Verbot von Feuerwerk zu Silvester, u.a. wegen Corona

Die Diskussion „Feuerwerk verbieten oder nicht“ treibt ja fast jeden Winter wieder an die Oberfläche. Dieses Jahr kommt zu den üblichen Argumenten (Verschmutzung, Lärmbelästigung, Geldverschwendung, Verletzungen) anscheinend auch Corona hinzu.

Gelesen in der Lebensmittel Zeitung (online, Artikel vom 17.11.2020):
„Angesichts des durch die Covid-19-Erkrankungen belasteten Gesundheitssystems fordert die Deutsche Umwelthilfe die Bundesregierung auf, den Gebrauch von Silvester-Feuerwerk komplett zu verbieten. Der Interessenverband der Pyroindustrie widerspricht.“

Laut dem Artikel wurde zuerst mit einem angeblichen Zusammenhang von Feinstaub durch Feuerwerk und schweren Covid-19-Verläufen gegen Pyrotechnik argumentiert, aber das Argument hätten Mediziner inzwischen entkräftet. Nun würde seitens DUH dem Vorgehen und der Argumentation der Niederlande gefolgt, die Feuerwerk verboten hätten, um Kliniken und Personal wegen der Pandemie zu Silvester nicht zusätzlich zu belasten.

Ich finde das Thema spannend, da generell neben Weihnachten auch Silvester vor der Tür steht, wo üblicherweise viele Feiern in Gruppen mit häufig viel Alkhohol stattfinden - was dieses Jahr vermutlich streng reglementiert sein wird.

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Hierzu ein Artikel vom rbb, den ich dazu gefunden hab:

Mir erscheint die Argumentation gegen ein Feuerwerksverbot ziemlich schwach. Als einziger Grund gegen ein Verbot wird die Komplexität eines bundesweiten Verkaufsverbots angeführt, was ich nur bedingt nachvollziehen kann. Klar ist das schwierig, aber überfüllte Krankenhäuser sind auch kein kleines Problem. Gerade in den Städten waren die Notaufnahmen an Silvester abseits der Pandemie schon ziemlich ausgelastet, oder nicht?

Unterschätze ich den Aufwand oder sorgt sich die Politik so sehr vor schlechter Stimmung der feiernden Bevölkerung?

Ich halte die Forderung zum jetzigen Zeitpunkt für ziemlich dämlich. Ok, die DUH fordert das schon länger, und andere auch, aber das jetzt mit Corona zu verbinden erinnert daran, wie gewisse Politiker nach jedem Terroranschlag wieder ihre fertigen Konzepte á la Vorratsdatenspeicherung aus der Schublade ziehen, völlig unabhängig davon, ob damit tatsächlich irgendwann irgendetwas verhindert worden sein könnte.

Egal wie man sonst zu der Forderung steht, dieses Jahr halte ich für völlig ungeeignet um so etwas im großen Rahmen durchzuziehen. Die Leute müssen wegen der Pandemie sowieso schon auf viel verzichten, da macht es meiner Meinung nach überhaupt keinen Sinn, da noch irgendetwas oben drauf zu packen, was nicht unbedingt notwendig ist. Politisch profitieren davon dann bloß wieder unsere verantwortungslosen „Freiheitskämpfer“, nicht bloß die komplett verstrahlten, sondern auch solche aus FDP, Axel-Springer-Verlag usw. Fehlt bloß noch, dass irgendjemand fordert Silvester dieses Jahr gesetzlich zum Veggie-Day zu erklären.

Abgesehen davon werden große, kommerzielle Silvester-Partys dieses Jahr sowieso nicht stattfinden, und auch private Feiern mit mehr als einer Handvoll Leuten werden verboten sein. (Obwohl man wohl davon ausgehen kann, dass das allerhöchstens in Unterschichtenstadtteilen vielleicht ansatzweise wirklich polizeilich durchgesetzt werden wird.) Der Großteil der Leute wird aber nicht um 18 Uhr ins Bett gehen, sich debile Witzshows in der Glotze ankucken oder acht Stunden am Stück Bleigießen machen. Und da ist es vom Standpunkt des Infektionsschutzes meiner Laienansicht nach noch am besten, wenn die Leute sich draußen mit Feuerwerk beschäftigen, wo man ja konzeptionell bedingt schon größere Abstände einhält, als dass sie massenhaft Corona-Partys in ihren Wohnungen veranstalten.

Örtliche Verbotszonen überall dort, wo ansonsten traditionell viele Menschen zusammen treffen und in der Masse böllern, halte ich dagegen für sinnvoll.

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Eines der besten Argumente für ein Feuerwerksverbot finde ich in anderen Jahren ja, dass man lieber große, professionelle Feuerwerke machen sollte, weil das dann von Profis gemacht wird, die Verletzungsfahr also geringer ist und zudem es noch schöner aussieht. Wenn sowas noch mit Musik untermalt ist, ist es auf jeden Fall sehenswerter, als was man so üblicherweise selbst in die Luft jagen kann.

Aber gerade in der Pandemie wäre das jetzt ja eben schlecht, eing großes, zentrales Feuerwerk pro Ort/Stadt zu haben. Weil sich dann viele Menschen auf engem Raum versammeln, nämlich da, wo man die beste Sicht hat.

Außerdem, wenn man sowas verbieten möchte, sollte man es fairerweise mit so viel Vorlauf machen, dass ich Produzenten und Verkäufer drauf einstellen können. Jetzt mit so ner Diskussion anzufangen finde ich reichlich spät.

Das nur zusätzlich zu den schon genannten Argumenten.

Ich bin zu 100% für ein privates Böllerverbot. Aber bitte einfach nächstes Jahr.

Sehe ich genauso,denn was auf den weg gebracht und sich in der auslieferung befindet lässt sich nicht mehr stoppen.

Einige (auch Politiker) behaupten ja, Feuerwerk an Silvester gehöre zu unserer Kultur und dürfe/solle deswegen nicht verboten werden. Der Zyniker in mir fragt sich gerade, ob man den Herstellern und Händlern nicht analog zu den Kulturschaffenden und Künstlern nicht lieber 75% des durchschnittlichen Monatseinkommens des Vorjahres auszahlen könnte?

Ich frage mich, ob der Umsatz für Feuerwerk wirklich so viel höher ist als z.B. die Umsatzeinbußen/Hilfszahlungen an die Gastronomie-, Tourismus- und Eventbranche für November (und Dezember) und fürchte mich gleichzeitig vor der Antwort. :hear_no_evil: Da gab es doch garantiert auch schon Ausgaben und es wurde trotzdem rigoros und kurzfristig geschlossen und abgesagt. Da hätten doch (auch zynisch gesehen) die Hersteller und Händler für Feuerwerk eher mit rechnen können, dass „Silvester abgesagt/eingeschränkt wird“, als die Opern, Theater, Kinos, etc. geglaubt hätten, dass trotz Hygienekonzepten das gesamte Geschäft (noch mal) komplett eingeschränkt wird. Schon traurig, wenn man es nebeneinander betrachtet.

Find ich grundsätzlich auch. Andererseits ist die Mehrheit der Deutschen gem. dieser Umfrage für ein Böllerverbot:

Der Verzicht ist ja nie gerecht verteilt. Ich kann ja nur von meiner Bubble bzw. mir ausgehen. Ich verzichte im Prinzip seit März auf mein Hobby, einen Großteil sozialer direkter Kontakte, Gruppensport, ich bin nicht auf große Urlaubsreise oder ins Kino oder in Konzerte gegangen und das ist okay und machbar für mich und ich erwarte das nicht von allen meinen Mitmenschen in diesem Maß, weil das persönliche Entscheidungen sind. Aber andererseits stellt die Erlaubnis von Feuerwerk weder für mich noch (scheinbar) für die Mehrheit der Deutschen den angedachten „Verzichtsausgleich“ her. Und da verliert dieses Argument etwas an Gewicht.

Insgesamt ist es für mich kein Verzicht und daher sehe ich das persönlich gelassen. Aber es reiht sich ein in die immer längercwerdende Liste der für mich schwer nachvollziehbaren Einschränkungsabwägungen unserer Politik. Mal sehen, wie wir über diese Entscheidung im Januar denken.

Die Gedanken sind klaase,nur was soll mit den Feuerwerkszeug passieren,glaube kaum das die meisten nächstes Jahr noch zu verwenden sind…

Ich möchte an dieser Stelle kurz anmerken, dass ich mich zwar generell freue, dass „mein“ Thema anscheinend mehrere Menschen beschäftigt, aber vor allem, dass hier eine so respektvolle Diskussion selbst bei teils abweichenden Meinungen möglich ist. Ich habe bei jedem der Beiträge etwas gelernt oder zumindest einen neuen Blickwinkel kennengelernt - ein sehr angenehmer Gegensatz zu „Diskussionen“ auf typischen sozialen Medien.

Hier kommt wieder der Zyniker in mir zu Wort: Spätestens am 2. Januar ist das Zeug Müll, egal ob es vorher verkauft und abgefackelt wurde. Wenns „benutzt“ wird, muss ein größerer Anteil von der Stadtreinigung aufgesammelt und entsorgt werden. Wäre vermutlich sogar umweltfreundlicher, es gleich fachgerecht zu entsorgen.

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@Ellen

Yep.Zusätzlich kommt noch,laut einigen Verkäufern,ist die Lieferzeit 12-14 Monate,diese würden noch dazu kommen. :wink: Und wer muss dies bezahlen,egal wie,wir. :wink:

Ich finde Feuerwerk ansich eine tolle Sache und habe auch schon so manches abgefeuert, in den letzten Jahren aber bin ich mehr zu der Überzeugung gekommen es nicht zu machen und habe die letzten 1-2 Silvester selber kein Feuerwerk besorgt (abgesehen vielleicht von (Riesen)Wunderkerzen) und werde es auch dieses Jahr so halten.

Hauptsächlich weil ich es für ein enorme Geldverschwendung halte und auch schon schlechte Erfahrung gemacht habe mit Feuerwerken.
Dennoch finde ich es schön anzusehen und gerade wenn man einen Aussichtspunkt hat über die Stadt ist es schon der Hammer.

Ich wäre ja sowieso und dieses Jahr auch für ein öffentliches Profi Feuerwerk in (Groß)Städten an mehreren weithin sichtbaren Stellen, finanziert durch private Spenden der Bürger und Vereine etc, es mag ja jeder den Betrag den er in Feuerwerk investieren möchte darin investieren.
Ja es kommt dann etwas zu Ansammlungen an guten Aussichtspunkten, doch das wäre so oder so und ist da es draußen ist (geringeres Risiko) denke ich hinnehmbar, besonders wenn die Leute intelligent sind und Masken tragen oder Abstand halten.

Den Corona-Aspekt finde ich nicht besonders glaubhaft, da das Feuerwerk ansich nicht zur Pandemie beiträgt. Der Krankenhaus Aspekt zieht schon eher, besonders wenn man sich paar Artikel aus den letzten Jahren raussucht (das Thema ist ja nicht neu).

Hier eine willkürliche Auswahl der letzten Jahre:
2019/2020:






2018/2019:



https://www.aerzteblatt.de/nachrichten/99833/Silvester-Hohes-Risiko-fuer-Haende-Augen-und-Gehoer

2016/2017:

es gibt noch viel mehr Berichte der Art, aber ich denke das gibt einen guten Einblick.

Man sollte wohl der Fairness halber sagen, dass das größte Problem wohl die Mischung von Feuerwerk und Alkohol in jeweils nicht unerheblichen Mengen ist.
Feuerwerk allein wäre wohl ohne Alkohol weit weniger gefährlich…

Ich sehe ehrlich gesagt keinen guten Grund für freies Feuerwerken an Silvester. Es ist gefährlich für Mensch und Tier, es kommt zu vielen Bränden, es ist umweltschädigend, es macht verdammt viel Dreck, man verbrennt Geld.

Erinnert sich noch jemand an die verbrannten Affen von Anfang diesen Jahres?
Ja es waren „nur“ Himmelslaternen nicht Feuerwerk, dennoch gibt es jedes Jahr haufenweise kleinere und größere Brände wie diesem.