Voraussichtlich ausbleibende Erhöhung des BAföG

Vielen Dank für eure Darstellung zum BAföG und den Überlegungen von Ministerin Bär, die geplante Erhöhung nicht umzusetzen.

Bei den stetig steigenden Wohnkosten gibt es für mich noch einen weiteren Aspekt, der zu bedenken ist. Natürlich hat Frau Bär recht, dass neben dem Studium jobben kein Beinbruch ist. ABER: für Studierende gelten beim Jobben aber klare Grenzen, bspw. die 20h pro Woche Grenze, ab der die Studierenden aus der günstigen, studentischen Krankenversicherung herausfallen. Wenn es nun individuell notwendig wäre, über dieser Grenze zu jobben, um die Lücke zwischen Kosten und Einkommen (zum Beispiel durch ein Defizit beim BAföG) zu füllen, wäre diese Aussage Bärs wirklich wahrer Hohn.

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Das stimmt aber auch nur zum Teil. Aus dem Bekanntenkreis kenne ich einige die hatten Stundenpläne einen festen Job schon sehr schwierig machen, inkl. Regelmäßiger Veranstaltungen mit Anwesenheitspflicht am Abend. Gepaart mit Klausurenphasen die die Klausuren über weite Teile der Semesterferien verteilen wird arbeiten da schon eher schwierig.

Aber natürlich könnte man sagen wer mehr arbeiten muss darf sich dann halt nicht so einen Studiengang an so einem Standort aussuchen.

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Wer mehr als 20h im Schnitt arbeitet, kann sich nicht ausreichend seinem Studium widmen.
Bildung und Studium wird/ist immer mehr davon abhängig, ob zb das Elternhaus finanziell helfen kann.
Ich fand es damals völlig ok, als das Bafög rückzahlungspflichtig wurde. Aber danach wurde über die Jahre einfach defakto die staatliche Hilfe runter gefahren.

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Es gibt ja unzählige Studien darüber, wie sehr der Studienerfolg vom ökonomischen und Bildungshintergrund des Elternhauses abhängt. Und leider ist es in wenigen der reichsten Länder dabei so schlimm wie in Deutschland. Das ist allerdings nichts Neues. Die Grundidee des Bafögs war ja bei der Einführung mal, dass Menschen unabhänig vom Geldbeutel der Eltern zumindest ökonomisch die gleichen Bedingungen für eine Ausbildung haben sollen. Dieses Ziel wurde schon arg torpediert, indem man aus der staatlichen Unterstüztung ein Darlehen gemacht hat. Die heutigen Bafög-Sätze sind - gerade im Bereich Mieten - häufig nur noch ein Witz. Und nun kommt halt der Frontalangriff auf die Grundidee. Dass dieser ausgerechnet von der Christlich-*Sozialen-*Union kommt und noch mehr, dass dazu von der SPD so wenig zu hören ist, ist schon besorgniserregend.

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Einen Aspekt habe ich in meinem Ausgangsposting noch vergessen:

Per Gesetz ist Studenten der Bezug von Grundsicherung verwehrt, da es ja BAföG gibt.

Nun ist jetzt bereits das BAföG unterhalb des Existenzminimums angesiedelt, durch die Inflation und die ausbleibende Erhöhung verschärft sich dieser Zustand in den nächsten Jahren. Ich frage mich, mit welchem Recht nimmt der Gesetzgeber eigentlich an, dass Studenten unterhalb des Existenzminimums bleiben dürfen und damit theoretisch gezwungen sind, eine Arbeit anzunehmen, während man bei arbeitsfähigen Bürgerinnen und Bürgern das Existenzminimum sicherstellt und Hilfe zur Arbeitsaufnahme anbietet.

Ich kann mir vorstellen, dass man hier seitens der Regierung auch ganz bewusst Hürden zur Aufnahme eines Studiums, insbesondere für sozial schwächere schafft, um das duale Ausbildungssystem attraktiver zu machen und dem Fachkräftemangel entgegen zu wirken. Die Wahl zwischen Studium oder Ausbildung sollte aber für alle eine liberale Entscheidung sein und nicht durch existenzielle Nöte vom Staat provoziert werden. Denn motivierte, nachhaltige und zufriedene Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter „erzeugt“ man so sicherlich nicht. Da hat der Klempner reichlich wenig davon, wenn der „verhinderte“ Architekt mit dem Wissen, er hätte auch etwas für ihn interessanteres machen können, unmotiviert Toiletten anschraubt. Spätestens wenn dann das Geld für ein Studium angespart ist, sind diese Leute dann weg und der Betrieb schaut in die Röhre.

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Je nachdem, was man studiert und wie dieses Studium organisiert ist, kann der Job nebenher durchaus ein Beinbruch sein.

Um Bafoeg zu bekommen, muss man Vollzeit studieren. Vollzeit studieren ist je nach Fach eben auch ein Vollzeitjob - von den Plänen, wann Lehrveranstaltungen stattfinden, bis zur Arbeitsbelastung. Schafft man das Studium nicht in der Vollzeit-Regelstudienzeit, dann ist das Bafoeg ruckzuck ganz weg.

Das ist einer der Gründe, weshalb Studienerfolg stark mit Wohlstand des Elternhauses korreliert. Sich das Wochenende im Call-Center um die Ohren schlagen, Montag um 8 an der Uni sein, für die wöchentliche Leistungsüberprüfung jeden Mittwoch pauken, von denen man pro Semester nur 3 verpassen/nicht bestehen darf, alle anderen Kurse und Seminare vor- und nachbereiten, ev. noch vorbereitend auf das Auslandsstipendium eine neue Sprache lernen und nebenher noch den Zweitjob unterbringen, weil der erste (das war vor der Einführung des Mindestlohn) leider nach Erfolg bezahlt wurde und somit manchmal ein ganzer Samstag halt fast gar nicht, und das Bafög immer mit mindestens einem Semester Verspätung ankam…
Mit dem, was regelmäßig als Studierendenklischees an mich herangetragen wurde (gacker irgendwas mit faulen Studierenden glucks) hatte mein Studium hier in Deutschland gar nichts zu tun.

Dazu kommt noch die permanente Existenzangst hinzu, wenn das Budget so auf Kante genäht ist, dass jede unerwartete Ausgabe einem Weltuntergang gleichkommt, und man eben nicht mal Mama fragen kann, weil die hat auch nicht mehr.

Mir wurde mal eine Handtasche geklaut. Mit 50 Eur Bargeld. Außerdem kostete es einen Haufen Geld, die ganzen Dokumente, das Handy etc. zu ersetzen. Ich hab’s da phasenweise kaum morgens aus dem Bett geschafft, weil alles einfach hoffnungslos und erdrückend schien.

Das war meine Erfahrung als Studierende aus einem Arbeiterhaushalt, und meine Erfahrung mit „Jobben ist kein Beinbruch“.

Für heutige Studierende ist die Lage aufgrund der Wohnungsnot und der Lebensmittelinflation nochmal dramatischer. Ich habe großen Respekt vor Studierenden ohne Eltern mit Geld, die das durchziehen, und finde erbärmlich, dass sie 20 Jahre später immer noch vom Staat im Stich gelassen werden.

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A propos „Drama“: Es ist einfach immer wahnsinnig einfühlsam, wenn Politiker(innen) Lebenslagen, in denen sie selber niemals waren und die sie vermutlich nicht mal annähernd kennen, als völlig unproblematisch darstellen. Soweit ist weiß hatte die Tochter eines Lehrers und CSU-Bürgermeisters während ihres Studiums ein Vollstipendium der CSU-nahen Hanns-Seidel-Stiftung.
[Edit: Ich hatte erst A propos „Beinbruch“ geschrieben, weil ich dachte, dass der Begriff von Doro Bär kam. Tatsächlich sprach die aber von „kein Drama“.]

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Die Konditionen sind aber mMn mehr als fair. 50% Rückzahlung. Typisch sind 130€/Monat über 20 Jahre. Beginn spätestens 5 Jahre nach Regelstudienzeit.
Dennoch halte ich die Nicht Erhöhung für fragwürdig, da man sich ja so eigentlich mehr studierte ArbeitnehmerInnen heranzieht, die perspektivisch mehr Einkommenssteuer zahlen.

Anders kann ich es mir auch nicht erklären. Alternativ könnte man ja die Alternativen attraktiver machen. Aber das wäre ja wieder ohne Druck Instrument und somit nicht zum aktuellen Erziehungsprinzip der Regierung passend.

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Im Grundsatz kann man darüber diskutieren, ob Leute, die gut verdienen, nicht einen Teil der Förderung zurückzahlen müssen. Das sollte dann aber bei der Förderung von Investitionen, Unternehmen etc. ähnlich sein, nach dem Motto: „Wenn du dank der Förderung sehr viel mehr verdienst, gib einen Teil davon an die Allgemeinheit zurück“. Die gegenwärtigen Bedingungen sind nicht unbedingt in allen Lebenslagen „fair“. Ein Schuldenberg von 10.000 Euro und die Pflicht zur Rückzahlung schon bei einem Einkommen von unter € 1.700 Euro können durchauch Belastungen sein. Dazu kommt noch, dass ja nicht mal der Bafög-Höchtsatz ein effizientes Studium ermöglicht. Da stimmt m. E. die Balance überhaupt nicht.

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OK bitte mich nicht falsch verstehen, das mit dem Beinbruch war etwas flapsig formuliert.

Ich habe - auch aus einem Arbeiterhaushalt - ähnliche Erfahrungen gemacht, daher kann ich das Gesagte gut nachvollziehen. Ich habe in allen zehn Semestern meines Studiums nebenher gearbeitet, worunter mein Studium auch gelitten hat, denn während andere Lerngruppentreffen abgehalten haben, habe ich Werbetafeln montiert und abends danach noch Licht- und Tonassistenz in einer Konzerthalle gemacht. Immer scharf an der Grenze zu den 20h pro Woche, um nicht aus der KV zu fliegen (außer in den Semesterferien, da dann mehr).

Funfact: ich gehörte zu den Studenten, die im Studium von ihren Eltern lange nicht unterstützt wurden, weil vermeintlich ungerecht gegenüber meinem jüngeren Bruder, der in Ausbildung gegangen ist und ja auch nichts bezahlt bekäme (was ein Unsinn). Die eigenen Eltern verklagen war jetzt wie Ulf sagt, nicht mein Ansinnen. Dann lieber Kosten klein halten durch Studium in der Heimatstadt und weiter zu Hause wohnen. Mein Studium hat übrigens noch 1000€ zusätzlich pro Jahr gefressen, die ich selbst aufbringen durfte, weil es die kurzzeitige Phase der Studiengebühren in NRW war.

Die Formulierung mit dem Beinbruch war also zugegeben etwas zu verallgemeinert. Dummerweise steigt ja auch die Notwendigkeit eines höheren Stundenumfangs beim Jobben, je schlechter das Verhältnis aus Einnahmen und Kosten ist. Für die eh schon international in der Kritik stehende Bildungsgerechtigkeit in Deutschland ist das Vorgehen von Frau Bär jedenfalls wenig förderlich.

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Als jemand, der selbst aus einem nicht-akademischen Elternhaus stammt, mit einem Stipendium in Deutschland und international studieren durfte und heute als Professor auf der anderen Seite an einer größeren deutschen Universität steht, halte ich diese Diskussion für unvollständig und akademisch gefärbt.

Grundsätzlich stimme ich zu, dass es immer gut ist, wenn Menschen in einer Gesellschaft sich weiterbilden. Allerdings wird „Bildung“ in diesem Kontext implizit mit akademischer Bildung gleichgesetzt. Die deutschen Arbeitsmärkte brauchen meiner Einschätzung nach nicht mehr Betriebswirte, Ingenieure, Anwälte und Philosophen. Der eigentliche Bedarf liegt stärker in den klassischen Ausbildungs- und Handwerks und Pflegeberufen - die ohnehin schon durch den gesellschaftlichen Druck zum Studieren strukturell benachteiligt sind. An unseren Universitäten sitzen vermutlich eher zu viele Menschen als zu wenige, und genau diese fehlen uns dann in den nicht-akademischen Berufen.

Das stärkste Argument ist jedoch die Kostenfrage.

Laut einer schnellen KI-Recherche verdienen rund zwei Drittel der etwa 11 Millionen erwerbstätigen Akademiker:innen mehr als der typische Nicht-Akademiker — also rund 7 Millionen Menschen. Das ist natürlich stark fachabhängig. Aber mir ist bis heute nicht klar geworden, warum - um es provokativ zu formulieren - der Verfahrensmechaniker, der nach der Realschule mit 16 eine Ausbildung beginnt und dann jahrzehntelang Steuern und Sozialabgaben zahlt, dem Akademiker über BAföG und Co. das Studium mitfinanzieren soll, während viele Akademiker am Ende deutlich besser verdienen. Die Gewinne des Studiums werden damit weitgehend privatisiert.

Ich denke, wir sollten viel ernsthafter über einkommensabhängige Rückzahlungsmodelle nachdenken: Wer studieren möchte, nimmt dafür einen Kredit der Hochschule auf, den er nach dem Abschluss einkommensabhängig zurückzahlt. Einige Hochschulen - wie die Zeppelin Universität - bieten ähnliche Modelle bereits an. Wenn jemand ein Studium anstrebt, von dem er private Erträge erwartet und das häufig auch der persönlichen Selbstverwirklichung dient, sollte er die Lebenshaltungskosten selbst tragen. Die Allgemeinheit finanziert bereits die Infrastruktur - Lehrpersonal, Räumlichkeiten, Forschung - das ist ein erheblicher gesellschaftlicher Beitrag.

Zum Argument der gesellschaftlichen Investition: Das ist durchaus ein valides Argument. Aber jeder Investor prüft, ob seine Investition auch ertragreich ist - das steckt im Begriff schon drin. Bei ehrlichem Blick auf die aktuelle BAföG-Praxis prüft niemand, ob die Förderung gesellschaftlich positiv aufgeht. Es werden allein soziale Kriterien angelegt, ohne Rücksicht auf Motivation oder Erfolgswahrscheinlichkeit.

Schließlich möchte ich darauf hinweisen, wie privilegiert das Studieren in Deutschland im internationalen Vergleich ist. In den meisten Hochschulsystemen - insbesondere im angloamerikanischen Raum - sind Studiengebühren selbstverständlich. Ich will damit ausdrücklich keine amerikanischen Verhältnisse herbeireden. Aber die Selbstverständlichkeit, mit der erwartet wird, dass der Staat - also die Allgemeinheit - per se alles für jeden finanziert, ist angesichts der heutigen ökonomischen und politischen Rahmenbedingungen nicht mehr zeitgemäß.

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Als CSU-Mitglied ist Frau Baer ganz und gar der konservativen Revolution verpflichtet. Die besagt, dass auf jedes Töpfchen sein Deckelchen passt und im Großen und Ganzen jedes Mitglied der Volksgemeinschaft an seinen angestammten Platz gehört.

Politik und Wirtschaft werden hierzulande von Juristen und Betriebswirten organisiert. Arbeiter in allen möglichen akademischen Berufen verursachen Störgeräusche, jedenfalls wenn diese akademischen Berufe nicht im MINT-Bereich angesiedelt sind. Arbeiter sollen schließlich in erster Linie produktiv sein und nicht sich mit den Problemen der Ressourcenallokation zu beschäftigen.

Die Ablehnung von Bildung für alle folgt dem gleichen Impuls, der sich seit 50 Jahren gegen Gesamtschulen und Bildungsreformen generell stemmt. Alles, aber auch wirklich konsequent alles, was aus der 68er Zeit und der nachfolgenden sozialdemokratischen Ära kommt wird seit 1990 zurückgedrängt, und genau jetzt ist die Zeit gekommen, wo all diese Sozialismen mit Stumpf und Stiel ausgejätet werden können. Deus vult.

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Ich habe eine sehr ähnliche Perspektive wie @thomas92: Ich sehe ein Studium als eine Investition in sich selbst, und die Kosten zu verstaatlichen aber die Erträge zu privatisieren klingt für mich nicht fair und nachhaltig. Gleichzeitig sollten wir Bildungschancen für alle stärken, daher halte ich ein höheres und breiteres Kreditangebot ohne Kappungsgrenze der Rückzahlung bei 10.000€ für sinnvoll: hierdurch ermöglicht man mehr (idealerweise allen) Interessierten ein Studium, der Staat hat weiterhin ein positiven Ertrag und hat durch die Rückzahlungen keine steigenden „Sozialkosten“.

Was mich am meisten betrifft und entsetzt ist die Art und Weise, wie über „das Volk“ gesprochen wird. Entweder, die Presse gibt diese Sprüche wie „ich hab schließlich auch während des Studiums gearbeitet“ bevorzugt wieder und nur die kommen bei mir an, oder Politiker_innen haben irgendwie eine sehr verquere Idee davon, wen sie vertreten und was ihr Job ist. Kein Politiker ist sich zu schade, an diversen Bevölkerungsgruppen rumzunörgeln, die zu wenig arbeiten, zu unproduktiv sind, zu viel Geld verschleudern, zu anspruchsvoll sind etc. Das fühlt sich unglaublich befremdlich an und es scheint, die Bevölkerung muss sich bemühen, den Politiker_innen zu gefallen. Da ist doch was in Schieflage. Diese Art und Weise der Respektlosigkeit und „von oben herab“ hat mich schon immer zur Weißglut gebracht.

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Ich frage mich bei der Gelegenheit, wie viel Prozent der Akademiker im Bundestag während des Studiums nebenbei gearbeitet haben. Und damit meine ich keine „Parteiarbeit“, sondern „richtige“ Arbeit. Ich würde vieles darauf wetten, dass es deutlich weniger sind, als der gesellschaftliche Durchschnitt, weil die meisten Politiker im Bundestag aus Elternhäusern kommen, die ihren Kindern ein sorgenfreies Studium finanzieren können.

Diesen Aspekt dürfen wir dabei einfach nicht vergessen:
Kinder aus armen Familien sind jetzt schon maßgeblich benachteiligt. Sie sind massiv überproportional vom BAföG abhängig, ein lapidares „Man kann ja wohl neben dem Studium arbeiten“ trifft sie massiv mehr als diejenigen, die vielleicht etwas nebenbei jobben, aber genau wissen, dass die Eltern als Sicherheitsnetz einspringen, wenn es nötig werden sollte.

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Ich kann zu dem Thema vielleicht noch eine Ergänzung aus eigener Erfahrung beitragen. Während meines Studiums hatte ich das genannte Problem, dass einer meiner Eltern (Eltern geschieden) zu viel verdient hat, mich aber nicht gefördert / unterhalten hat und ich teilweise 2-3 Jobs neben dem Studium nachgehen musste. Nach einigem Frust und einigen durchkämpften Semester habe ich meinen Fall dann persönlich einem Mitarbeiter der BAföG Stelle geschildert und er hat mir einen Ausweg gezeigt, der allerdings nicht ganz Konsequenzfrei ist. Ich habe meinen Unterhaltsanspruch von diesem Elternteil an das BAföG-Amt „abgetreten“, habe den Unterhalt über den BAföG Satz bekommen, und die Stelle hat sich das Geld eben von dem Elternteil zurück geholt. Kann aber zur Folge haben, dass wenn die Zahlung der Eltern nicht erfolgt, dass das BAföG-Amt sich das Geld einklagt.
Das ganze nennt sich Vorausleistungsverfahren (nach § 36 BAföG). Diese Information könnte für den ein oder anderen sehr relevant sein, ich bin damals (vor KI Zeiten) sehr langsam zu dieser Info gekommen.

Wieder mal ne gute Folge, danke euch!

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So läuft es ja auch nicht: Wenn das Studium erfolgreich verläuft und man mehr verdient, zahlt man entsprechend proportional mehr in die Sozialversicherung ein. Die Einkommenssteuer ist bekanntlich sogar progressiv ausgestaltet. Demnach werden die Erträge schon heute zu guten Teilen wieder kollektiviert. Ob man die Progression noch stärken sollte ist natürlich eine politische Frage - von mir aus gerne (ganz unabhängig von der Frage des Studiums), denn wer viel Geld verdient, verdankt das zumindest auch den Rahmenbedingungen in Deutschland und hat entsprechend “stärkere Schultern“.

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Exakt - aber bitte nicht über private Banken, die sich fette Gewinne einstecken, sondern über ein voraussetzungsloses BaföG auf Abruf für alle, die das wollen. Die Gegenfinanzierung könnte man ganz einfach über einen Zuschlag zur Einkommenssteuer organisieren: Man macht keine Schulden, aber man zahlt über einen bestimmten Zeitraum von zB 20 Jahren ein paar Prozent Aufschlag auf die fällige ESt. in die BaföG-Kasse. Die Höhe müsste sich nach der Zahl der geförderten Semester richten.

Folge: Wer viel verdient, zahlt mehr zurück, als er bekommen hat. Wer beruflich scheitert, den machen nicht auch noch BaföG-Schulden fertig. Und die Bürokratie für die BaföG-Anspruchprüfungen kann man sich dann auch schenken.

Ist natürlich keine neue Idee, die Forderung gibt es spätestens seit den 90ern … DAS wäre mal eine konsequenten Investition in unseren Standort.

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Auch wenn ich Dir zustimme, dass wir nicht jedem den Unterhalt zahlen können, damit er in dieser Zeit studieren kann, finde ich es doch wichtig, auch Arbeiterkindern ein Studium zu ermöglichen. Was hieltest Du davon, das Abitur schwerer zu machen und damit nur gute (und auch etwas weniger) Schüler zum Studium zuzulassen? Dann wäre doch sicher auch die von Dir erwähnte Erfolgswahrscheinlichkeit etwas höher.

Das mag sein – wer allerdings welchen Weg einschlägt, sollte durch Eignung entschieden werden, nicht durch familiären Wohlstand.

Außerdem bleibt es eine Tatsache, dass ein gutes Abitur und ein abgeschlossenes Studium nach wie vor den zuverlässigsten Weg zum sozialen Aufstieg darstellen. Nebenbei bemerkt: Kinder aus Arbeiterfamilien studieren statistisch deutlich seltener aus reiner Neigung – sie wählen ihr Fach weit häufiger nach finanziellem Sicherheitsdenken. In Jura, MINT und BWL finden sich deshalb überproportional viele Arbeiterkinder, während Kunst, Musik und die Geisteswissenschaften stärker von Studierenden aus akademischen Elternhäusern dominiert werden.

Weil der künftige, hypothetische Mehrverdienst dem Arbeiterkind herzlich wenig nützt, wenn es im Hier und Jetzt die Miete nicht bezahlen kann. Und die Aussicht, mit mehr Schulden ins Berufsleben zu starten, als die eigenen Eltern brutto im Jahr nach Hause tragen, kann für talentierte junge Menschen schnell zum finanziellen Genickbruch werden – erst recht, wenn sich zum Studienabschluss die wirtschaftliche Lage dreht und sie mitten in einer Rezession auf den Arbeitsmarkt kommen.

Die Allgemeinheit bekommt dafür auch etwas zurück: qualifizierte Ärzte, Juristen, Ingenieure und Lehrkräfte, Innovation, Investition – sowie den stabilisierenden Effekt eines hohen gesellschaftlichen Bildungsniveaus.

Ich vermute darüber hinaus, dass die Wahlerfolge der AfD und das verbreitete Problem mangelnder Medienkompetenz weniger ausgeprägt wären, hätten mehr Menschen einige Semester in einem geisteswissenschaftlichen Studium verbracht. Die Fähigkeit zu kritischem Denken, zur Einordnung und Bewertung von Informationen und zur Quellenkritik wird mit dem Aufstieg der KI nur noch wichtiger.

Zusammenfassend: Ich finde es kurzsichtig, Bildung allein an ihrer unmittelbaren ökonomischen Verwertbarkeit zu messen. Und ich finde es höchst problematisch, beim Zugang zu höherer Bildung faktisch statt die individuelle Eignung den familiären Hintergrund zum Zugangskriterium zu machen – genau das aber geschieht, wenn man junge Studierende mit den rasant gestiegenen Lebenshaltungskosten allein lässt.

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