Das war die politische Antwort, die ich auch so unterschreiben würde. Aber vielleicht war die Frage eher technisch gemeint.
Stilllegung versus Rückbau macht einen riesigen Unterschied mit Blick auf die Kosten. Der Rückbau bedeutet, daß aufgegraben werden muss. Für den Einbau gibt es ja grabenlose Verfahren, aber für den Rückbau kenne ich das nicht, daß man einfach dran ziehen kann. Und dann braucht man ja doch noch eine Grube am Anfang und wohl auch am Ende. Und die Wanddurchführung muß wieder dicht gemacht werden und gesichert gegen drückendes Grundwasser.
Bisher brauchte man das fast nicht. Also an sich nur bei Abriß. Wer einmal Gas hatte, der blieb auch dabei. Und so hat man sich auch nichts Böses dabei gedacht, als man Gesetz und Verordnung so gestrickt hat, daß (mit einer Karenz von drei Jahren) ein gekündigter Anschluss zwingend zurückzubauen war.
Das wird jetzt zum Problem. Für die Betreiber und volkswirtschaftlich gesehen. Und weil wir die Tiefbauer für was Anderes brauchen, für Fernwärmenetze, für Stromnetze, auch Glasfaser, für die Reparatur von Abwasserkanälen, die hundert Jahre alt sind. Und es gibt sowieso zu Wenige. Stromnetz Hamburg hat nach der Rekommunalisierung die Investitionen in die Instandhaltung massiv erhöht. Sie hätten gern noch mehr gemacht, aber irgendwann hatten sie praktisch alle Tiefbaufirmen in Norddeutschland unter Vertrag. Die Info ist etwa fünf, sechs Jahre alt, aber wenn ich den Geschäftsbericht ansehe ist das wohl weiterhin so.
Die rund 500.000 km Gasverteilnetz sind zu 95% Rohre mit einem Querschnitt von 10 bis 20 cm und aus PE oder bis etwa zur Jahrtausendwende auch aus Stahl. Die Hausanschlüsse haben so 4 bis 6 cm, auch mal 10 cm. Die Rohre sind ziemlich schadstofffrei. Rohre von vor 1960 wurden noch mit Stadtgas benutzt und da könnte je nach Ausgangsstoff im örtlichen Gaswerk Dreck drin gewesen sein, der noch in den Rohren steckt, aber das sind nicht mehr viele.
Wenn ein Rohr einfach nur stillgelegt wird, vom Gasnetz sicher getrennt wird (Kugelhahn oder aufgraben), am besten einmal mit Stickstoff gefüllt wird, dann kann das hundert Jahre liegen bleiben. Im schlimmsten Fall bricht es ein. Dann ist eine Delle im Fußweg. Diskutiert wird auch, die Rohre mit Sand zu füllen oder sowas. Wahrscheinlich gibt es Tiefbauarbeiten bevor hundert Jahre rum sind und dann kann man sie raus holen.
Wenn die Netzbetreiber aus diesem Anlass noch mal die Entsorgungskosten übernehmen müßten, dann gäbe es wohl kaum Streit darum. Wenn man den Tiefbau spart und die Wiederherstellung der Gehwegpflasterung, dann hat man gewonnen. Der Wert des Netzes sind letztendlich nicht die Rohre, sondern der Aufwand für den Tiefbau. Und da gibt es auch kaum Skaleneffekte. Meter für Meter graben.