Nein, ich lebe nicht im Osten und bin dort auch nicht aufgewachsen. Aber das bedeutet nicht, dass ich niemals Rechtsradikale aus der Nähe erleben durfte. So Anfang der 90er gab es auch im Westen vielerorts militante Neonazistrukturen und rechte Skinheadkultur, und genau deswegen weiß ich: Dort, wo denen aktiv genug Widerstand entgegengesetzt wurde, haben die sie sich irgendwann großteils aus dem öffentlichen Raum zurückgezogen, und die AfD hat dort heute schlechte Wahlergebnisse. (Was leider teilweise dazu führt, dass die jüngere Generation es dort als selbstverständlich gegeben ansieht, dass das so ist und immer so bleibt.) Und dort, wo Naziskinheads fette Jugendzentren mit „akzeptierender Jugendarbeit“ bekommen haben, und allgemein als „gute Jungs, die ein bisschen jugendlich rebellieren“ angesehen wurden, haben sie sich breitgemacht, und diese Generation ist jetzt teilweise das, was im Osten die AfD trägt, und die „Freien Sachsen“, Pegida, Coronaleugnerproteste und was es da sonst noch so an widerlichen Phänomenen gibt.
Und genau dieses ostalgische Gejammer, dass für diese Leute die Rechtfertigung liefert Faschismus zu wählen und zu unterstützen, geht mir mittlerweile extrem auf den Sack. Die DDR wurde nicht von Westdeutschland annektiert und alle Ostdeutschen versklavt, sondern die Ostdeutschen haben nach dem Zerfall ihres Staates sofort eine Birne gewählt, die eigentlich in der BRD gerade abgewirtschaftet hatte, aber die ihnen D-Mark-Geschenke versprochen und auch gegeben hat, mit denen sie sich dann VWs kaufen und nach Mallorca fliegen konnten.
Das Begrüßungsgeld wurde ganz selbstverständlich eingesteckt, ebenso dass das wertlose DDR-Geld 1:1 gegen DM getauscht werden konnte, und die geschenkten Rentenansprüche für alle, ohne je in die bundesdeutsche Rentenkasse eingezahlt zu haben. Über den Soli wurde die komplette ostdeutsche Infrastruktur neu aufgebaut, während im Westen die Brücken, Schulen, usw. verlotterten. Da redet keiner der armen unterdrückten Ostdeutschen mehr von. Immer nur von der bösen Treuhand, die die Betriebe an die bösen Kapitalisten verscherbelt hat. No shit, im Westen ist die Mehrheit der Bevölkerung ebenfalls kein Fabrikbesitzer, sondern geht knechten für irgendeinen Chef, damit auch im nächsten Monat was zu Essen auf dem Tisch steht. Und ihr habt bei den Volkskammer- und Bundestagswahlen 1990 genau das für euch ebenfalls gewählt. Niemand hatte mehr irgendetwas übrig für die einstigen Helden der Wende aus Neuem Forum, Bündnis '90 usw. Schneller Konsum war halt wichtiger. Aber selbstverständlich nur für echte Deutsche, ansonsten hat man halt auch mal gerne das eine oder andere Pogrom veranstaltet.
Sorry, aber diesen Talkshowmüll tu ich mir generell nicht an.
Also ich kann mir eigentlich kaum ein platteres Land als Schleswig-Holstein vorstellen, und da sind die bekanntermaßen gerade aus dem Landtag geflogen.
Leider hat diese bürgerliche Fassade diese Positionen in den letzten zehn Jahren so weit normalisiert, dass die Fassade dort gar nicht mehr notwendig ist. Das Overton-Window wurde so weit nach rechts geöffnet, dass teilweise selbst CDU-Politiker dort mittlerweile frühere NPD-Sprache verwenden und keinerlei Berührungsängste zu hart-militanten Neonazis mehr haben, wenn es „gegen das Merkel-Regime“ o.ä. geht.