Aufweichung des 8h-Arbeitstages

Plan ist ja wohl, statt der Tageshöchstarbeitszeit von 8h (mit Ausnahmen) eine maximale Wochenarbeitszeit festzulegen.
Wie hoch wäre die? 40-48h?

Wenn ich jetzt an zwei Tagen 13 h arbeite, blieben ggf. noch 14h für weitere Arbeitstage. Also 4-5h pro Tag, oder man ist bei einer 4-Tage Woche.
Machen das Betriebsalltag und Arbeitgeber mit?

Oder ist der Rest dann „Steuerfreie“ Überstunden bzw. Unbezahlte Überstunden?

Erhöht das wirklich die Produktivität und Wirtschaftskraft in Deutschland?

Das Thema ist ähnlich problematisch wie das Thema der „verpflichtenden Pause“ bei mehr als 6 Stunden Tagesarbeitszeit. Wer in einem privilegierten Beruf mit guter Unternehmenskultur arbeitet würde gerne auf diese Regelungen verzichten - ich musste schon mehrfach, wenn ich eigentlich 7 Stunden Zeit zum Arbeiten gehabt hätte, pünktlich nach 6 Stunden den Stift fallen lassen, weil bei der Frage „6 Stunden arbeiten und 6 Stunden bezahlt bekommen“ oder „7 Stunden arbeiten, aber nur 6,5 bezahlt bekommen“ die erste Alternative siegt. Denn die siebte Stunde würde ich quasi für den halben Lohn arbeiten - oder ich muss halt eine halbe Stunde meiner Zeit als Pause verschwenden, um noch eine halbe Stunde länger arbeiten zu dürfen. Beides ist offensichtlich doof.

Ähnlich verhält es sich mit der Tagesarbeitszeit. Ich arbeite aktuell auf einer halben Stelle (19,5 Stunden) und in manchen Wochen würde ich tatsächlich lieber 2x 9,75 Stunden arbeiten als 3 x 6,5 Stunden. Wenn man einen guten Arbeitgeber hat ist das auch wenig problematisch.

Das Problem ist nur: Es gibt auch sehr schlechte Arbeitgeber. Und die würden ohne Pflicht zur Pause dann durch indirekten Druck dafür sorgen, dass die Mitarbeiter „freiwillig“ auf ihre Pause verzichten, z.B. indem jene, die keine Pause machen, bei Beförderungen subtil bevorzugt werden. Ähnlich verhält es sich mit der Wochenarbeitszeit - es gibt Arbeitgeber, die den Wegfall der 8-Stunden-Grenze ausnutzen werden, wenn es im Sinne ihres Betriebes ist (oder sie fälschlicherweise davon ausgehen, dass es im Sinne ihres Betriebes sei, was öfter der Fall sein wird…).

Immerhin bleibt noch eine Wochenhöchstarbeitszeit, aber die Befürchtung ist, dass durch den Wegfall der Tagesarbeitszeitgrenze mehr „unbezahlte und undokumentierte Überstunden“ geleistet werden, weil manche Unternehmenskulturen das massiv fördern könnten. In jedem Fall müssen wir da wirklich ein Auge drauf haben, eine wissenschaftliche Begleitung und Evaluation dieses Umstellungsprozesses ist mMn zwingend nötig.

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Das kommt wirklich darauf an, wo man arbeitet. Bei sehr strukturierten Arbeitsplätzen, die an Öffnungszeiten oder Arbeitsprozessen orientiert sind (also z.B. Supermärkte und Fließbandproduktion) ist das ja generell eher eine Frage der Arbeitszeitenplanung. Es soll ja vermutlich kein „Recht auf den 12-Stunden-Arbeitstag“ geben, daher bei diesen zeitstrukturierten Arbeitsplätzen wird sich vermutlich wenig ändern.

Büroarbeitsplätze ohne Kundenkontakt hingegen sind natürlich flexibler. Da könnte natürlich dann ein Mitarbeiter Montag bis Mittwoch von 8 bis 21 Uhr arbeiten und den Rest der Woche frei machen.

Unbezahlte Überstunden selbstverständlich nicht, die sind generell nur zulässig, wenn sie explizit im Arbeitsvertrag vorgesehen sind (i.d.R. bei Führungskräften). Mit dem Wegfall der Tagesarbeitszeit wird die arbeitsvertraglich geregelte Wochenarbeitszeit umso relevanter. Und auf die kommt es natürlich an. Wenn der Arbeitgeber es zulässt, dass jemand Mo-Mi von 8 bis 21 Uhr arbeitet, um damit seine 39 Stunden für die Woche abzuarbeiten, wäre jede Arbeitszeit am Donnerstag oder Freitag natürlich zusätzlich geleistete und zu vergütende Arbeitszeit (durch Urlaubsanspruch oder Bezahlung).

Inwiefern die Überstunden „steuerfrei“ sind hängt davon ab, was der Gesetzgeber hier regeln wird. Steuerfreiheit für Überstunden in Vollzeit-Jobs wurde ja schon vorgeschlagen, halte ich aber für eine verfassungswidrige Benachteiligung von Teilzeit-Jobs, die eigentlich explizit unzulässig ist. Natürlich will man aber Überstunden nicht für Teilzeit-Jobs steuerfrei stellen, weil sonst plötzlich jeder nur noch in Teilzeit angestellt wird und mit Überstunden doch Vollzeit arbeitet :wink:

Ich halte die gesetzliche Förderung von Überstunden generell für falsch, weil das letztlich doch wieder eine Motivation ist, die Errungenschaften des Arbeitskampfes zurück zu drehen. Denn einige Arbeitgeber werden das nutzen, um doch wieder auf die 50-Stunden-Woche zu kommen.

Relativ eindeutig: Nö.

Der Gedanke der Liberal-Konservativen ist ja: Die wirklich knappen Fachkräfte können so mehr arbeiten, was gut für die Wirtschaft sei. Aber eigentlich zeigen alle Studien, dass die Arbeitsgeschwindigkeit und Arbeitsqualität bei größerer Belastung eher abnimmt. Es ist schon fraglich, ob die 40-Stunden-Woche wirklich produktiver ist als die 36-Stunden-Woche. Ein 10-Stunden-Tag dürfte in den meisten Fällen kaum produktiver sein als ein 8-Stunden-Tag, die Grenzproduktivität der 9ten und 10ten Stunde ist vermutlich signifikant niedriger als die der zweiten und dreitten Stunde. Von der 14ten Stunde wollen wir erst gar nicht anfangen.

Also nein, ich glaube nicht, dass „mehr Arbeitszeit“ automatisch zu „mehr Produktion“ führt, weder auf den Tag, noch auf die Woche bezogen. Gleichzeitig finde ich mehr Freiheit für die Arbeitnehmer angenehm, während gerade diese Freiheit die Gefahr von Ausnutzung durch den Arbeitgeber birgt. Ich bin daher tendenziell gegen die Aufweichung des 8-Stunden-Tages, aber ich bin Willens, der Sache eine Chance zu geben. Ich bezweifle nur ernsthaft, dass das Ergebnis die Erwartungen erfüllen wird.

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Wobei es natürlich Einzelfälle gibt, wo es nicht nur auf die Produktivität des einzelnen ankommt, sondern insgesamt. Und da kann es natürlich Sinn machen, wenn ein Mitarbeiter eine bestimmte Arbeit noch an einem Tag fertig bekommt um Leerlauf für andere zu vermeiden.

Oder man ist kurz vor der Fertigstellung einer Arbeit und die Unterbrechung mit Neuanfang der Arbeit am nächsten Tag kostet mehr Zeit als es die gesunkene Produktivität kostet, z.B. weil man am nächsten Tag erstmal wieder den Überblick haben muss oder auf Baustelle wo man ggf jedes Mal auch aufräumen muss und wieder am nächsten Tag alles bereitmachen.

Oder man ist irgendwo außerhalb und erspart sich durch die Überstunde eine Übernachtung und somit noch mehr Abwesenheit von der Familie.

Aber ich gebe dir völlig recht, dass das auch missbraucht werden kann, z.B. um Stunden auf der Straße oder Übernachtungen zu sparen, obwohl die Mitarbeiter gar nicht länger an einem Tag arbeiten wollen.

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Ich weiß nicht mehr wer das hier offenbart hat, dass im Programm der CDU immer nur von Zuschlägen die Rede war und daran hat sich auch nichts geändert. Geht also eher um Peanuts hier.
Für internationale Unternehmen sicher ein Gewinn. Ist ja jetzt schon das Problem, dass irgendwo auf dem Globus immer ein Meeting ist. Wenn man da die Arbeitszeit entsprechend strecken kann, umso besser.

Das nervt mich auch häufiger, allerdings mache ich mir dann immer klar, dass viele Leute mit anderen Jobs, die weniger Flexibilität in der Arbeitszeit haben (generell alles mit kundenkontakt, Fließband, kommissionieren, …) stark davon profitieren, dass es diese Regelung gibt - denn die Arbeitgeber würden es natürlich ausnutzen wenn es das nicht gäbe. Es ist Arbeitsschutz, der ist sinnvoll, auch wenn er mal den Arbeitnehmer nervt.

Ich vermute, dass die harte Grenze von 10 Stunden tagesarbeitszeit (außer in betrieblichen Notfällen) nicht angetastet wird? Die kann man ja jetzt auch schon machen - nur nicht regelmäßig (glaube der Schnitt auf 6 Monate ist relevant). Technisch gesehen haben wir ja auch jetzt sechs Werktage und einen 8-Stunden-Tag auf Regelmäßigkeit. Also 48 Stunden sind ja jetzt schon möglich soweit ich weiß.

Es wird wohl mal wieder die Leute treffen, die sich den Job nicht aussuchen können und ihrem Arbeitgeber ausgeliefert sind.

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Würde ich auch von ausgehen, mehr als 10 Stunden regelmäßig ist denke ich auch sehr unrealistisch und weder für Arbeitnehmer, noch für Arbeitgeber wünschenswert. Also ganz streng wird die 8-Stunden-Regelung aktuell ja auch - zum Glück - nirgends umgesetzt. Also meine tägliche Arbeitszeit variiert, je nachdem, wie die Bahnen gerade fahren, auch zwischen 7:50 und 8:10. Es wäre echt eine Katastrophe, wenn ich pünktlich nach 8 Stunden den Stift fallen lassen müsste und dann 10 Minuten sinnlos am Bahngleis stehen würde, statt diese 10 Minuten zu arbeiten. Das kann doch wirklich niemand wollen.

True, das zeigt eigentlich auch ganz gut, dass die Limitierungen im Gesetz unter Umständen als wichtiger bewertet werden, als sie eigentlich sind. Theoretisch könnten Arbeitgeber 48-Stunden-Wochen vereinbaren, aber faktisch hat sich dank Tarifverträgen die 39 bzw. 40 Stunden-Woche durchgesetzt. Arbeitgeber, die nicht tarifgebunden sind, könnten zwar 48-Stunden-Wochen arbeitsvertraglich fordern, würden aber - zum Glück - wohl kaum Arbeitnehmer finden, die das akzeptieren würden.

Ich würde prognostizieren, dass das mit der täglichen Arbeitszeit ähnlich laufen wird. Tarifverträge werden sehr schnell Arbeitszeiten über 8 Stunden nur in Ausnahmefällen zulassen, eventuell auch nur mit zusätzlicher Vergütung, und dadurch werden nicht-tarifgebundene Arbeitgeber es sehr schwer haben, ungünstigere Regelungen durchzusetzen.

Insofern glaube ich nicht, dass sich hier viel ändern wird. Also wir werden wohl nicht sehen, dass plötzlich Leute tatsächlich mit 48-Stunden-Verträgen eingestellt werden, nach denen sie Mo-Do jeweils 10 Stunden zu arbeiten haben. Und mehr Flexibilität für Arbeitnehmer finde ich persönlich wie gesagt immer gut. Naja, es bleibt uns nur, die Entwicklung zu beobachten - und es im schlimmsten Fall nach vier Jahren Merz wieder abzuschaffen :wink: Ich glaube aber wirklich, dass der Wegfall der Tagesarbeitszeitbegrenzung keinen ernsthaften Einfluss haben wird…

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Hallo,

ich bin ziemlich entsetzt darüber, dass die Aufweichung des Acht- bis 10 Stundentages tatsächlich im Koa-Vertrag steht. Ich bin Personalerin in einem ÖD Staatstheater und kann behaupten, dass die Verfügungsgewalt über Arbeitnehmer:innen zu jedem Zeitpunkt (hier: 06:00 bis 24:00 Uhr) komplett seitens des AGs ausgenutzt wird. Die meisten kennen das ArbZG gar nicht. 60Std Wochen sind üblich. Viele sind komplett überarbeitet, stehen „unter Strom“ und sind ausgepowert. Es ist ja schön, dass ITler auf den Malediven (sehr überspitzt) ihre Zeit einteilen wollen, aber leider wird bei der Überlegung 48 Std Woche einzuführen, die in der Regel hart arbeitenden Normalos völlig vergessen. Mit der Aufweichung werden Tür und Tor zur Ausbeutung geöffnet. Es trifft nicht jene die 13-14 Std arbeiten wollen (mal Abgesehen von den Studien, die gesichert belegen, dass die Produktivität maximal 7 Std pro Tag beträgt), sondern jene, die daran kaputt gehen und nicht frei sind, ihre AZ selbst einzuteilen. Den Rest meiner Empörung schenke ich mir, wegen Überlänge.
Mich würde dringend interessieren, was die beiden Hosts darüber denken!

Beste Grüße

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Ich denke man weiß schlicht noch zu wenig was da eigentlich geplant ist. Jeder hat es auch etwas anders verstanden, bzw. interpretiert.

Meine Wunschvorstellung: Arbeitsschutz bleibt bestehen bei mehr Flexibilität für den Arbeitnehmer.

Beispiele aus meinen Arbeitsleben:

Beispiel 1 - Ruhezeit 11 Stunden:
Ich arbeite 7 bis 12Uhr ohne Pause. Verbringe den Nachmittag mit meinen Neffen, gehe Radfahren oder Langlaufen. Abends bin ich erholt und könnte im Homeoffice nochmal weiter Arbeiten. Prinzipiell ist das auch möglich, allerdings eingeschränkt. Aufgrund der vorgeschriebenen Pausenzeiten darf ich Abends maximal bis 20Uhr arbeiten, da ich 11 Stunden durchgehende Pause einhalten muss. Um die 8 Stunden voll zu machen muss ich also 7-12Uhr und 17-20Uhr arbeiten. Mir persönlich wäre aber 19-22Uhr lieber. Mir ist klar, dass das ein Privileg ist überhaupt so flexibel zu sein. Ich denke aber dass es einige Menschen gibt (beispielsweise Eltern), die ähnliche Einschränkungen haben.

Beispiel 2 - Maximale Arbeitszeit 10 Stunden:
Ich bin bei einem Kunden, habe noch 4 Stunden Heimweg. Wenn der Termin länger als 6 Stunden dauert muss ich eine weitere Übernachtung in Kauf nehmen, auch wenn es sich nur um 10 Minuten handelt. Ich persönlich würde lieber direkt heimfahren, verstehe aber auch, dass gerade Autofahren nach langen Dienstreisen auch Gefahren birgt. Nehme ich allerdings den Zug, ist die aktuelle Regelung sehr dämlich.

Beispiel 3 - Maximale Arbeitszeit 10 Stunden:
Ich fliege von einer Inbetriebnahme 8 Stunden nach Deutschland. Vom Flughafen habe ich weitere 3 Stunden Heimweg. Ich überschreite also die 10 Stunden wenn ich noch heimfahre. Also eine weitere Übernachtung am Flughafen getrennt von der Familie.

In meinem Fall wäre eine Lockerung dieser beiden gesetzlichen Regelungen also positiv. Allerdings bin ich auch in einer privilegierten Situation. Bei uns würde ein Missbrauch einer Lockerung der Gesetze höchstwahrscheinlich nicht stattfinden, auch weil die IG Metall sicher etwas Gutes aushandeln wird. Allerdings gibt es sicher auch Betriebe in denen die Arbeitnehmer massiv von der jetzigen Gesetzeslage profitieren. Das muss bei der Gesetzgebung beachtet und geschützt werden.

Allerdings vermute ich, dass Arbeitgeber die eine Lockerung irgendwie missbrauchen, auch jetzt schon tricksen.

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Das ist jetzt aber schon hart das Ganze so zu drehen, dass die Leute die davon profitieren nicht hart arbeiten. Denn profitieren tun davon auch Leute auf dem Bau die aktuell die Wahl haben zwischen Mo-Do weg von der Familie zu übernachten oder die Fahrzeit in ihrer Freizeit machen zu müssen weil sonst die Zeiten nicht im Rahmen des Gesetzes wären.

Denen abzusprechen hart zu arbeiten nur weil sie von einer solchen Regelung profitieren würden finde ich ganz schwach. Die Zuspitzung eine Lockerung würde nur Leuten die auf den Malediven oder sonst wo arbeiten nutzen bringt die Diskussion doch kein bisschen weiter.

Und dort wo wie du ansprichst schon heute keine Regeln eingehalten werden, da bringen doch offensichtlich die Regeln ohnehin nichts.

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Wie Du selbst klar machst: In solchen Fällen - skrupelloser Arbeitgeber, der ein Sch… auf die gesetzlichen Rechte und auf Anstand gibt - hilft ein Arbeitszeitgesetzt überhaupt nicht. Dass dieser AG auch noch Teil des öffentlichen Dienstes ist, macht den Skandal noch umso größer.

Hier müsste sich mal ein Whistleblower trauen, aktiv zu werden …

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oder die Leute müssten sich gewerkschaftlich organisieren. Da aber

handelt es sich vermutlich um (ausländische) Hilfskräfte?
Die widerrum eher nicht in eine Gewerkschaft gehen…

Das Arbeitszeitgesetz wird nicht immer eingehalten.
Bei guten Arbeitgebern passiert das zum Profit beider Seiten (Arbeitgeber und -nehmer) - da werden die Stunden dann halt (wahrheitswidrig) an einem anderen Tag aufgeschrieben. Das ist zwar nicht rechtens, aber auch nicht unmoralisch.

Die Frage ist: Wie hindert man ausbeuterische AG, die sich heute schon nicht an das Gesetz halten, daran, die AN weiter auszubeuten? Hier sehe ich kein großes Problem in einer Aufweichung des Gesetzes (da, wie gesagt, sich ja jetzt schon nicht ans Gesetz gehalten wird), sondern eher in einer mangelhaften Durchsetzung des Rechts. Möglichkeiten: Informieren, Gewerkschaften stärken, zum Gründen von Betriebsräten animieren…

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Hallo nochmals,

zunächst möchte ich klarstellen, dass ich niemanden unterstelle, nicht hart zu arbeiten. Mir ging es in erster Linie um die Möglichkeit der freien Arbeitszeiteinteilung, welche viele abhängig Beschäftigte eben nicht haben.
Außerdem möchte ich auch klarstellen, dass es zu keiner Zeit rechtliche Überschreitungen in meinem Hause gibt und gab. Vielmehr wollte ich damit ausdrücken, dass das ArbZG bereits unterschiedliche AZ-Modelle zulässt.
Im Prinzip wäre die Umsetzung der Änderung des ArbZG auf 48 Stunden Woche schlicht weg das Ende der regulären 40 Std Woche. Es scheint mir auch recht naiv zu sein, dass entsprechend auch der Lohn oder das Gehalt stiege. Das mag vereinzelt so sein, bin mir aber ziemlich sicher, erfahrungsgemäß (auch im nicht ÖD) dass die Umstellung bei Neuverträgen lediglich die Std Anzahl steigen wird.

Wenn du hier die Beispiele liest, dann siehst du aber, dass es gar nicht immer nur um freie Arbeitszeiteinteilung geht, sondern eben auch darum wie eine Zeit auch im Sinne der Arbeiter sinnvoller gestaltet sein kann. Vor allem bei Menschen mit Reisetätigkeit hilft mehr Flexibilität. Und da ist auch das Argument mit der Produktivität nur zum Teil zutreffend, weil es z.B. bei Servicetechnikern ggf. Wartezeiten vor Ort gibt, bei denen man z.B. auf den Zugang zu einer Maschine wartet oder auf den Ansprechpartner vor Ort.

Und wenn am Ende ein paar Minuten hin oder her entscheiden ob man noch am selben Tag nachhause fahren kann, dann wird halt am Ende die Wartezeit zur Pause gemacht oder die Heimfahrt wird nicht mehr als Arbeitszeit aufgeschrieben. Da wird dann auf Bezahlung für geleistete Stunden verzichtet um bei der Familie zu sitzen.

Warum? Aktuell sind doch auch schon 48 h erlaubt. Und trotzdem gibt es nicht nur die 40 h Woche sondern in vielen Branchen sogar 35 h.

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Die Problematik sind die UVV und Betriebsstättenrichtlinen. Das schränkt alles was im Arbeitszeitgesetz steht oder stehen könnte, komplett ein. Der Arbeitsschutz ist sehr gut wissenschaftlich Begründet und auch kaum widersprochen von Arbeitgeberseite. Maximal Tages- und Wochenarbeitszeiten, Ruhezeiten sind sehr sinnvoll und wie gesagt auch gut belegt.
Wenn man nun flexibilisieren will, dann ist dieses nur in einem sehr geringen Maße möglich.

Ich habe jetzt über 40 Jahre im Gesundheitswesen gearbeitet, davon 20 in leitender Funktion. Die Grundideen des Arbeitszeitgesetzes sind ohne Zweifel eine positive Entwicklung. Was fehlt sind legale Möglichkeiten der Anpassung an spezifische Bedürfnisse der individuellen Anforderungen. Einige sehr gut nachvollziehbare Probleme sind in vorherigen Beiträgen beschrieben.

M.E. sollten legale Wege geschaffen werden, die win-win-Anpassungen ermöglichen, z.B. durch Betriebsverienbarungen, Vereinbarungen mit dem lokalen Gewerbeaufsichtsamt, zeitliche Begrenzungen, o.ä.

Auch sollte es möglich sein einzelne Verstöße nach dem Auftreten gegenüber dem Gewerbeausichtsamt zeitnah zu erklären, ohne dass unbedingt Strafzahlungen zu befürchten sind. Das Gewerbeaufsichtsamt wird rasch schwarze Schafe von nachvollziehbaren Ursachen unterscheiden können. Derzeit ist man - selbst bei optimaler Planung - gezwungen gelegentlich Diskrepanzen zwischen Realität und Dokumentation zu akzeptieren; das ist keine gute Arbeitskultur.

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Absolut, das Problem haben wir ja nicht nur bei der Tagesarbeitszeit, sondern auch bei Dingen wie Pausenzeiten. Gerade im sozialen Bereich gibt es viele Stellen, in denen einfach aus sachlichen Gründen keine Pause gemacht werden darf, z.B. weil in der Nachtschicht nur ein Mitarbeiter vor Ort ist und dieser die ganze Zeit für Notfälle bereit stehen muss - da kann man nicht einfach, wie es einem zustehen würde, für 30 Minuten den Einsatzort verlassen, um eine „richtige“ Pause zu machen. Trotzdem muss man diese Pausen aufschreiben, als hätte man sie gemacht - man wird also um den Lohn für 30 Minuten tatsächlich geleisteter Arbeit betrogen.

Hier verkehrt sich eine Rechtslage, die dem Schutz des Arbeitnehmers dienen soll, in das komplette Gegenteil. Für solche Fälle sollte es Ausnahmeregelungen geben. Ich persönlich z.B. arbeite lieber acht Stunden am Stück ohne Pause, als 8,5 Stunden mit 30 Minuten Pause. Darf ich aber nicht. Wenn ich dann die 30 Minuten Pause, die mir zustehen, nicht mal wirklich nehmen kann, sie mir aber auch nicht als Arbeitszeit ausgezahlt werden kann, ist das noch frustrierender.

Gleiches gilt für Arbeitszeiten. In einer unserer Einrichtungen gibt es z.B. 24-Stunden-Schichten (8 Stunden Spätdienst, 8 Stunden Nachtbereitschaft, 8 Stunden Frühdienst). Rein rechtlich auch schon eine Grauzone, aber diese 24-Stunden-Schichten sind bei vielen Mitarbeitern unglaublich beliebt, weil sie da 2,5 Arbeitstage (die Nachtbereitschaft zählt nur halb als Arbeitszeit, i.d.R. können die Mitarbeiter da 8 Stunden schlafen…) in 24 Stunden erledigen können. Acht solcher Schichten und die Arbeit für den Monat ist rum - und der Wechsel von 24-Stunden-Arbeit und 72-Stunden-Frei ist tatsächlich ein meiner Meinung nach sehr angenehmer Arbeitsmodus.

Das große Dilemma bleibt die Problematik, dass man diese Dinge nicht „auf freiwilliger Basis“ machen kann, weil Arbeitgeber einfach zu viele Möglichkeiten haben, Druck auf die Arbeitnehmer auszuüben, sodass Arbeitnehmer gedrängt werden, solche Dinge „freiwillig“ zu machen. Andererseits ist dieser Umstand wirklich frustrierend für diejenigen, die es tatsächlich freiwillig machen wollen, die also tatsächlich lieber keine Zwangspause wollen oder tatsächlich lieber 4 x 10 Stunden als 5 x 8 Stunden arbeiten wollen. Mir fehlt die Fantasie, wie wir dieses Problem lösen können, wie wir also dem Arbeitnehmer mehr Flexibilität geben können, ohne ihn dadurch dem Arbeitgeber auszuliefern.

Unter’m Strich denke ich jedenfalls weiterhin, dass eine wöchentliche Maximalarbeitszeit sinnvoller ist als eine tägliche Maximalarbeitszeit. Die durchschnittliche(!) wöchentliche Maximalarbeitszeit sollte allerdings 40 Stunden betragen, daher einzelne Wochen mit mehr als 40 Stunden sind erlaubt, aber im Durchschnitt über einen Zeitraum von z.B. 3 Monaten darf die Arbeitszeit nicht höher als 40 Stunden liegen. Eine solche Regelung würde meines Erachtens die Horrorszenarien, die von den Kritikern einer Ausweitung der täglichen Arbeitszeit angenommen werden, ausschließen - und zugleich die maximal 40-Stunden-Woche gesetzlich zementieren.

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Nicht unbedingt. Bei uns in der Produktion stehen Maschinen, die durchlaufen müssen. Dementsprechend hat die Gewerkschaft mit den Arbeitgebern eine entsprechende Regelung erlassen, dass diese nach 8 Stunden Arbeit auch für 8 Stunden bezahlt werden.
Gleiches findet sich beim TVÖD-AT §6:

Die regelmäßige Arbeitszeit beträgt ausschließlich der Pausen durchschnittlich 39 Stunden wöchentlich. Bei Wechselschichtarbeit werden die gesetzlich vorgeschriebenen Pausen in die Arbeitszeit eingerechnet.