Ja, das ist tatsächlich ein sehr gutes Beispiel, das zeigt, dass die grobschlächtig-einfachen Lösungen der Marktliberalen bei näherem Hinsehen nicht so funktionieren.
Ja, bei Internalisierung von externen Kosten würde der Markt dafür sorgen, dass wesentlich weniger CO2 emittiert und der Rest absorbiert würde. Davon bin auch ich überzeugt.
Nur: Davon sind wir weit entfernt:
Würde man einen marktgerechten CO2-Preis einführen, wären große Teile der Wähler auf den Barrikaden und wir hätten bald eine AfD-Regierung.
Ein CO2-Preis, der die externen Kosten effektiv internalisiert, läge dagegen irgendwo zwischen 100 und 700 € [ Umweltbundesamt, ca. 200 €].
Der aktuelle politisch gesetzte CO2-Preis für die Bereiche, in denen es noch kein Emissionszertifikatepflicht und -handel gibt, liegt aktuell bei 55 €.
Das politisch vorgegebene EU-Angebot von Zertifikaten im Emissionszertifikatehandel (ETS-1) führt aktuell zu einem CO2-Preis von 60-80€.
Einer der Gründe: Es gibt, ich glaube in ganz Europa, kein System, um wenigstens die Ärmeren für einen Preisschock zu kompensieren, würde man marktgerechte CO2-Preis einführen (in Deutschland verhindert von der marktliberalen FDP).
Der zweite wichtige Grund: Ein plötzliches Ansteigen des CO2-Preises auf das klimapolitisch notwendige Niveau würde sehr viele Unternehmen in die Pleite oder ins Ausland treiben (letzteres bringt klimapolitisch gar nichts: „Carbon Leakage“)
Experten und selbst die Grünen sprechen sich für einen graduellen und stetigen Anstieg des CO2-Preises aus, um dem Markt (Wirtschaft, Verbraucher) eine berechenbare Chance zu geben, sich darauf einzustellen. Planungssicherheit ist hier ein sehr wichtiges Argument. Die EU-Emissionshandelssysteme stehen daher ein kontinuierliches Ausschleichen des Zertifikat-Angebotes vor. Konzeptionell wird es ab einem bestimmten Zeitpunkt (2040?) gar keine neuen Zertifikate mehr geben. D.h., in den Bereichen, in denen Zertifikate vorgeschrieben sind, dürften gar kein CO2 mehr emittiert werden.
D.h., aus gutem Grund wird es erst ein vielen Jahrenein Anreizsystem geben, mit dem der Markt selbst das Problem der CO2-Emissionen spürbar verbessern wird - wenn dieses System nicht vorher noch politisch wieder gekippt wird …
In der Zwischenzeit fällen sehr viele Entscheider in Unternehmen und Haushalten Investitions-Fehlentscheidungen, die den CO2-Ausstoß auf lange Sicht festschreiben.
Heizungen in Gebäuden sind da ein hervorragendes Beispiel. Das war die Motivation für das Energiegebäudegesetz (sog. „Heizungsgesetz“): Man wollte verhindern, dass sich Menschen noch viele Jahre für Gasheizungen entscheiden, die dann noch 15-25 Jahre lang CO2 emittieren.
Und zwar nicht nur zum Schutz des Klimas. Sondern auch zum Schutz der Menschen, die die zukünftigen Gaspreise nicht in ihre Entscheidung einbeziehen.
Dass diese Menschen so „dumm“ sind, sieht man daran, wie viele Menschen nach dem dank der FDP völlig entschärften „Heizungsgesetz“ immer noch Gasheizungen installieren lassen. Das liegt eben dran, dass die meisten Menschen eben doch kein „Homi Oeconomici“ sind, die ihre Entscheidung unter „vollständiger Information“ treffen. Auch Entscheider in Unternehmen, übrigens.