Hallo Zusammen,
Ich frage mich seit längerem, warum wir uns so eine Umständlich und komplexe Vergabe von Visas und Arbeitserlaubnissen gönnen. Die Kosten der Verwaltung sind enorm und ich glaube das könnten wir für einige Fälle besser machen:
Ich arbeite in einem großen deutschen Medizintechnik Unternehmen. Wir haben als Unternehmen das Recht, Mehr oder minder eigenständig die Vergabe von CE Kennzeichen durchzuführen. Das ist eine sehr große Verantwortung, da wir dadurch Medizintechnik für Milliarden von Patienten verfügbar machen können.
Nun haben wir natürlich eine weltweit aufgestellt, Entwicklungsabteilung. Sehr oft bekommen wir Kollegen aus China und Indien zu Besuch oder zur Delegation.
Jedes Mal müssen wir den aufwändigen Visa Prozess Durchlaufen und die Arbeitserlaubnis beantragen. Durch Ressourcenengpässe an den deutschen Konsulaten kam es hier schon öfters zu erheblichen Verzögerungen, was eine Auswirkung auf unsere Geschäftstätigkeit hatte.
Mir ist es völlig schleierhaft, warum wir als Unternehmen zwar auditiert werden können, um Medizintechnik auf dem Markt zu bringen, aber es keinerlei Möglichkeiten gibt, dass wir die Visa und Arbeitserlaubnis auch selber ausstellen können.
Ich würde mal die Meinungen der Foristen hier interessieren.
Ich wünsche euch einen schönen Sonntag.
Das ist gerade im Hinblick auf China leider ein ganz heißes Thema.
Die Frage ist hier echt, wie viel Vertrauen wir den Unternehmen entgegen bringen wollen - und ob Unternehmen auch das leisten können, was hier nötig wäre. Ich gehe im Hinblick auf Themen wie Wirtschaftsspionage und „chinesischer Geheimpolizei im Ausland“ davon aus, dass Chinesen - je nach Stellung im Unternehmen - eine mehr oder weniger strenge Sicherheitsprüfung durchlaufen müssen. Der Grund, warum Menschen aus manchen Ländern Visa brauchen, ist ja gerade, weil wir in diesen Fällen eine Prüfung vornehmen wollen.
Ein Unternehmen, das Mitarbeiter von anderen globalen Standorten einladen möchte, ist da natürlich auch denkbar biased, weil es ja im Interesse des Unternehmens ist, dass der Mitarbeiter ein Visum bekommt. Daher weiß ich nicht, ob man Unternehmen hier solche doch sehr staatlichen Aufgaben übertragen sollte, ich kann mir auch vorstellen, dass es schlicht rechtlich nicht möglich ist, Unternehmen mit derart wichtigen hoheitlichen Aufgaben zu beleihen.
Vermutlich wird es eine Mischung von all dem sein - ein Stück weit mangelndes Vertrauen darin, dass Unternehmen Visa unbiased an ihre internationalen Mitarbeiter ausstellen können, aber viel mehr noch die mangelnden Möglichkeiten, technisch (kein Zugang zu sicherheitsrelevanten Datenbanken) wie rechtlich.
Ich glaube, der größte Anteil der Prüfung betrifft, wie hoch die Gefahr ist, dass die Person auch wieder das Land verlässt.
Die meisten unserer KollegInnen, die zu uns kommen, waren ja sogar auch schon mehrmals hier.
Sollte eine Person das Land nicht wieder verlassen kann das Unternehmen ja gerne haftbar gemacht werden genau wie wird das Unternehmen auch haftbar ist für ausreichenden Datenschutz, Erfüllung der Medizinprodukteverordnung…
mifr
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Da ist Deutschland übrigens nicht alleine mit solchen Regelungen. Ich hatte mal vor ca. 12 Jahren Jahren im damaligen Team eine in Deutschland festangestellte, indische Kollegin, die zum Standort nach Bukarest reisen sollte. Das Visum zu beantragen war schon abenteuerlich und Rumänien hat allerlei Beglaubigungen verlangt für Krankenversicherung, Rückreiseversicherung etc. Mit deutscher Staatsangehörigkeit wurde noch nicht mal ein Reisepass verlangt, einfach mit Perso in den Flieger und gut.