Das hier auch schon mal andiskutierte Vergeben von Leihstimmen an demokratische Parteien knapp unter der Fünf-Prozent-Marke in Sachsen-Anhalt, um eine AfD-Parlamentsmehrheit (u.U. durch Überläufer aus der CDU) zu verhindern, sollte auf jeden Fall noch mal offensiv im Podcast kommuniziert werden.
Elisabeth von Thadden hat es hier recht schön beschrieben:
»Es gibt jetzt zwei Optionen, / beide machen Stress / … / Du weißt nicht, was du tun kannst, / du weißt nicht, wie das geht, / Hör mir zu, ich hab vielleicht eine passende Idee.« So klingt sie, die Hilflosigkeit gegenüber den Rechtsextremen, das ist der Anfang des Lieds Keine Angst, der neuen Single des Musikers Danger Dan. Die ZDF-Satiresendung Die Anstalt hat den Musiker mit seinem Lied eingeladen, das ZDF hat ihn mitsamt Lied wieder ausgeladen, weil es juristisch die Grauzone schramme, um noch einmal Danger Dan zu zitieren. Aber lassen wir die Grauzone hier jetzt ungeschrammt beiseite und greifen mal nur die Sache mit den zwei Optionen auf.
Denn fürwahr, zwei Optionen hätte der Mensch gern, wenn nach dem Sommer die Wahlen in Sachsen-Anhalt anrücken, [bei denen ja eine absolute Mehrheit der AfD möglich ist. Absolut, das heißt: die Mehrheit aller Sitze im Parlament.
Dagegen gibt es jetzt in der Tat zwei Optionen, und beide machen Stress: Die Grünen müssen sicherheitshalber rein ins Parlament. Die FDP auch. Sie, liebe Wählerinnen und Wähler, haben die Wahl, präziser: Circa 33.800 von Ihnen könnten sich nützlich machen.
Noch sind sechs Wochen Zeit. Wer in Sachsen-Anhalt wohnt, möge sich bitte ab jetzt locker in zwei Gruppen einteilen. Es fehlen nach der aktuellen Umfragelage eine Handvoll Stimmen für die Grünen, damit sie ins Parlament kommen, und eine Handvoll Stimmen für die FDP, same procedure. Beide Parteien krebsen um vier Prozent herum, und nur wer auf fünf Prozent kommt, darf rein ins Parlament. Muss auch. Es geht nur um ein Prozentchen.
Mal durchgerechnet: 2,12 Millionen Leute gibt es in Sachsen-Anhalt, das sind ja nicht viele, davon circa 1,69 Millionen wahlberechtigt, davon ein Prozent: 16.900. Eins für die FDP, eins für die Grünen, wie gesagt. Oder mit Danger Dan: »Eine Handvoll Leute reichen meistens aus …« Zusammen 33.800. Weniger als die Zahl der klassischen Print-Abos der Wochentagszeitung Die Welt. Und etwas mehr, als es Plätze im Heinz-Krügel-Fußballstadion in Magdeburg gibt.
Wichtig nun: der Stressfaktor, beide Optionen machen Stress. Stress für die CDU-Wähler, Stress für die Linken, genauer gesagt. Denn die sind es, von denen je 16.900 über ihren Schatten springen müssen, für eine punktuelle Identitätsschmelze, die haben nämlich (anders als SPD und BSW) genug Wähler, um ein paar davon abgeben zu können. Wir regen an: Wenn schon, denn schon. Die 16.900 CDU-Leute wählen mal grün, die Linken mal FDP, das kann einem auch guttun. Aus der Nichtwählerschaft ist eine weitere Handvoll gern willkommen.