… Fortsetzung:
Merz und viele andere verkennen vollkommen, warum es eigentlich gehen sollte:
Niemand, wirklich niemand arbeitet, um den gesellschaftlichen Wohlstand zu erhalten oder zu steigern.
Es geht immer um das individuelle Glück (in der Volkswirtschaftlslehre überflüssigerweise als „Nutzen“ versachlicht).
Menschen arbeiten
- entweder, weil sie in der Arbeit Erfüllung und Selbstwirksamkeit erfahren wollen. Arbeitgeber, die solche Mitarbeiter suchen, müssen solche Stellen / Arbeitsplätze zur Verfügung stellen.
- oder, um Geld zu verdienen, damit sie ihr Leben neben der Arbeit finanzieren können. Letzteres verhalten sich wie viele Unternehmer: Sie sind nur vom Geld motiviert. Wenn sie Geld erhalten, ohne etwas dafür tun zu müssen, werden sie das versuchen.
Wir als Gesellschaft müssen endlich begreifen, dass wir eine Politik benötigen (und vermutlich auch alle wünschen), die uns optimale Rahmenbedingungen für unsere Erfüllung und Selbstwirksamkeit stellen.
Das ultimative Ziel ist daher eben nicht das Bruttosozialprodukt und dessen Wachstum. Diese sind lediglich eine notwendige, aber noch lange keine hinreichende Bedingung für Glück und Zufriedenheit, Mittel zum Zweck.
In der Politik sollte es um so viel mehr gehen.
Ich habe, angeregt durch jemanden hier im Forum (ich hab‘s leider nicht mehr gefunden - danke an den- oder diejenige) ein sehr interessantes Gespräch mit Prof. Hartmut Rosa gehört.
Was macht ein wirklich gutes, tief zufriedenes Leben aus – jenseits von „höher, schneller, weiter“?
Der Soziologe Prof. Hartmut Rosa, angeblich einer der einflussreichsten Gegenwartsdenker zu Beschleunigung und „Resonanz“, spricht hier darüber, wie der moderne Wachstumsimperativ unser Leben prägt: Wir arbeiten immer mehr, optimieren unser Privatleben und sogar unser Selbstbild, getrieben von Abstiegsängsten und permanentem Zeitdruck. Wir begegnen Natur, Mitmenschen und uns selbst vor allem als etwas, das verfügbar, kontrollierbar und optimierbar sein soll – mit Folgen: Ausbeutung der Natur, instrumentale Beziehungen zu anderen und gnadenlose Selbstoptimierung, bei der es am Ende nur noch darum geht, effizient zu funktionieren. Er nennt dieses Verhalten „Aggressionen“
Dem stellt Rosa eine andere Idee des guten Lebens gegenüber: gelingende Resonanzbeziehungen – zu Menschen, zu unserer Arbeit, zur Natur und zu Kultur/Sinnwelt. Momente, in denen uns etwas wirklich berührt und wir antworten, statt nur zu managen. Ein solches Leben braucht Räume, in denen diese Beziehungen lebendig und emotional erlebt werden können, Zeit und die Offenheit dafür, dass Wichtiges nicht plan‑ oder machbar ist, sondern „unverfügbar“ bleibt und wir offen dafür sind, uns davon überraschen zu lassen.
Zentral ist dabei die Erfahrung von Selbstwirksamkeit: das Gefühl, durch eigenes Handeln etwas Sinnvolles bewirken zu können – nicht bloß Vorgaben zu vollziehen, sondern echten Handlungsspielraum zu haben. Arbeitgeber sollten darauf achten. Wir benötigen gesellschaftliche Strukturen, die Resonanz ermöglichen und unsere „Aggression“ (s.o.) zurückfahren, damit wir nachhaltige Zufriedenheit statt erschöpfende Gehetztheit erreichen.
Treibt mich ziemlich um.
Ich bin überzeugt davon, dass das gar nicht im Widerspruch steht zu Effizienz, Management, eine soziale und ökologische Marktwirtschaft und schon gar nicht Demokratie. Ich glaube, dass wir vielmehr sehr viel mehr erreichen können, wenn wir solche Konzepte zu den primären Zielen der Politik machen, sie als vor oder über die konventionellen Ziele von Merz & Co. stellen