind. Wenn drei Koalitionspartner mit gequältem Gesicht um gemeinsame Positionen ringen und die Bevölkerung sieht, wie angestrengt wir sind, dann kann man nicht erwarten, dass dieselbe Bevölkerung von uns begeistert ist. Wir müssen schon von uns selbst überzeugt sein und diese Überzeugung auch nach außen tragen.

Da verdrehst du etwas. Es wird dazu kommuniziert, das behauptet der Zeit-Artikel auch nicht anders. Es kommt aber nicht an. Nehmen wir beispielsweise das Thema „Ist Europa bald allein auf der Welt?". Dazu gibt es natürlich Reden, es ist zeitweise sogar sehr zentral für die Regierung

https://de.euronews.com/2026/01/29/regierungserklarung-merz-trump-nato-deutschland

Da mangelt es auch nicht an Sprüchen, die irgendwie erstmal gut klingen

„Wir legen jetzt selbst angelegte Fesseln ab und setzen Impulse für eine neue Wachstumsdynamik frei.“
„Was wir an Regulierung nicht brauchen, muss weg.“

aber es fehlt meiner Meinung nach eben die Connection zur Lebensrealität. Wo kommt das an? Was heißt das jetzt? Und ich halte den Menschen nicht vor, dass sie von Gesetzesänderungen sprechen. Ich halte es Ihnen aber vor, wenn diese Gesetzesänderungen nur einseitig bestimmte Gruppen treffen. Wir hatten meine ich vor ca. 1 Jahr in der Lage auch mal einen Beitrag, wo es darum ging, dass die BuReg darauf achten muss, bei den zweifelsohne nötigen Zumutungen ALLE mitzunehmen. Das sehe ich noch nicht.. Und wenn die Leute schon nicht mit Taten glänzen, was bleibt mir da anderes übrig als sie an ihren Worten zu messen?

Mein Vertrauensvorschuss für die BuReg ist mittlerweile aufgebraucht. Aber wenn du mir eine konkrete Antwort auf einer die genannten Fragen aus dem Zeit-Artikel nennen kannst bin ich gerne bereit, darüber zu diskutieren.

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Mich würde es vor allem interessieren, warum Politiker so viel mehr Lügen als früher und warum es den Medien so schwer fällt darauf adäquat zu reagieren.

Ich verstehe nicht, warum sich Medienhäuser, welche so massiv Falschaussagen verbreiten wie Axel Springer am Markt halten.

Es bräuchte einen Konsens über den Sachstand zu einem Thema und darin sollten sich dann alle einig sein. Ob man den Sachstand dann angeht, ihn als Problem sieht, das sollte dann eine Partei ausmachen und sie so von anderen unterscheiden.

Übrigens schaut euch mal die ersten Auftritte von Robert Habeck an, nach seinem Rücktritt aus der Politik, da kommen viele Argumente wieder, die ihr hier bringt.

Es ist unfassbar wichtig, wie Politiker kommunizieren. Und Merz ist schlicht eine Fehlbesetzung, eine Karikatur eines Azubi-Kanzlers. Man merkt er hat noch nie echte Verantwortung getragen und keine Selbstreflexion.

Die Worte von Politikern und Co bewegen. 2008 haben sich die Märkte beruhigt, als Draghi, Merkel und Co quasi gesagt haben, wir stützen alles mit Geld was immer es kostet. Da ist noch nichts passiert, aber das Wort reicht.

Merz fehlt einfach fast alles für die Spitzenpolitik. Dass er seine Fehler nicht wirklich sieht ist einer seiner Fehler, nicht von 80 Mio Bürgern.

Und was hinderte ihn Reformen anzustoßen ?

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Die Wortwahl ist extrem wichtig, denn der Kanzler beleidigt seine eigene Bevölkerung am laufenden Band (Lifestyle-Teilzeit, Sozialtourismus, „irgendwelchen grünen und linken Spinnern“ bei der Demokratiedemo 2025, Stadtbild, die kleinen Paschas etc.) und ignoriert dabei komplett die Lebensumstände der Menschen in diesem Land. Es gibt in Deutschland nicht nur gut verdienende, weiße, bio-deutsche Akademiker mit einem Einkommen von 100.000 oder mehr im Monat, die dann auch eine Wohnung oder ein Haus besitzen und demenstsprechend für die Rente vorsorgen können. Ich habe keine Lust mehr ihm oder anderen Vertretern der CDU wie Linnemann oder Spahn zuzuhören und mich beleidigen zu lassen und schalte mittlerweile einfach ab oder um. Man braucht sich nur mal die aktuellen Umfragewerte für die Wahlen im Herbst anzuschauen, dann weiß man leider in welche Richtung das gehen wird. Ich glaube mittlwerweile, dass wir leider auf eine Situation a la Orban in Ungarn zusteuern werden und sich das nicht mehr drehen lässt. Merz hatte seine Chance als er gewählt wurde und hat sie grandios in den Sand gesetzt. Klingbeil und Co haben komplett die Werte der eigenen Partei verraten, was sie vermutlich nicht mal schlimm finden, denn sie haben ja ihre Karrieren und müssen sich finanziell auch keine Sorgen machen. Und dann wundert sich die Regierung, warum ihre Politik nicht bei den Menschen ankommt. Von den ganzen Skandalen um Masken-Spahn, Dobrindt etc. mal ganz abgesehen. Wir haben das im Forum schon öfter diskutiert und ich weiß viele mögen es nicht, dass hier der Begriff Korruption verwendet wird, weil das rechtlich falsch wäre. Mag sein, aber für mich machen sich die Herren die Taschen voll und bei mir kommt an, dass sie sehr wohl korrupt sind. Und Konsequenzen hat das alles keine. Mich lässt das nur noch sprachlos und wütend zurück.

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Ja danke für euer Feedback. Mir geht es nicht darum, Merz zu verteidigen, sondern Politikern der Mitte allgemein mehr Beinfreiheit zu geben.

Von den oben genannten Ausrutschern hättet ihr nie gehört, wenn die nicht ewig in der Presse skandalisiert würden, genau so wie ihr auch 95% der sinnvollen Sachen die Politiker sagen nicht hört. Da finde ich die Argumente dazu, was Merz in der Sache falsch macht, deutlich überzeugender.

Lustigerweise gab jetzt wirklich einen krassen Schnitzer in seiner Kommunikation mit echten folgen: Zu sagen, dass der Iran die USA erniedrigt war komplett unnötig und hat ernsthafte Folgen für die deutsche Sicherheit.

Das wird aber überhaupt nicht angeprangert? Dabei ist Diplomatie das eine Feld wo es wirklich einen Unterschied macht? :person_shrugging:

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Wenn man explizit sucht findet man Artikel dazu. Ob ein Thema zumindest online an die Oberfläche gespült wird bestimmen die Algorithmen. Artikel, die geklickt werden, kommen auf die Frontpage, animieren dort dann zur Übernahme der Themen in anderen Medien, die widerrum zu mehr Reichweite führen usw.

Ich sehe hier zwei interessante Diskussionspunkte: wie schaffen wir, als Medienkonsumenten mit begrenzter Zeit, einen „gesunden“ Überblick zu behalten, in der wir uns auch mal außerhalb unserer Bubble aufhalten? Die Lage ist da ein guter Anker. Meine Erfahrung ist aber auch eine der latenten Überforderung: ich habe Onlineabos einer regionalen und einer überregionalen Zeitung, sowie über die Bücherei Onlinezugriff auf alle großen Printmedien. Da komme ich auch als interessierter Mensch nicht überall mit und bin quasi auch auf Algorithmen angewiesen, die mir passende Artikel raussuchen, was wieder den Blick verengt. Und da sind wir noch nichtmal bei Originalquellen (die angesprochenen Reden).

Der zweite Punkte ist: wie sehr sollten sich die regierenden Politiker davon treiben lassen, und wann muss man auch mal den Mut haben die lauten Stimmen (die ja häufig nicht die Mehrheit vertreten) selbstbewusst zu ignorieren? Um sich die gedankliche Beinfreiheit zu beschaffen, um die es ja hier auch geht.

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Nö. Zur Jobbeschreibung von Politiker:innen gehört, dass sie in Kommunikation mit den Bürger:innen stehen. Das gilt auch für Regierende. Fürs Ausarbeiten von Gesetzentwürfen haben die Ministerien Fachabteilungen, die ohnehin den Großteil der Arbeit übernehmen.

Anders, als du insinuierst, sind Politiker:innen auch nicht dazu da, vermeintliche Bürger:innenwünsche, die sich ohnehin nicht bloß voneinander in der Zielrichtung unterscheiden, sondern sogar einander widersprechen, abzuarbeiten.

Die KI fasst es so zusammen:

Die Parteien wirken gemäß Artikel 21 des Grundgesetzes aktiv an der politischen Willensbildung des Volkes in Deutschland mit. Sie fungieren als Bindeglied zwischen Staat und Bürgern, formulieren politische Ziele, vertreten Interessen und tragen durch die Beteiligung an Wahlen zur Entscheidungsfindung bei.

Sie sind also keineswegs bloß Erfüllungsgehilf:innen eines wie auch immer unterstellten Demos.

Dass sowohl einige Politiker:innen als auch bestimmte Medien zur Erregungsbewirtschaftung beitragen, stimmt natürlich.

Aber das ist ja nur so, weil es bei bestimmten Bürger:innen auch auf Resonanz stößt.

Da müssen wir uns als Demos also schon an die eigene Nase fassen.

Und es gibt auch völlig berechtigte Aufregung. Dass Merz die gesetzliche Rentenversicherung diskreditiert, magst du für unproblematisch halten, ich sehe das gänzlich anders.

Hochgradig problematisch ist auch, dass sich z. B. Reiche der kritischen Öffentlichkeit nahezu vollständig entzieht und fast keine Interviews gibt.

Etwas, das gerade in einer liberalen Demokratie ausgesprochen wichtig ist.

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