Menschen sind bereit dafür Geld auszugeben nicht obdachlos zu sein? Und das auch wenn die Preise eigentlich viel zu hoch sind. Das ist ja eine Überraschung!
Im Ernst: Nur weil bestimmte Preise bezahlt werden, heißt dass noch lange nicht, das die Haushalte sich diese Mieten leisten können. Ein Dach über dem Kopf muss nunmal sein.
Es ist inzwischen keine Ausnahme mehr, dass Haushalte in Berlin 50% ihres Einkommens alleine für das Wohnen ausgeben. Andere Ausgaben für z.B. Gesundheits, Vermögensbildung, Altersvorsorge fallen dann weg. Inzwischen hat ein Viertel der Deutschen überhaupt keine Ersparnisse. Jedes kaputte Gerät oder jeder noch so kleine Unfall kann diese Menschen völlig aus der Bahn werfen. Aber ja, diese Menschen zahlen trotzdem Mondpreise um nicht Obdachlos zu werden. Sehr richtig erkannt.
Vor diesem Hintergrund muss man diese Aussage als Mythos abtun. Zumindest was die Knappheit an Wohnraum betrifft.
Woran derzeit durchaus eine Knappheit besteht, ist eine langfristige, stabile und trotzdem einigermaßen rentable Anlagemöglichkeit für das viele Geld, das sich im Umlauf befindet. Immobilien sind so eine Möglichkeit und entsprechend werden absurde hohe Kaufpreise bezahlt. Dann steigen natürlich auch die Mieten, denn diese Rendite muss ja auch realisiert werden.
Aber wieso sollte jetzt die Stadtgesellschaft für dieses Luxusproblem zahlen? Die Idee des Mietendeckels war doch gerade auch den Kapitalzufluss in die Stadt zu stoppen und damit auch die Preisentwicklung. In Zukunft könnte man dann tatsächlich Neubau realisieren, der für alle bezahlbar ist. Das wird jetzt nicht passieren. Eine Studie in 80 deutschen Städten hat 2018 gezeigt, das Neubautätigkeit im freien Segment tendenziell zu steigenden Mieten führt. Bauen, Bauen, Bauen führt also zu steigenden Preisen, nicht zu sinkenden.
Sozialer Wohnungsbau ist sicherlich wichtig, aber keine Subvention. Subventionen sind eher Subjektförderung, wie z.B. das Wohngeld - für die Ausweitung wurde weiter oben ja schon plädiert.
Mit solchen Maßnahmen schaffen wir aber noch höhere Mieten, weil ja jetzt die absolute Schmerzgrenze weiter verschoben wird. Schon jetzt haben wir eine gigantische Marktverzerrung durch diese Maßnahmen.
Zusammengefasst ist Wohnraum keine Ware wie jede andere. Die Produktionszyklen sind lang, sie ist nicht unendlich vermehrbar, nicht beweglich und absolut lebensnotwendig für Menschen. All dies macht es unmöglich, ausschließlich ökonomische Modelle von Angebot und Nachfrage anzuwenden. Es wäre schön wenn wir endlich davon weg kommen würden, damit man über zielführende Ideen sprechen kann. Einfach nur Bauen ist keine Lösung, dass zeigen genügend Beispiele.