Ich bin verwundert, dass es hierzu noch keinen Thread gibt. Sieht man sich die Reaktionen auf das Reformpaket an, stößt vor allem dieser Punkt auf harte Kritik.
Die Nachteile liegen auf der Hand:
Leute, die sich nur einen Tag ausruhen müssten, gehen nun zum Arzt, warten dort lange, haben keine Erholung und werden ggf. deutlich länger krank geschrieben, als es ohne AU der Fall gewesen wäre
Arztpraxen sind ohnehin oft überfordert. Gerade auf dem Land bei schlechter ärztlicher Anbindung ist das unangenehm für Kranke.
Arztbesuche kosten dem sozialsystem Geld
Manchmal braucht man einen Tag Pause, ohne offensichtlich krank zu sein. Stichwort Psychologie. Es gibt Krankheitsbilder und seltene Situationen im Leben, wo „Hauruck, durchbeißen, ablenken durch Arbeit“ eben nicht das richtige Mittel sind. Aber geh damit mal zum Arzt…
Arztpraxen könnten eine Art „Fast Lane“ für Leute die nur ne AU wollen einrichten. Führt evt. dazu, dass die Helferin am Tresen steht und AUs ausfüllt die der Arzt nur schnell unterschreibt.
Aber…
Fälschliche Austellung der AU soll härter bestraft werden
Unser Krankheitsstand ist nunmal super hoch, und es gibt sicherlich genug Leute, die die Regelung ausnutzen
Wie die Wirkung letztenendes ist, wissen wir schlichtweg nicht. Man kann auch Fan vom „Experiment“ sein. Zur Not dreht die nächste Regierung das Ding halt zurück
Ich hab in der Schule den Leherer und in der Ausbildung den Meister aktiv um AU Pflicht am ersten Tag gebeten. Mir hat es immer geholfen „Disziplin“ zu zeigen. Völlig nutzlos ist die Maßnahme je nach Mensch sicherlich nicht
Am meisten interessieren mich bessere Lösingsvorschläge. Hier einige Ideen. Habt ihr auch welche, bzw. was denkt ihr dazu?
Zusätzlich ein besonderes Atthest einführen, mit dem man sich doch wieder mit AU ablag 3 krankschreiben kann. Z.B. für Migränepatienten.
Stattdessen noch viel stärker drauf schauen, was uns krank macht und gegensteuern. Stichwort Tabak und Zuckersteuer. Aber good luck das gegen das konservative Lager durchzusetzen.
Wer in der Koalition kam auf diesen grandiosen Vorschlag oder hat das einmal mit der Realität abgeglichen?
Wenn man bspw. Montag wegen Kopfschmerzen oder noch Folgekrank vom Wochenende ist, bekommt man vor Dienstag meist sowieso keinen Termin. Sind also schon zwei Tage Krank. Und der Arzt schreibt einen dann meist noch inklusive Mittwoch krank.
jeder Arbeitgeber kann auch heute schon ab dem ersten Tag eine AU verlangen. Die meisten machen das nur nicht, weil es erstens nur Bürokratie ist und meist einfach nur unnötig ist.
Wie kommt man auf solche Beschlüsse? Das ist komplett lächerlich. Muss die CDU irgendwas „vorzeigen“, weil es bei der aufweichung des Kündigungsschutz nicht geklappt hat? Ich hoffe einfach, dass der Bundestag noch irgendwie Hirn beweist und das ganze zu einer freiwilligen Maßnahme des Arbeitgebers reduziert (was es schon gibt!)
Aber wer wirklich blau machen will hat auch weiterhin die Möglichkeit dazu. Entweder durch den klassischen Arbeitszeitbetrug wo das geht oder indem man sich dann eben einen Termin bei Teleclinic klickt.
Die typischen 1-3 Tage AU sind keine Medizin, sondern Massenabfertigung mit Doktortitel.
Ich sehe den Sinn nicht wirklich. Es wurde einfach ein Wunsch der Arbeitgeberlobby erfüllt.
Ich bin mir gar nicht sicher, ob die Teleclinic nicht ebenfalls von dem Reformpaket umfasst ist. Wer das schon Mal selbst getestet hat, weiß, dass es einfach keinen (praktischen) Unterschied zur telefonischen Krankschreibung gibt. Man bekommt immer eine AU.
Konsequent wäre es, diese Praxis ebenfalls zu untersagen.
Aber die können das doch ohnehin verlangen. Außerdem:
Merz betonte heute, dass Betriebe einzel- oder tarifvertraglich sowie in Betriebsvereinbarungen davon abweichen können.
Ist das also bloß Symbolpolitik um die Beliebtheitswerte noch weiter zu drücken? Oder ändert sich so tatsächlich etwas?
Edith: „Einzelvertraglich“ ist vermutlich das Stichwort. Ich sehs schon, das soll also wohl der Diskriminierung dienen. Gute Positionen werden mit laschen Regeln belohnt und dann gibt’s noch die ausgebeuteten, die nicht mal krank sein dürfen.
Tja Merz kommt halt aus der Führungsebene. Hauptsache Lösungen zur Erfüllung der KPI finden. Ob er glaubt anschließend einen dicken Bonus ausgezahlt zu bekommen?
Das kann aber auch bedeuten, das ich mich vorbildlich trotz Grippe zur Arbeit schleppe, mich mit halber Kraft über die Arbeitswoche schleppe und dabei meine Kollegen/innen anstecke.
Ich verstehe ehrlich gesagt die Aufregung nicht so.
Man könnte das Land voranbringen, indem man - damit einhergehend - die Telemedizin breit ausbaut. Ich bin selbst Arzt und hatte letztes Jahr eine nervige Erkältung, die länger dauerte als 4 Tage (ging Sonntag los, meine Klinik fordert erst nach 3 Krankheitstagen, also ab Donnerstag ein Attest).
Nun wäre es weder heilungsfördernd, noch angenehm, sich mit mäßiger Dyspnoe und Krankheitsgefühl zum Arzt zu schleppen. Bin gesetzlich bei der TK versichert, hab gesehen, dass die in direkter Kooperation mit einem Teleklinik-Anbieter eine Online-Krankschreibung anbieten und mich für weitere 3 Tage krankgeschrieben habe lassen (glaube, dass bei Bekanntheit des Patienten in einer Praxis eine telemedizinische Krankschreibung über 7 Tage möglich ist, bei reinen Online-Angeboten, im Rahmen derer man dann per Videotelefonie mit einem Facharzt, der dem Patienten bis dato nicht bekannt war, verbunden wird, sollten es 3 Tage sein).
Ärzte (mich eingeschlossen) jammern gern - vielleicht ist es endlich ein Motivator, Telemedizin auf beiden Seiten auszubauen, optimal wäre natürlich eine einfache, (staatlich bereitgestellte?), datenschutztechnisch zertifizierte Infrastruktur.
Die Arbeitgeber können bei Bedarf auch jetzt schon eine AU ab dem 1. Tag der Krankmeldung verlangen. Das aktuelle Gesetz sagt nur, dass es ab dem 4. Tag Krankheit notwendig ist. Wozu also der ganze Quatsch?
Telefonisch sollte meiner Meinung nach nur bei bereits bestehendem Patientenkontakt möglich sein. Einen Patienten visuell zu sehen (besser: Händedruck, Geruch, dezente Eindrücke von Mimik und Gestik, die auch mit hochauflösender Videotechnik bei 60 Hz schwer darstellbar sind, „Atmosphäre“) ist das Minimum, das man für die valide Beurteilung einer Arbeitsunfähigkeit voraussetzen sollte.
Sicher ist: Auch bei Kopfschmerzen werden ich mich sicher nicht nur einen Tag krankschreiben lassen. Um dann zu riskieren, am nächsten Tag wieder zum Arzt rennen zu müssen? Nein Danke.
Wenn Teleklinik nicht mit verboten wird, betrifft es mich aber eh nicht.
Konsequent im Sinne der Arbeitgeberverbände wäre es, einfach die Lohnfortzahlung im Krankenfall ersatzlos zu streichen. Dann können wir sicher alle beobachten, wie die Krankheitstage drastisch zurückgehen. Und das ist ja dann wohl der klare Beweis dafür, dass die früher angeblich „Kranken“ alle nur zu faul waren und notleidenden Unternehmen auf der Tasche lagen!!11!?!
[Achtung, Satire!]