Buch-Empfehlungen von Lage-Podcastern und Hörer'innen

„Das Ende des Kapitalismus“ von Ulrike Herrmann


Der Titel dieses Buches schreckt vermutlich viele Menschen ab. Dabei verteufelt Ulrike Herrmann den Kapitalismus gar nicht generell. Sie zeigt nur, wo seine Grenzen liegen und wie es jenseits dieser weitergehen könnte. Der Klimawandel ist ja keine Ansichtssache. Er lässt sich auch nicht auf Kompromisse ein. Er wird nicht verschwinden, nur weil er ignoriert wird. Wir können so weitermachen wie bisher und dann fliegt uns irgendwann alles um die Ohren. Oder wir akzeptieren endlich die Tatsachen und suchen Lösungen.

„Für alle, nicht die wenigen“ von Ulrich Schneider


Was stimmt nicht mit den Politikern, wenn sie zulassen, dass z.B. Pflegeheime einerseits eine lukrative Geldanlage für Investoren, aber gleichzeitig ein wahres Schreckgespenst für alte Menschen sind??? Da verdienen Leute Geld, indem an der Pflege gespart wird. Ich finde das absolut unmenschlich. Ein Platz im Pflegeheim ist so teuer und trotzdem ist die Versorgung und Betreuung dort mindestens grenzwertig. Das passiert, wenn man so eine wichtige Angelegenheit dem Markt überlässt! Unsere Marktwirtschaft war mal sozial, davon ist nur noch wenig übrig. In diesem Buch wird der Zustand von so wichtigen Themen wie Rente, Miete, Gesundheitssystem usw. von Fachleuten analysiert. Sie zeigen, wie es früher war und wie es sein könnte, wenn wir es eben nicht dem Markt überlassen. Dann haben nämlich alle etwas davon und nicht nur die reichen Investoren.

„Brüssel sehen und sterben“ von Nico Semsrott


Dieses Buch macht richtig schlechte Laune. Man wird wirklich wütend auf das System. Aber gleichzeitig ist es auch irgendwie lustig und ich bin wirklich begeistert von der Kreativität, mit der Nico Semsrott seine Projekte angeht. Vor allem aber ist dieses Buch wichtig, weil es uns aufklärt, wie der Laden läuft. Es ist erschütternd, aber nicht hoffnungslos. Wir können was ändern. Also lasst uns damit anfangen.

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„Wohnopoly“ von Caren Lay


Was ist der Zweck einer Wohnung? Sie ist zum Wohnen da. Jeder Mensch braucht ein Dach über dem Kopf. Allerdings dienen heutzutage Immobilien vor allem als Geldanlage, oft als Altersvorsorge für Investoren aus dem Ausland. Wir haben in Deutschland ein Recht auf Wohnen, nicht auf Profitmaximierung. Die Realität sieht leider anders aus. Immer mehr Menschen arbeiten nur noch für die Miete, die Obdachlosigkeit wächst immer weiter.
Caren Lay zeigt, wie es kam, dass es kam, sodass es ist, wie es ist. Und sie zeigt auch, wie man das Problem beheben kann.

Man sollte auch von Ulrike Herrmann: „Kein Kapitalismus ist auch keine Lösung“ lesen.

Außerdem empfehle ich „Das Monopol im 21. Jahrhundert“ von Hans-Jürger Jakobs. …

Lorraine Daston: Regeln- Eine kurze Geschichte. Das ist ein guter Überblick über die Geschichte der Regeln, jüristische Regeln, Rezepte in Kochbüchern, Regelungen für das Stadtleben, Algorithmen, alles beleuchtet sie.

Klimarassismus und Deutschland rechts außen von Matthias Quent. Ein Kenner und Analyst der rechten Szene.

Roger Willemsen - Das Hohe Haus. Er ist ein Jahr lang in jeder Sitzung des Bundestages und schreibt sehr anschaulich was er dort beobachtet.

Deutschland 2050. Beschreibt sehr anschaulich auf was der Klimawandel alles Auswirkungen haben wird und wir ein Leben damit im Jahr 2050 aussehen kann. Gab hier auch echt viele Aspekte, die ich vorher nicht aufm Schirm hatte und geht weit über das übliche „Klima wie in Spanien“ hinaus.

EDIT: Tipos

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Manche Konsequenzen dauern etwas länger, die spürt man noch nicht im Jahr 2050, beispielsweise die Ausdehnung der Meere.

In „6 Grad mehr- Die verheerende Folgen der Erderwärmung“ aus dem Rowohlt Verlag erklärt uns Mark Lynas, wie eine 1 Grad heißere, eine 2 Grad heißere. eine 3 Grad heißere, eine 4 Grad heißere, eine 5 Grad heißere und eine 6 Grad heißere Erde aussieht. Es ist schön, dass das jemand mal ausbuchstabiert, wie unterschiedlich die Zukunft aussehen kann. .


Ich habe es an anderer Stelle hier im Forum schon einmal empfohlen, aber hier scheint ein guter Ort zu sein um es nochmal zu empfehlen:

Die aktualisierte „Neuauflage“ des vor über 50 Jahren erschienen Klassikers „Die Grenzen des Wachstums“, mit aktualisiertem und ständig fortentwickeltem Computermodell. An 5 großen Stellschrauben wird im Modell gedreht um zu sehen, wie sich unsere gesamte Erd-Gemeinschaft entwickelt. Was passiert wenn wir sofort super viele Maßnahmen gegen die Klimakrise ergreifen und wie müssten diese Maßnahmen aussehen? Was passiert dann nicht nur mit dem Klima, sondern auch mit unseren Demokratien, mit Frauenrechten, mit Fluchtbewegungen, mit sozialer Ungleichheit…? Das wird sehr detailliert anhand von 2 ausgewählten Szenarien durchgespielt, anschaulich gemacht durch die sich jeweils verändernden Biografien von 5 Mädchen, fiktiv geboren im Jahr 2020 in 5 verschiedenen Regionen der Welt. Wie entwickelt sich ihr Leben, je nachdem welche Stellschrauben wir verändern?

Ich habe sehr viel über die Frage gelernt, welches Problem nun drängender ist: Ökologische Krise oder die soziale Ungleichheit? Es ist kein Oder, es ist ein Und, denn beide sind erstaunlich viel voneinander abhängig.

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Schon gut anderthalb Jahre alt, aber immer noch zum Denken anregend ist noch „Die Faltung der Welt“ von Anders Levermann.

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Auch dazu gibt es eine Dlf-Rezension:

Ein durchaus streitbarer, aber auch anregender Diskussionsbeitrag.

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Da es hier ja sicher um gegenwartsanalytisch relevante Bücher gehen soll, werfe ich mal das gerade erschienene Buch „Die Exponentialgesellschaft“ von Emanuel Deutschmann in den Raum, das ich selbst noch nicht durch habe.

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Eine Rezension gibt’s im Dlf:

Auch als Interview-Gast könnte man den Soziologen mal einladen.

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Daniel Kahnemann - Schnelles Denken, langsames Denken
Das ist definitiv kein Geheimtipp, aber sehr lehrreich, um das Denken von uns Menschen besser zu verstehen. Wann handeln wir rational und wann intuitiv, wie fällen wir Urteile, wie kommt es zu Fehlern im denken, … Das Buch hilft verstehen warum Menschen so agieren wie sie es tun. Es hat mir zu einer gütigeren Sicht auf die Gesellschaft verholfen und motiviert auch mehr das eigene Denken und Handeln zu reflektieren.

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Künstliche Intelligenz Wie sie funktioniert und was sie für uns bedeutet von Inga Strümke ist für mich eine gute, leicht verständliche Einführung in das Gebiet. Vielleicht nicht die neueste Umdrehung, aber gute Grundlagen.

Ich habe „Deutschland 2050“ gerade gelesen. Vielen Dank für die Empfehlung! Ich fand es sehr anschaulich und gut geschrieben. Ja, wie sich die Erderwärmung auf die vielen Bereiche von Landwirtschaft über Verkehr bis hin zu Energieerzeugung auswirkt, ist beeindruckend. Beispiel: Die Verbrennung fossiler Brennstoffe hat Auswirkungen auf den Klimawandel, das ist wohl allen bekannt. Aber dass es auch umgekehrt ist, hat sicher kaum jemand auf dem Schirm.

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Passend zum Thema Endometriose in LdN455:

Elinor Cleghorn

"Die kranke Frau - Wie Sexismus, Mythen und Fehldiagnosen die Medizin bis heute beeinflussen”

Von den antiken Anfängen der Medizin bis in die Gegenwart, von der »wandernden Gebärmutter« bis zur Entdeckung von Autoimmunerkrankungen und Endometriose: Die britische Feministin Elinor Cleghorn präsentiert eine bahnbrechende und aufwühlende Kulturgeschichte über das Verhältnis von Frauen, Krankheit und Medizin.

Passend zu LdN456:

“Patriot“ von Alexej Nawalny

Sehr gut geschrieben, erschütternd, spannend.