Wie ausgerechnet die freie Marktwirtschaft unsere Gesellschaft revolutionieren könnte

Schon allein der Widerspruch zwischen „Anreize schaffen…“ und „…der Markt aus sich heraus…“ Dem Markt ist das Klima egal und wem das nicht egal ist, der oder die wird den Markt entsprechend regulieren müssen - so oder so.

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Nein, die Anreize (z.B. CO2 Zertifikate) machen ja die Klimaschäden für den Markt erst sichtbar. Und dann wird der Markt aus sich heraus optimieren, also CO2 minimieren.

Ich fühle mich in gewisser Weise missverstanden, vermutlich habe ich diesen Punkt zu wenig deutlich ausgearbeitet. Ich lehne weder staatliche Regulierung, noch staatliche Akteure grundsätzlich ab. Ich verstehe das Thema „freie Marktwirtschaft“ auch hier nicht nach der klassischen, liberalen Denkweise, sondern halt eben als Werkzeug der Vergleichbarkeit.

Mein Gedankengang bezieht sich auf verschiedene Wirtschaftszweige, lässt sich aber natürlich nicht überall anwenden. Beispiel: Gesundheitswesen. Für mich darf es keinen „freien Markt“ im Gesundheitssystem geben, weil es sich dabei um die Grundsicherung handelt.

Also, nochmals zurück zu meiner Intention: Aktuell ist die Marktsituation relativ drastisch verzerrt, da nicht die effektiven Kosten für ein Produkt berücksichtigt sind. Durch die systematische Externalisierung von Konsumfolgekosten besteht de facto ein ungerechtfertigter Wettbewerbsnachteil für alternative und teilweise auch „bessere“ Ideen. Heute kommt für diese Kosten in vielen Fällen indirekt der Steuerzahler auf. So sucht sich also der „Markt“ nicht das beste Produkt, sondern es wird indirekt ein Produkt durch falsche Anreize und Regulierungen verzerrt. Es geht mir daher also eigentlich nur darum, ein Produkt inkl. dessen Folgekosten in einer Gesamtkostenrechnung abzubilden und gewisse Anreise (bspw. Steuererleichterungen für Diesel) abzuschaffen, damit andere und ggf. überzeugendere Lösungen ihre verdiente Chance erhalten.

Beispiel: Es ist mittlerweile nachgewiesen, dass Erneuerbare generell bereits günstiger sein könnten als Kohle / Gas / Atom, wenn man die Gesamtkostenrechnung macht. Es geht mir im Prinzip genau um diese Feinheiten.

Ich bin nach wie vor kein Verfechter der (neo-)liberalen Grundsätze und nicht der Meinung, dass der Staat alles falsch macht. Ich bin lediglich der Meinung, dass ein vergleichbarer Kostenrahmen genutzt werden muss. Das bedeutet aus meiner Sicht eben auch, dass Werte, die aktuell nicht messbar sind, ebenfalls zur Gesamtberechnung hinzugerechnet werden müssen, sonst ist das Bild immer zulasten der weniger Invasiven, saubereren Technologie verzogen.

Zertifikatshandel bildet zwar die CO2-Ausstösse ab, aber halt eben auch nur die. Wenn BP beispielsweise 800 Millionen Liter Öl ins Wasser lässt (wie im Unfall von Deepater Horizon) spielt das für den CO2-Preis erst mal keine Rolle. Versteht ihr, wie ich das meine? Die Umweltzerstörung, die durch dieses Öl verursacht wurde, ist auch mit der Strafzahlung nicht abgedeckt. Es ist also im Zweifel günstiger eine Milliardensumme Strafe zu zahlen und dann so weiterzumachen, als es wäre, solche Themen endlich anzugehen.

Oder in Kanada, wo sie für Ölsand ganze Regionen wegbaggern, weil da ja „nur“ Wald ist, selbiges für Soja- und Viehproduktion im Amazonas. Wie bildet man Artensterben im aktuellen Wirtschaftssystem ab, selbst, wenn es durch einen eingegrenzten Bereich von Branchen oder gar einzelnen Firmen befeuert oder sogar initiiert wird?

Orang-Utans (und andere Menschenaffenarten), Elefanten, Makaken in Indoniesien, Fische, Haie, Korallen. All das leidet aktuell.

Die Beispiele sind zahlreich: Palmöl, Soja, Rinderhaltung, Öl, Seltene Erden, Uranabbau, Uranlagerung /-entsorgung, von Fischerei fange ich mal gleich gar nicht an, etc. Wir kennen ja heute zahlreiche dieser Themen. Der Punkt ist, dass jetzt der Aquaponie-Unternehmer in seinem inländischen Startup im Zweifel deutlich teurer produzieren muss, als wenn ich halt mein Schleppnetz durch die Nordsee ziehe, obwohl im Zweifel diese Methode deutlich weniger schädlich ist.

Ich hoffe, es ist jetzt klar, in welche Richtung meine Argumentation zielt: nicht in weniger Regulation, sondern in den Abbau ungerechtfertigter Marktverzerrungen zu Lasten der Gesellschaft, Allgemeinheit, Umwelt.

Meine Rede. Ohne „Anreize“ ist dem Markt das Klima egal. Und auch mit Zertifikaten ist es ihm egal, für ihn zählen einzig die Kosten und Erträge. Das heißt, mit Emissionszertifikaten gibt es folgende Möglichkeiten: 1. entweder Emissionen verringern, 2. Kosten für Emissionenen versuchen anderen aufbürden (Stichwort: Lieferketten) 3. andere Kosten senken um Kosten für Emissionszertifikate auszugleichen 4. auch ohne Zertifikat weiter emittieren. Auf globaler Ebene finde ich es naiv zu denken, dass Unternehmen sich ausschließlich für die erste dieser vier Optionen entscheiden. Und eine global einheitliche Regelung wird es hierzu eh nicht geben.

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