Florence Gaub mal einzuladen würde ich unterstützen.
Möchte aber dennoch das von dir eingeführte Schlagwort Zukunftszuversicht etwas problematisieren.
Zunächst einmal muss man, denke ich, zwischen mehr oder minder eingebildeten Problemen und wirklich existenziellen Problemen wie etwa der Klimakrise unterscheiden.
Einerseits werden Menschen, die dafür empfänglich sind, Probleme eingeredet:
Andererseits werden reale Probleme ignoriert, z. B.:
Ignoranz und Fehleinschätzungen sind hier selbst wesentlicher Teil des Problems, denn sie sorgen dafür, dass die tatsächliche Polykrise nicht angemessen bearbeitet und dadurch hinreichend eingegrenzt wird.
Sich die tatsächlichen Probleme schönzureden kann also auch nicht das Ziel sein.
Linksliberale sind nachweislich öfter depressiv und fühlen sich eher zu positiven Stimuli hingezogen. Letzteres kann auch schon mal dazu führen, dass man Negatives eher vermeidet/ausblendet. Doch sie können auch mit Ambiguität besser umgehen.
Eine meta-analytische Überprüfung von 88 Studien aus 12 Ländern mit 22.818 Teilnehmern stützt die Ansicht, dass Konservatismus eine defensive Haltung gegenüber der Angst vor Unsicherheit, Unordnung und Gefahr ist. Diese Literaturauswertung zeigte, dass Motive, die mit Intoleranz gegenüber Mehrdeutigkeit und persönlichen Bedürfnissen nach Ordnung, Struktur und Geschlossenheit verbunden sind, sowie Motive, die mit Todesangst und Bedrohungen auf Systemebene in Verbindung stehen, positiv mit der Befürwortung konservativer oder rechter Positionen, Parteien und Führungspersönlichkeiten verbunden sind (Jost, J. T. et al. 2017).
(Übers.)
Doch auch hier gibt es einen Hoffnungsschimmer. Man kann nämlich nicht nur Linksliberale durch Alkoholkonsum konservativer machen, sondern mit anderen Mitteln - der Kraft der Suggestion - auch Konservative linksliberaler:
https://www.washingtonpost.com/news/inspired-life/wp/2017/11/22/at-yale-we-conducted-an-experiment-to-turn-conservatives-into-liberals-the-results-say-a-lot-about-our-political-divisions/
Ob Fortschritte zur Lösung wirklicher Probleme erzielt werden können, hängt wesentlich von solchen psychisch wirksamen Einflüssen ab.
Menschen unterschiedlicher Disposition muss man dabei auch mit unterschiedlichen Mitteln ansprechen.
Dann - und ich würde behaupten: nur dann - ist Zukunftszuversicht auch gerechtfertigt.
Dass wir die drängendsten Krisen zufriedenstellend lösen und die wichtigsten realen Probleme beheben können, steht für mich außer Frage. Die Mittel und Fähigkeiten dazu haben wir.
Die Frage ist nur, ob wir sie auch nutzen.