Das ist jetzt etwas sehr aus dem Kontext gerissen. Es geht nicht darum, dass die faschistische Ideologie der UPA für ein Nationalbewusstsein nötig wäre. Es geht eher darum, dass alles, was den Gedanken an die „Souveräne Nation Ukraine“ stärkt, also alles, was dem entgegensteht, was Putin mit seiner großen Rede, in der er behauptet, die Ukraine sei keine souveräne Nation, unterstützt wird.
Wir können uns das wie eine Skala vorstellen - von 0 bis 10. Bei der 0 ist Putins Meinung, die Ukraine sei kein souveräner Staat, nicht einmal eine eigene Kultur, bei der 10 sind die extremen Nationalisten der Ukraine, die teilweise offen rechtsextrem sind und - wie Nationalisten und Erzkonservative überall auf der Welt - die eigenen Schandflecken der Geschichte gerne ignorieren und alles in’s Positive verklären.
Der Ukraine geht es darum, den Durchschnitt der Bevölkerung auf dieser Skala möglichst weit nach oben zu bewegen („Stärkung des Nationalbewusstseins“), denn Russland geht es darum, diese Durchschnittsmeinung der Bevölkerung nach unten zu bewegen („Ukraine zum Teil Russlands machen“). Die Führung der Ukraine will dabei sicherlich nicht bei 10 enden - aber wenn der Gegner versucht, die Skala in Richtung Null zu drücken, hält man auch gerne mit 10 dagegen, in der Hoffnung, letztlich irgendwann bei gesunden 5-8 zu landen.
Würde man sich nun gegen diejenigen stellen, die in dieser Skala bei 9-10, also im extremen Bereich, stehen, würde man die gesamte Skala verkürzen. Und das kann man sich in der aktuellen Lage der Ukraine nicht leisten. Wäre es schöner, diesen „kulturellen Kampf“ gegen die russische Einflussnahme ohne die Faschisten der UPA zu gewinnen? Absolut. Aber wie gesagt, die Ukraine kämpft um ihr Überleben, sowohl auf dem Schlachtfeld, als auch im Bereich der Kultur. Russland will - und das hat Putin mit seiner Rede sehr deutlich gemacht - keine Ukraine als souveränen Staat akzeptieren.
Daher sind diejenigen, die am weitesten entfernt von Putins Position stehen leider auch diejenigen, die aus unserem liberalen, demokratischen und rechtstaatlichen Verständnis sehr, sehr problematisch sind. Man kann nur hoffen, dass es der Ukraine gelingen wird, wenn der Konflikt mit Russland irgendwann beigelegt ist, diese faschistischen Umtriebe zu bekämpfen. Aber das ist eben ein Problem für die Ukraine von 2025…