Ich bin etwas hinterher beim Lage-Hören, ich weiß
Ich höre gerade die Folge 483 und fühle bei dem Thema Bildung den Drang, hier noch einen Gedanken loszuwerden:
Es heißt immer, dass Bildung einkommensabhängig ist, das sehe ich aber als statistische Ablenkung: Wer sich unser Schulsystem ansieht, muss feststellen, dass das noch aus den 60zigern ist und darauf setzt, dass eine Hausfrau daheim sitzt und den Kindern hilft. Da wir aber inzwischen in einer Gesellschaft leben, bei der die meisten Familien 2 Arbeitnehmer hat, fährt unser Schulsystem gerade gegen die Wand … denn immer mehr Kinder haben diese Hilfe nicht im ausreichenden Maße!
Ich hab jetzt schon 2 Kinder eingeschult und beide Kickofftermine mit allen Eltern begannen gleich, nämlich mit einer Aufforderung: „Ohne Eltern geht Schule nicht! Wir bauen darauf, dass ihr den Kindern helft, wenn sie etwas nicht verstanden haben!“ Meine Frau kommt aus einer bei der PISA-Studie guten Nationen und dort beginnt genau dieses Meeting mit der Aufforderung: „Stören Sie nicht bei der schulischen Ausbildung! Pädagogische Laien bringen das Kind eher durcheinander …“
Zurück zu unseren Schulen: Die Lehrer erklären das EinMalEins für alle Kinder und diejenigen, die es nicht verstehen (eigentlich die pädagogisch interessanten Fälle) brauchen dann Hilfe von Mama oder Papa (vermutlich irgendwelche Berufe, nur nicht pädagogisch). Da läuft doch was falsch??? Und das sieht man auch an den Statistiken: reiche Eltern können sich die Nachmittage am Küchentisch eher leisten als arme, gebildete Eltern können besser erklären als ungebildete, deutsche Eltern kommen damit besser klar als eingewanderte …
Alle Statistiken können auf falsche Fährten locken, deuten aber alle (gemeinsam betrachtet) auf das gleiche Problem: Das Schulsystem ist nicht mit der Gesellschaft mitgewachsen, es gibt bestenfalls „Ganztagsschulen“ mit „Betreuung“ (heißt: jemand schaut, dass die Kinder keinen Blödsinn machen, aber Tutoring findet nicht statt … also auch kein Ersatz für die Hausfrau aus den Sechzigern)
So long
Matthias, ein fleißiger Lagehörer (wenn auch gerade hinten nach)