… Euer Beispiel von dem User, der einen veralteten Router im Netz hat, für den der Hersteller keine Patches mehr liefert, und in dem Zusammenhang nach der Herstellerhaftung zu rufen, ist haarsträubend. Hier ist der Idiot (anders kann man es nicht sagen), der den Router betreibt, die Schwachstelle, und nicht der Hersteller. Hier wäre eine Störerhaftung sinnvoll, die den Betreiber einer solchen Hardware in die Haftung nimmt oder zumindest mit einem Bußgeld belegt.
Das Problem besteht doch auf verschiedenen Ebenen:
- Zum Ende des Microsoft-Supports am 14. Oktober 2025 liefen in Deutschland noch rund 32 Millionen Geräte mit Windows 10 und
- im Mittelstand nutzten 77 Prozent der kleinen Unternehmen nicht mehr gepatchte Office-Versionen, dazu kommen
- über 30.000 Exchange-Server sind seither offen angreifbar.
Der Bitkom beziffert den jährlichen Schaden durch Cyberangriffe – wesentlich getrieben durch ungepatchte Systeme – für 2025 auf 289,2 Milliarden Euro.
Hintergrund ist ein jahrzehntelang aufgestauter Modernisierungsstau: Hardware-Anforderungen von Windows 11, WindowsPro fehlende IT-Budgets im Mittelstand, komplexe Fachverfahren in Verwaltungen und Legacy-Maschinen in der Industrie bremsen Migrationen aus. Ao ist es kein Wunder, dass die Folgen von einzelnen Ransomware-Vorfällen bis zu systemischen Risiken für kritische Infrastrukturen reichen – und sie werden 2026 eskalieren, wenn weitere Support-Fristen auslaufen.
Branchenanalyst Mike Crosby von Circana bezeichnete die Migrationswelle als „eine der langsamsten aller Zeiten“.
Das Problem reicht weit über Windows 10 hinaus. Laut ESET waren Anfang 2024 in Deutschland noch 1,8 Millionen veraltete Windows-Systeme direkt mit dem Internet verbunden, darunter 1,5 Millionen Windows-7-Geräte (Support-Ende Januar 2020), rund 630.000 mit Windows 8/8.1 und noch immer 90.000 Windows-XP-Installationen. Im Serverbereich endete am 10. Oktober 2023 der Support für Windows Server 2012/2012 R2; Microsoft zählte schon Anfang der Dekade über 60.000 Windows Server 2008/2008 R2 IT-Service in Deutschland. In der Berliner Verwaltung liefen 2025 dezentral noch rund 5.000 Windows-Server, darunter Windows Server 2012 R2 Stefan Zillerparlament-berlin – Anfang 2026 stieg die Zahl auf etwa 3.700 laufende Windows-Server, mit einem Restbestand an Windows Server 2012 unter teurem ESU-Vertrag.
Das BSI empfiehlt mittlerweile offensiv, den Anteil von „End-of-Life"-Software konsequent zu reduzieren Security-Insider und Verwaltungen wie Unternehmen mit strukturiertem Angriffsflächenmanagement Speicherguide zu schützen. Die Bundesregierung reagiert mit dem neu gegründeten Bundesministerium für Digitalisierung und Staatsmodernisierung Security-Insider sowie dem teilautomatisierten „Cyberdome"-Konzept.
Allerdings muss man sagen, dass der neue „Digitalminister“ nach Medienberichten auch nach einem Jahr im Amt noch immer keinen Überblick darüber hat, welche Betriebssysteme aktuell in den Behörden im Einsatz sind.
Fazit:
Solange Privatpersonen, Firmen und Behörden veraltete Systeme betreiben, sollten sie sich nicht beschweren, wenn sie angegriffen werden oder ihre Systeme für Angriffe genutzt werdne.
Vor diesem Hintergrund ist euer Bericht über die Haftung von Softwareherstellern mehr als merkwürdig. Ich bin sicher kein Freund von Microsoft, aber hier habt ihr euch verritten.
Viel wichtiger wäre ein gesetzlicher Zwang für Hersteller, bekannt gewordene Sicherheitslücken in aktueller Software umgehend zu schließen und zumindest für Schäden zu haften, die durch eine verspätete Schließung entstehen. Und ein gesetzlicher Zwang für Unternehmen aller Art und Behörden aller Ebenen, aktuelle Software zu verwenden und Patches umgehend einzuspielen.
Es ist auch mehr als peinlich, dass Sicherheitsforscher, die Lücken in Systemen von Behörden, kritischer Infrastruktur oder Unternehmen aufdecken, mit einem Bein im Knast stehen, weil diese Form der Recherche verboten ist.
…
Außerdem möchte ich den armen Privatmenschen sehen, dessen Daten aufgrund eines Softwarefehlers, sagen wir von Microsoft, verschlüsselt wurden und der dann zu seinem Feld-, Wald- und Wiesenanwalt geht, um Microsoft zu verklagen. Das Klagerisiko trägt keine Rechtsschutzversicherung.
…
(Polemik gestrichen - bitte in Zukunft sachlicher formulieren! Wir haben nicht immer die Zeit, Beiträge aufwändig zu redigieren, so dass wir sie freigeben können.)