Wobei das enorme Anreize schafft, ältere Mitarbeiter bei der ersten Gelegenheit rauszuwerfen (und diese Gelegenheiten gezielt zu kreieren).

Vielleicht wäre es besser, eine regionale Komponente des Mindestlohns einzuführen und die Tarifbindung auf mehr Branchen auszuweiten. Wenn Kommunen einen Aufschlag auf den bundesweiten Mindestlohn erheben könnten, dann würde das z.B. teuren Ballungsräumen wie München erlauben, eine spezifisch lokale Lohnanpassung durchzuführen.

Und mit steigender Tarifbindung (aktuell deutlich unter 50% der Arbeitnehmer und weiter rückläufig) könnten Gewerkschaften gezielt auf die Bedingungen in einzelnen Branchen reagieren. Schon jetzt gibt es ja in vielen Branchen deutlich höhere branchenspezifische Mindestlöhne. Gelernte Arbeitnehmer/-innen mit zusätzlichen Qualifikationen in der Pflege (z.B. Pflegefachkraft) bekommen aktuell beispielsweise mindestens 19,5 Euro/Stunde, deutschlandweit.

Den Berufseinstieg für Schwervermittelbare lässt sich vermutlich effizienter mit durchaus schon bestehenden Mitteln fördern (für die aber vielleicht mehr Geld zur Verfügung gestellt werden sollte): Weiterbildung, Teilübernahme des Lohns für eine gewisse Zeit, etc.

Finde ich auch einen sehr guten Ansatz.

Ich meine tatsächlich eher kurze Zeiten.

Also z.B. 12 Euro Standard. 13 nach 6 Monaten, 14 nach 12 und 15 nach 18 Monaten.

Damit hätte man für komplett ungelernte Kräfte weniger Einstiegshürde und wer die Phase des Anlernens erfolgreich hinter sich hat profitiert dennoch von einem höheren Gehalt.
Vielleicht kombiniert mit einem Zuschuss wenn man schweren Fällen eine Chance gibt.

Das bietet dann auch einen Anreiz für die Arbeitskräfte bei einem Job zu bleiben. Denn auch die Tatsache, dass viele nach der Anlernzeit den Job wechseln ist für viele Firmen eine Hemmschwelle einzustellen und man lagert Jobs lieber aus. (Ich habe beruflich viel mit einfachen Montage Arbeitsplätzen zu tun, daher natürlich sehr biased auf diese Art der Jobs).
Und bei von vornherein kurzfristigen Jobs standardmäßig 15 Euro.

Somit würde man die Einstiegshürde für ungelernte nicht noch weiter erhöhen, hätte aber dennoch dauerhaft auskömmlichere Stellen.

Regionale Komponente wäre natürlich auch ein Ansatz, hier müsste man halt prüfen nach welchen kriterien die Komponente errechnet wird.

Generell bin ich der Meinung, dass der Mindestlohn ein Gehalt sein sollte welches ausschließlich ungelernte Kräfte in der Anfangszeit eines Jobs bekommen sollten. Alle anderen sollten mehr bekommen, selbst angelernte Kräfte.

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Klar ist sowas erbärmlich. Aber es wird sich vermutlich auch in Luft auflösen, wenn der Abstand zwischen Bürgergeld und Vollzeitgehalt bei Mindestlohn entsprechend hoch ist, was man ja durchaus schnell erreichen kann, wenn der Staat einen Teil der Sozialabgaben von Geringverdienern übernähme. Nebenbei würde das auch Anreize für Schwarzarbeit reduzieren.
Ich würde schlicht dafür plädieren die Frage nach einem sinnvollen Mindestlohn, den ein Unternehmen zahlen muss und dem Mindestgehalt (netto), dass ein Arbeitnehmer bekommen sollte, zu trennen.
Ersteres wäre für mich vor allem eine wirtschaftspolitische, zweiteres eine sozialpolitische Frage.
Im übrigen finde ich den Vorschlag, das Kindergeld zu erhöhen, aber zu versteuern, auch sehr gut. So kombiniert man geschickt sozial- und familienpolitische Aspekte.

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Für verschriebene Medikamente gibt es doch eine Zahlungsbefreiung oder?