Was wirklich fehlt, sind Alternativen. Schöne, offene Räume in der analogen Welt, wo Kinder und Jugendlich sich entfalten können, Angebote um mit Freunden echte Erlebnisse, echten Austausch zu haben, sind seltener geworden. Die Zeit und der Raum in dem sich Kinder frei von Erwachsener Kontrolle bewegen können, werden statistisch immer kürzer bzw. kleiner.
Beides wird in die digitale Welt verlagert, in der sich Kinder und Jugendliche in Räumen bewegen, deren Regeln letztlich wieder Erwachsene bestimmen. Hier eben Milliarden-Konzerne, deren zentrales Ziel es ist, ihre Kunden zu melken. Darin sollen sich pubertäre Jugendliche und ihre oft wenig darauf vorbereiteten Eltern dann eigenverantwortlich bewegen. Klar, wie das ausgeht. Schön für die Konzerne und konfliktvermeidend für die Erwachsenen.
Endlich kein Quengeln auf langen Autofahrten, weniger Konflikte in Pausen, niemals Langeweile, keinen stören die vielen Varianten von „Spielen verboten“-Infrastruktur, wenn die, die da spielen könnten, grade statt mit dem ganzen Körper nur mit den Daumenspitzen aktiv sind. Da kehrt eine Friedhofsstille ein, die mir als Vater und Lehrer natürlich manchmal verlockend bequem, aber oft in Wahrheit ohrenbetäubend traurig erscheint.
Ich spiele selbst viel, seit ich mit 11 meinen ersten 386er mit Monochrom-Monitor hatte. Aber in jeder Minute, die Jugendliche und Erwachsene digital versacken, entgehen Ihnen gesündere, entwicklungsförderlichere Aktivitäten. Klar wäre hier richtig Randale, wenn die Kids in einer kinderfreundlichen Umwelt in großer Zahl wieder analoge Antworten auf Langeweile suchen müssten. Und das wäre auch gut so.
Was ich als Trends beobachte: Lesen und eigene, originelle Ideen werden immer weniger und Kooperation misslingt immer häufiger. Aktuell scheitert der vierte Jahrgang in Folge daran, zum eigenen Schulabschluss ne eigene Abschlussfeier zu organisieren. Von sowas wie Abi-Zeitungen nicht zu reden. Anderswo gibt es das noch, aber unter den Kollegen höre ich auch von da, dass die aktiven weniger werden und die passiven sich immer weniger mitziehen lassen, die Qualität und Originalität der Aktionen sinkt. Ich vermute einen Zusammenhang zur ständig steigenden Bildschirmzeit, sinkender durchschnittlicher Entfernung, in der Kinder sich ohne Erwachsene Begleitung/Kontrolle bewegen dürfen, Wegfallen erwachsenenfreier Beschäftigungsmöglichkeiten. Fehlenden Räumen, in denen Selbstorganisation und so geübt werden können.