Danke, dass Ihr mit dem Hebammenthema und dem gefürchteten Kreißsaalsterben ein medizinisches Thema angesprochen habt.
Recherchiert doch auch mal zum Thema Apothekensterben. Ich zitiere z.B. die Pharmazeutische Zeitung: “Die ganze Dramatik des Apothekensterbens wird durch einen Blick auf den langfristigen Trend deutlich. Allein in den 3,5 Jahren der Ampelregierung verlor Deutschland 7 Prozent seiner Apotheken. Seit 2010 hat Bremen 30 Prozent seiner Apotheken verloren. Im Kammerbezirk Westfalen-Lippe ging die Gesamtzahl der Apotheken seit 2009 um 26 Prozent zurück.” 2025 geht genauso weiter (unten verlinkt)
Apotheker:innen in Deutschland sind eingetragene Kaufleute, das heißt, sie führen selbständig ein Unternehmen und stehen aber auch persönlich für das Risiko und die Kosten ein. Die Seite der Ausgaben steigt und steigt: steigende Lohnkosten, Inflation, Krieg und steigende Energiepreise, Digitalisierung und Anschaffung neuer Hard- und Software. Zusätzlich müssen noch gesetzliche Zwangsrabatte für die Krankenkassen eingeräumt werden und statt Marken-Medikamenten dürfen nur Rabattartikel abgegeben werden.
Anders als andere Kaufleute haben Apotheker:innen kaum Einfluss auf die Einnahmen-Seite. Medikamentenpreise sind deutschlandweit reguliert. Als Gewinn verdient die Apotheke an einem Kassenrezept einen Fixbetrag von 8,35€, dazu zusätzlich 3% zu seinem Einkaufspreis. Wer mal Rezepte im Wert von Hunderten oder Tausenden Euro abholt, möge dies einmal durchrechnen. Die letzte Erhöhung fand übrigens im Jahr 2013 (!) statt.
Jetzt kommen noch ein paar weitere Ärgernisse: Hat man den Rabattartikel nicht da, weil von einem Medikament und einer Dosierung nur drei Firmen im Lager sind, die Krankenkasse zahlt aber nur Firma X, so muss das Medikament bestellt werden, und man zieht sich den Zorn des Kunden zu. Gibt man das falsche Medikament ab, so zahlt die Krankenkasse nicht nur nicht die Differenz, sondern gar nichts! Gleiches gilt für Formfehler auf dem Rezept: Vom Arzt falsch ausgefüllt → kein Geld für die Apotheke.
Nun gut, sagen einige, Apotheken dürfen sterben, es gibt ja auch Online-Apotheken. Nun ist der Medikamentenversand in Deutschland jedoch mit so hohen Hürden versehen, dass dies effektiv aber nicht möglich ist. Alle großen bekannten Online-Apotheken haben ihren Sitz in den Niederlanden! Wir machen uns auf einem kritischen Feld abhängig vom Ausland - mal wieder. Dort muss anders als in der hiesigen Apotheke nicht beraten werden, dort muss anders als in der hiesigen Apotheke kein studierter Apotheker die Abgabe überprüfen, dort muss anders als in der hiesigen Apotheke kein Notdienst für Nächte und Wochenenden geleistet werden. Wer genau jetzt am Samstag abend sein Schmerzmittel oder sein Antibiotikum haben möchte, wird kaum online einkaufen.
Insgesamt passt der Trend aber zum gesamten Gesundheitswesen in Deutschland ganz allgemein: Es geht bergab…
Immer weniger Apotheken – Zahl auf dem niedrigsten Stand seit fast 50 Jahren | Gelbe Liste(Bundesvereinigung%20Deutscher,damit%20auf%20den%20niedrigsten%20Stand%20seit%201977.