AWS verliert Daten in Bahrain

Nur eine Sidenote, aber eine in meinen Augen Berichtenswerte:
Der Iran hat ein Rechenzentrum von Amazon in Bahrain zerstört.
Offenbar hat Amazon keine Backups und kann die Daten nicht mehr herstellen.

Iran-Krieg: Alle AWS-Daten in Bahrain sind zerstört | heise online

Das rückt die Verantwortung der Nutzer (auch Privatnutzer) wieder mehr in den Fokus, sich um eine gute Backup-Strategie zu kümmern.
Die Cloud-Anbieter sind oftmals eine Blackbox und plötzlich stellt man fest, dass die Urlaubsfotos trotz automatischem Upload trotzdem weg sind.

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Ich würd sagen, das Gegenteil ist richtig. Die Anbieter machen sehr transparent, was der Service beinhaltet und was nicht. Man muss sich halt damit beschäftigen. Und ausschließen billig, ist ein schlechter Ratgeber für Ausfallsicher.

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Naja, so black-boxig finde ich das eigentlich nicht, es ist ziemlich gut dokumentiert, wo die Daten gesichert sind. Man muss halt seine Schlüsse daraus ziehen, gegen welche Szenarien man mit diesem Konzept geschützt ist.

Data protection in Amazon S3 - Amazon Simple Storage Service

Das ist natürlich nichts für Fritzchen Müller, der keine Ahnung von Technik hat. Aber der ist auch mit einem heimischen NAS-Cloud-Hybrid-Backup-Konzept überfordert.

Aus deinem Link: „redundantly store objects on multiple devices across a minimum of three Availability Zones in an AWS Region. An Availability Zone is one or more discrete data centers with redundant power, networking, and connectivity in an AWS Region. Availability Zones are physically separated by a meaningful distance, many kilometers, from any other Availability Zone, although all are within 100 km (60 miles) of each other.“

Ich bin zwar sicher eher „Lieschen Müller“ als der große Datenbaron, aber für mich liest sich das schon eher so, dass es backups hätte geben müssen, wenn nur eine Einrichtung zerstört wurde. Oder verstehe ich das falsch?

Das finde ich ein bisschen schräg. Was verkauft wird, ist das Versprechen, Daten ausfallsicher aufzubewahren. Wenn das Unternehmen tatsächlich Daten nur an einem einzigen Ort gespeichert hatte, ist das hoffentlich eindeutig ein Fehler/Versagens auf Seiten des Unternehmens und damit ein Fall für Gerichtsverfahren. Die Unternehmen müssen sichere, saubere Produkte anbieten, nicht die Kunden müssen in jedem Produktfeld so große Expertise entwickeln, dass sie schlechte Qualität schon vor einem Kauf erkennen können.

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Das rückt die Verantwortung der Nutzer (auch Privatnutzer) wieder mehr in den Fokus, sich um eine gute Backup-Strategie zu kümmern.

Ja, aber das ist unabhängig von dem Vorfall. AWS bietet, anders als Cloud-Dienste, die man als Endkunde nutzt, Infrastruktur an. AWS ist weniger eine fertige Software als vielmehr Infrastruktur, die je nach eigenen Vorgaben konfiguriert werden kann und muss.

Ein Nutzer von AWS kann seine Daten in mehreren Rechenzentren in mehreren Regionen speichern. Dafür muss er dann halt entsprechend mehr zahlen.

Cloud ist nicht automatisch sicher. Insbesondere dann nicht, wenn man sich dafür entscheidet, seine Daten nur in einem Datenzentrum zu speichern. Gleichzeitig macht es aus Firmensicht durchaus Sinn, diese Wahlfreiheit zu haben. Vielleicht hat man als Unternehmen eigene Backups und spart sich somit Geld bei AWS.

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Infolge der Angriffe Irans wurden mehrere Data Center in der Availability Zone beschädigt/zerstört. Das ist halt einfach Pech.

Um solche Vorfälle auszuschließen, kann man auch Geo-Redundant Storage (Azure) oder Cross-Region (AWS) Optionen buchen. Dann wären die Data Center noch weiter voneinander entfernt. Das wird aber deutlich teurer.

“The damage to our infrastructure spanned multiple Availability Zones and exceeded what our regional and multi-AZ services are designed to withstand,” the AWS update said.

Außerdem gibt es auch Services, die im Standard-Tier auch nur innerhalb eines Data Centers Daten replizieren, zum Beispiel EC2 Webservice oder RDS Datenbanken. Auch deren Daten werden betroffen sein, wenn der User nicht explizit Cross-Region-Replikation gebucht hat.

Ich stimme da @Sascha71 zu. Die Hyperscaler sind in diesem Punkt sehr transparent und machen die Auswahl höherer Backup-Tiers wirklich einfach. Oft ist es jedoch eine Frage des Geldes.

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Ich bin zwar sicher eher „Lieschen Müller“ als der große Datenbaron, aber für mich liest sich das schon eher so, dass es backups hätte geben müssen, wenn nur eine Einrichtung zerstört wurde. Oder verstehe ich das falsch?

Ich finde den Artikel da auch etwas komisch geschrieben:

Demnach stellt der Datenkonzern seine Bemühungen ein, Daten wiederherzustellen, die ausschließlich in einem betroffenen Rechenzentrum gespeichert waren. Die jeweiligen Kunden werden auf ihre eigenen Backups verwiesen. Dies betrifft alle drei AWS-Rechenzentren in Bahrain (mes1-az1, mes1-az2 und mes1-az3)

So wie ich das verstehe wurden also alle drei Rechenzentren einer Region beschädigt. Somit kann es natürlich kein Backup für Daten geben, die nur in dieser Region (= in einem oder allen dieser drei Datenzentren) gespeichert waren.

Das ist natürlich ärgerlich, aber nur bedingt die Schuld von AWS. Ein Unternehmen hätte sich dazu entscheiden können, seine Daten nicht nur in dieser einen Region, sondern auch in anderen Regionen zu speichern.

Wenn das Unternehmen tatsächlich Daten nur an einem einzigen Ort gespeichert hatte, ist das hoffentlich eindeutig ein Fehler/Versagens auf Seiten des Unternehmens und damit ein Fall für Gerichtsverfahren. Die Unternehmen müssen sichere, saubere Produkte anbieten, nicht die Kunden müssen in jedem Produktfeld so große Expertise entwickeln, dass sie schlechte Qualität schon vor einem Kauf erkennen können.

Das wäre der Fall bei einer „klassischen“ Software. Aber das ist AWS nicht. AWS bietet lediglich Infrastruktur. Wenn ein Unternehmen sich gegen Ausfälle einer ganzen Region sichern will, kann es das mithilfe von AWS - muss dies aber entsprechend konfigurieren und natürlich Geld zahlen.

nicht die Kunden müssen in jedem Produktfeld so große Expertise entwickeln, dass sie schlechte Qualität schon vor einem Kauf erkennen können.

Doch, im Falle von AWS ist das so. (Wie gesagt, das hat auch nichts mit schlechter Qualität zu tun, aber AWS muss konfiguriert werden.)

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Mag alles sein. Aber hast Du Dich informiert, wo Microsoft Deine Office365-Daten ablegt (ich habe vor einiger Zeit vergeblich versucht, das herauszufinden)?
Wer den Google-Upload in seinem Handy aktiviert, wird mit dem Thema zwangsläufig gar nicht konfrontiert.

Genau. Aber der ist der erste, der rumjammert, wenn es nicht funktioniert hat.

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Wenn ich keine Wahl (aka Verantwortung) habe, dann liegt die Bringschuld beim Anbieter, klar. Hätte ich jemanden beauftragt, „betreibe meinen Dienst sicher“, dann würde ich entsprechendes von dem Anbieter erwarten. AWS fragt aber, ob die Daten local, regional oder noch weiter verteilt werden sollen. Wenn ich da das falsche klicke, welche Schuld trägt da AWS?

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Verstehst du richtig, aber es wurden halt alle Rechenzentren in der Region angegriffen und nicht nur eine. Das war ein gezielter Angriff, kein Kollateralschaden, wo eine Rakete versehentlich eingeschlagen ist.

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Es gib da ja auch wiedersprechende Ansprüche. Man möchte seine Daten so sicher wie möglich haben, daher gibt es ja diese AZs, die ca 10km auseinander liegen. Das reicht ja für Szenarien, wie Flugzeugabstürze. Hier wurdne aber gezielt alle Rechenzentren der Region angegriffen. Auf der anderen Seite verspricht AWS, dass keine Daten eine Region verlassen (also auch kein Backup), wenn man das nicht explizit konfiguriert, weil das auch oft rechtliche Anforderung ist, dass Daten, die ich in Frankfurt habe, nicht in die USA geschoben werden, ohne dass ich das explizit angefordert habe. AWS kann ja meine rechtlichen Limitierungen nicht kennen, daher handhaben sie das konservativ. Sollte man wissen, ist transparent, aber man muss sich halt aktiv drum kümmen.

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Der hat gar keine AWS Buckets, weil die gar nicht an ihn gerichtet sind. Um als Privatperson AWS als Cloud-Lösung zu nutzen, musst du schon deutlich überdurchschnittlich interessiert sein.

Man kann wirklich sehr viel an Amazon bzw AWS kritisieren. Dass die Daten weg sind, weil ihnen literally die Rechenzentren weggebombt wurden, ist nun aber wirklich nicht deren Schuld. Wem die geographische Redundanz über die Availability Zones hinaus so wichtig ist, der hätte sie ja kostenpflichtig dazubuchen können.
Meine Backups sind auch nicht großartig georedundant. Bleibt nur zu hoffen, dass Hetzners Data Center weniger anfällig für Bombardierungen sind :man_shrugging:t5:

Das war mein Punkt. Hatten ja vor nicht all zu langer Zeit den Fall, dass Microsoft Office365-Abos gekündigt hatte.
Ich denke, es schadet nicht, an und zu darauf hinzuweisen, dass eine Cloud alleine als Backup eine ziemlich wackelige Strategie ist.