Apple, Trump und Foss (Free Open Source Software)

Lieber Ulf, lieber Philip, vorweg vielen herzlichen Dank für Euer tolles Format und den Podcast, welchen ich seit Jahren höre, mittlerweile auch unterstütze und regelmäßig weiterempfehle!

Einen Kommentar habe ich allerdings zu einem Thema, das immer mal wieder hochkommt, nämlich Eure “Apple-Präferenz”. Einerseits ist es mir bei Euren Verlosungen aufgefallen, dass es oft um iPads geht, aber eben auch die Karten-App und jetzt die Lage-App, die es nur für iOS gibt.

Grade Ihr, die in so vielen Beiträgen auf “Freiheit”, “Unabhängigkeit” pochen und auch schon OpenOffice etc. als Alternativen zu Microsoft-Produkten thematisiert habt… und natürlich auch nicht mit Kritik an Trump spart. Also mich persönlich hat die Nähe von Apple-Chef Tim Cook zu Trump dazu gebracht, mich wieder von Apple zu trennen. Ohne das recherchiert zu haben, vermute ich, dass Apple-Services in den USA gehostet werden, und digitale Unabhängigkeit ist mir immer wichtiger geworden. Den DID (digital independence day) habt Ihr ja auch schon thematisiert!

Long story short: Ich wette, dass Ihr in Eurer Hörerschaft überdurchschnittlich viele Menschen habt, die z.B. am DID teilnehmen, oder diesen beobachten und z.B. Android-Telefone mit custom-roms versehen haben, um auf Apple oder Google verzichten zu können. Meine persönliche Wahl ist GrapheneOS, meine digitale Unabhängigkeit habe ich größtenteils vollzogen - und würde mich sehr freuen, wenn auch die Lage eine Alternative zu iOS/Apple anbieten würde (natürlich bitte nicht Google :wink:)…

Natürlich kenne ich das Argument und weiß ich aus eigener Erfahrung, dass das “frickelig” und mühsamer ist, als sich im anwenderfreundlichen Apple-Universum zu bewegen - aber wie gesagt: ich vermute, dass unter den Hörenden doch viele sind, denen das ebenfalls wichtig wäre. Vielleicht greift Ihr das mal auf - und ggf. gibt es ja sogar in der Hörerschaft Menschen, die bei der Umsetzung einer FOSS Alternative unterstützen würden; ich selbst bin “leider” nur Anwender, aber kein Programmierer…. Dank im Voraus und viele Grüße aus Hamburg!

ps: ich hab auch schon an Gewinnspielen teilgenommen - aber eigentlich will ich gar kein iPad haben…. :wink:

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Menschen mit Custom Android Roms sind die gleichen, die der Meinung sind, dass dieses Jahr das Jahr des Linux-Desktops ist.

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ganz sicher!

das glaube ich nicht - jedenfalls nicht in relevanter Zahl.

das wäre für mich alleine kein hinreichendes Argument. Mich überzeugt, dass Apple eine konkurrenzlose Usability mit einem ehrlichen Commitment zum Datenschutz verbindet, was so weit geht, dass sie jahrelange Verzögerungen bei KI-Features in Kauf nehmen, bis sie die entsprechenden Funktionen on device anbieten können. Das ist schon beeindruckend. Und ich weiß aus eigener Erfahrung, dass sie Privacy auch gegenüber Entwicklern durchsetzen.

Ja, ein Android mit Custom Rom ist vermutlich noch datenschützender und souveräner als ein Standard-iPhone. Aber für die ganz normalen Menschen da draußen ist ein iPhone der 1000x bessere Deal als ein Standard-Android-Gerät. Daher finde ich es auch ethisch absolut korrekt, wenn wir transparent machen, dass wir Apple-Geräte einsetzen.

Wie gesagt, damit würden wir (vor allem) die Nutzung von Standard-Android fördern, und das finde ich falsch (Stichworte Google Play Services, Updates etc.). Außerdem können wir das auch einfach nicht stemmen, wir sind ja vor allem Journalisten und Chefs eines kleinen Medien-Unternehmens.

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Wichtiger als Custom Roms ist wohl eher Androids Marktanteil von ~70% in Deutschland. Es haben einfach viel mehr Menschen ein Android-Handy als ein iPhone.

Es stimmt aber natürlich, wenn man sonst nur für iOS bzw mit Swift programmiert, ist das ganze Android-Ökosystem schon ein ziemlicher Umstieg. Da verstehe ich schon, dass man das nicht mal eben nebenbei machen kann und sich erstmal auf iOS fokussiert.

Trotzdem wäre eine App auf beiden Zielplattformen (+ die im Podcast erwähnte geplante Web-App) aus Abonnentensicht natürlich nochmal besser. Das geht ja mittlerweile sogar auch mit einer einzelnen Codebase (Stichwort Flutter oder Kotlin/Compose Multiplatform) für iOS, Android und Web.

Das ist sicher richtig.

Wir sollten aber aufhören, das Verhalten von Mitmenschen immer danach zu bewerten, ob sie sich im Sinne der eigenen Haltung und Werte „richtig“ oder „falsch“ Verhalten (Fleisch Essen, fliegen, Verbrenner fahren, US-amerikanische Technik verwenden). Das trägt zur ohnehin großen Spaltung der Menschen bei, ohne dass es irgendetwas verändert.

Ich selbst bin, ähnlich wie Ulf @vieuxrenard, überzeugter Apple-Nutzer. Zum einen, weil mich unübertroffene, umfassende Ausgereiftheit und Nutzerfreundlichkeit des gesamten Apple-Ökosystems überzeugt (auch wenn es da schon seit längeren wieder mehr Potenzial nach oben gibt wie früher). Alle anderen US- und v.a. Nicht-US-Alternativen wären aus meiner Sicht mit einer für mich inakzeptablen Einbuße an Integration und Benutzerfreundlichkeit verbunden.

Das Thema Datensouveränität ist richtig und wichtig. US-amerikanische Gesetze erlaubt der NSA anlasslose Massenüberwachung bei US-Anbietern ohne Einzelgerichtsbeschluss – auch auf Servern von US-Amerikanischen Unternehmen auf EU-Boden. Mehrere EU-internaltionalen Richter wurden ihre Microsoft, Apple, Amazon-, PayPal- und Visa-Dienste nach Trump-Sanktionen gesperrt. Die US-Tech-Anbieter waren dazu per OFAC-Sanktionsrecht rechtlich gezwungen. Das Fehler liegt hier im US-Recht, diesmal nicht in einem Fehlverhalten der „US-Tech-Bros“.

Zum anderen, weil ich dem Datenschutz-Versprechen von Apple - im Vergleich zu allen anderen nutzerfreundlichen Alternativen - am meisten überzeugt. Apple sammelt strukturell weniger Daten als Google, Meta oder Amazon, weil sein Geschäftsmodell nicht auf Werbedaten basiert. App Tracking Transparency (opt-in; Apple-eigenes First-Party-Tracking ist davon ausgenommen), Private Cloud Compute (kryptografisch extern prüfbar) und Advanced Data Protection (E2E-Verschlüsselung für iCloud - die Daten sind damit für US-Behörden unzugänglich) sind branchenweit einmalig. Mehr zum Thema Datenschutz und KI/Apple Intelligence: siehe unten.

Richtig ist: Auch Cook spendete persönlich 1 Million USD an Trumps Inaugurationsfonds, saß am Inaugurationsmorgen in der Kirchenreihe direkt hinter Trumps Familie und nahm an einem White-House-Dinner im September 2025 teil. Da gibt es nichts schönzureden. Fakt ist: Alle Big-Tech-CEOs taten das Gleiche – Zuckerberg, Bezos, Pichai.

Wer Apple und Cook lange verfolgt, weiß, und ich glaube ihm da: Er handelte aus strategischem Pragmatismus und bewusst sachliche Interessensvertretung (Apple hängt von US-Handelspolitik ab), keinesfalls aus ideologischer Loyalität oder politische Gefolgschaft. Bei Zuckerberg und Bezos und v.a. Musk habe ich da starke Zweifel.

Das Wall Street Journal beschreibt, dass Cook seine Beziehung zu Trump methodisch im Sinne eines gezielten Lobbyings aufgebaut hat – mit sorgfältig geplanten Treffen und einem klar fokussierten „one‑topic approach“ je Termin. Axios ordnet seine 1‑Mio‑Spende als Ausdruck eines pragmatischen Ansatzes ein, mit Regierungsvertretern aller Lager im Gespräch zu bleiben, nicht als eindeutiges politisches Bekenntnis

Fazit: Das US-Rechtsrahmen-Risiko ist wie es ist. Es gibt kein alternatives US-Ökosystem, das dieses Problem löst. Innerhalb der US-Tech-Welt bleibt Apple die datenschutzfreundlichste Wahl. Wer das Risiko vollständig eliminieren will, muss auf europäische Alternativen setzen – mit erheblichen Komfort- und Funktionseinbußen.

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Datenschutz war ein Faktor, der Apple Intelligence verzögert hat, aber nicht der einzige. Siri galt intern ein „barely functioning prototype” mit einer Fehlerquote 20–30%. Die Prompt-Injection-Sicherheitsrisiken der von Apple entwickelten AI-Foundation erwiesen sich als schwieriger als erwartet (m.W. haben auch die anderen LLM-Anbieter dieses Risiko nicht eliminieren könne), und die technische Integration von Cloud-LLMs mit dem On-Device-Ansatz war komplex.

Apple hat daher entscheiden, Googles Gemini als Basis für Apple Intelligence zu nutzen (per Opt-in). Nutzerdaten fließen nur bei expliziter Zustimmung an externe Anbieter wie Google (Gemini), später wohl auch an OpenAI (GPT), Antropic (Claude) und hoffentlich auch Perplexity.ai

Aber: Mit der Zustimmung der Nutzer gelten die Datenschutzrichtlinien dieser externen Anbieter! Selbst in der Bezahlversion von Perplexity sind meine Daten nicht vor dem Zugriff des US-Staats sicher (s.o.) und da Perplexity wieder auf die LLMs von Google, OpenAI und Antropic zurückgreift (was man in Grenzen steuern kann), weiß ich letztlich nicht, was mit meinen Daten passiert (z.B. Missbrauch als Trainingsdaten?). Das ist sowohl im privaten als auch im beruflichen Kontext mehr als problematisch!

Ich bin daher noch nicht überzeugt, dass Apple Intelligence unsere Daten wirklich gut schützen kann. Warten wir es mal ab, wenn es - hoffentlich im Juni - erscheint.

Allerdings: Ich kenne keine europäische KI-Lösung, die auch nur annähernd das Leisten kann, was z.B Perplexity, Anthropic, Google oder OpenAI bietet (nein, m.W. auch Mistral nicht). Wir stehen de facto vor der Entscheidung: „KI oder kein KI“. Europäische Souveränität gibt es hier einfach gar nicht! Ob es uns gefällt oder nicht.

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Ich gebe Dir recht, dass Europa leider nicht in der Spitzengruppe der KI konkurrenzfähig ist. Aber deutlich mehr als “kein KI” gibt es schon in Europa, z. B. Lumo von Proton ( https://lumo.proton.me/de/about ). Das ist zwar als KI nicht so leistungsfähig wie die Spitzenmodelle, aber durchaus brauchbar für viele Anwendungen. Und beim Datenschutz erscheint es mir vertrauenswürdig und der amerikanischen und chinesischen Konkurrenz weit voraus.