Was läuft in der Bildung alles falsch?

Ich habe dieses Bild schon in einem anderem Beitrag verwendet, aber hier gehört es originär hin.

Es zeigt einerseits auf, warum es keine einfachen Lösungen gibt
Phänome „hängen“ an Problemen und Probleme „hängen“ an Ursachen.
Monokausale Ursachen sind (eher) nicht existent, finden aber in Verschwörungstherorien immer wieder gerne Verwendung - zum Beispiel Migration.

Anderseits kommt hier erschwerend hinzu, dass selbst die Ursachen Anbhängigkeiten untereinander aufweisen - was das Thema nahezu unlösbar macht.

Das größte Problem ist die fehlende Strategie. Aber, wer sollte sich für die Fomulierung einer Strategie zuständig fühlen? Jedes Land für sich? Die Ministerpräsidentenkonferenz? Der Bund?

Das Thema ist politisch aufgeladen. Im GG ist geregelt, Bildung ist Ländersache! Aber das Geld hat der Bund - und schon sind die 3 Ursachen in einen Knäuel verheddert - Zuständigkeit mit Strategie und Strategie mit Ressourcen - in einem Knoten vereint.

Dieser Knoten ist, wie uns die Vergangengenheit gezeigt hat, sachlich nicht zu entwirren. Deutschland hat keine großen Rohstoffvorräte und ist auf Wissen angewiesen. Wie reden zwar immer über unsere Wissensgesellschaft, beschädigen sie aber zunehmend.

Die parteipolitischen Überlegungen - wer die Bildung bestimmt, hat Einfluss auf das zukünftige Denken - muss zurücktreten um eine zukunftsfähige Lösung überhaupt erst zu ermöglichen. In den Vordergrund gehören die Belange von Schülern, Elterm, Schulen und Lehrern.

Wenn diese 4 Interessengruppen es im Tagesgeschäft miteinander „geregelt“ bekämen, wäre ich frohen Mutes.

Ein Bereich sind die Lehrkräfte. Habe fast einen schönen Bericht gehört, der sinngemäß auf die Arbeitssituation eines Lehrers eingeht und die gesundheitlichen Risiken des Lehrerberufs beleuchtet.

(1) Lärm - Klasse, Lehrerzimmer, Pausen, …
(2) Ständig über Menschen - geht anscheinend um „crowding“, also nie alleine und nie in Ruhe in der Schule
(3) Themenfremde Aufgaben für Lehrkräfte (Sozialgespräche, Schulorganisation, Sprache, Elternunterstützung…)

1 und 2 ganz klar Aspekte des Arbeitsschutzes. Grundsätzlich führt dies zu Stresssituationen, denen eine Lehrkraft immer ausgesetzt ist und langfristig zu höheren Krankenständen in der Belegschaft führt. Lehrer müssen gesund bis zur Pension kommen und nicht vorher ausscheiden.

Es müssen Büroräume für Lehrer in den Schulen als Rückzugsort geschaffen werden. In Ruhe geistige Tätigkeiten machen - steht jedem in der Computerarbeit zu (55dB maximaler Geräuschpegel). Es braucht Büros mit ausreichender IT für Lehrkräfte.

3 - hier Bedarf es ein Schulteam für eine Rundumbetreuung
Lehrkräfte sind keine Allesmacher - für andere Sachen gibt es besser geschultes Personal (aber leider nicht an Schulen :thinking:).

Für mich sind Themen wie Digitalisierung natürlich auch wichtig, aber dies ändert nichts an den grundsätzlichen Problemen innerhalb einer Schule.

Als Beispiel:
https://www.arbeitsschutz-schulen-nds.de/uebergreifende-themen/sozialraeume-fuer-lehrkraefte/gefaehrdungen-und-massnahmen/lehrerzimmer

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Dazu:

In Kindergärten kann es in Spitzen bis zu 117 dB laut werden, wie Pegelmessungen ergeben haben. Zum Vergleich: Ein Düsenjet, der in 100 Metern Entfernung startet, ist 100 dB laut – eine Kreissäge ebenfalls. Die Medianwerte der Lärmbelastung in einer Kindertageseinrichtung liegen bei 80 bis 85 dB, mit einem Spitzenpegel zum Teil deutlich darüber. Eigentlich müssen Arbeitgeber ab diesem Wert einen Gehörschutz zur Verfügung stellen.
Kita-Lärm: Regelungen, Maßnahmen & 10 Tipps für Erzieher -

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Dazu zur frühkindlichen Bildung: Bertelsmann-Studie: Kita-Personal ist überdurchschnittlich oft krank | tagesschau.de

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Zukunftsvision - Bildung … zum HeranMeinen

Harmonisierung im Vergleich zu Zentralisierung

Oftmals wird Harmonisierung irrtümlicherweise mit Zentralisierung verwechselt. Zentralisierung bezeichnet primär das Zusammenführen von Dingen an einem Ort oder innerhalb einer Organisation. Harmonisierung hingegen bezieht sich auf die Abstimmung von Inhalten, wie die Anpassung von Prozessen, die Koordination von Schnittstellen und Zuständigkeiten. Hierfür ist keine Zentralisierung erforderlich, wie es häufig angenommen oder unterstellt wird.

Ein Satz von Kennedy sollte uns auf dem Weg zu einer pragmatischen Lösung helfen »Es gibt nur eins, was auf Dauer teurer ist als Bildung, keine Bildung.« Und das können wir uns wirklich nicht leisten …

Der Bund (Schritt 1) – Strategie und organisatorischer Rahmen

Der Bund ist verantwortlich für die Entwicklung einer Bildungsstrategie, die die zukünftigen Bildungsanforderungen definiert und klare übergeordnete Ziele setzt. Solange eine umfassende Finanzreform zur Verbesserung der Bildungsfinanzierung aussteht, wird der Bund zusätzliche Mittel für Bildung bereitstellen.

Es ist wichtig, dass Lehrkräfte problemlos zwischen Bundesländern wechseln können, während Schüler und Eltern akzeptieren müssen, dass Schulwechsel eine Eingewöhnungsphase erfordern, unabhängig von regionalen Unterschieden. Die Durchlässigkeit des deutschen Bildungssystems bleibt ein vorrangiges Ziel, das durch eine Reduzierung und Vereinheitlichung der Schulformen unterstützt werden könnte.

Die Vergleichbarkeit von Noten erweist sich als unrealistisch und führt zu zahlreichen Problemen sowohl im Vorfeld als auch im Nachhinein. Der Abiturdurchschnitt steigt, während die Leistung, wie beispielsweise in der Pisa-Studie gemessen, abnimmt. Die Angst vor rechtlichen Konsequenzen führt zu wohlwollender Notenvergabe im Voraus. Eine Fächerwahl zur Notenoptimierung steht im Widerspruch zu individuellen Neigungen und zukünftigen Bildungs- oder Berufsperspektiven. Noten sollten lediglich als Indikatoren dienen und relativ zur jeweiligen Schule und Bundesland interpretiert werden. Der Numerus Clausus ist als Auswahlkriterium ungeeignet und sollte durch geeignetere Verfahren ersetzt werden, die nicht nur auf Schulnoten basieren.

Schulen und Gemeinden (Schritt 2) – Planung, Steuerung und Durchführung des Schulbetriebs und des Unterrichts

Schulen und Gemeinden benötigen mehr Autonomie, um den Unterricht unter Berücksichtigung finanzieller, sozialer, kultureller und regionaler Gegebenheiten eigenverantwortlich zu gestalten. Dies umfasst auch die Auswahl des Personals, bestehend aus Lehrkräften, Sozialarbeitern, Verwaltungskräften und anderem pädagogischen Personal. Schulen und Gemeinden sind auf die Unterstützung der Länder inhaltlich und organisatorisch angewiesen. Die Gemeinden sind für äußere Schulangelegenheiten wie den Bau und Betrieb der Schulgebäude zuständig, während sie nur das Personal finanzieren, das für die Gebäudewartung benötigt wird.

Länder (Schritt3 ) – Planung, Steuerung und inhaltlicher Rahmen

Die Länder fungieren als Bindeglied für inhaltliche und organisatorische Belange und sind für alle inneren Schulangelegenheiten verantwortlich. Sie übernehmen die übergreifende Personalplanung für Lehrkräfte, Sozialarbeiter, Verwaltungskräfte und weiteres pädagogisches Personal. In Zusammenarbeit mit den Schulen und gegebenenfalls anderen Ländern entwickeln sie Lehrpläne. Zudem dienen sie als „Shared-Service Center“ für eine flexible Personalbereitstellung und übernehmen Verwaltungsaufgaben, die von kleinen Schulen nicht effizient bewältigt werden können.

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