In der LdN472 unter dem Kapitel Entlastung der Krankenkassen wurde über eine Zuckersteuer diskutiert. Diese wurde für gut befunden mit dem Verweis auf das Beispiel GB, wo eine Zuckersteuer dazu geführt habe, dass weniger Zucker und viel mehr Süßstoffe verwendet werden und das sei besser, v.a. für Kinder.
Es ist super wichtig, meiner Meinung nach, dies zu prüfen und ggf. zu korrigieren. Meines Wissens und Überzeugung nach sind Süßstoffe keineswegs gesünder, sondern ein “anderes Übel”. Dramatische Einflüsse von Süßstoffen aufs Mikrobiom, auf den Insulinspiegel etc. werden immer mehr nachgewiesen - vielleicht kann jemand etwas dazu sagen, der dafür Experte ist, mein Wissen stammt aus Podcasts und Co. Klar ist wohl, dass der Anteil übergewichtiger Personen seit der Einführung von Süßstoffen keineswegs zurückgegangen ist, ganz im Gegenteil.
Ich bin überzeugt davon, dass es dringend eine Zuckersteuer braucht, die aber für Süßstoffe gleichermaßen gelten muss. Das würde die Krankenkassen sicherlich erheblich entlasten, Stichwort Diabetes II.
Aus persönlicher Sicht kann ich beitragen, dass ich seit dem Totalverzicht auf industriellen Zucker, Süßstoff und Auszugsmehl seit 5 Jahren keine Medikamente mehr für eine Morbus-Crohn-Erkrankung benötige, die mich zuvor trotz Medikamenten und tausende Euro teuren Biologika-Infusionen mehrfach in Todesangst versetzt hat.
So würde ich mir auch eine verpflichtende Ernährungsberatung bei bestimmten Krankheiten wünschen. Als 16-Jährige nahm ich nach meiner Diagnose natürlich brav alle Pillen, auf Nachfrage zu Ernährung sagte der Arzt: “Essen Sie, was Sie vertragen”. 10 Jahre und viel Leid später, als ich begann, mich mit Ernährung zu beschäftigen und mit einer Umstellung Erfolge zu haben, sagte der Arzt: “Na das ist ja interessant, darüber lernen wir halt im Studium kaum etwas”. Das ist ein riesiger Missstand und ich denke, echte Erfolge im Gesundheitswesen sind nur zu erzielen, wenn der Einzelne ausreichend informiert und hinsichtlich seiner Lebensführung auch in die Verantwortung genommen wird.
Es gibt einen signifikanten Unterschied zwischen der Risikobetrachtung bei Zucker und Süßstoffen. Bei Zucker wissen wir, dass er in der von vielen konsumierten Menge eindeutig gesundheitliche Schäden verursacht.
Bei Süßstoff ist eine eindeutige Schädlichkeit nicht erwiesen. Ja, es gibt Studien die einen potentiellen Effekt auf das Mikrobiom plausibel erscheinen lassen. Es ist aber eben nicht so, dass eine Schädlichkeit von Süßstoffen nachgewiesen wurde.
Konsum von Süßstoffen innerhalb der empfohlenen Grenzwerte ist sicher. Effekte, die bei Tieren nachgewiesen werden konnten, basieren auf der Verabreichung von Vielfachen dieser Grenzwerte. Effekte bei Menschen lassen sich oft durch generelle Veränderungen in der Ernährung erklären - https://www.sciencedirect.com/science/article/pii/S0278691518308780?via%3Dihub
Im Vergleich zu Zucker ist Süßstoff in vielen Bereichen signifikant besser und in manchen Punkten gleichauf (zB ist die Evidenz in Bezug auf Gewichtsabnahme noch unklar). Süßstoff ist aber sehr sicher nicht schlechter.
Ich bin allerdings auch absoluter Laie auf dem Gebiet, insofern korrigiert mich gerne, falls ich was übersehe
Denn eine Änderung des Mikrobioms entsteht durch jegliche Änderung der Ernährung. Das ist erstmal lediglich eine Anpassung des Körpers. Ob diese Änderung „dramatisch“ ist wäre dann eine ganz andere Frage.
die Studien die ich in der Vergangenheit näher angesehen habe hatten da meist gar keine Bewertung enthalten.
Wo wir wieder bei der Frage Korrelation vs. Kausalität wären.
Viele Studien die negative Effekte von Süßstoffen nachweisen wollen zeigen tatsächlich ja eher, dass übergewichtige Menschen oder Menschen mit Diabetes häufiger zu Süßstoffen greifen als dass sie zeigen würden, dass diese vermehrt Übergewicht und Diabetes verursachen würden.
Aus persönlicher Sicht kann ich beitragen, dass als ich auf Zucker verzichtet habe und das bei Getränken durch Zero Varianten ersetzt habe, ich sehr viel Gewicht reduzieren konnte und beste Blutwerte hatte. Zero Getränke haben mir dabei geholfen Lust auf süßes ohne Zucker zu stillen.
Darüber bin ich etwas verwundert, da ich im Familienbereich mit Ärzten ganz klar andere Erfahrungen bezüglich Morbus-Crohn gemacht habe.
Eine der Standard-Therapien ist die Ernährungsumstellung weg von stark verarbeiteten Lebensmitteln und Zucker hin zu frischer und ballaststoffreicher Ernährung.
Gerade raffinierter Zucker ist sehr bekannt dafür, Entzündungen zu verstärken und Schübe auszulösen.
Normalerweise werden die medikamentöse Behandlung mit der Ernährungstherapie kombiniert.
Mir ist das Thema zuletzt immer wieder in Podcasts begegnet, z.B. in diversen Folgen von Diary of a CEO mit Steven Bartlett im Zusammenhang Diabetes und Obesity, dem Mikrobiom, aber auch Korrelationen zw. Süßstoffverzehr und Demenz. Mir ist schon klar, dass da viel Populärwissenschaft dabei ist, aber es scheint eben doch Tendenzen zu geben. Da ich aber auch Laie bin, würde ich eine Einordnung mit Belegen gern Experten überlassen.
Ich habe einfach ein ungutes Gefühl dabei, wenn diese künstlichen Süßstoffe nun als die “gesunde” Alternative empfohlen und bevorzugt werden, obwohl hier Zusammenhänge scheinbar erst nach und nach so richtig ans Licht kommen.
No way. Ernsthaft.
Zucker ist nachgewiesen problematisch und eine Reduktion hat definitiv für jeden einzelnen Konsumenten einen Vorteil.
Bei Süßstoffen gibt es diesen Nachweis nicht, es gibt allenfalls den Nachweis, dass extreme Mengen problematisch sein können. Und auch den gibt’s nur in Mäusen. Und natürlich, dass eine Substitution von Zucker durch Süßstoffe nix bringt, wenn dafür an anderer Stelle wieder zugelangt wird (nach dem Motto: „Zur Cola Light kann ich ja noch ne Tüte Chips essen…“)
So lange die wissenschaftliche Lage so ist, wäre eine Zuckersteuer auf Süßstoffe ein fatales Signal. Es gibt auch ganz neutral betrachtet etliche andere Lebensmittel, die objektiv problematischer sind als Süßstoffe - z.B. Salami, Schinken, Wurst, Leberkäse, gepökeltes, geräuchertes oder eingesalzenes Fleisch. Diese Lebensmittel werden von der WHO in der Stufe „gesichert krebserregend“ geführt. Wenn also eine Zusatzsteuer zwecks Steuerwirkung zu gesünderen Leben eingeführt werden soll, dann doch bitte zuerst mal auf die Lebensmittel, die nachgewiesenermaßen schädlich sind - und nicht auf solche, die vielleicht in extremen Dosen schädlich sein könnten. Ansonsten wird man für diese Steuer keinerlei Akzeptanz finden.
Aber eine Steuer auf verarbeitetes rotes Fleisch einzuführen traut sich die Regierung natürlich nicht… der Fleischkonsum wird eher noch öffentlich gefördert / subventioniert, ist ja schließlich „deutsche Kultur“…
Naja, ich trau den Süßstoffen immer noch nicht …aber klar, wenn die Studienlage das nicht hergibt, dann kann man das nicht machen. Mit Salami und Co. hast Du völlig Recht, sehe ich auch so.
Beim Diary of a CEO muss man, wie bei allen Podcast Bros (Joe Rogan, Tim Gabel, Ben ungescripted etc.), aufpassen. Die dargestellten Experten oder “Experten” geben nicht unbedingt immer eine ehrliche Zusammenfassung der derzeitigen wissenschaftlichen Literatur wieder. Entweder aufgrund von unsauberer Literaturrecherche oder bewusstem Rosinenpicken.
Wie oben bereits geschrieben wurde, ist die schädliche Wirkung von Zucker Lehrbuchwissen. Bei Süßstoffen ist, trotz jahrzehntelanger Nutzung, keine vergleichbare schädliche Wirkung beim Menschen zu beobachten.Risiken in den normalen Mengen sind definitiv eine bessere Alternative als Zucker.
Das ist dank Meinungsfreiheit und Demokratie dein gutes Recht. Aber genau deshalb sollten wir Zucker besteuern da es erwiesen schädlich ist. Sollten sich die Befürchtungen bezüglich Süßstoffen bestätigen können wir diese ja immer noch nachziehen. Bis dahin kann jeder für sich selbst Abwegen ob man erwiesenermaßen an Adipositas und Diabetes arbeiten, oder ein unbewiesenes Risiko auf Alzheimer eingehen möchte. Die Steuer verbietet ja nichts.
Und wenn du durstig bist und dir beides nicht geheuer ist kannst du auch immer noch Wasser trinken das deutschlandweit auch aus der Leitung genießbar ist
Zumindest gibt es ernstzunehmende Hinweise darauf, dass Süßstoffe nicht die Lösung sind. Die letztgenannte Studie ist eine Studie an Mäusen, ja, aber das gilt für viele andere Studien ebenfalls. Statt den Zucker durch künstliche Süßstoffe zu ersetzen, könnte man den Zuckergehalt auch einfach schrittweise reduzieren und Konsumenten langsam, aber sicher, an weniger süße Nahrungsmittel gewöhnen.
Genau diese Fragen, die du hier aufwirfst frage ich mich auch. Allerdings halte ich es für schwierig, gesundheitsbewusstes Verhalten über Steuern zu „regeln“, dann besteuert man Zucker, Transfette, rotes Fleisch, hochverarbeitete Lebensmittel generell,…
Ob diese Steuern am Ende den Krankenkassen zufließen ist zudem nicht sicher, denn Steuern in Deutschland sind ja nicht zweckgebunden und man sieht ja, dass es immer leer ist in der Kasse deutscher Finanzminister.
Die einfachste Lösung wäre also, am individuellen „Ergebnis“ anzusetzen. Warum erhebt man nicht individuelle Zuschläge für einen erhöhten BMI wie in vielen privaten Krankenversicherungen. (Immerhin sind über 10% der gesamten Krankenversicherungsausgaben direkt mit Übergewicht verknüpft, die jährlichen Gesamtkosten von Übergewicht belaufen sich auf 63Mrd. Euro im Jahr). Typ2-Diabetes, Herz-Kreislauferkrankungen, Gelenkersatz-OPs… alles direkt mit Übergewicht verknüpft.
Es gibt kaum einen Lebensbereich in dem Eigenverantwortung besser zum Tragen kommen kann, als beim Umgang mit dem eigenen Körper und der eigenen Gesundheit. Was spricht also gegen den Check beim Hausarzt aller 2 Jahre mit dem Gang auf die Waage und der Verknüpfung mit individuellen Risikozuschlägen ab einem BMI von 28 oder spätestens 30?
Und letzter Punkt: Eltern haften für ihre Kinder. Erst letzte Woche las ich in der Zeitung, dass 18% (!) der Kinder in Sachsen krankhaft übergewichtig sind. Da frage ich mich immer wieder, was ist mit der Gesellschaft los?
Erstens, weil die Aussagekraft des BMI begrenzt ist. Menschen mit viel Muskelmasse beispielsweise haben oft einen erhöhten BMI, aber beste Stoffwechselwerte, sogenannte TOFIS (Thin outside, fat inside) einen normalen BMI, aber aufgrund des viszeralen Bauchfettanteils ein durchaus erhöhtes Diabetesrisiko.
Zweitens tritt man damit sofort andere Diskussionen los (warum zahlen starke Raucher keine höheren Beiträge, sondern bekommen ab jetzt sogar einen jährlichen Lungenkrebs-Scan von den KK bezahlt, während Menschen die etwas für ihre Vorsorge tun wollen, diverse Untersuchungen selbst bezahlen sollen? etc.).
Das ist der Unterschied zwischen Verhaltensprävention (der einzelne muss was für seine Gesundheit tun) und Verhältnisprävention (wir verändern die Grundlagen in der Gesellschaft, um mehr Gesundheit für alle zu erreichen; Beispiel Anschnallpflicht im Auto)
→ dem Einzelnen die „Schuld“ an ungesunden Verhalten aufzubürden ist nicht nur häufig zu kurz gedacht (Übergewicht ist häufig korrelierend mit dem Sozioökonomischen Status und damit auch Resultat dessen, wie man aufwächst oder lebt; da sind die Änderungsmöglichkeiten des Einzelnen begrenzt) und auch nach publik Health Studien zu ineffektiv. Wenn wir nur investieren in „jeder soll gesund leben“ geben wir deutlich mehr Geld aus als mit Maßnahmen, die die Lebenswirklichkeit der Menschen zum Guten ändert.
zusammenfassen erscheint es also wie die Einfachste Lösung, ist allerdings eher eine Nebelkerze.
Das ist das Problem, wenn man Topics von Artikeln als herausgefundene Wahrheiten aus Studien annimmt.
Man muss sich immer den Kontext und das Ergebnis ansehen, um eine Relevanz zu erkennen.
Die erste Studie hat lediglich herausgefunden, dass Sucralose (und nur Sucralose) anders verarbeitet wird als Zucker. Die Studie beweist gerade nicht, dass durch Süßstoffe das Hungergefühl gesteigert wird. Sie beweist auch nicht, dass Süßstoff zu einer Gewichtszunahme führt oder Langzeiteffekte auftreten. Zusätzlich ist die spezifische Stichprobe mit 75 Erwachsenen und die Testumgebung (kein Alltagstest) nicht ausreichen, um eine Allgemeingültigkeit zu beweisen.
Auch die zweite Studie ist lediglich eine aus vielen, die genau diese Effekte eben nicht sehen. Sie wird ernst genommen, kann aber nicht als alleiniger Beleg für eine Schädlichkeit von Süßstoffen herangezogen werden.
Die Aussage aus der Zweiten Studie ist: Bei manchen Menschen können bestimmte Süßstoffe kurzfristig die Gluktosetoleranz verändern, möglicherweise über die Darmflora. Sie sagt nicht aus, dass Süßstoffe den Blutzucker verschlechtern oder die Darmflora schädigen.
Wenn schon, dann aber doch bitte nicht den BMI sondern den Körperfettanteil. Ich war als Sportler selbst jahrelang laut BMI im Übergewicht, laut Körperfettanteil aber näher an Untergewicht und weit weg von Übergewicht. Nach Ende meiner aktiven Zeit rutschte bin ich sicher auf über 28 gerutscht, aber mit einem sicher weit niedrigeren Körperfettanteil als viele mit einem niedrigeren BMI.
Zudem weiß man heute, dass Bewegung sogar stärker ins Gewicht fällt als das Gewicht.
Eine Strafe als streng nur an einer Grenze zu orientieren, noch dazu an einer die Muskeln bestraft, halte ich für wenig zeitgemäß.
Da hast du recht, er ist sicher nicht perfekt, aber wenn man einmal beim Arzt ist, kann dieser auch über die Bauchfaltenmessung den Anteil des Körperfetts bestimmen. Bzw. machen das moderne Waagen auch.
Auch bei Rauchen und Alkohol stimme ich dir zu, hier würde ich aber tatsächlich über Verbrauchssteuern ansetzen, da halt der Arzt die Frage ob und wieviel jemand raucht oder trinkt nicht so einfach und schnell klären kann.
Generell bleibe ich aber dabei, dass man individuelles Verhalten auch auf individueller Ebene und nicht mit Gießkanne beeinflussen muss.