Liebe Redaktion, ich würde gerne mehr erfahren über die passende Hardware, wie man bidirektionale laden will, um auch mal aus dem Fahrzeug das eigene Grundstück mit Strom zu versorgen. Ihr habt neulich über Tarifmodelle gesprochen, aber damit das Sinn macht, braucht man ja auch eine passende Wallbox und vor allem ein Fahrzeug, das diese füttern kann.
Hallo Ulf,
wir hatten das Thema heute grad im Messenger Chat, weil jemand überlegt hat sich schon eine bidi-fähige Wallbox zuzulegen.
Hier die Rückmeldung dazu von Caspar, einem versierten Kollegen aus der Technikgruppe, aus unserem vor 2 Jahren gegründeten örtlichen Bürgerenergieverein.
Zitat:
„v2g oder v2h = Experimentalstadium heute - es gibt Normen wie die ISO15118-20 dazu und es gibt AC und DC Lösungen (oder Ansätze), zum Beispiel die openWB Pro kann ISO15118-20 (hier die Liste der Fahrzeuge die das theoretisch (teilweise) unterstützen: openWB Pro Übersicht für Fahrzeugerkennung und SoC Auslesbarkeit - openWB Forum ). Dann gibt es da noch E3/DC ( Bidirektionales Laden - E3/DC ) deren Wallbox (die v2h fähige, nicht die „normale“) wird aber nirgendwo angeboten, ich denke das ist noch Beta Stadium und die Videos die es dazu gibt zeigen Vorserienprodukte. Und ein weiterer Anlaufpunkt scheint mir https://www.ambibox.de/ die haben schon v2h/g Wallboxen am laufen, allerdings überall in Europa nur nicht in Deutschland und auch nur für Großabnehmer soweit ich das bisher sehen konnte.
Es gibt in Europa diverse Versuchsprojekte (in Holland - Utrecht mit 25-150 Hyundai Ioniq 5: Hyundai und We Drive Solar starten V2G-Projekt in Utrecht - electrive.net oder in Frankreich von Renault (nur v2g KEIN v2h: Weltweit erstes V2G Produkt ).„
Fazit: abwarten bis Regulatorik und Technik in D final sind und aktuell lieber mit einer günstigen „normalen“ Wallbox überbrücken.
Letzten Monat hat der Verein mit der örtlichen Energieagentur einen „Green Drinks“ Infoabend zum Thema E-Mobilität veranstaltet der gut angenommen war. Die gestiegenen Benzin und Dieselpreise wecken zunehmendes Interesse am E-Auto, grad in unserem ländlichen Umfeld mit vielen EFH und PV auf dem Dach.
Falls ihr Interesse an weiteren Infos von Caspar dazu habt, gern melden.
Die grundsätzliche Herausforderung ist, dass das Auto irgendwie mit der Infrastruktur kommunizieren muss. Hierzu gibt es zwei Ladenormen, einmal die IEC62196, welche Basis für 99,x Prozent der Wallboxen und öffentlichen AC-Infrastrukturen ist. Diese Art der Kommunikation ist nur unidirektional, heißt die Wallbox kann dem Auto mitteilen, wie viel Strom es aus dem Netz beziehen darf, nicht umgekehrt.
Eine Kommunikation in beide Richtungen ermöglicht die DIN70121 oder ISO15118. Hier kommunizieren Fahrzeug und EVSE (Ladesäule) aktiv miteinander über eine gängige Netzwerkverbindung. Diese Normen werden heute bereits immer beim DC-Laden und in einigen fancy Wallboxen (OpenWB oder Audi/Porsche ULK, ein paar weitere) verwendet. Dort werden dann auch Ladezustand und Restladezeiten an die EVSE übertragen, sowie bei ISO auch Zahlungsdaten mit Plug&Charge (TLS Verschlüsselt).
Die aktuelle Ausführung der ISO15118 beinhaltet allerdings keine Daten zum V2G/V2H. Diese kommen erst in der noch nicht final freigegebenen ISO15118-20 zum Einsatz. Bis dahin behelfen sich die Hersteller mit proprietären Protokollen, die auf die ISO15118-10 Netzwerkkommunikation aufgeschaltet werden. So können z.B. bereits seit einigen Jahren die VW Modelle mit Herstellern wie E3DC, Ambibox oder anderen DC Ladeinfrastrukturen Bidirektional entladen.
Auch wenn fast alle BEVs mit den erforderlichen PLC Modems (für die ISO Kommunikation) ausgestattet sind, wird das Problem eher beim Onboard Charger liegen, der auch in der Lage sein muss, Strom bidirektional und vor allem netzsynchron rauszugeben. Das haben bisher nur sehr wenige E-Autos, auch wenn immer mehr Autos bereits heute V2G Funktionalität besitzen.