Das Gefühl, dass viele Arbeitgeber mit der Situation überfordert sind, habe ich auch. Ich habe in einer Bundesbehörde gearbeitet und wurde bereits Ende März bei der Zeitarbeitsfirma abgemeldet, weil man nicht wusste wie man Home Office für Leiharbeitnehmer umsetzen soll. Hab danach dann zwei Monate Kurzarbeitergeld bezogen und dann die Kündigung erhalten. Schreibe zwar fleißig Bewerbungen, aber in der aktuellen Situation was Neues zu finden ist nicht einfach. Hab sowieso nicht den allerbesten Lebenslauf wegen gesundheitlicher Probleme und einem abgebrochenen Studium im letzten Jahrzehnt (das zweite Studium habe ich aber erfolgreich abgeschlossen). Ich bin einfach nur froh, dass ich nur für mich selber verantwortlich bin und in der aktuellen Situation keine Familie ernähren muss.
Zwar gibt es das Sprichwort, dass man hinterher ja immer schlauer sei, aber wenn man sich anschaut wie Länder wie Vietnam, Taiwan und Südkorea auf das Virus reagiert haben, dann muss man sich schon die Frage stellen, warum die Europäische Union keine vergleichbaren Pandemie-Pläne hatte. Vor der Gefahr wird ja seit Jahren gewarnt und auch die USA waren unter Obama besser vorbereitet als Europa.
Da aktuell in deutschen Krankenhäusern kaum noch Corona-Patienten behandelt werden trotz relativ hoher Infektionszahlen, habe ich die Hoffnung, dass das Virus vielleicht schon mutiert sein könnte. Das mit den Mutationen hat aber einen Haken, es funktioniert nur dort, wo symptomatisch Erkrankte sofort aus dem Verkehr gezogen werden, das heißt dort, wo viel getestet und entsprechend be- und gehandelt wird. Dann wird jedenfalls die mutmaßlich gefährlichere Variante daran gehindert, sich auszubreiten und der evolutionäre Druck bewirkt dann, dass sich nur noch die ungefährliche Variante verbreitet. Macht man aber nichts oder zu spät, wie etwa in Brasilien, den USA und Indien, dann hat auch die gefährliche Variante freie Fahrt. Von dort könnte sie dann immer wieder zu uns eingeschleppt werden.
Viele Fehler, die uns jetzt auf die Füße fallen, wurden in der Vergangenheit gemacht. Die Digitalisierung an den Schulen hätte man schon vor 20 Jahren aktiv angehen können. Woran liegt es eigentlich, dass irgendwie jeder Mensch, der halbwegs bei Sinnen ist, den Wert und die Bedeutung von Bildung anerkennt, aber das Schulsystem seit Jahrzehnten unterfinanziert ist? Man sollte doch meinen, dass diese zentrale Schaltstelle der Gesellschaft nicht nur ausreichend finanziert ist, sondern sogar ein Plus on top erhält. Gibt’s da irgendwelche Interna, die nie nach Außen dringen und es unmöglich machen, dass sich Deutschland einen guten Personalschlüssel, Klassengrößen unter 20 Schüler, o.Ä. leisten kann? Mir tun die Lehrer und Schulleiter leid, die versuchen müssen unter den gegebenen Umständen so etwas wie normalen Unterricht zu ermöglichen ohne große Unterstützung seitens der Politik.
Generell wird schrillen Kritikern der aktuellen Corona-Politik, wie den Demonstranten in Berlin zu viel Aufmerksamkeit geschenkt. Vielleicht wäre es besser die Ergüsse von Attila Hildmann zu ignorieren. Es reicht wenn sich Staatsanwälte statt Journalisten damit befassen.
Das Tragen von Masken im ÖPNV und Geschäften finde ich nicht besonders belastend, da sollte sich niemand drüber aufregen. Aber ich kann verstehen, dass der Verzicht auf Stadionbesuche, Clubbing, Tanzen, Konzerte etc. schon belastend sein kann. Wenn man Hobbies hat, die sich problemlos in den eigenen vier Wänden ausüben lassen, ist man aktuell schon privilegiert.