Artenvielfalt und Naturschutz - Massensterben direkt vor unserer Haustür

Danke → Toller Podcast!

Kern: „Der Schutz der Biodiversität ist keine Konkurrenz zum Schutz des Klimas, sondern eine Voraussetzung dafür.“

https://www.der-postillon.com/2019/05/affen-menschen.html

1 „Gefällt mir“

Ich kann hier die großartigen Time is up Vorträge von Mark Benecke empfehlen:

Er ordnet das auch im größeren Klimakontext ein. Aber Vorsicht: geht davon aus, dass ihr da nicht mit guter Laune rausgeht. Dafür ist das Thema zu tragisch.

Er kehrt auch immer wieder gut heraus, wie dieses Thema seit Jahrzehnten totgeschwiegen wird: die Erkenntnisse sind überhaupt nicht neu, aber wir bekommen es nicht hin, das in individuelles und gesellschaftliches Handeln umzuwandeln.

Er zeigt auch sehr gut, dass der Zug für uns, unsere Kinder und Enkel im Wesentlichen abgefahren ist. Das ist erschreckend, frustrierend, beängstigend, und die Kritiker betiteln das als Panikmacherei. Aber egal ob er sehr recht oder nur ein bisschen recht hat: uns stehen große Umwerfungen bevor. Ob es uns passt oder nicht.

5 „Gefällt mir“

Das Erstaunliche ist ja, dass wirklich jede Person, die einen Spaziergang macht, feststellen kann, dass sich das natürliche Umfeld künstlich, also durch Menschenhand negativ verändert. Man braucht keine höhere Bildung, bzw. Phantasie dafür, dass sich dadurch die Bedingungen für Tiere, Pilze und Pflanzen verschlechtern. In der Folge dann auch für den Menschen…

Der Punkt ist doch, dass wir die Gedanken dazu aktiv unterdrücken/nicht zulassen.

Beispiele:

-Mähroboter, es braucht keine Bildung, nur Logik um die Konsequenzen zu erfassen.

-Hermetisch abgeriegelte Grundstücke ohne Durchlass für Igel & Co., wo sollen die Wandergesellen denn hin?

-Blühstreifen (wenn sie denn überhaupt existieren) am Rande von stark befahrenen Straßen.

-Pestizide auf unseren LEBENSmitteln

-Wasserknappheit vs. private Pools.
-Wasserknappheit vs tägliches Duschen ohne Sinn

-Eine Verkehrsinfrastruktur die nahezu vollständig auf das Auto ausgerichtet ist

Diese Liste lässt sich beliebig erweitern;

Rafaels Frage ist daher mehr als folgerichtig. Wir brauchen mehr proaktive Auseinandersetzung. Mehr aktive Beiträge für den Schutz von Lebewesen, Lebensgrundlagen für uns alle

Gerade jetzt. Der Einsatz für die Natur wird ja inzwischen geradezu kritisch, negativ bewertet und auch auf negative Weise politisiert und polarisiert. Die biolLOGISCHEN Tatsachen spielen nicht die Rolle die Ihnen zustehen…

6 „Gefällt mir“

Interessant in diesem Zusammenhang ist der aktuelle SZ-Artikel zu den geplanten EU-Erleichterungen bei der Pestizidzulassung.

Bürokratieabbau auf Kosten der Gesundheit?

Die Diskussion hier dreht sich im Kern um den Verlust ökologischer Resilienz. Umso bemerkenswerter ist, dass ausgerechnet in einer Zeit dokumentierten Artenrückgangs über die Abschwächung von Kontroll- und Prüfmechanismen diskutiert wird. Die Frage ist nicht, ob Landwirtschaft produktiv sein soll, sondern ob wir die ökologischen Kosten unseres Produktionssystems ausreichend berücksichtigen.

Wenn Biodiversität die Grundlage stabiler Ökosysteme ist, sollte ihre Erosion eigentlich ein Argument für mehr Wissen und Kontrolle sein – nicht für weniger.

Die Idee, ausgerechnet während eines ökologischen Rückgangs Überprüfungen abzubauen, erinnert ein wenig an den Vorschlag, die Rauchmelder leiser zu stellen, weil die Brandmeldungen inzwischen so häufig geworden sind. :woozy_face: :roll_eyes: :see_no_evil_monkey:

5 „Gefällt mir“

Eine interessante Terminwahl !

Ein Thema für die Halbzeitpause der WM 2o26?

Die EU könnte ausgerechnet während des größten Sportereignisses des Jahres weitreichende Änderungen bei der Pestizidregulierung beschließen. Schon die Veröffentlichung des Vorschlags erfolgte kurz vor Weihnachten. Zufall? Oder setzt man bewusst auf Zeiträume, in denen möglichst wenig Öffentlichkeit hinschaut?

3 „Gefällt mir“

Sonderregelungen für Landwirt:innen gibt es ja zuhauf. Sogar für Emissionsreduktionen:

Kaum eine Branche kommt im deutschen Klimaschutzgesetz so leicht davon wie die Landwirtschaft. Dieser Sektor muss seinen Treibhausgasausstoß bis 2030 nur um 31 Prozent senken – das ist die bei Weitem geringste Reduktion unter allen Sektoren der deutschen Klimabilanz.

Und die Vertreter:innen der industriellen Großbäuer:innenverbände fordern ziemlich viel:

Es gibt zwar auch andere Agrarverbände, die auch ganz andere Vorstellungen haben (z.B. die Arbeitsgemeinschaft bäuerliche Landwirtschaft oder diverse Ökoverbände), doch die dringen medial kaum durch.

Stattdessen wird immer wieder das Opfernarrativ der Großagrarier:innen kolportiert.

4 „Gefällt mir“

Der Zusammenhang von Landwirtschaft und Artensterben drängt sich auf und ist offensichtlich. Dass der Bürokratieabbau nun im Zusammenhang mit reduzierten Vorgaben zum Einsatz von Pestiziden angegangen wird ist fragwürdig. Geradezu obszön. Man kann hier neben dem Artensterben auch den Bogen zu den Kosten der Krankenversicherung spannen. Ein Thema das ja derzeit ebenso diskutiert wird.

Beim Thema Pestizide und Ökosystem spielt meiner Meinung nach der Bauernverband eine zentrale, aber zweideutige Rolle. Wie der Begriff vermuten lässt, vertritt er die Interessen der Bauern. Aber wieviele Bauern sind denn überhaupt noch Landwirte im wörtlichen Sinne? Sehr viele sind vielmehr mittelständische Agrarindustrielle die dem ökonomischen Maximierungsprinzip folgen? Der ursprüngliche Bauer sorgte für den Erhalt seiner Felder und Wälder. Sie waren ja seine Lebensgrundlage. Er erhielt durch sein nachhaltiges wirtschaften bspw. den fruchtbaren Humus. Ein inzwischen rares Gut. Eine Vielzahl von Arten trugen dazu ebenfalls bei. Während heutige Agrarindustrielle mit Pestiziden, chemischen Düngern und gigantischen Fahrzeugen den fruchtbaren Boden zerstörten. Der lachende Dritte ist die Pharma- und Chemieindustrie. Sie bieten (vom Bauernverband umworbene) Lösungen an. Lösungen, die auch auf Kosten der Steuerzahler und Krankenversicherten Beitragszahler gehen. Es ist eine Industrie die sich mindestens aus drei großen Geldtöpfen speist. Einnahmen der agrarindustriellen „Bauern“, Steuergeldern aus allen Ebenen des föderalen Staates mit EU, und Geldern der Krankenversicherten zu Behandlung von Krankheiten. Artenschutz ist folglich Menschenschutz. Er ist nicht „nice to have“, oder eine intellektuelle Unterhaltung, er ist essenziell für unsere Gesundheit und Lebensgrundlagen.

5 „Gefällt mir“

Ein weiterer Aspekt, der eng mit dem Artensterben zusammenhängt, ist die Frage, wie wir als Gesellschaft mit der Rückkehr von Wildtieren umgehen. Denn Naturschutz bedeutet nicht nur, das Verschwinden von Arten zu verhindern, sondern auch, ihnen wieder Raum zu geben. Besonders deutlich wird das am Biber: Er gilt als sogenannte Schlüsselart bzw. Ökosystemingenieur und schafft durch seine Dämme Lebensräume für zahlreiche andere Tier- und Pflanzenarten. Gleichzeitig wird er vielerorts als Problem wahrgenommen und sogar illegal verfolgt. Die Debatte um Biber, Wolf und Otter zeigt deshalb exemplarisch, wie schwierig uns die Koexistenz mit Wildtieren oft fällt – obwohl gerade ihre Rückkehr ein wichtiger Baustein für artenreiche und widerstandsfähige Ökosysteme sein kann. Dazu habe ich einen separaten Themenvorschlag erstellt:

Was das Bewusstsein in der Bevölkerung angeht finde ich die Idiotie der Menschheit im eigenen Garten immer vorzüglich.

Rasen wird jeden Tag vom Mähroboter auf 2mm gehalten. Steingarten. Alles was rumliegt wird sofort weggeräumt. Gepflanzt werden irgendwelche Blüten, die weder Nektar noch Pollen liefern, aber „schön aussehen“ oder nicht heimisch sind. Hecke gibt nicht, dafür Plastikzaun. Direkt im Herbst wird alles weggeräumt. Beete komplett leer.

ABER Weltmeister im Vogel-, Igel-, etc Haus aufhängen, Vogelfutter an jeder Ecke, das irgendwo extra angebaut wurde und wie Erdnüsse nichtmal in Deutschland. Bienenhotelresorts bis zum geht nicht mehr. Alles natürlich für teuer Geld gekauft.

Und wenn’s ums Insektensterben geht, denken alle an die Honigbiene.

4 „Gefällt mir“

Vielleicht ist der Steingarten ein Symptom?

Wir leben in einer Welt, die sich zunehmend der Kontrolle entzieht – Klima, Wirtschaft, Politik. Was bleibt, sind 200 Quadratmeter Reihenhausgarten. Die werden dann so gründlich kontrolliert, dass für Natur buchstäblich kein Platz mehr bleibt.

Aber warum gilt der tote, ordentliche Garten eigentlich mehr als der lebendige, unordentliche? Niemand hat das bewusst entschieden. Es hat sich ergeben – durch Jahrzehnte Hochglanzmagazine, Gartencenter-Ästhetik und Nachbarschaftsblicke. Ordnung wurde zur Tugend erklärt. Wildnis zur Vernachlässigung.

Das ist keine Naturgesetzlichkeit. Das ist Kultur. Anerzogen, verstärkt, vermarktet. Und da liegt vielleicht das eigentliche Problem?

1 „Gefällt mir“

Der Ursprung des englischen Rasens sind die Königlichen Gartenanlagen. Man konnte zeigen, dass man es nicht nötig hatte, etwas Essbares anzubauen und stattdessen komplett nutzlosen und aufwendig zu pflegenden Rasen so weit das Auge reicht. Es sind halt mal wieder komplett dämliche Ideale, die sich fortpflanzen.

2 „Gefällt mir“

Jup! Wir bewerten Landschaften häufig nicht danach, wie lebendig sie sind, sondern danach, wie kontrolliert sie wirken :monkey_face:

Ich möchte meinen Themenvorschlag um einen Aspekt ergänzen, den ich für sehr spannend halte.

Ausgangspunkt ist ein aktuelles Interview mit dem Psychologen Wilhelm Hofmann über die gesellschaftliche Akzeptanz von Klimaschutz. Sein zentraler Befund: Viele Menschen sind deutlich eher bereit, Klimaschutzmaßnahmen mitzutragen, als allgemein angenommen wird. Gleichzeitig unterschätzen sie die Bereitschaft ihrer Mitbürger – und offenbar auch Politiker tun das regelmäßig.

Das hat mich unmittelbar an die Debatten über Artenvielfalt, Naturschutz, Renaturierung und die Zukunft unserer Kulturlandschaften erinnert. Dort entsteht häufig der Eindruck, dass ambitionierte Maßnahmen vor allem an mangelnder gesellschaftlicher Akzeptanz scheitern. Aber stimmt das tatsächlich? Oder könnte ein Teil des Problems darin liegen, dass Bürger, Medien, Verbände und Politik die Haltung der jeweils anderen systematisch falsch einschätzen?

Mich würde interessieren, ob es ähnliche Untersuchungen für den Bereich Biodiversität und Naturschutz gibt. Wird die Zustimmung zu Maßnahmen wie Renaturierung, Wiedervernässung von Mooren, Schutzgebieten, naturnäherer Landwirtschaft oder dem Erhalt von Lebensräumen möglicherweise genauso unterschätzt wie beim Klimaschutz? Falls ja, hätte das erhebliche politische Konsequenzen. Denn dann wären manche Blockaden womöglich weniger Ausdruck tatsächlicher gesellschaftlicher Ablehnung als vielmehr Folge einer verzerrten Wahrnehmung dessen, was die Bevölkerung eigentlich unterstützt.

Ich finde diesen Gedanken deshalb so interessant, weil er den Blick von der üblichen Frage „Welche Maßnahmen brauchen wir?“ auf eine vorgelagerte Frage lenkt: „Haben Politik und Öffentlichkeit überhaupt ein realistisches Bild davon, wofür Mehrheiten existieren?“

Gerade im Bereich Artenvielfalt und Naturschutz könnte das ein spannender Zugang sein, um besser zu verstehen, warum viele fachlich gut begründete Maßnahmen politisch so schwer vorankommen.

Als Anstoß dazu fand ich dieses Interview mit Wilhelm Hofmann lesenswert: https://www.zeit.de/wissenschaft/2026-06/wilhelm-hofmann-politiker-deutsche-bevoelkerung-sozialpsychologie

Ich kann die geschilderten Beobachtungen aus meiner beruflichen Praxis als Umweltplanerin sehr gut nachvollziehen. Viele Entwicklungen, die im Schreiben beschrieben werden, sind leider keine Einzelfälle. Bei Kartierungen und Bestandsaufnahmen zeigt sich immer häufiger, dass Arten, die früher als selbstverständlich galten, deutlich seltener geworden sind oder lokal ganz verschwunden sind.

Besonders problematisch ist, dass Artenverluste oft schleichend erfolgen und deshalb gesellschaftlich kaum wahrgenommen werden. Wer heute nur noch wenige Insekten an der Windschutzscheibe hat oder deutlich weniger Feldvögel hört als früher, nimmt dies häufig als neue Normalität wahr. Fachlich betrachtet sind diese Veränderungen jedoch alarmierend.

Auch die Bedeutung strukturreicher Lebensräume wird häufig unterschätzt. Feldraine, Hecken, Brachen, Kleingewässer oder extensiv genutzte Wiesen sind für viele Arten überlebenswichtig. Gehen diese Strukturen verloren oder werden Flächen immer intensiver genutzt, geraten ganze Artengemeinschaften unter Druck.

Das Schreiben spricht zudem einen wichtigen Punkt an: Naturschutz wird oft als ideologisches Thema diskutiert, obwohl es letztlich um den Erhalt funktionierender Ökosysteme und damit um unsere eigenen Lebensgrundlagen geht. Artenvielfalt ist kein Luxus, sondern eine Voraussetzung für stabile Böden, sauberes Wasser, Bestäubung und widerstandsfähige Landschaften.

Deshalb halte ich es für wichtig, dem Thema Artensterben mehr öffentliche Aufmerksamkeit zu geben. Viele Fachleute weisen seit Jahren auf die Entwicklung hin. Die gesellschaftliche Wahrnehmung hält mit der ökologischen Realität bislang jedoch nur unzureichend Schritt.

3 „Gefällt mir“

Möglich. Ich halte es aber auch für möglich, dass Bürgerinnen und Bürger ihre eigene Haltung hinterfragen müssen: solange Maßnahmen unkonkret bleiben sind eigentlich immer alle dafür. Es wandelt sich dann aber auch, wenn es konkret wird. Wenn es

  • der eigene Stellplatz ist, der weg fällt
  • der eigene Garten ist, bei dem man Beikräuter wachsen lassen soll
  • die eigene Ernährung ist, die man auf Bio und vegan umstellen soll
  • die eigene Fernreise ist, die man mit der Bahn machen soll
  • die eigene Nachbarschaft ist, in dem das Windrad gebaut wird
    usw.

In Umfragen geben viel mehr Leute an, dass sie nur oder größtenteils Bio einkaufen, als sich das in den Verkaufszahlen niederschlägt.
Menschen mögen die Idee von Eigenverantwortung, solange sie nicht zur Anwendung kommt.

Hier könnte man vielleicht auch ansetzen: mal konkret Umfragen, welche ganz konkreten Maßnahmen befürwortet oder zumindest toleriert werden würden?

2 „Gefällt mir“

Da würde ich dir grundsätzlich zustimmen @thunfischtoast

Trotzdem habe ich manchmal den Eindruck, dass die Debatte zu stark auf individuelles Verhalten fokussiert. Wir reden oft so, als würden Menschen ihre Konsum- und Lebensweise jeden Tag völlig unabhängig wählen. Tatsächlich bewegen wir uns aber innerhalb von Rahmenbedingungen, die andere geschaffen haben: Was im Supermarkt angeboten wird, wie Produkte bepreist werden, welche Werbung wir sehen, wie Städte gebaut sind oder welche Verkehrsmittel praktisch nutzbar sind. Genau deshalb sehe ich die Politik stärker in der Verantwortung. Sie kann den Menschen Entscheidungen nicht abnehmen, aber sie gestaltet diese Rahmenbedingungen, unter denen die Entscheidungen getroffen werden. Wenn wir seit Jahrzehnten wissen, dass Arten verschwinden, Lebensräume verloren gehen und Ökosysteme unter Druck geraten, dann ist das aus meiner Sicht weniger ein Erkenntnisproblem als ein Umsetzungsproblem. Gerade beim Natur- und Artenschutz habe ich oft das Gefühl, dass die Dringlichkeit des Problems zwar anerkannt wird, die Konsequenzen daraus politisch aber nur sehr zögerlich gezogen werden :confounded_face:

Was mich dabei besonders irritiert: Der Rückgang der Biodiversität wird politisch seit Jahren als ernstes Problem beschrieben. Gleichzeitig werden in verschiedenen Bereichen noch immer Anreize gesetzt, die dem Schutz von Arten und Lebensräumen entgegenlaufen. Gerade in der Agrarpolitik lässt sich dieses Spannungsverhältnis immer wieder beobachten. Manchmal wirkt es, als würden Diagnose und Therapie nicht ganz zusammenpassen.

Dafür gibt es aus meiner Sicht auch interessante Hinweise außerhalb von Umfragen. Ein bekanntes Beispiel ist das Volksbegehren „Rettet die Bienen!“ in CSU-Bayern. Viele gingen damals davon aus, dass Naturschutz zwar grundsätzlich beliebt ist, bei konkreten politischen Forderungen aber schnell an Grenzen stößt. Tatsächlich wurde daraus das erfolgreichste Volksbegehren der deutschen Geschichte mit rund 1,75 Millionen Unterstützern.

Bemerkenswert war dabei, dass die Menschen persönlich ins Rathaus gehen und sich in die Listen eintragen mussten. Vielerorts standen sie dafür bei schlechtem Wetter wirklich lange Schlange. Das war also mehr als eine unverbindliche Meinungsäußerung. Unabhängig davon, wie man die einzelnen Forderungen bewertet, zeigt der Fall für mich, dass die Unterstützung für Natur- und Artenschutz mitunter deutlich größer sein kann, als häufig angenommen wird.

Wäre ja eine erfreuliche Nachricht.

1 „Gefällt mir“

Ich sehe eher die Bestätigung (auch) neuerer Studien sowie einer schon älteren Erkenntnis durch eigene Beobachtung.

Amphibien gehören zu den empfindlichsten Wirbeltieren der Erde – und zu den am stärksten gefährdeten. Als Frühwarnsysteme für den Zustand von Gewässern und ganzen Ökosystemen reagieren sie besonders rasch auf Umweltveränderungen. Heute gilt laut IUCN bereits 41 % aller Arten weltweit als bedroht.

1 „Gefällt mir“

Da hast du natürlich recht. Nicht alle Maßnahmen stehen allen Personen offen. Aber ich habe auch schon gehört, dass „Wir können ja nicht alle x“ als Ausrede benutzt wird, damit eine konkrete Person nichts tun muss (obwohl sie es könnte). Wir bewegen uns in einem Gestaltungsspielraum, der uns von der Gesellschaft vorgegeben wird, gleichzeitig bestimmen wir aber auch als Personen den Gestaltungsraum mit. Und wenn die Leute nicht mal ihren persönlichen Gestaltungsspielraum nutzen - wie soll dann eine gesellschaftliche Entwicklung geschehen? Einige Optionen stehen nämlich dem aller größten Teil der erwachsenen Bevölkerung zur Verfügung, grade was die Ernährung angeht.

Natürlich wäre es schön, wenn Politik und Großkonzerne (die auch im Agrarsektor viel Macht haben) „einfach“ das richtige tun würden. Ich sehe bisher leider noch nicht den plausiblen Pfad dahin. Die Christdemokraten zeigen beim Klima-Thema aktiv, dass ihnen ihre Agenda wichtiger ist als die Wahrheit - wieso sollte es beim Naturschutz anders sein? Diejenigen, die das „richtige“ tun, werden dann an die Wand gestellt, siehe Habeck.

Tut mir leid, wenn ich hier so Trübsal blase. Ich wünsche mir so sehr, dass mehr Menschen da aufstehen und sich engagieren.

1 „Gefällt mir“

Die Hitzewelle hat etwas Ironisches. Sobald es 35 Grad werden, reden wir plötzlich ganz selbstverständlich über Kühlung als Teil der öffentlichen Daseinsvorsorge. Über Trinkbrunnen, Schatten, Frischluftschneisen, hitzeresistente Städte.

Gleichzeitig führen Moore, Hecken, Auen oder alte Bäume in der politischen Debatte oft noch ein Eigenleben unter der Überschrift „Naturschutz“. Als wären sie eine Art grünes Hobbyprogramm. Dabei übernehmen sie genau dieselbe Aufgabe – nur seit ein paar tausend Jahren und meist ohne Stromrechnung.

Vielleicht unterschätzen wir Biodiversität auch deshalb so systematisch: Wir nehmen ihre Leistungen erst wahr, wenn sie fehlen. Das ist ein merkwürdiger Maßstab. Niemand würde auf die Idee kommen, die Kanalisation erst dann als Infrastruktur anzuerkennen, wenn sie drei Wochen ausfällt :upside_down_face:

2 „Gefällt mir“