Was tut Deutschland um eine Verteidigungsfähigkeit herzustellen?

Die Diskussion über die Wehrpflicht hat mich zu der Frage geführt, was machen wir eigentlich gerade, um uns in die Lage zu versetzen einen Angriff von Russland etwas entgegensetzen zu können? Denn um ehrlich zu sein, fällt mir nichts wirkungsvolles ein, was wir dagegen setzen könnten.

Der Faktor der den Krieg in der Ukraine bestimmt, sind nicht Soldaten oder schwere Waffen, sondern Drohnen. Und gegen diese nützt eine Wehrpflicht nichts, keine Flugzeuge und auch keine Panzer. Die Kosten für eine Drohe sind deutlich gesunken und sie besitzen inzwischen auch genügend Intelligenz Ziele selbstständig anzusteuern. Somit sind Störgeräte wirkungslos. Oder anders gesagt, ich habe bisher noch von keiner Möglichkeit gehört, wie ein groß angelegter Drohnenangriff abgewehrt werden könnte.

Die aktuelle Lage ist noch viel verstörender, denn wir sind ja noch nicht mal in der Lage einzelne Drohnen sinnvoll abzuwehren. Russlands Testflüge über Polen haben deutlich mehr Kosten auf unserer Seite verursacht, als bei Russland.

Wie sieht der Plan aus, falls ein Ziel mit ein paar hundert oder tausend Drohnen angegriffen werden sollte? Gibt es überhaupt einen Plan? Sowohl in Falle eines Krieges, als auch im Falle eines Terroranschlages? Für 30.000 € bekommt man grob geschätzt 100 Drohnen. Was passiert, wenn diese z. B. auf dem Frankfurter Flughafen losgelassen werden mit dem Auftrag jedes Flugzeug zu zerstören? Oder sie den Reichstag zerstören sollen? Ja, ich weiß, dass sowas in der Praxis nicht ganz so einfach ist. Es braucht einiges an Mannpower, Wissen, Logistik und vor allem viel Geheimhaltung, um das unbemerkt vorzubereiten. Daher halte ich das aktuell nicht für wahrscheinlich. Wenn dann werden es vermutlich zuerst wenige Drohnen sein, doch grundsätzlich halte ich so ein Szenario für denkbar und im Falle eines Angriffes von Russland würde ich sogar soweit gehen so etwas zu erwarten.

Ich denke, dass man sich dieser neuen Bedrohungen im Großen und Ganzen bewusst ist.
Seitens der EU gibt es ja seit Mitte des Jahres Überlegungen für einem „Drone Wall“ an der EU-Ostgrenze:

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Die EU wolle von der Ukraine nicht nur die Herstellung spezifischer Drohnentypen lernen, sondern auch „wie man ein ganzes Ökosystem um sie herum schafft, um diese Drohnen am effektivsten zu nutzen“.

Das heißt konkret den Herstellungsprozess lernen, dann Produktionsstätten aufbauen und danach Drohen herstellen. Das hört sich für mich ziemlich lange an. Heißt konkret die nächsten Jahre sind wir nach wie vor schutzlos.

Lediglich der Eirshield von Estland hört sich für mich vielversprechend an, also so dass da innerhalb von relativ kurzer Zeit was rauskommt.

Gelöscht.

Der Vergleich hinkt gewaltig. Einer Million Drohnen ist eine sehr realistische Vorstellung, während einer Million Soldaten mit Schützenpanzern mit der Realität nichts zu tun hat. Für einen einzigen Schützenpanzer bekommt man Zehntausende Drohnen. Was ist effektiver ein Schützenpanzer oder Zehntausende Drohnen?

Das wäre mir neu. Die Ukraine hält mit den Billigdrohnen alles an Panzern auf was Russland so zu bieten hat. Außerdem braucht es nicht viel, um eine Panzerung zu knacken. Deshalb gibt es da wenig Verteidigung gegen.

Gelöscht.

Ein Krieg gegen die NATO würde anders ablaufen als gegen die Ukraine. Zum einen hätte die NATO wohl die Lufthoheit, dazu würde es keinerlei Vorbehalte mehr gegen Taurus und Co. geben.
Russland müsste mit deutlich härteren und präziseren Gegenschlägen gegen seine militärischen Einrichtungen und relevante Infrastruktur rechnen.
Drohnen würden eine Rolle spielen, da die NATO aber eher das schnelle beweglich geführte Gefecht führen würde und einen Stellungskrieg wie in der Ukraine meiden würde, sollten Drohnen nicht diese Rolle spielen wie jetzt.
Zudem, so völlig wehrlos wie die Bundeswehr immer gemacht wird ist sie sicher nicht.

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Das ist nicht richtig. Zur Abwehr von Angriffen mit gepanzerten Fahrzeugen setzt die Ukraine eine Mischung aus Drohnen, schwerer Artillerie und Panzerabwehrwaffen ein. Das ist auch sehr gut dokumentiert, z.B. sehr aktuell hier ab Minute 21:20: https://www.youtube.com/watch?v=61gRDuY4apI

Die Dichotomie “Drohnen oder Schützenpanzer” ist aber irrelevant, weil es sowohl innerhalb dieser Waffengattungen, als auch zwischen ihnen wahnsinnige Unterschiede gibt und moderne Kriegsführung auf dem Prinzip der “Combined Arms” aufbaut.

Einzelne Waffensysteme in Isolation sind praktisch immer unzureichend. FPV-Drohnen brauchen beispielsweise extrem gute Kommunikation zwischen den Drohnensteuerern hinter der Frontlinie und den Soldaten in den Schützengräben an der Front um effektiv zu sein. Und wie Russland gerade sehr gut demonstriert sind diese Drohnenpiloten extrem verwundbar, wenn der Feind durch eine unterbesetzte Frontlinie durchsickern und den Rückraum der Front unsicher machen kann. Eine FPV-Drohne ist an der Front also in ihrer Nutzbarkeit extrem eingeschränkt, wenn diese Front nicht durchgehend besetzt werden kann. Unter den richtigen Bedingungen sind sie aber sowohl bei der Defensive, als auch bei der Aufklärung und Offensive mit kleinen Einheiten (meist zu Fuß) extrem hilfreich.

Gepanzerte Fahrzeuge wiederum sind für einen Bewegungskrieg eine absolut notwendige Voraussetzung. Und der Bewegungskrieg in der Offensive ist das, was einen Krieg ohne horrende Verluste an Personal und Material am Ende gewinnen kann. Aber gepanzerte Fahrzeuge werden zu Todesfallen (wie die russische Armee immer wieder feststellt), wenn sie nicht mit mobiler Infanterie und Artillerie, Aufklärung, Minenräumung und Lufthoheit (wozu heutzutage auch Drohnen gehören) unterstützt werden.

Vielleicht nicht für Deutschland alleine, aber die “mittleren Kräfte” sind ein Kernbestandteil der militärischen Doktrin der Bundeswehr. Und um auf die Ausgangsfrage zurückzukommen:

Wir bauen besonders diese “mittleren Kräfte” und die Panzerverbände stark aus:

Die Bundeswehr soll in den nächsten zehn Jahren rund 1.000 Kampfpanzer Leopard und rund 2.500 Radpanzer vom Typ Boxer in verschiedenen Varianten bekommen.

Alleine für diese Anschaffungen gehen 25 Milliarden Euro des Sondervermögens drauf.

In der Boxer-Bestellung sind auch verschiedene Varianten zur Luftabwehr (auch von kleinen und billigen Drohnen, z.B. das System Skyranger) und gepanzerte Sanitätsfahrzeuge zur Evakuierung von Verwundeten (die als Antwort auf die Bedrohung durch Drohnen in Frontnähe verstanden werden können) enthalten.

Unterm Strich: Deutschland und die EU sollten auf jeden Fall eine große Reserve an billigen, schnell einsetzbaren Drohnen unterschiedlicher Größenordnungen anlegen und in die zum effektiven Einsatz nötige Ausbildung und Praxis investieren. Aber das alleine ist wenig hilfreich, wenn es nicht gelingt, aus den Erfahrungen der Ukraine zu lernen und diese relativ neue Waffengattung in ein “Gesamtsystem” einzubinden, zu dem natürlich auch gepanzerte Fahrzeuge, große Mengen mobiler Artillerie, flexible Luftabwehr (von der Drohne bis zur Hyperschallrakete) und Luftüberlegenheit (einschließlich SEAD) gehören.

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Ich denke, bedeutsamer noch als Drohnen wird der Kampf im Cyberraum sein. Hier lassen sich ja besonders an ziviler Infrastruktur und dem Wirtschaftssystem große Schäden anrichten, ohne einen Schuss abzugeben.

Dazu die elektronische Kriegsführung, also die Kommunikation des Gegners unterbinden, inklusive die Steuerung von Drohnen.

Wenn man da federführend wird, wäre Deutschland sogar in einer sehr vorteilhaften Lage.

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Wie man sieht sind wir schon sehr anfällig. Bissl Brandstiftung (so vermutet man) reicht schon für eine große Wirkung:

Hier noch eine gute Zusammenfassung der aktuellen Beschaffungsprogramme der Bundeswehr:

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Ich denke wir sollten die Bundeswehr nicht immer so handlungsunfähig und wehrlos kaputtreden.

Das sind motivierte und gut ausgebildete Frauen und Männer mit teils sehr moderner Technik, die einen Aggressor schon im ersten Akt ziemlich spürbar vors Schienbein treten können.
Das da noch Lücken, Defizite, Versäumnisse und strukturelle Probleme sind, ist ja im wesentlichen bekannt, und wie oben geschildert wird ja auch was getan.

Diese mediale Selbstverzwergung dient ja eher potentiellen Gegnern als unserer Resilienz.

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Viel heiße Luft oder eine wirkliche Krise?

Um mal wieder auf den Kern der Frage zurück zu kommen was man zur Steigerung der Verteidigungsfähigkeit machen kann hier meine fünf Cent. Das Stichwort ist Resilienz. Das fängt beim einzelnen Bürger an indem dieser seine Notbevoratung vorhält wie vom BBK vorgesehen, geht über eine dezentrale Stromversorgung, welche nicht durch einzelne Angriffe lahmgelegt werden kann, einen schlagkräftigen Zivilschutz (welcher auch genug Material vorhält um Spontanhelfende auszurüsten) und endet bei Einsatzbereiten Streitkräften, welche auch durch den Bund eingesetzt werden. Hier scheitert es bisher an allen Ecken und Enden. Die Schuld daran trägt zum einen der Bürger der mit seiner Vollkasko Mentalität der Meinung ist der Staat muss sich bei Krisen sofort um ihn kümmern und zum anderen bei Politikern die militärische Gewalt als Möglichkeit des eigenen Handelns kategorisch ausschließen. Das ist übrigens zusammengefasst auch die Begründung warum Deutschland als so schwach wahrgenommen wird und die USA uns behandeln wie ein Kleinkind mit dem man alles machen kann.

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Ich glaub den Bürgern ist das klarer als der Politik…

wie klar das dem Bürger ist sieht man am rückläufigen Engagement im Ehrenamt und an den Hamsterkäufen der letzten zwei Tage.

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Wir kriegen die Bürger die wir uns erziehen..

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