LeoWom
19
Das wird doch nur gerne als Ausrede benutzt. PV auf dem Dach muss so normal sein wie ein Geländer mit der richtigen Höhe….könnt ich auch auf viele verzichten.
pbf85
20
Guter Einwand. Das Argument mit dem Ertrag und der dadurch variierenden Menge an co2 pro kWh gilt aber ja auch innerhalb Deutschlands. Bei PV kann es schon wenige Meter weiter erhebliche Einbußen geben.
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Lass es uns eher so formulieren: Es sollte eher einer Rechtfertigung bedürfen keine PV aufs Dach zu packen als eine legen zu lassen.
Fälle in denen es ineffizient sein kann gibt es auf jeden Fall. Ein Haus mit Norddachausrichtung bspw. oder in einer Waldsiedlung mit starker Verschattung durch Bäume. Letzteres Problem haben ein paar Häuser hier bei uns. Wir haben hier noch Baumbestand mit über 20 m Höhe.
Das sind aber ganz sicher Edge Cases.
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pbf85
23
Tatsächlich wollte ich auf sowas raus.
Bei uns sind es in Tälern nahe an Fels gebaute Häuser die für PV nur wenig geeignet wären. Hatte da gerade Fälle bei Freunden die da im Rahmen von Sanierung das Thema hatten.
Guter Punkt, das ist richtig. Wobei die Bilanz extrem schlecht bleibt. Der Vorteil des ertragreichen Standorts für PV/Wind kann schnell hinfällig werden, wenn ich noch gigantische Speicher zubauen muss weil ich meinen Elektrolyseur sonst nur tagsüber (im Falle von Sonne) betreiben kann und damit die Auslastung von dem Solarpark zwar erhöht - dafür aber von dem Elektrolyseur enorm gering ist.
pbf85
25
Ich muss sagen, dass ich hier keine exakten Zahlen kenne. Ich weiß aus Artikeln, dass sich Elektrolyseure nur zur Verwertung eines gelegentlichen Überschusses nicht sinnvoll betrieben lassen. Inwiefern sich ein Betrieb mit Solarstrom in Gegenden mit weniger jahreszeitlichen Schwankungen lohnen würde weiß ich nicht. Die Frage stellt sich aber ja auch nur bei PV und nicht bei Wind in Gegenden mit relativ konstantem Ertrag.
Die Effizienz ist natürlich geringer als wenn man den Strom direkt nutzen könnte. Im Falle des Autos wahrscheinlich sogar dann, wenn wir optimale Erträge bei E-Fuels gegenüber niedrigen Erträgen bei einem Windrad z.B. in Bayern vergleichen.
Neben der direkten Verwertung des Stroms und e-Fuels gäbe es ja für viele Anwendungen auch noch den Zwischenschritt die Energie in Form von Methan zu speichern und wieder zu verwerten und so einen Schritt zu sparen.
Am Ende wird Effizienz sicher der entscheidende Punkt sein. Der Einsatz von weniger effizienten Wegen wird vorwiegend dort stattfinden wo der Einsatz andere, signifikante Vorteile bietet.
Deine allgemeine Anmerkung zeigt aber auch, dass man neben der Herstellung von grünem Strom auch Ersatz für andere Energieformen braucht um am Ende bei 0 zu landen.
LeoWom
26
Na ja, nicht nur. Viele Menschen meine WKA stehen meist still, weil abgeregelt. Da könne man doch H2 produzieren.
Heute ist gar nichts wirtschaftlich mit H2. Es geht nur darum wie unwirtschaftlich. Nicht zu unterschätzen ist denke ich das Signal für die Menschen. Kennt jemand Zahlen zu den Stillstandszeiten?
mifr
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Was ist an Methan der Vorteil? Es braucht auch eine kohlenstoffquelle und ist gasförmig so wie Wasserstoff, d.h. schwieriger zu speichern als Benzin. Und beim Verbrennen wird der gebundene Kohlenstoff wieder freigesetzt, wenn Methan entweicht, hat es eine wesentlich höhere Klimaschädlichkeit.
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Die große Frage ist: Wann wollen wir die eFuels wie herstellen?
Eine Idee wäre ja, sie durch Strom herzugestellen, der wegen eines Überangeboten bei weiterem Ausbau der EE momenteweise nicht eingespeist werden könnte. Stellt sich die Frage: Lohnt es sich, wenn die Anlage nur in 10-20% der Zeit läuft? Wahrscheinlich nicht.
Da wäre es am Ende eventuell sinnvoller, in der Zeit per Elektrolyse Wasserstoff herzustellen und dem Gasnetz beizumischen.
Die Herstellung von eFuels ggü Wasserstoff ist halt einige Schritte komplexer.
Sprit für Verbrenner kann man besser aus langkettigen Kohlenwasserstoffen herstellen - also z.B. Biomasse wie Pflanzenölen und co. Aber auch da läuft dann die Herstellung auch nur sekundär CO2-neutral.
„HVO100“ z.B. ist nicht einmal primär CO2-neutral, da dort Abfälle auch aus Erdöl-Produkten und Prozessen genutzt werden. Aber selbst da bin ich gespannt, wie es von den Verbrauchern angenommen wird.
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pbf85
29
Tatsächlich ist es schon ein paar Jahre her als ich das als Option gelesen habe, vielleicht also schon hinfällig.
Argument war, dass ein Schritt entfällt der den Wirkungsgrad reduziert, eine Nutzung aber technologisch einfacher ist als bei Wasserstoff.
Da aber in den letzten Jahren auch einige Lösungen für Probleme (z.B. Beständigkeit von Material) mit Wasserstoff gefunden wurden kann es durchaus sein, dass das mittlerweile hinfällig ist.
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ped
30
Und als Ergänzung: Die Menge an Abfall-Fetten, die uns für diesen „Biokraftstoff“ zur Verfügung steht reicht nur für einen winzigen Bruchteil des aktuellen Bedarfs. Extra z.B. Raps als Input für Biodiesel anzubauen ist auch Blödsinn, weil diese Art der Landwirtschaft ebenfalls enorme Mengen CO2 produziert. Insofern ist Biodiesel, ähnlich wie eFuels, maximal eine Nischenlösung ohne Anwendungspotenzial für den breiten Einsatz im Individualverkehr.
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Jupp. Und es ist nicht so, als wenn die Alt-Öle und -Fette sonst aktuell weggeworfen würden.
Die immer angeführte Option, HVO100 ließe sich auch z.B. aus Algen-Biomasse herstellen existiert auch nur theoretisch.
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HVO Hydrotreated Vegetable Oil Da ist kein Tropfen aus Erdöl Produkten drin.
Richtig, wie ich schon mal im anderen Forum geschrieben hatte.
Das gilt übrigens für fast alle E-Fuels und Biokraftstoffe. Die Skalierbarkeit hängt ganz eng mit den Verfügbaren Rohstoffen ab.
Und auch hier nochmals der Hinweis, dass Palmöl als Biokraftstoff CO2 technisch viel besser ist, als Raps-, Sonneblumen- oder Sojaöl. Das Problem an Palmöl (und Soja) ist die Abholzung des bestehenden Regenwaldes.
Bei der Frage ob PV auf ein Dach kommt, ist die Alternative aber nicht, dass die Module stattdessen an einen besseren Standort kommen, sondern dass sie im Lager bleiben. Wir haben ja keine Knappheit an PV-Modulen.
Das heißt wir müssen die x g CO2 von PV gegen die Grenz-CO2-Emissionen rechnen, die das letzte zugeschaltete regelbare Kraftwerk erzeugt.
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pbf85
36
Ich fände es aber besser wenn man stattdessen die Möglichkeit hätte die Entsprechende Nennleistung an einen besseren Standort zu verlegen.
Bei Nordausrichtung in einem schmalen Tal bleibt halt von Ertrag nicht mehr viel übrig und so eine Anlage wäre ein reines Draufzahlgeschäft.
Wie hier schon jemand angesprochen hat natürlich ein Sonderfall, aber ich plädiere ja nicht nur hier Sonderfällen in Überlegungen immer auch Sonderlösungen zur Verfügung zu stellen. Alles andere sorgt nur wieder für mangelnde Akzeptanz.
Und dass Häuser in solchen Lagen renoviert werden ist ja auch schon etwas nachhaltiges. Bei uns verfallen viele dieser Häuser weil die kaum verkäuflich sind.
Das ist eigentlich inzwischen gar kein Thema mehr. Es läuft alles darauf hinaus, dass es ein reines Wasserstoffnetz geben soll. Es mag sein, dass es (immer noch) lokale Versuchsprojekte gibt. Diese sind aber immer nur auf wenige bis knapp 100 Haushalte oder mal ein Industriebetrieb begrenzt. Es geht da oft auch nur darum, zu zeigen, dass es technisch machbar ist.
In der Praxis ist der reine Wasserstoff als Rohstoff aber viel wichtiger, dass sich das in der Breite nicht durchsetzen wird. Persönlich sehe ich die Versuche auch viel mehr als Ansatz der Gasunternehmen den Wärmesektor grüner zu machen. Das mag auf den ersten Blick gut sein, weil es Emissionen im Gebäudesektor senkt, aber der Wasserstoff kann an anderer Stelle sinnvoller eingesetzt werden. Beispielweise für RFNBOs, die in manchen Bereichen der Mobilität unabdingbar sein werden.
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Das ist technisch auch nicht trivial umzusetzen. Sowohl die Netze (Dichtungen, Diffusion durch Rohrleitungen, Netzdruck), als auch die Endgeräte (Heizungen, Herde) müssen für die Mischung ausgelegt werden. Darum:
Off Topic: Wir (Unternehmen wo ich arbeite) haben mit den Hamburg Energiewerken, einen Workshop gehabt mit dem Thema, wie die Prozessabwärme (Chemiebetrieb + Schalt- und Serverräume) genutzt werden kann. Die Lösung ist technisch gesehen relativ einfach. Man könnte die Abwärme in WPs einspeisen und damit ein Fernwärmenetz betreiben. Alles Stand der Technik. ABER 1: das Investment ist gigantisch hoch. Fernwärmeleitungen aus dem Industriegebiet in einen Stadtteil, Stromnetzerweiterung für die Versorgung der WPs, Umrüstung der Bestandsgebäude auf Fernwärme usw.
ABER 2: Was passiert, wenn das Unternehmen seine Abwärme verringert durch z.B. neuere Technologien oder Worse Case, was passiert, wenn der Unternehmen schließt. (Glaskugel)
Klima und Umwelttechnisch ein no Brainer, ca. 30 000 Haushalte könnten damit versorgt werden. Technisch ist das wirklich keine große Herausforderung, aber wirtschaftlich hoch komplex.
Wer trägt die Risiken (Investoren werden das nicht tun)? Wer legt den Fernwärmepreis fest? Das Unternehmen? Auf welcher Basis und es wäre ein natürliches Monopol. Wer finanziert das Ganze? Das werden in diesem Fall bis zu 1 Mrd Euro Gesamtkosten sein. (Ca. 33 500€ pro Haushalt Investment).
Um den Bogen zurückzuschlagen zum Thema. CO2 Neutral wäre dieser Ansatz auch nicht, sowohl im Bau, als auch im Betrieb, da der Betrieb zur Zeit auf Kraft-Wärme Erdgaskraftwerk beruht. Dieses auf H2 umzustellen, ist wirtschaftlich (hoher H2 Preis) ein Desaster und aus Effizienz Sicht richtig schlecht (Wirkungsgrad Elektrolyse 60 -70%, KWK 60% (nur Wärme), Wärme- und H2 Verluste durch Übertragung 7%, ergibt 33% - 39%).
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