Cookie-Einstellungen und "berechtigtes Interesse"

Seit Jahren habe ich die Süddeutsche abonniert, doch manchmal nutze ich auch das online-Angebot. Da ist es mir zuerst aufgefallen. Legt man bei der SZ los, so muss man zu erst die Cookie-Einstellungen akzeptieren. Man scrollt zur Sicherheit kurz drüber, alles aus – bis auf die technisch notwenigen, also Einstellungen speichern. Und damit hängt man am Fliegenfänger, denn seit einiger Zeit gibt es einen Reiter „berechtigtes Interesse“ und auf dem wird für personalisierte Werbung und Analyse das Scheunentor geöffnet. Dieses „berechtigte Interesse“ taucht auch auf vielen anderen Seiten auf, mehr oder weniger versteckt. (Google und die zugehörigen Unternehmen wären hier ein ganz eigenes Thema…) Ich habe mich im Freundes-/Bekanntenkreis umgehört. Keinem ist/war das bisher aufgefallen oder war sich über die daraus entstehenden Konsequenzen bewusst. Alle dachten, sie hätten die Cookies ausgeschalten…

Nun meine Fragen: Seit wann gibt es dieses „berechtigte Interesse“? Ist es in dieser Form zulässig oder wurde das nur noch nicht geprüft? Müsste es nicht deutlicher gekennzeichnet werden, dass man hier zulässt, was man ausgeschaltet glaubte? Wie passt das zur DSGVO?

Es würde mich freuen, wenn ich euch für dieses Thema begeistern könnte. :blush:

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Ich habe das auch entdeckt. Heise hat da eine Reihe von Artikeln veröffentlicht die sich damit beschäftigen:

Besonders entlarvend empfand ich folgenden Auszug aus https://www.heise.de/news/Online-Ad-Summit-Was-tun-ohne-Cookies-4909399.html

Dass diese gerne auf die Datenweitergabe verzichten wollen, musste etwa der Werbevermarkter Stroer in Feldversuchen feststellen, wie der zuständige Manager Torsten Topaloglu bei der Online-Veranstaltung erläuterte. So hätten weiter weniger als die Hälfte der Nutzer in den ersten Versuchen ihre Zustimmung gegeben.
Nachdem der Consent-Banner aber nach und nach angepasst wurde – zum Beispiel wurde ein Schließen-Button entfernt, der das einfache Ablehnen möglich machte – erreichte Stroer schließlich Zustimmungsraten von über 80 Prozent. Allerdings kann sich Stroer hierbei kaum noch auf informierte Zustimmung berufen: Der Button zum Ablehnen der Datenweitergabe wurde im Designprozess immer weiter versteckt und die Nutzer müssen sich erst durch ein unübersichtliches Options-Menü klicken, damit sie zumindest einigen Datennutzungen widersprechen können.

Es geht schlicht darum dem Nutzer Cookies aufzudrängen um jeden Preis.
Dabei ist mir schleierhaft warum personalisierte Werbung (welche meiner Erfahrung nach echt selten ansprechend ist) besser sein sollte als Inhaltsbezogene Werbung, welche ohne lästigen Cookie Machtkampf möglich wäre. Also z.B. bezogen auf die Community Interessen oder Inhalte von Zeitungsartikeln.

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Ich finde leider generell, dass die Nutzung des Internets seit der letzten Welle an neuen „Cookie-Einstellungs-Overlays“ anstrengender geworden ist.

Diese Einstellungsdialoge sind jetzt häufig extrem manipulativ gestaltet, z.B. dadurch, dass der Button für „Nur das nötigste akzeptieren“ grau und unscheinbar dargestellt wird, der für „Alles akzeptieren“ in einer knalligen Farbe. Mir passiert es selbst manchmal, dass ich den Mauszeiger schon versehentlich auf dem falschen Button habe. Außerdem ist für „Alles akzeptieren“ meist nur ein Klick erforderlich, um nur das Nötigste zu akzeptieren, sind häufig viele Klicks erforderlich, wo man dann noch explizit Sachen abwählen muss.

Ich surfe z.B. auf dem Smartphone standardmäßig mit Firefox Klar, wo die Cookies jedes Mal beim Beenden gelöscht werden. Jedes Mal muss ich mich auf jeder Seite wieder durch diese manipulativen Cookie-Dialoge kämpfen. Finde das mittlerweile wirklich richtig nervig…

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Ich empfehle in dem Zusammenhang bei Android zumindest die App AdGuard. Die blockt viel Werbung und Cookie Fenster einfach weg.
Für den Desktop Browser gibt es noch Erweiterungen wie „I don’t care about cookies“ welche Cookie Banner blockt.

Ich habe da inzwischen keinen Skrupel mehr was die Einnahmen der Seiten angeht. Es ist schlicht zu aufdringlich.

Generell: wenn ich auf dem Handy für eine Seite mehr als 2 mal Popup oder Banner wegklicken muss, verlasse ich die Seite und klopfe mir biblisch den Staub von den Schuhen (bzw die Cookies vom Rechner).
Sehe ich einfach nicht ein.

Hallo Ruhrpottler,

ich finde deinen Heise-Link ausgesprochen lesenswert. Was mich an dem Thema besonders ärgert ist, dass ich nur etwas ausschalten kann, von dem ich weiß, dass es da ist. Wäre ich nicht eher zufällig (vermutlich ein kurzzeitiger Fehler nach einer Systemumstellung) auf dieses „berechtigte Interesse“ gestoßen, ich würde heute noch glauben, dass ich alle Cookies (bis auf technisch notwendige) ausschalte.