Ja, gute Idee. Ich persönlich könnte auf Feuerwerk verzichten, auf Böller allemal! Aber das wäre ein Kompromiss und auf die Weise könnte man vielleicht die ganz lauten Böller auch verbieten, damit wäre schon viel gewonnen.

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Gerade Weihnachten ist auch ein schönes Beispiel.
Es gibt keine Zeit des Jahres, zu der so viele Menschen „glücklich“ sind, gleichzeitig ist es die Zeit des Jahres, in der sich extrem viele Menschen unglücklich fühlen. Für mich ist Weihnachten auch jedes Jahr sehr belastend, eben weil ich keine Familie habe, mit der ich feiern könnte. Im Gegenteil, das ganze Jahr über habe ich meine Mitbewohner in meiner 4er-WG, wir kochen zusammen, unternehmen etwas zusammen, wie eine WG halt so ist. Dann kommt Weihnachten - alle kehren zu ihren Familien zurück und ich bleibe alleine in der WG.

Oder wenn ich zurückdenke an meine Kindheit in einem extrem armen Elternhaus. Wenn nach den Weihnachtsferien die Kinder gefragt wurden, was sie alles zu Weihnachten geschenkt bekommen haben und man vor Augen geführt bekommen hat, dass man zur Unterschicht gehört, weil alle andere „mehr“ bekommen haben. Das macht nicht glücklich.

Auf der größeren gesellschaftlichen Ebene grenzt auch Weihnachten Menschen mit anderen Glauben aus. Klar, Assimilation ist möglich, also jeder Moslem, Jude und Atheist kann auch - entgegen seiner religiösen Überzeugung - Weihnachten feiern, aber diejenigen, die dazu nicht bereit sind, werden regelmäßig ausgegrenzt. Was musste ich mir schon alles anhören, weil ich es gewagt habe, das heilige Weihnachten zu kritisieren?

Gerade im Hinblick auf die Corona-Pandemie und die Ausnahmen für Weihnachten hat dis:orient einen schönen Artikel geschrieben, der erörtert, warum das ausgrenzend ist.

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Interessantes Thema, aber vielleicht ein eigenes Topic Wert? Hier geht es m.E. weniger um Silvester als Ereignis sondern inwieweit die Tradition des privaten Böllerns akzeptabel ist, Und nicht nur im Hinblick auf Ausschreitungen (die sogar strafbar sind) sondern auch aus Umweltschutzgründen bzw. ggf. auch wegen hierdurch verursachtem Angstbefinden.

Oha, ich glaube, wir entfernen uns gerade arg weit vom eigentlichen Topic, ich möchte das aber nicht unwidersprochen lassen. Menschen mit anderem Glauben (oder Atheisten wie ich) werden von Weihnachten nicht ausgegrenzt. Schau mal zu Weihnachten nach Japan oder Singapur. Keiner verbietet denen, den Weihnachtsrummel mitzumachen - warum auch. Keiner verbietet mir, sich an den Weihnachtstisch mit der Familie zu setzen, weil ich nicht an dieses Ereignis vor 2000 Jahren glaube (das auch die meisten eh schon verdrängt haben, die in Deutschland Weihnachten feiern).

Sicher kann man seine Vorbehalte gegenüber Weihnachten haben, es aus kulturellen oder sozialen Gründen nicht feiern wollen, oder es aufgrund von Bedingungen, die Du genannt hast, nicht feiern können oder keine Freude daran finden. Was aber nichts am eigentlichen Punkt ändert: Nicht jede Tradition schließt zwangsläufig Menschen aus. Was Du gesagt hast, war ja:

und das ist einfach nicht in einer Tradition inhärent.

Um noch ein Beispiel zu bringen, das nun wirklich weltweit zu Tradition geworden ist (mit unterschiedlich starker Ausprägung, aber immerhin): Eine Woche dauert sieben Tage. Der siebte Tag ist ein Ruhetag. Diese Tradition funktioniert nur, weil möglichst viele mitmachen. Klar gibt es auch solche, die am siebten Tag arbeiten müssen, aber das liegt ja nicht daran, dass die Tradition das gebietet.

Wo waren wir nochmal? Ich glaube es ging darum, ob Tradition ein Argument für ein Feuerwerk an Silvester sein kann. Ich meine, nach allem, was ich über den synchronisierenden Effekt der Tradition gesagt habe, in bestimmten Grenzen, ja. Wenn diese Synchronisation aber anders erreicht werden kann, als über Lärm und Feinstaub, dann wäre das auf jeden Fall vorzuziehen, und vielleicht muss man sogar die Synchronisation (also die Tradition) opfern, wenn wir keine bessere Lösung finden.

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Da bringst du doch auch direkt wieder die ausgrenzende Funktion.
Wer in einem Beruf arbeitet, der Sonntags arbeiten muss, wird effektiv von typischen Wochenend-Aktivitäten ausgeschlossen. Da steckt natürlich keine Absicht hinter, aber es ist eine logische und nahezu unausweichliche Konsequenz.

Sorry, aber ist in etwa so, als würde man argumentieren, dass ja eine Religion niemanden ausschließe, schließlich könne ja jeder konvertieren und mitmachen. Das sehe ich einfach anders. Und ich kann nur wiederholen: Ich fühle mich definitiv von Weihnachten ausgeschlossen und nichts nervt mich mehr als die Allgegenwärtigkeit von Weihnachten um die Weihnachtszeit herum, eben weil ich damit einfach nur in Ruhe gelassen werden will.

Vielleicht bin ich aus persönlichen Gründen etwas sehr stark anti-traditionell eingestellt. Aber ich sehe eben vor allem die Nachteile von Traditionen. Gesellschaftlicher Zusammenhalt sollte aus einer grundsätzlich humanistischen Sichtweise entstehen, nicht, weil man sich darauf einigt, bekloppte Rituale zusammen zu begehen. Denn wenn der gesellschaftliche Zusammenhang auf Ritualen basiert und diese Rituale aus der Zeit fallen droht sonst eben auch der gesellschaftliche Zusammenhalt zerstört zu werden. Siehe z.B. Staaten, in denen religiöse Tradition eine große Rolle spielt (Afghanistan, Iran). Wenn man hier die aus unserer Sicht definitiv negativen Traditionen abbauen will (z.B. Vollverschleierung der Frau, Unterdrückung der Frau generell) wird das die Gesellschaften einfach massiv spalten, bis hin zu Bürgerkriegen…

Es ist aber ein Unterschied, ob man aktiv ausgeschlossen wird, zum Beispiel weil man Sonntags arbeitet oder ob man aus persönlichen Gründen keine Verbindung zu Weihnachten hat. Du solltest hier zwischen der persönlichen und der gesellschaftlichen Ebene trennen. Die Gesellschaft verbietet dir nämlich definitiv nicht Weihnachten mit irgendwem zu feiern (niemand sagt es muss die Verwandtschaft sein).

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Hier schliesse ich mich an: auf dem Lande kann mensch auch der Werbung für das alljährliche Fest der freiwilligen Feuerwehr nicht aus dem Weg gehen und wenn es mich nicht interessiert, dann gehe ich eben nicht hin.

Es bleibt aber doch dem einzelnen überlassen, wie er diese „Rituale“ auslebt. Mich stört an Weihnachten inzwischen hauptsächlich der Konsumdrang.

Sich auf einem Weihnachtsmarkt zu treffen, ist für mich (inwischen) eher auf einer Ebene mit einem beliebigen Frühlings-/Sommer-/Herbstfest, die Dekoration ist dann eben ein wenig anders. Ich bin eher nicht auf solchen Veranstaltungen.

Weihnachten hat - für mich - nichts religiöses mehr und entstammt m.W. sowieso eher der heidnischen Wintersonne-Wende-Tradition, ist also für mich mehr „irgendein“ Zeitpunkt im Jahr.

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Bevor das abgleitet: Das Thema war immer noch Feuerwerk, nicht Weihnachten!

Aber es kann natürlich sein, dass zum eigentlichen Thread-Thema nichts Neues mehr kommt. Mir scheint das Wesentliche gesagt zu sein.

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Die Entbehrung ist, dass Menschen eine Tradition mit der sie aufgewachsen sind und die ihnen viel bedeutet, genommen wird.
Und ich möchte das zum Beispiel.

Sprengstoff komplett unkontrolliert und unreguliert zu verkaufen ist doch überhaupt nicht legal…
Die Böller, die man in Deutschland kaufen kann sind genormt und damit muss man sich auch SEHR viel Mühe geben, um sich die Hand abzusprengen.

Aber trifft das nicht auf umfassbar vieles zu das Menschen Spaß macht ?
Wir könnten auch das Kaufen von mehr als zwei paar Schuhen pro Jahr verbieten. Das würde jedenfall einen größeren Effekt auf die Umwelt haben und auch weniger Menchen müssten leiden in den Schuh sweatshops dieser Welt…

Ich häte gerne Böller die einfach anzünden kann und die dann Bumm machen. Das mag für andere sehr stumpf klingen aber mir macht es große Freunde auf die ich nicht verzichten möchte.

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Ich schaue da eher auf das Ergebnis. Wenn die „Tradition Weihnachten“ z.B. besagt, dass man mit seiner Familie feiert, können dies Menschen ohne Familie nicht tun. Und Menschen mit Familie müssten ihre Tradition aufweichen, um mit Menschen ohne Familie zu feiern, was praktisch kaum passiert (außer in kitschigen Weihnachtsstories, wo die Familie den einsamen Nachbarn einlädt…). So kommt es hier in jedem Fall zu einem faktischen Ausschluss.

Aber die Diskussion über Weihnachten führt uns nicht weiter - und mit einer Argumentation gegen Weihnachten gewinnt man eh weder hier, noch sonst wo, auch nur einen Blumentopf, weil zu viele Menschen zu viel Positives mit Weihnachten verbinden.

Ich bleibe dabei, dass auch Weihnachten als Tradition eine faktisch ausschließende Wirkung hat, kann aber nachvollziehen, dass andere das anders sehen mögen.

Also das Schwarzpulver aus dem Böller zu bekommen und zusammenzuschütten, das kann wirklich jeder. Wenn ich das mit 15 Jahren konnte, um daraus Rohrbomben zu bauen, kann das auch jeder andere Mensch tun… hier die passende Schlagzeile aus Silvester 2022.. Daraus:

Wie gesagt, so etwas passiert jedes Jahr in Deutschland. Mehrfach.

Erstens: Whatabboutism.
Zweitens: Ja, auch gegen Kleiderverschwendung sollte vorgegangen werden. Aber hier gibt es bessere Wege als Verbote. Beim Böllern sehe ich hingegen kaum bessere Wege als eine strikte Regulierung, z.B. in Vereinsstrukturen, was mit dem Verbot des Privat-Böllerns einhergehen würde.
Drittens: Die Böllerei verursacht nicht nur Umweltschaden, sondern auch massive Personenschäden, Brände und Feinstaubbelastungen. Von psychischen Traumata („Ukraine-Flüchtlingen“, „Kriegsveteranen“) und Schäden an der Tierwelt mal ganz zu schweigen.

Und ich hätte auch Spaß an so vielen Dingen, die aktuell verboten sind (Beispiel wurde oben schon genannt). Wie gesagt, es gibt Millionen Dinge, an denen man Freude haben kann, einige davon sind für die Gemeinschaft schädlicher als andere.

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Wenn man es genau nimmt, grenzt auch Silvester andere Kulturen und Religionen aus.
Zum Beispiel beginnen weder der islamische Kalender noch der chinesische am 1. Januar.

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Könntest Du denn damit leben, dass Du das aus gesellschaftlichem Interesse nur noch in der kontrollierten Umgebung eines Vereins und unter dessen Regeln machen darfst? Falls nein, warum nicht?

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Ist es nicht auch die Aufgabe des Staates, Minderheiten aller Art zu schützen? Der Staat tut ja vieles, was nur manche betrifft, und nicht nur aus Solidaritätsgründen. Warum sollte dieses Thema anders sein?

Und ganz genau deswegen würde ich sagen dass es so unfassbar wichtig ist, dass der Staat sich nicht nur mit den Gesetzen an sich beschäftigt, sondern auch mit der Aufklärungsaufgabe, um die Bevölkerung zu erklären, warum ein bestimmtes Gesetz überhaupt nötig sei. Dieses „warum“ ist für mich etwas, was hier in Deutschland generall fehlt; oft hab ich das Gefühl, „man sollte dem Staat doch nur vertrauen“, punkt, nichts hinterfragen, usw. Aus meiner Sicht ist ganz genau das oft der Grund warum viele – noch lange nicht alle! – aber viele – dieses Gefühl haben, dass Deutschland alles verbieten will: weil sie einfach nicht verstehen, warum das überhaupt eine Frage ist. Das heißt aber natürlich nicht nur, dass der Staat eine Erklärung anbieten sollte, sonder auch, dass die Bevölkerung eine Verantwortung trägt, wenigstens zu versuchen diese Erklärung zu verstehen. Aber das ist ja ein ganz anderes Thema. Hauptsache ist, von mir aus ist das kein guter Grund privates Feuerwerk weiterhin zu erlauben, sondern ein Zeichen dass wir als Befürworter eines Verbotes nicht hinreichend erklärt haben, warum wir es für nötig halten.

Allerspätestens während dieser Diskussion ist es mir klar geworden, wie extrem wichtig es ist, diesen Unterschied zu betonen. Weil ich in den USA aufgewachsen bin, weil dort solche professionelle Feuerwerkshows einfach überall sind, ist es für mich selbstverständlich dass, wenn man von einem Feuerwerkverbot redet, es nicht heißen muss, dass Feuerwerk ab dann einfach vorbei wäre. Aber hier in Deutschland hab ich sowas noch nie gesehen, also kann ich mir gut vorstellen dass viele das einfach nicht auf dem Schirm haben.

Doch. Feuerwerk besteht aus Schwarzpulver, und das ist ja Sprengstoff. Man kann Feuerwerk ganz einfach kaufen, ohne vom Staat kontrolliert zu werden, also kann man Sprengstoff kaufen, ohne vom Staat kontrolliert zu werden.

Diese Diskussion geht nicht darum, ob es einige gibt, die daran Spaß haben. Selbstverständlich machen manche es gerne, sonst gäbe es keine Diskussion, sondern schon ein Verbot. Das hier geht darum, ob es in dieser Gesellschaft gerecht ist, etwas zu erlauben, was für einige „nur“ Spaß bringt, und für andere jede Menge Schäden.

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  1. We hat nicht nur Schwarzpulver benutzt
  2. Wenn man eine Bombe bauen will braucht man dafür kein Schwarzpulver Dünger/Poolreiniger/Diesel etc. Reicht da völlig und ist sehr viel gefährlicher als Schwarzpulver.

Wie gesagt, ich habe in meiner Jugend zahlreiche Rohrbomben aus Schwarzpulver aus Böllern gebaut. Und die hatten ordentlich Wumms.

Das stellst du dir deutlich zu einfach vor.
Die Dünger, die zur Sprengstoffherstellung geeignet sind (dh. einen extrem hohen Anteil an Ammoniumnitrat enthalten), gibt’s nicht im Baumarkt, sondern im landwirtschaftlichen Fachhandel. Und da gerät man schneller als man denkt in’s Visier der Ermittlungsbehörden.

Natürlich kann man auch Schwarzpulver selbst herstellen - die Zutaten lernt jedes Kind im Chemieunterricht (Salpeter, Schwefel, Kohlestaub). Aber Schwarzpulver selbst zu mischen und zu verdichten ist sau gefährlich und würde von kaum einem Amateur betrieben. Fertiges Schwarzpulver aus Böllern hingegen ist kinderleicht in großen Mengen zu bekommen.

Ich bin mir ziemlich sicher, dass ich damals keine Rohrbomben gebaut hätte, wenn ich keinen Zugriff auf Schwarzpulver aus Böllern gehabt hätte…

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Hallo Malte. Ich kann es nicht nachvollziehen. Eine Silvesternacht in Paris hat mir gezeigt, wie schön ruhig das Sprengstoffverbot ist. Du kannst als ein weiteres Argument auch jegliche neurologisch herausgeforderte Menschen nehmen, wie Autist:innen. Sprengstoff gehört nur in die Hand von Fachkräften, ganz einfach. In den meisten Ländern der Erde kann man sich nicht erklären, warum man die Bevölkerung einmal im Jahr bewaffnet. Das ist eine Kultur, die überwunden gilt.

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So.

Jetzt ist ein Monat vergangen, und wie zu erwarten war, ist die Diskussion zum Thema komplett eingeschlafen. Ich bin gespannt, wie überrascht alle sein werden, wenn es am nächsten Silvester wieder ähnliche Probleme gibt!

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