Wenn es sich bereits um Schrumpfkleinstädte handelt, ist die Attraktivität bereits dermaßen im Keller, dass da - so hart das klingt - auch nichts mehr zu retten ist. Da wird es schon im Zweifel an hinzugsbereiten Arbeitskräften mangeln. Gerade in Großstädten suchen sich die Leute dann lieber einen andern Job.

Schon als Ministerien von Bonn nach Berlin verlagert wurden, sind eine ganze Reihe Beschäftigte nicht hinterhergezogen, sondern haben sich andere Jobs gesucht. Um wie viel schwieriger ist es dann wohl, Großstädter durch Zwangsverlagerung ihres Arbeitsplatzes in Schrumpfkleinstädten ansiedeln zu wollen.

Attraktive Mittelstädte im Umland von Großstädten haben ja in der Regel keine substanziellen Leerstände. Und das Mietpreisniveau ist auch nicht viel geringer als in den benachbarten Großstädten.

Daher kann Geywitz das nicht gemeint haben.

Und warum sollte man überhaupt wen künstlich zum Umzug in die Peripherie motivieren?

Diejenigen, die das tun wollen, machen es doch auch jetzt bereits.

Was meint sie stattdessen mit ihrem Vorschlag?

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Bei orten bei denen die Zahl einbricht weil es keinerlei Arbeitsplätze mehr gibt würde ich dir recht geben, bei Kommunen die an sich gut ausgestattet sind was Infrastruktur und Arbeitsplätze angeht, wo aber aufgrund von Misswirtschaft Beiträge und Gebühren steigen, Einrichtungen von der Schließung bedroht sind und die Leute deshalb lieber in die Marktgemeinde nebendran oder in die nächste größte Stadt ziehen und dann pendeln sehe ich das ganz klar anders.

Hier würde eine Konsolidierung der Finanzen durchaus einen sinnvollen Beitrag leisten. Besser die dort vorhandene Infrastruktur weiter nutzen als woanders neu aufbauen.

Edit:
In dem Ort den ich als Beispiel sehe gibt es übrigens sehr wohl schon heute aufgrund der guten Bahnverbindung Zuzug aus den Städten. Gleichermaßen wandern aber einheimische in andere Orte ab, oft trotz Arbeitsplatz in diesem Ort.

Der Zuzug in die Mittel- und Großstädte wurde auch teils künstlich erzeugt indem Arbeitsplätze auch in Bereichen wie Verwaltung in diese verlegt wurden.

Weil Zweigstellen von Landratsämtern geschlossen wurden, ÖPNV Anbindungen verschlechtert etc.

Bei vielem ist man ja schon wieder dabei diese Entwicklung rückgängig zu machen.

Du hast ja selbst das Folgende gepostet:

„In Deutschland gibt es schätzungsweise 1,7 Millionen leer stehende Wohnungen. Der überwiegende Teil dieser Wohnungen befindet sich in ländlichen Regionen“, sagte die SPD-Politikerin den Zeitungen der Funke-Mediengruppe.

Gelinge es, das Leben auf dem Land attraktiver zu machen, würden sich mehr Menschen für ein Leben dort entscheiden und den Wohnungsmarkt in den Städten entlasten. Besonders für Familien mit Kindern biete der ländliche Raum „eine hohe Lebensqualität, weg vom Lärm der Großstadt“.

Es brauche unter anderem mehr Digitalisierung und eine noch stärkere Verbreitung von Homeoffice, um mehr Menschen vom Leben im ländlichen Raum zu überzeugen, sagte Geywitz weiter.

Da ist explizit vom ländlichen Raum und von Leerstand die Rede.

Nun kann man auf der Karte gucken, wo diese Kriterien zutreffen:

Gut, diese Karte ist nicht hochauflösend, was den Leerstand anbetrifft, aber man sieht schon, dass mindestens im Westen um die allermeisten Großstädte herum und im Großraum Berlin weiträumig kein substanzieller Wohnungsleerstand besteht. Bei einigen ostdeutschen Großstädten müsste man dann noch mal gucken, ob in der Karte die städtische Ausdehnung rot visualisiert worden ist oder ob das Rote nicht vielmehr über die Stadtgrenzen hinausgeht. Wäre das Letztgenannte der Fall, gäbe es fast keine Großstadt, deren direktes Einzugsgebiet substanziellen Leerstand zu verzeichnen hätte.

Aber, so wie ich Geywitz verstanden habe, meint sie den tatsächlich ländlichen Raum mit ordentlich Leerstand. Und der befindet sich kaum bis gar nicht in direkter Anbindung an Großstädte.

Sie will also die Großstädter nach jotwede locken.

Und das wird garantiert scheitern.

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Auf Walter-Borjans Vorschlag zur Entschuldung bzw. Konsolidierung von Kommunen verwies ich ja bereits.

Sowas ist nur weder mit der CDU/CSU noch mit der FDP machbar.

Der „Speckgürtel“ ist zumindest in Hamburg schon voll und auch schon sehr teuer in Bezug auf Wohnen.
Wenn der „Speckgürtel“ ausgeweitet werden soll, dann wird das pendeln langsam problematisch.
Die S-Bahn braucht dann schon ziemlich lange und mit dem Auto werden die Straßen ein Flaschenhals (inkl. Parkplätze).

Ehrlich gesagt, weiß ich nicht was diese Idee eigentlich sein soll. Für mich gibt es keine wirklichen Ideen aus dem Ministerium, die irgendwie etwas bringen. Das sind alles Ideen aus dem letzten Jahrhundert.

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Das ist ja die Frage die mich etwas ratlos zurück lässt.
Es ist kein Geld da, um die ländlichen Gebiete attraktiver zu machen, insbesondere ÖPNV.
Das Internet mag ja weitgehend gut funktionieren, die grundlegenden Dinge des täglichen Lebens sind vorhanden.

Aber wenn der Arbeitsplatz in der nächsten Großstadt bleiben soll, hiesse das dann Pendeln mit dem Auto.
Die drei Stunden Pendeln pro Tag, die für Bürgergeldempfänger gelten sollen, sind dann für alle Standard?

Wenn der Arbeitsplatz dann auch im ländlichen Wohnort sein soll, gibt es diese Arbeitsplätze dann dort überhaupt?
Kenne das selbst, im Umkreis von 50 km gibt es keine halbwegs ordentlich bezahlten Jobs in meiner Profession. Also auch pendeln.

So ganz ausgegoren erscheint mir diese Idee dann auch nicht.

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Vielleicht besteht ja die Möglichkeit Frau Geywitz zu kontaktieren und zu fragen was sie gemeint hat. Das scheint hier ja alles nur noch reine Spekulation zu sein und jeder sagt nur das kann Sie nicht gemeint haben, weil das wäre ja…nicht durchdacht.

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Das ist aber ja schonmal eine gar nicht immer vorhandene Grundannahme. Es ist aber keineswegs so, dass bei allen Familien die in Ballungsräumen leben auch beide in diesem Ballungsraum arbeiten. Nehmen wir wieder das Beispiel meiner Heimatstadt. Ich, wie auch mehrere aus meinem erweiterten Bekanntenkreis wohnen in der nächsten Großstadt obwohl der Arbeitsplatz weiter in der Kleinstadt ist.

Der Grund ist quasi in allen Fällen, dass der Partner aus der Großstadt kommt und dort arbeitet. Der Pendelweg fällt also ohnehin an. In meinem Fall muss ich aber dazu sagen, dass ich mit im Schnitt 2-3 mal pro Woche Pendeln auskomme, meine Partnerin müsste täglich pendeln, auch das war natürlich ein Argument.

Und quasi alle hatten durchaus auch die Kleinstadt in Betracht gezogen. Gerade wenn es aber um Eigenheim geht, egal ob Wohnung oder Haus, dann möchte man eben nicht dort investieren wo man nicht weiß wie die Entwicklung der nächsten Jahre aussieht. Und dann ist die Betreuungssituation an den Kitas der Kleinstadt auch schwieriger gewesen, mit teils eingeschränkt möglichen Buchungszeiten. Hier hat sich die Situation in der Großstadt in den letzten 5-6 Jahren aber auch verschlechtert.

Alleine wenn hier das Vertrauen wieder mehr da wäre, dass solche Orte auch mittelfristig die richtige Entscheidung sind könnte das einen Spürbaren Effekt haben, auch wenn ich nicht weiß wie viele Familien es tatsächlich betrifft wo einer außerhalb arbeitet.

Wenn es wirklich so gemeint ist, dass Leute irgendwo ins nirgendwo ziehen sollen, dann wäre ich da auch eher dagegen. Also wer das machen will natürlich gerne, aber dann ist die Abgeschiedenheit ja das Argument und man muss das nicht unbedingt attraktiver machen.

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So kryptisch hat Geywitz sich ja nicht ausgedrückt. Das von Mike Verlinkte und von mir noch mal explizit Zitierte (man beachte die indirekte Rede, die ja ebenfalls O-Töne von der Bundesbauministerin mindestens sinngemäß wiedergibt) erscheint mir keineswegs rätselhaft.

Meines Erachtens hat sie sich keineswegs vieldeutig oder missverständlich ausgedrückt. Aber genau das zeigt dann im Ergebnis, dass es „nicht durchdacht“ ist.

Also ich verstehe unter dem Geywitzvorschlag solche Städte wie Dessau (80.000 Einwohner, aber die nächste Großstadt 1h entfernt), Bitterfeld, Riesa, Lüdenscheid, Rottweil und Co… Das sind Städte, die alles haben, aber wegen eines ungerecht schlechten Image unter Wegzug leiden.

Leider sorgt erst dieser Wegzug oder fehlender Hinzug dafür, dass dieses Image durch den daraus folgenden Infrastrukturabbau sich Berechtigung erwirbt.

Ich hatte ja gehofft, dass die Ukraine-Flüchtlinge hier zu einer Belebung führen können. Aber dank des relativ üppigen Wohngelds leisteten die sich dann doch lieber die umliegenden Metropolen Dresden, Leipzig, Stuttgart oder Hannover.

Aus meiner Sicht könnte oder sollte man die Regeln zum Wohngeld anziehen, so dass Haushalte nach Möglichkeit inzentiviert werden auch die größeren Städte mit Leerstand in Betracht zu ziehen. Es ist schwer nachvollziehbar warum ein staatlich subventionierter Haushalt mit Arbeitsplatz in Dessau oder Bitterfeld in Leipzig oder Magdeburg wohnen müssen (mir sind persönlich solche bekannt).

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Geywitz sprach ja eindeutig wiederholt vom ländlichen Raum, da würde ich jetzt Dessau, Bitterfeld, Riesa, Lüdenscheid oder Rottweil nicht dazuzählen.

Mir ist nicht so ganz klar, woran du ein schlechtes Image festmachst.

Schaue ich mir die Wahlergebnisse an, kämen mir allerdings Zweifel, ob ich in den von dir angeführten Städten wohnen wollte. Bei der Europawahl wurde wie folgt abgestimmt:

Dessau-Roßlau, Stadt:
27,5 % AfD
16,2 % BSW
→ 43,7 %

Anhalt-Bitterfeld:
34,6 % AfD
13,7 % BSW
→ 48,3 %

Meißen (zum Wahlkreis gehört Riesa):
37,7 % AfD
12,1 % BSW
→ 49,8 %

Zum Vergleich der ostdeutsche Durchschnitt:
28,7 % AfD
14 % BSW
→ 42,7 %

Rottweil:
19,1 % AfD
4,6 % BSW
→ 23,7 %

Lüdenscheid (hier nur Stadtergebnis):
17,5 % AfD
6,1 % BSW
→ 23,6 %

Zum Vergleich der westdeutsche Durchschnitt:
13 % AfD
4,4 % BSW
→ 17,4 %

Solche Wahlergebnisse sind dem Image sicher nicht förderlich.

Beim MDR heißt es:

Die Geflüchteten aus der Ukraine werden nach dem sogenannten Königsteiner Schlüssel auf die Bundesländer verteilt – entsprechend Finanzkraft und Einwohnerzahl. Die Länder verteilen die Menschen dann auf Städte und Kommunen. […]
Das gilt jedoch nicht für jene Menschen aus der Ukraine, die für ihre Versorgung zunächst selbst aufkommen und etwa bei Freunden oder Verwandten wohnen. Sie können offiziell drei Monate in ihrer selbst gewählten Unterkunft bleiben. Sie bekommen einen Ankunftsnachweis, mit dem Sie sich ans Jobcenter oder Sozialamt vor Ort wenden können. […]
Sachsen-Anhalt hat laut Ministerium seit Beginn des russischen Angriffskrieges deutlich oberhalb seiner Aufnahmequote Menschen aus der Ukraine aufgenommen. Daher seien alle Landkreise und kreisfreien Städte berechtigt, eintreffende Kriegsflüchtlinge über das Verteilsystem FREE an andere Bundesländer mit Unterquote weiterzuleiten. […]
Außerdem können Kommunen Wohnsitzauflagen für ukrainische Kriegsflüchtlinge aussprechen.

Da sehe ich nicht, was man, wie du schreibst, inzentivieren sollte oder müsste. Warum sollte man die Kriegsgeflüchteten umsiedeln? Da ich Betroffene kenne, weiß ich, dass es im Einzelfall recht lange gedauert hat, sich hier einzufinden. Die kann man nicht aus ihren gerade gewachsenen sozialen Bezügen wieder herausreißen, weil’s irgendwo Wohnungsleerstand gibt.

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Ich denke, soweit und detailliert hat unsere Ministerin bei ihrem Vorschlag (noch) nicht gedacht. :wink:

Das mag für dich so sein. Ich halte es für Unfug, denn erstens hat in den von dir benannten Wahlkreisen die deutliche Mehrheit nicht AfD gewählt, zum anderen verkennst du halt warum die Leute dort AfD wählen. AfD wählen die Menschen dort (meiner Erfahrung nach) vor allem aus Unzufriedenheit darüber, dass die Region niedergeht und Politiker in Berlin sich nicht genügend darum kümmern. Dabei verkennen sie, dass der beste Weg zur Stützung ihrer Region darin besteht neue Menschen zu integrieren.

Warum umsiedeln? Wenn ich das Wohngeld auf Regionen außerhalb der Metropolregionen begrenze, dann suchen sich Menschen ganz freiwillig eine Wohnung in günstigeren Gegenden.

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Gibt es für deine These auch empirische Belege? Mir sind nur gegenteilige Belege (z. B. der Forschungsgruppe Wahlen zur Europawahl: 70 % der AfD-Wählenden votieren lt. Eigenaussage wegen der Forderungen der Partei für sie) bekannt.

Und wer ernst genommen werden will, sollte generell keine Faschisten wählen.

Falls du jedoch recht hättest, sähe ich weiterhin ein Riesenproblem: Was erwarten die Leute denn? Was soll die Bundesregierung denn tun? Da liegt doch die Anspruchshaltung weit jenseits des Realisierbaren. Diese Leute sollten sich lieber mal fragen: Was können wir denn selber tun, damit sich unsere Stadt gedeihlich entwickelt?

Allein schon die passivistische Mentalität, die in der Wut auf „Berlin“ zum Ausdruck kommt, wäre ein Grund für mich, dort niemals wohnen zu wollen.

Hatte bereits begründet, warum Menschen, die gerade heimisch geworden sind und sich ein soziales Netz aufgebaut haben, nicht unnötig drangsaliert werden sollten. Darauf gehst du mit keinem Wort ein. Schade!

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Ich denke, da kann man ansetzen. Es gibt viele Ideen, Städte attraktiver zu machen. Dazu gehören Mehrgenerationshäuser, Gemeindehäuser, Begegnungsstätten, Parks mit Bühne und einen Verein, der Kulturveranstaltungen organisiert.
Wie @Schnackerio schreibt, AFD wählen ist die schlechteste Lösung, denn dann wird sicher kein Geld aus Berlin kommen. Das ist so, wie in Bayern ein SPD-Bürgermeister. Der weiß, dass er jetzt auf sich selbst gestellt ist und die Gemeinde weiß, wenn ich den wähle, muss er so gut sein, dass wir Unterstützung aus München nicht brauchen.

Viele persönliche Gespräche im erweiterten familiären und Bekanntenkreis. Also nein, Studien habe ich nicht. Aber dafür waren die Gespräche weit umfangreicher als eine Telefon- oder Straßenumfrage.

Da habe ich ein anderes Menschenbild. Jeder Mensch gehört ernst genommen, nicht nur die, die meine Meinung teilen. Sonst bin ich nicht besser als die rechten Intoleranten. Und ich treibe unentschlossene in die Arme der Intoleranten.

Mir ist aber völlig bewusst, dass diese wir vs. die Bubblementalität gerade en vogue ist.

Anyway, das hatten wir hier im Forum schon 11undelf!z!g mal.

Das ist tatsächlich die richtige Frage. Ich glaube diese Menschen haben oft die Hoffnung verloren. Die wollen Zuwanderung nur wenn man die Zuwanderer behandeln kann wie den Gast im eigenen Haus. Das heißt, wer sich nicht einbringt oder nicht benimmt, fliegt raus. Wir alle wissen, dass der Staat das aus diversen Gründen nicht leisten kann. Und dann berichten fast alle Medien immer negative Einzelfälle so als seien sie repräsentativ.

Ich denke hier muss man viel reden und durch Taten zeigen wie wertvoll Zuwanderung ist. Also sprich, Zuwanderer direkt arbeiten lassen, damit gar nicht erst der Eindruck aufkommt, hier ließe sich jmd. in der sozialen Hängematte nieder.

Ich habe noch nie jmd. über einen Zugewanderten schimpfen hören, der sich in die Gemeinschaft eingebracht hat.

Was soll ich dazu sagen? Klar, ich verstehe deinen Gedanken. Aber leitet sich aus drei Wochen Wohnen in Berlin ein lebenslanges Wohnrecht ab?

Das Problem ist doch, dass wir in einigen Städten zuviel Zuzug haben, während andere Regionen unter Wegzug leiden. Wir sehen eine Reihe von Nachteilen darin. So leiden die Trendstädte unter hohen Mietpreisen, überlasteten Ärzten, überlasteten Schulen und Kitas uvm… Gleichzeitig leiden die anderen Regionen unter massivem Leerstand, schließenden Schulen, Abbau staatlicher Infrastruktur (Krankenhaus, Polizei,…). Und wir sorgen für unnötige Flächenversiegelung, denn in den Trendstädten müssen neue Wohnräume und Infrastruktur geschaffen werden.

Unsere aktuelle Wohngeld-Lösung subventioniert die Flucht in die Trendregionen mitsamt all der oben genannten Probleme. Warum sollten wir das als Staat tun? Damit schaden wir doch allen um nur einzelnen zu helfen.

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Schätze deine Beiträge oft, aber dein Vergleich mit SPD-Bürgermeistern in Bayern ist, sorry to say, völlig neben der Spur.

Und es geht auch nicht ums Geld Abgreifen.

Es geht darum, dass diejenigen, die Faschisten wählen, klar zeigen, wes’ Geistes Kind sie sind. Die AfD zu wählen zeigt Menschen- und Demokratiefeindlichkeit.

Wer sowas tut, stellt sich selbst außerhalb des gesellschaftlichen Fundaments des zivilisatorischen Mindestanstands.

Entweder sind sich AfD-Wählende bewusst, die gesellschaftliche „Abrissbirne“ zu schwingen, dann erfolgt diese Destruktivität gezielt und sie sind deshalb nicht ernst zu nehmen. Oder sie sind sich dessen noch nicht einmal bewusst, dann sind sie aufgrund dessen ebenfalls nicht ernst zu nehmen.

Der zweite Schritt ist dann, dass, wer auf diese Weise aktiv gesellschaftszerstörend handelt, nicht erwarten kann, auch noch mit Geld der Gemeinschaft dafür belohnt zu werden. Staatliche Gelder sind ja nichts anderes als Gelder, die wir als Bevölkerung gemeinsam aufbringen.

Mit SPD-Bürgermeistern, die womöglich aus parteipolitischen Kalkülen weniger Geld der bayerischen Staatsregierung zur Verfügung bekommen, ist das in keiner Weise vergleichbar.

Und wenn ich hier dann noch lesen muss, dass Rechtsextremismus eine „Meinung“ wäre und Intoleranz gegenüber demokratiezerstörenden Menschenfeinden „nicht besser als die rechten Intoleranten“, dann weiß ich, dass da Poppers Toleranz-Paradoxon (" Uneingeschränkte Toleranz führt mit Notwendigkeit zum Verschwinden der Toleranz. Denn wenn wir die uneingeschränkte Toleranz sogar auf die Intoleranten ausdehnen, wenn wir nicht bereit sind, eine tolerante Gesellschaftsordnung gegen die Angriffe der Intoleranz zu verteidigen, dann werden die Toleranten vernichtet werden und die Toleranz mit ihnen.") entweder nicht gekannt oder nicht verstanden wird.

Um nun wieder den Bogen zum Threadthema im engeren Sinne zu schlagen: Wenn der Anteil derer, die Rechtsextremismus tolerieren oder sogar durchs Wählen aktiv unterstützen, in einer Kommune hoch ist und sogar noch Verharmlosung dazukommt, ist dies ein Indikator für die Ablehnung von Minderheiten, gesellschaftlicher Vielfalt und der Gleichheit neu Hinzukommender.

Da sich diese Leute selbst von der bundesrepublikanischen Gesellschaft ausgrenzen, bleibt als einzige Konsequenz, diese Selbstausgrenzung aufzugreifen. Dann sollen sie halt unter sich bleiben, aber nicht auch noch für diese Selbstisolation Geld von der Gemeinschaft, hier dem Staat, bekommen. Denn das wäre ja eine Belohnung von Selbstausgrenzung.

Die ostdeutsche Soziologin of Color Katharina Warda hat - um ein Beispiel zu nennen - die einzig richtige Konsequenz gezogen, indem sie nach Berlin migriert ist.

„Es ist eine Zeit lang besser geworden, aber mittlerweile ist doch ein Zustand eingekehrt, vor allem wenn ich auf Sachsen-Anhalt gucke, aber auch in den anderen Bundesländern, wo wieder offene rechte Hegemonien auf der Straße herrschen“, sagt Warda. […]

Insofern sehe sich diese Frau ständig in der Situation, überlegen zu müssen, wo sie wann überhaupt hingehen könne, „also, dass die Außenwelt einfach gefährlich ist und dass es ganz viel Raum gibt, in dem Menschen ganz offen rechts sein können, ganz offen rassistisch sein können, ganz offen antisemitisch sein können“.

Deutschlandfunk Kultur

In solchen Räumen rechtsextremer Hegemonie bleibt für Menschen mit Migrationsgeschichte nur der Wegzug.

Mit Steuermitteln sollten Kommunen, in denen es so ist, ganz sicher nicht gefördert werden.

Mit dem Leerstand und dem Arbeitskräftemangel (z. B. in der Pflege) müssen solche Kommunen dann selbst klarkommen.

Da kann man guten Gewissens auch niemandem empfehlen, sich dort niederzulassen.

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