Die Google-KI übersetzt die Begriffserklärung, um die sich hier alles dreht, wie folgt:
„Issue Ownership“ (Themeninhaberschaft) in der Politik bezieht sich auf die Vorstellung, dass bestimmte politische Parteien von Wählern als besonders kompetent in der Behandlung bestimmter Themen wahrgenommen werden. Diese „Besetzung“ eines Themas durch eine Partei kann für diese Wahlvorteile bringen, besonders wenn diese Themen im Wahlkampf eine große Rolle spielen.
Das knüpft also ziemlich an das an, was du beschrieben hast.
Festzuhalten ist, dass es hier zunächst mal um eine Kompetenz-Zuschreibung geht und wahrscheinlich auch noch um eine Priorisierung bestimmter Themen aufseiten der verschiedenen Wählergruppen.
Dahinter stecken aber wiederum bestimmte Vorstellungen darüber, was denn ein Thema überhaupt ausmacht und worauf die Politik im Sinne eines Bearbeitens des Themas überhaupt abzielen sollte.
Das Thema Migration ist solange kein rechtes Thema, solange es nicht als Problem gesehen und Migrationsabwehr als Ziel befürwortet wird. Denn man kann auch Migration als ganz überwiegende Erfolgsgeschichte mit gesamtgesellschaftlichem Nutzen thematisieren.
Es ist also von bestimmten Perspektiven auf ein Thema abhängig, ob Issue Ownership Vorteile bringt.
Wer das Thema Migration bei der Wahlentscheidung priorisiert, hat zumeist eine negative Vorstellung von Einwanderung und will sie abwehren.
Das hat wiederum mit der sozialpsychologischen Tendenz zur Fremdgruppenabwertung zu tun. In der Wikipedia heißt es:
Der Sozialpsychologe Henri Tajfel zeigt in seiner Forschung zu Minimalgruppen sowie zum Akzentuierungseffekt, dass willkürliche Unterscheidungsmerkmale binnen Minuten zu Vorurteilen, Stereotypen und Diskriminierung gegenüber einer Fremdgruppe führen können (Fremdgruppenabwertung).
Es ist also sehr viel schwerer, Vorstellungen zu etablieren, die eine (überwiegend) positive Sichtweise auf Eingewanderte darstellen. Zumal erschwerend hinzukommt, dass - im Sinne von Kahneman - das stereotypisierende System 1 des schnellen Denkens „immer aktiv“ ist, wie es in der Wikipedia heißt, während das System 2 des langsamen (Durch-)Denkens, Abwägens und Differenzierens „selten aktiv“ ist.
Das erklärt dann auch, warum emotionale Abwehrreaktionen leicht hervorgerufen werden können.
Aus all dem ergibt sich, warum Menschen, die das Migrationsthema priorisieren zumeist auch ganz bestimmte, auf Fremdenabwehr gerichtete Zielvorstellungen haben.
Issue Ownership hängt also wesentlich von bestimmten (Ziel-)Vorstellungen auf bzw. über ein Thema ab.
Das Beispiel ‚Wirtschaft‘ ist z. B. eines, bei dem der CDU/CSU Kompetenz zugeschrieben wird, bloß weil die nachplappern, was bestimmte Wirtschaftsverbände wollen. Meist sind die Forderungen aber auf ganz bestimmte Wirtschaftszweige gemünzt und es geht dabei gar nicht um die Volkswirtschaft als ganze. Motto: ‚Die‘ Wirtschaft prosperiert, wenn der Sozialstaat abgebaut wird. Das stimmt selbstverständlich nicht.