Mich hat Frau Hausen nicht überzeugt.
Zunächst mal möchte ich anerkennen, dass Frau Hausen als Betroffene in Personalverantwortung zurecht eine andere Sicht auf die Dinge hat.
Nichts desto trotz ist ihre Sicht nur die Halbe Wahrheit, denn folgende Argumente waren aus meiner Sicht nicht konsequent zu Ende gedacht.
- nur weil das Pareto Prinzip tatsächlich zu gelten scheint in vielen Bereichen der Compliance im Arbeitsalltag von Frau Hausen, ist die Pauschale Ableitung daraus, dass deswegen 80% völlig ausreichen noch lange nicht wahr, insbesondere wenn man weitergehend, wie Frau Hauser es getan hat, dann die Konsequenz daraus zieht, dass das Risiko der nur zu 80% durchgeführten Sicherheitsmaßnahmen die Allgemeinheit zu tragen hat, in Form der Berufsunfallgenossenschaft…. Hätte sie gesagt: Unternehmen sollte selbst eine Risikoabwägung vornehmen dürfen, dann aber auch zusätzlich anfallende Kosten im Zweifel selbst tragen, sollte sich diese als falsch herausstellen, könnte man ihr zustimmen.
- Ein großer Teil ihrer Argumentation schien sich darauf zu belaufen, dass sie aus Anekdotischer Evidenz heraus die Vertrauenswürdigkeit „des Ehrbaren Kaufmanns“ beschworen hat. Und hier würde ich mitgehen und sagen, dass ich ebenfalls nicht glaube, dass die große Mehrheit der Unternehmen absichtlich in Kauf nimmt ihre Mitarbeiter zu gefährden oder andere Vorschriften die aus guten Gründen existieren zu missachten, aber es gibt schlicht einen Interessenkonflikt, also eine Abwägung die ein Unternehmen immer vornimmt und ich brauche weniger Fantasie dafür mir vorzustellen, dass die Abwägung im Zweifelsfall immer auf Seiten der Kostenersparnis, oder der Profitmaximierung liegt, auch wenn dafür Risiken in Kauf genommen werden, als an das Ideal des Ehrbaren Kaufmanns zu glauben… und das ist wie gesagt Garkein Vorwurf, es ist die innere Logik von Kapitalistischen Unternehmen.(Stichwort Externalisieren von Kosten) Insbesondere mit dem Punkt 1, der Haftung in Kombination gesehen, sehe ich das äußerst Kritisch. Ein: Trust me, bro. Genügt mir schlicht nicht.
- Standards gerade im Bereich der Wirtschaft sind meiner Ansicht nach eine zivilisatorische Errungenschaft und diese sind eben in erster Linie über das Mittel der Bürokratie weitflächig zu erreichen. (Dies scheint mir Frau Hausen auch grundsätzlich anzuerkennen.)
Entscheidend zur Beurteilung ob eine Bürokratie gut oder schlecht ist, ist aus meiner Sicht daher nicht ob ein Unternehmen (oder Privatperson) sich gegängelt fühlt oder nicht, sondern ob das Gesetz auf dem Sie basiert 1. ein tatsächlich existierendes Problem erkennt und - ob die Bürokratie die dieses Recht durchsetzt Mittel einsetzt die dazu geeignet und verhältnismäßig sind diese Problem zu beheben, auch kann man drüber reden ob das Gesetz den Aufwand die eine Umsetzung zur Folge hat angemessen berücksichtigt und ggf. nicht nur von Unternehmen Compliance einfordert, sondern auch Hilfestellungen, zum Beispiel durch automatisierte oder digitalisierte Prozesse zur Verfügung stellt, damit Compliance leistbar ist… meinetwegen auch eine steuerliche Begünstigung zur Anerkennung der Mehrkosten des Unternehmens.
Erfüllt ein Gesetz, welches Bürokratie schafft diese Kriterien, ist es ein gutes Gesetz und dann ist auch die Bürokratie gut, erfüllt sie sie nicht, gehört das Gesetz und die damit verbundene Bürokratie abgeschafft.
Natürlich kann es sein, dass Gesetze die in der Vergangenheit mal einen Zweck erfüllt haben im Laufe der Zeit obsolet werden, um dies zu vermeiden scheint es mir sinnvoll einen Mechanismus zu entwickeln der die Sinnhaftigkeit von Gesetzen nach ihrem Erlass überprüft.