Das „Gas-Dilemma“ der Kernkraft

Ziel der Diskussion ist es meiner Ansicht nach nicht, sich in die Schuhe eines Energiekonzerns zu stellen, der vor einer unmittelbaren Investitionsentscheidung steht, sondern in die Schuhe einer Volkswirtschaft, die auf der Suche nach dem richtigen System-Mix steht. Was interessiert mich bei dieser Frage der aktuelle Kapitalmarkt, den ich als Staat mit Regularien und Fördermaßnahmen selbst manipuliere?

Das macht nichts, die sind laut Schätzungen mit 170-200 Mrd. Euro über 100 Jahre ja eher gering. Aktuell haben wir Stromsystem-Gesamtkosten von 30-40 Mrd. pro Jahr, das steht doch in keinem Verhältnis. Stichwort Offshore-WK die Bayern mit Strom versorgen soll.

Das wundert mich, aber kein Problem. Vermutlich hat man es sich einfach gemacht. Dann sagen wir im Schnitt 28 Jahre für Erneuerbare und 60-100 für AKW. Das Argument steht trotzdem, wenngleich abgeschwächt.

Das führt mich wieder zurück auf meine Ausgangsbemerkung mit den Schuhen oben. Der Punkt ist: Ein AKW kann 90% der Zeit wunderbar laufen und Strom produzieren. Es ist lediglich so dass dies laut aktuellen Prognosen der Markt und Systementwicklung in Deutschland für die Jahre 35/45 nicht möglich sein wird, aufgrund der vom Staat beeinflussten Markt- und Steuermechanik, die eben die Erneuerbaren fördert. Das ist doch aber für die Systembeurteilung kein level playing field, sondern ein sich-in-die-Tasche-Lügen. Als Analyst bei einer Bank, der von einem Betreiber gefragt wird ob sich ein AKW rechnen würde wenn er morgen einen Spatenstich macht → darauf liefert die Studie eine Antwort. Das ist doch aber gar nicht die Frage bzw. sollte nicht die Frage sein.

Ehm ja beim Neubau. Was das für ein dehnbarer Begriff hstl. seiner Kostenimplimationen ist, habe ich oben ja ausgeführt.

https://www.mckinsey.com/de/news/presse/2026-02-24-strommarktreport

Du findest dort ca. 90 Mrd. Euro, 30-40 Mrd. davon sind nach Schätzungen die Systemkosten.

Mein Fehler, nicht der Anteil Erneuerbarer ist gleich geblieben, sondern der Anteil fossiler (weitestgehend)

Um es kurz zu machen: die Erneuerbaren haben heute im Vgl. zu 2015 den Anteil von Kernenergie übernommen, der Verbrauch von Fossilen blieb davon aber weitgehend unberührt.

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Es wird hauptsächlich deswegen nicht möglich sein, weil wir 2035 kein AKW haben werden.

Und dann müsste es sich am Markt durchsetzen und durchgehend preiswerteren Strom liefern als die anderen Energien. Es wird wohl kaum vermittelbar sein, die preiswerten Energien abzuregeln, um den Atomstrom teurer zu kaufen. Wie sollte das begründet werden?

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Kehrtwende in der Energiepolitik: Belgien stoppt Rückbau aller Atomreaktoren - ntv.de

Die belgische Regierung und der bisherige Betreiber Engie einigten sich auf den Stopp und die Aufnahme von Verhandlungen über eine staatliche Übernahme der Atomreaktoren, wie der belgische Regierungschef Bart De Wever auf X sowie beide Seiten in einer gemeinsamen Erklärung mitteilten

Das findet sich auch hier, Was kostet der Umbau der Infrastruktur für die Energiewende? | Energiepolitik | bpb.de aber eher der zukünftige Betrag. Das sind aber an sich Investitionskosten, also mit Gegenwert. Keine 80 Mrd im Jahr, die an Fossilen Kosten immer wieder auftreten. Auch gibts Möglichkeiten die Kosten zumindest zu reduzieren, keien Erdleitung, staatlicher Einstieg, Netzanschlussüberbauung, Speicher etc. Dennoch werden die Netzentgelt wohl steigen und sind nicht berücksichtigt.

Laut einer Externer Link:Studie des gewerkschaftsnahen Instituts für Makroökonomie und Konjunkturforschung (IMK) müssen bis zum Jahr 2045 schätzungsweise 651 Milliarden Euro in den Ausbau der Stromnetze investiert werden. Dieser Betrag verteilt sich etwa hälftig auf die überregionalen Übertragungsnetze und die Verteilnetze vor Ort.

Das bedeutet, dass sich die jährliche Höhe der Investitionen bis zum Jahr 2037 mehr als verdoppeln muss: Jedes Jahr müssten demnach 37 Milliarden Euro für den Ausbau der Stromnetze ausgegeben werden, im Zeitraum 2038 bis 2045 21 Milliarden Euro. Zum Vergleich: 2024 waren es 18 Milliarden Euro.

Und ist damit komplett systemundienlich in einem Stromsystem, das jetzt schon mehrheitlich aus EE besteht. Denn dann muss es Strom auch für wenig Geld verkaufen und kann die Leistung nicht reduzieren. Das sind mal wieder Risiken, die sich der Betreiber, siehe GB durch eine Einspeisevergütung bezahlen lässt.

Seit 2021 ist der Anteil um 5 % gestiegen, seit 2015 um 8%. Ja, das ist nicht viel. Den Anteil zu erhöhen ist aber politischer Wille oder Unwille, ich denke das ist durch die Ampel im Vergleich zu Rot/Grün/Gelb vorher klar geworden und somit kein Argument, dass es nicht klappen kann.

Also ich habe immer weniger Lust, über den Primärenergieanteil der Erneuerbaren zu diskutieren. Entweder ist der Mitdiskutant einfach zu doof, die Sinnlosigkeit zu verstehen, oder er bringt erkenntnisresistent immer wieder das gleiche Argument.

Belgien will zurück - die Betreiber aber nicht.

Vielleicht sollten wir strikt trennen, zwischen Staaten, die zurück wollen und Betreibern, die so etwas bauen würden.

Von ersteren gibt es viele, von letzterem kein einziger Betreiber, der es auf private Kosten machen würde.

Zitat aus dem Artikel: „Diese Regierung entscheidet sich für sichere, bezahlbare und nachhaltige Energie“, begründete De Wever die Pläne.

Bezahlbar wird es nur durch staatliche Subventionen (Versicherung, Endlager, Abnahmegarantie (quasi EEG für AKW :wink:). Der Betreiber fordert eine garantierte Rentabilität der Anlagen. Warum, ist doch alles so günstig und wirtschaftlich.

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war auch bestätigend zu deiner Aussage gemeint, dass ohne staatliche Unterstützung eig nix mehr geht bei AKW :wink:

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Weiß denn jemand warum China einfach die Kapazitäten in allem ausbaut?

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Ziel des Ausbaus von Erneuerbaren sollte doch sein, die Abhängigkeit von Fossilen zu reduzieren, v.a. auch im Sinne des Klimas. Und da hatten die letzten 10 Jahre des Ausbaus offenbar keinen Impact, da der Anteil der Fossilen nahezu unverändert geblieben ist. Das ist der Punkt. Das kann sich natürlich drastisch ändern wenn die Elektrifizierung des Verkehrs sich deutlich erhöht.

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Tja, der Atomausstieg lief halt parallel zum Ausbau der Erneuerbaren.

Der Atomausstieg wurde aber wegen der Sicherheit von einigen Hardcore-Atomkraftgegnern priorisiert:

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Der Strombedarf Chinas steigt seit mehreren Jahren an. Um diesen zu decken und in einigen Regionen sogar Stromausfälle zu vermeiden werden u.a. Kohlekraftwerke gebaut. Das durchschnittliche Alter der Kernkraftwerke in China liegt bei ca. 11 Jahren, neue werden gebaut für die Zeitung des Ausstoß von Treibhausgasen. Neue werden ebenfalls gebaut, der Anteil ab der Stromerzeugung liegt jedoch nur bei ca. 5%.

Den größten Anteil am Zubau tragen die erneuerbaren Energieerzeuger.

Quelle:

Wer sind diese Hardcore-Atomkraftgegner gewesen, die dafür verantwortlich sind, dass Deutschland nicht von Fossilverbrennung weg kommt?

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Söder zu Beispiel. Und ich.

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Ist Söder für dich kein Hardcore Atomkraftgegner, wenn er mit Rücktritt droht, sollte Bayern nicht aussteigen?

Und wenn du nach Verantwortlichkeiten fragst:

Das AKW Aus wurde Parteiübergreifend nach Fokushima endgültig beschlossen. Das fiel in 16 Jahre Regierungszeit Union mit Richtlinienkompetenz Union. In dieser Zeit hätte man geordnet aus Kernkraft aussteigen können, um GLEICHZEITIG mit EE zu kompensieren.

Stattdessen ist die Solarbranche unter Reiche und der wirtschaftsnahen Parteien Union und FDP abgewandert. Unter der Groko wurde dann die Abhängigkeit von Gas aus Russland manifestiert, für dessen Folgen wir heute noch teuer zahlen, siehe Rezession usw..

Also Ja, Söder war ein Hardcore AKW Gegner (weil es zur politischen Stimmung passte und Söder Opportunist ist) und verantwortlich für die fossile Abhängigkeit ist die Union (auch wenn du vermutlich eher hören wolltest, dass es Grüne mit Trittin usw. Anfang der 2000er waren).

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Söder und Merkel haben leider angesichts Fukushima beide die populistisch falsche Route genommen und selbst ein Atom hin-und-her fabriziert. Söder sieht es inzwischen vermutlich zumindest ein, bei Merkel habe ich meine Zweifel. Ich sehe gar kein Problem darin festzuhalten, dass auch die Union hier groben Blödsinn fabriziert hat.

Die Grünen beanspruchen es übrigens sogar selbst für sich. Wieso hast du damit so ein Problem?

Nebenbei bemerkt geht die Gründung der Grünen sogar auf die Anti-Atomkraft-Bewegung zurück (nicht isoliert deshalb, aber es ist ein wichtiger, vielleicht sogar der wichtigste, Kern).

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Die Union richtet sich leider viel zu oft nachdem, was politisch gerade populär ist und eben nicht nach dem, was sachlich richtig ist. Das passende Walter Scheel Zitat wurde schon häufig hier im Forum wiedergegeben:

“Es kann nicht die Aufgabe eines Politikers sein, die öffentliche Meinung abzuklopfen und dann das Populäre zu tun. Aufgabe des Politikers ist es, das Richtige zu tun und es populär zu machen.” Vielleicht haben wir hier ja einen Konsens?

Weil es verkürzt dargestellt ist. Natürlich behaupten die Grünen das, du sagst ja selbst, was deren politische Wurzeln sind. So wie Union und FDP angebliche Wirtschaftskompetenz für sich beanspruchen, die ich nicht sehe, siehe aktuelles “Wachstum”. Fakt ist:

Der Ausstieg wurde 2011 von Union und FDP beschlossen und parteiübergreifend angenommen, völlig unabhängig davon, wofür Grüne seit Jahren gekämpft haben. Das Ergebnis für sich zu reklamieren, passt nicht zur Realität, siehe hier Deutscher Bundestag - Namentliche Abstimmungen zu Atomausstieg und Energiewende am 30. Juni 2011

Das ist leider immer wieder die gleiche Leier, wenn man den Erfolg der Energiewende schmälern will. Ja, es könnte besser gehen, aber mit Blick auf den Primärenergieverbrauch ist in dieser Diskussion nichts gewonnen. Schlicht, weil er dafür nicht die richtige Metrik ist. Und wenn er wie ihr anhand des Anteils genutzt wird, ist es noch problematischer. Schon allein, weil der Primärenergieverbrauch rückläufig ist (Primärenergieverbrauch | Umweltbundesamt). Ergo, ist auch bei einem vergleichbaren Anteil weniger fossile Energie genutzt worden.

Das eigentliche Problem ist aber, dass es viel relevanter ist auf die Nutzenergie zu schauen. Wenn man auf die Primärenergie schaut, werden effiziente Technologien bestraft. Bei Wind und PV mit einem angesetzten Faktor von 1 wird also viel weniger Primärenergie in das System gesteckt, als wenn erst Kohle verbrannt oder Uran genutzt werden muss. Das bedeutet, dass aber mit Wind und PV auch der Primärenergiebedarf in Summe zurückgeht. Allein durch die Differenz der Wirkungsgrade können Wind und PV z.B. Kohle nicht so weit kompensieren, dass gleichzeitig der Primärenergieverbrauch und der Anteil der fossilen am Energieverbrauch rückläufig ist.

Zu deiner Aussage: Die Erneuerbaren haben als ein Teil der Energiewende also sehr wohl dazu beigetragen die Abhängigkeiten von fossilen Energieträgern zu reduzieren. Das würde noch viel besser gehen, wenn die Sektorenkopplung mal in Schwung kommt und damit, neben schon erreichten, die Effizienzfortschritte bei BEV oder Wärmepumpen (u.a.) wirklich zum Tragen kommen.

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Dem gesunkenen Primärenergieverbrauch würden nun einige entgegenen, dass dieser in Deutschland das Resultat einer Deindustrialisierungsentwicklung infolge zu hoher Energiepreise ist. Und das Jevons-Paradoxon gibt Hinweis darauf, dass Energie-Effizienz-Steigerungen nicht unbedingt zu geringerem Energieverbrauch führen müssen, sondern diesen im Gegenteil sogar steigern können, weil dann mehr nachgefragt wird.

EDIT

Ergänzung:

Prof. Dr. André D. Thess, Professor für Energiespeicherung an der Uni Stuttgart im Juni 2023:

“Wenn Sie den heutigen Stand der Technik anschauen, dann stellen Sie eine KWh Strom aus Kohle oder aus Kernkraft für etwa 5 Cent her, und wenn Sie dazu im Vergleich Wind oder Sonne plus Batteriespeicher oder plus Wasserstoffspeicher mit Elektrolyseur und mit Brennstoffzelle nehmen, dann landen Sie in der Regel oberhalb von 10 Cent pro KWh, d.h. Sie sind mit dieser Variante etwa doppelt so teuer. Wir müssen also die Speichertechnologien preiswerter bekommen und man kann heute leider nicht seriös vorhersagen wie schnell diese Preisdegressionen passieren.”

Quelle: Handelsblatt Podcast BTO Episode 195

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Dann bitte erklären, warum alle Kernkraftwerke entweder staatlich sind (Frankreich), eine garantierte Vergütung ihres Stroms bekommen oder beim Merritorderprinzip nicht die Ersten sind.

Staatliche Unterstützung ist für jedes ach so wirtschaftliches Kernkraftwerke notwendig. Diese 5 CT/kWh sind maximal Herstellereinnahmen aber nicht die Kosten für die kWh aus einem Kernkraftwerk.

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ChatGPT zur Atomkraft in Frankreich (Auszug)

Alte Anlagen werden teuer
Frankreichs Betreiber EDF betreibt einen der ältesten großen Atomparks der Welt. Viele Reaktoren stammen aus den 1970er/80er Jahren.

Staatlich regulierte Strompreise
Der Staat deckelt teilweise die Strompreise, um Verbraucher zu schützen.

Markt funktioniert nicht gut für Atomkraft
Der europäische Strommarkt belohnt vor allem kurzfristig günstige Produktion (z. B. Wind, Solar bei gutem Wetter).

Weil das Rechenexempel oben die gestiegenen Systemkosten samt der benötigten Speicher mit einbezieht und das Merit Order Prinzip nur auf Grenzkosten beruht.

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Wenn du indirekt sagst, dass das Merit-Order-Prinzip die Systemkosten nicht abbildet – würdest du dann nicht zustimmen, dass auch die 5 Cent/kWh für AKW-Strom eine Milchmädchenrechnung sind, solange staatliche Kredite, Subventionen, Rückbau, Endlager und Risiken nicht eingepreist sind und vom Staat übernommen werden?

Also aus meiner Sicht die bei BTO verwendete Studie hier nicht richtig vergleicht.

Ich gehe davon aus, du meinst die Studie.

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