Alternative Besteuerungsidee - LVT (Land Value Tax)

Im letzten Podcast wurde wieder über die ungerecht hohe Steuerlast für Arbeitende gesprochen, und die politische Entscheidung bis jetzt keine Erb, Vermögens- und Kapitalertragssteueranpassung vorzunehmen.
Dabei hat besonders Ulf wiederholt vorgetragen, dass es vor allem moralisch schwierig zu Rechtfertigen ist wieso Ausgerechnet eigene Arbeit so viel mehr besteuert werden soll als die oben genannten Passiveinkünfte.

Schon 1880 hat der amerikanische Ökonom Henry George ein Alternativvorschlag hierzu entwickelt der bisher (stehts erfolgreich) nur in kleineren Wirtschaftsrahmen ausprobiert worden ist.
Bei seiner besonderen Art der Besteuerung geht es darum den Wert eines Grundstücks (ohne Bebauung) zu ermitteln und daraus Jährliche Steuern zu verlangen. Diese Steuer sollte laut George sogar die Einkommenssteuer völlig ersetzen, was in der heutigen Welt wahrscheinlich nicht ohne weiteres zu machen wäre.

I. Heutzutage könnte sie aber zu einer enormen Entlastung für untere Einkommen ohne Grundbesitz, und zu einer konstant bleibenden Last für mittlere Einkommen mit moderatem Grundbesitz führen wenn sie teilweise die Staatseinkünfte aus der Einkommenssteuer ersetzen würde.
Landmiete ist die älteste Passiveinkunft der Welt und wird in Deutschland über die Grundsteuer viel zu wenig belastet. Das ist ganz besonders wahr im innerstädtischen Raum. Keiner kann durch eigene Arbeit in Deutschland mehr (z.B. innerstädtisches) Land erschaffen. Deswegen ist es deutlich gerechter dies zu besteuern als eigene Arbeit.

II. Heute steigen die Mieten innerstädtisch nicht nur wegen hoher Baukosten, sondern wegen steigender Bodenpreise. Grundstückseigentümer profitieren davon, dass Land durch Lage und Nachfrage teurer wird – ohne selbst etwas dafür zu leisten. Diese „leistungsfreien“ Gewinne treiben die Mieten nach oben.

Mit einer Bodenwertsteuer würde es unattraktiver, Land ungenutzt oder spekulativ zurückzuhalten. Eigentümer hätten ein Interesse daran, Grundstücke sinnvoll zu bebauen oder zu verkaufen, anstatt sie brachliegen zu lassen. Auch ineffizient bebaute Grundstücke würden einem höheren Modernisierungdruck unterliegen. Das würde das Wohnungsangebot vergrößern, Leerstand reduzieren und damit den Druck auf die Mietpreise mindern. Dies müsste natürlich mit einer Baurechtreform einhergehen um maximalen Effekt zu erzielen.

III. Eine modernisierte Grundsteuer ist auch deshalb Genial weil Steuerhinterziehung unmöglich wird. Ein Milliardär kann nicht seinen Grundbesitz mit in die Schweiz nehmen.

Was sind eure Meinungen zu dem Thema?

Ich bin erstmals vor einigen Jahren auf die LVT durch dieses Video auf YouTube gestoßen: https://www.youtube.com/watch?v=smi_iIoKybg
Es gibt viele weitere Ressourcen, leider zum größten Teil noch nur auf Englisch, aber die Übersetzungssoftwares werden ja immer besser.

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Ja bitte! Ich denke die Land Value Tax ist auch ein extrem spannendes Instrument, dass viel zu wenig (bzw. gar nicht) in Deutschland diskutiert ist.

Wichtig zur Einordnung in Deutschland ist eine kurze Erklärung: Es ist ähnlich zur Grundsteuer, aber es wird nur der Boden und nicht das Gebäude besteuert.

Sie kann eine sehr faire und zielgenaue Vermögenssteuer mit schönen Steuerungseffelten sein.

Aber ich denke es gibt noch einen anderen spannenden Aspekt: Eine LVT ist das einzige Instrument ist, dass das Hauptproblem der viel zu hohen Mieten an der Wurzel packen kann: Die ökonomischen Renten der Bodenbesitzer. Boden ist natürlich begrenzt und dadurch können Besitzer in Ballungsräumen mit hoher Nachfrage immer leistungslose Gewinne abschöpfen, einfach weil ihnen der Boden gehört und nicht weil sie darauf irgendwas gebaut oder investiert haben. Und diese leistungslosen Gewinne kann man mit einer LVT besteuern.

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Da komme ich nicht mit. Wenn mir 1000qm in München gehören und sich der Grundwert in 2 Jahren verdoppelt, kann ich da gar nichts „abschöpfen“. Schließlich habe ich den Gewinn ja nur im Buchwert, aber nicht realisiert.
Verkaufe ich, fällt auch heute bereits (zu Recht) Spekulationssteuer an und ich habe danach keinen Grundbesitz mehr. Der erneute Kauf unterliegt dann den selben Marktregeln und relativiert meinen Gewinn, da ich für den Neukauf eben selbst stärker in die Tasche greifen muss.

Dem Argument mit der Verdichtung kann ich folgen. Allerdings würde ich hier argumentieren, dass die Familie fürs EfH dann u.U. genauso viel Steuer zahlt, wie ein Immomogul für seinen Wolkenkratzer mit Luxusapartments (auf der selben Grundstücksgröße). Vor allem wenn er die Steuer dann auch noch per Nebenkosten verteilen kann.

Nach dem Kriterium der Leistungserbringung wäre auch eine Luxussanierung eine solche. Fraglich ob Gentrifizierung unter dem Strich für günstigere Mieten sorgt.

Die aktuellen Grunfstückssteuern sind jedenfalls nicht der Grund, warum es in Deutschland so wenige Wohntürme gibt und so pauschal würde ich behaupten, wollen wir diese auch gar nicht. Bürokratische Vereinfachungen - z.B. dass bei Aufstockung kein Lift nachgerüstet werden muss - helfen meiner Meinung nach mehr.

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Ist das so oder gilt das nur für die ersten zehn Jahre oder Unternehmer bin (kein Landwirt)?

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Wenn jemand sein (selbstbewohntes) Haus nach 10jahren verkaufen will, ist das i.d.R. keine Spekulation oder?

Genau das frage ich mich auch. Müsste wahrscheinlich zusätzlich zur LVT noch andere Regulierungsmechanismen geben. Falls es wen interessiert, die Georgism community auf Reddit ist auch recht groß: https://www.reddit.com/r/georgism/

Die Idee ist, Spekulation unattraktiver zu machen damit Boden effizienter genutzt wird. Wenn der Boden in München so rar ist, dass sich der Grundwert verdoppelt, würde eine LVT den Anreiz/Druck erhöhen, diesen Boden wirtschaftlich zu nutzen und gleichzeitig dadurch entstandene Gewinne abschöpfen.

Das stimmt. Dass eine Steuer gegen Problem A nicht gleich auch Problem B löst, halte ich aber für kein starkes Gegenargument. Um gegen Luxussanierungen vorzugehen und sozialen Wohnungsbau zu fördern, braucht es sicherlich noch weitere Regelungen.

Georgismus als Wirtschaftsideologie geht ja noch deutlich weiter und will alle anderen Steuern restlos abschaffen und ausschließlich die LVT behalten. Da kann man glaube ich sehr skeptisch sein, auch wenn die LVT als solche sicherlich eine charmante Idee ist.

Würde dies nicht auch zu Mieterhöhungen führen?

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Die Idee ist natürlich, bei Einführung einer LVT andere Steuern im Kontext von Land und Immobilien zu reduzieren oder ganz zu ersetzen. Käme eine LVT nur oben drauf, wäre es de facto eine Steuererhöhung die sicherlich auch an Mieter weitergereicht werden würde.

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Druck der dazu führt dass Bauland genutzt wird mag den Mietmarkt entlasten - einer Steuer die Boden dauerhaft teurer macht zu bescheinigen dass sie Mietpreise mindert ist aber mindestens gewagt

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Wie soll die LVT denn die ökonomischen Bedingungen für die Bodenbesitzer verändern?

weiterhin gilt: Raum ist begrenzt und kann nicht geschaffen werden, heißt wenn die Nachfrage steigt kann ich crazy Preise abrufen… das einzige was sich ändert ist dass der Anreiz steigt Land rendite-orientierter zu nutzen…

so weit ich euch verstehe soll ja jedes Jahr ein Betrag X pro Quadratmeter als Steuer anfallen - damit verhindert man zwar Spekulation mit Leerstand, aber sonst ist kaum etwas erreicht
Probleme hätten Projekte/Menschen/Organisationen die eine Fläche halten und sie nicht kommerziell nutzen

Was mir dabei auch in der Podcastfolge aufgefallen ist, dass nicht genug auf die Gründe eingegangen wurde, warum die Erbschaftsteuer nicht reformiert und die Vermögensteuer weiterhin ausgesetzt bleibt. Richtigerweise wurde angemerkt, dass das eine politische Entscheidung sei. Das ist aber eigentlich ein sog. No-Brainer. Denn wer sollte das sonst entscheiden?

Aus dem Podcast habe ich mitgenommen, dass die „Lobby der Superreichen“ als Grund dafür ausgemacht wurde, dass die Steuerreformen ausbleiben. Das überzeugt mich nicht.

  1. Klingt die Behauptung, eine kleine Elite würde hinter verschlossenen Türen die Politik in ihrem Sinne lenken, wie eine Verschwörungserzählung. Zumal diese Lobby auch erstaunlich mächtig sein müsste, da sie nicht nur die Politik von Union, FDP und AfD bestimmt, sondern auch bei SPD und Grünen. Das erscheint mir nicht plausibel. Insbesondere da an anderer Stelle - auch von der aktuellen Bundesregierung - durchaus Maßnahmen beschlossen werden, die nicht die Zustimmung der Wirtschaft finden. Warum ist diese ansonsten so mächtige ominöse Lobby da plötzlich nicht mehr mächtig?
  2. Die Kritik am Lobbyismus ist nicht zielführend. Heruntergebrochen wird kritisert, dass Einzelne ihre Interessen an die Politik herantragen. Ja, so ist das eben der Demokratie.
  3. Mein Hauptpunkt ist aber, dass nicht beachtet wird, dass der Staat selbst - und die Politiker sind die Verwalter des Staates - kein Interesse an einer Steuerreform hat. Die Bundesrepublik befindet sich im Wettbewerb mit allen anderen Staaten auf dieser Welt. Die Arbeitskosten sind hoch. Deshalb sind Steuersenkungen für Unternehmen und Investoren ein Standortvorteil. Insofern besteht durchaus ein Sachzwang gegen Erbschaft- und Vermögensteuer. Wirft man einen Blick auf internationale Ebene dann stellt man auch fest, dass Erbschaft- und Vermögensteuer weltweit immer weiter abgeschafft werden

Deshalb verfangen die Argumente auch nicht, die an Gerechtigkeit und Moral appelieren. Denn die Frage ist keine der Gerechtigkeit oder Moral. Zumindest nicht aus der Sicht des Staates.

Beim selbst genutzten Haus gibt es gar keine Gewinnbesteuerung, egal wie lange, man muss aber eine Mindestzeit vor dem Verkauf wirklich dort gelebt haben.

Bei nicht selbstbewohnten Immobilien im Privatbesitz ist der Verkauf nach 10 Jahren Steuerfrei.

Und natürlich gilt, verkauft man ohne Gewinn, gibts auch keine Steuer.

Ich kann aufrichtig verstehen dass man heutzutage an die Wirtschaftswissenschaftlichen zusammenhänge von Angebot und Nachfrage nicht mehr glaubt. Wir haben 50 Jahre von Neoliberalismus durchgemacht und haben kein „Trickle down“ erlebt. Ich glaube, es würde einen Effekt haben, das haben mehrere „Experimente“ in einzelnen Wirtschaftszonen überall auf der Welt bereit bewiesen. Aber selbst wenn es nicht zu einer Mietpreisminderung führen würde, wäre es trotzdem gerechter als wie heute geringere Verdienste mit Einkommenssteuern zu belasten.

Der Grundsatz ist „Eigentum Verpflichtet“. Wenn Projekte/Menschen/Organisationen ein Grundstück zu legitimen, Gemeinschaftsförderlichen Zwecken halten, dann sollten sie demnach wie heute schon Steuerbefreit oder bei teilweiser Kommerzialisierung zumindest stark Steuervergünstigt davon kommen.
Der Vorteil an den Langzeitwirkung der LVT ist ja, dass bebaute Flächen verdichtet werden, und öffentliche Flächen in bester Lage von Investoren nicht mehr als attraktiv erachtet werden, weil sich aus „Lage“ (durch eine quasi Übergewinnabschöpfung) kein Profit mehr erwirtschaften ließe.

Heutzutage sind die Mieten so hoch, einfach keine alternative für Mietsuchende gibt, und man in den sauren Apfel beissen muss. Wenn es sich in München nicht mehr Lohnt 5- Stöckig sondern nur noch 10 Stöckig zu bauen (und die Baubehörde das nicht einschränkt) dann haben wir irgendwann viel mehr Wohnungen im innerstädtischen Raum. Mehr Wohnungen bedeuten mehr Angebot und eine entspanntere Nachfrage. Dann gibt es mehr Preiskampf und dadurch billigere Mieten auf dem gesamten Markt.

Möglicherweise entwickelt sich die Nachfrage dann auch ziemlich rückläufig, denn in einer Stadt voller 10-stöckiger Wohntürme will am Ende vielleicht auch nicht mehr jeder wohnen.

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Ich stimme dem völlig zu. Die reine Georgistische Schule geht zu weit, beziehungsweise entspricht nicht unserer heutigen Wirtschaftsrealität. Aber der große Vorteil der LVT ist, dass Öknomen überzeugt sind, dass selbst eine Teilweise Umsetzung bereits zu messbaren Fortschritten führt. Wir müssen also nicht unbedingt das Kind mit dem Bade ausschütten.

Genau dieser Gedanke ist aber häufig der Grund warum innerstädtische Investments aktuell noch immer so attraktiv sind. Wenn man sich den die Kosten eines Grundstücks pro Quadratmeter in München anschaut und diese mit dem Bau eines neuen Hauses vergleicht, sind vielleicht etwa 2/3 bis 1/2 der Kosten eines normalen Bauprojekts „nur“ das Land. In Verbindung mit einem restriktiven Bebauungsplan lohnt es sich also einfach ein Grundstück zu kaufen und zu vermieten, ohne weiter zu investieren, weil man spekuliert, dass der Grundstückpreis sowieso hochgeht, und die Miete ebenfalls zum Großteil vom Grundstückpreis abhängt.

Und dazu, dass nicht abgeschöpft würde ich gegenhalten, dass Miet- und Kaufpreise im direkten Wettbewerb zueinander stehen. Wenn eines zu teuer wird, wählt man als Zuziehender idealerweise das andere. Dadurch entsteht theoretisch eine ballance, und selbst ein Eigenheimbewohner, spart sich die Mieten (in der Theorie) in ähnlichem Ausmaß wie der ansteigende „Buchwert“. Das ist bei besonders begrenzten Ressourcen wie Land leider Ungerecht, weil außer „ich war halt früher da“ keine Eigenleistung für diesen finanziellen Vorteil erbracht wurde. Eigentum sollte ja ursprünglich auch verpflichten.

Wenn das „Land“ besteuert wird, das aufstehende Gebäude aber nicht, entsteht also eine Abstrafung für ineffizient genutzte Grundstücke und ein äußerlicher Druck höher (und besser) zu bauen. Wenn ein Großteil des Gewinns für Kosten der guten Lage etc. durch Steuern abgeschöpft würden, dann kann insbesondere ein Vermieter nur noch durch mehr und bessere Wohneinheiten profitieren. Das ändert unser Paradigma von was ein Wohnungsmarkt sein kann völlig.

Das wäre Herrlich! Innerstädtische Ramschmieten klingen für mich wie der Himmel auf Erden.

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Die LVT ist vor allem auch eine der wenigen Steuern die jemand wie Ich der sehr wirtschaftsliberal ist gut findet (habe die auch schon in anderen threads vorgeschlagen). Die Mieten würde das (bei einem unverzerrten Mietmarkt) nicht erhöhen da diese ohnehin schon das Marktgleichgewicht abbilden. Das größte Problem der LVT ist die Einführung. Diese müsste wohl schrittweise über viele Jahre passieren. Prof. Dirk Löhr wäre der Ansprechpartner zum Thema.

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