Nach dem Satz “auf dem Arbeitgebertag sitzen, sind gerade die Unternehmer, die sich für vernünftige gesetzliche Rahmenbedingungen und Sozialstaat einsetzen", muss ich dann lachen, als jemand der fast 40 Jahre politiknah für Umweltschutz auf allen Governance-Ebenen gekämpft hat.
Unabhängig davon empfehle ich dieses Interview mit dem CDU-Abgeordneten Kai Whittaker (40) im Tagesspiegel („Ich kann die Kritik der Jungen Gruppe nicht nachvollziehen“ E-Paper | Tagesspiegel ).
Er sagt u.a. “Die 120 Milliarden Euro, die da im Raum stehen, machen bis 2040 gerade einmal 1,5 Prozent der gesamten Rentenausgaben aus. Das aktuelle Gesetz zur Haltelinie entscheidet nicht im Ansatz darüber, ob die Rente noch strukturell finanzierbar ist. Bei der Strukturreform geht es um ganz andere Summen.”
Oh ja, zum Beispiel sollte es dann auch um die ca 60 Mrd € PRO JAHR gehen, die für die Pensionen der Beamten aufgewandt werden, die, wenn sie denn bis zur Altergrenze arbeiten würden (was 3/4 von ihnen nicht tun [warum wohl
]), 71.7% ihres LETZTEN Gehalt ausmacht.
Übrigens: Glauben Sie wirklich, dass zB. meine 2 Enkel, die dann mal Ihre Rente finanzieren, so altruistisch sind und in ca 45 Jahren einer Anhebung der sog. Haltelinie zustimmen werden, deren Kosten sie dann tragen müssten?
Ein weitere Senkung des Rentenniveaus wird irreversibel sein, und damit auch die kommenden RentnerInnengeneration betreffen, solange wir nicht die Bewältigung der Beule in der Alterspyramide als eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe betrachten, die wir alle stemmen müssen: Dazu gehören nicht nur die RentnerInnen von heute und diejenigen die es in den nächsten 10-15 Jahren werden sowie die jetzt in die RV einzahlenden Berufstätigen, sondern auch die Wirtschaft, die Vermögenden und die Beamtenschaft, die endlich einen Beitrag zu ihrer eigenen Alterversorgung leisten sollte.
Die Bewältigung (auch) über einen wachsenden Beitragszuschuss aus dem Steueraufkommen zu versuchen, scheint mir vernünftig, weil darin eine soziale Kompente enthalten ist und auch RentnerInnen entspr. ihrem Einkommen besteuert werden. Allerdings müssen wir dann Kapital stärker besteuern und Erbschaften, die in der Praxis mit nur durchschnittlich nur 4% besteuert werden.
In erster Linie geht es bei der Rente nicht um eine Generationen-, sondern um eine soziale Frage. Zitat aus dem Interview: “Bei bestimmten Berufen ist der Unterschied zwischen Rente und Grundsicherung nicht mehr groß. Ein Maurerhelfer aus meinem Wahlkreis verdient etwa 20 Euro pro Stunde und hat nach 47 Beitragsjahren eine Rente von rund 1.300 Euro. Das sind nur knapp 200 Euro mehr, als hätte er nie gearbeitet. Das muss jedem klar sein.”
Dass sich der Arbeitgebertag für eine Vergrößerung dieses Abstandes einsetzt, glaube ich eher nicht - wenn, dann allenfalls durch eine weitere Absenkung des Grundsicherungsniveaus :-/