Nicht nur. Die sogenannte „Supremacy Clause“ ist hier entscheidend. Es gibt also Gesetze sowohl auf Bundesebene als auch auf Länderebene. Laut der Sepremecy Clause haben die Gesetzte auf Bundesebene immer Vorrang vor denen auf Länderebene. Die Gesetze sind letztendlich das was entscheidet ob irgendetwas, egal was, ein Straftat sei.
Die Verfassung hingegen entscheidet, was für Gesetze überhaupt gemacht werden können. Das gilt sowohl für die Länder, die alle selber Verfassungen haben, als auch für den Bund. Also die Verfassung eines Landes entscheidet was für Gesetze es in diesem Land geben kann, die Verfassung des Bundes tut dasselbe auf Bundesebene. Gibt es einen Konflikt zwischen den Ebenen, dann gilt die Supremacy Clause, also dann hat der Bund Vorrang. Das heißt ja auch, dass die US-Verfassung über den Verfassungen der Länder steht, und deswegen auch entscheiden kann, was für Gesetze es in den Ländern geben kann. Hier ist es auch wichtig zu verstehen, dass die US Verfassung sowohl Rechte erteilt als auch vorenthält, das heißt, es gibt manche Rechte die explizit den Ländern erteilt werden, und dem Bund vorenthalten, und auch andersrum.
Und dann kann das Supreme Court ein Gesetz für nichtig erklären, indem dieses Gesetz irgendwie gegen die Verfassung verstößt (nicht nur dieses, sondern auch die unterliegenden Gerichte können sowas erklären, aber das Supreme Court hat das letzte Wort). Dasselbe kann auch passieren wenn es tatsächlich einen Konflikt zwischen einem Gesetz auf Landesebene und einem auf Bundeseben gibt.
Also was hier der Fall ist: vor Roe v Wade hat sich die Lage je nach dem Bundesland extrem variiert. In machen Ländern waren Abtreibungen unter allen Umständen ein Straftat, punkt, sowohl für die Ärztin oder den Arzt die oder der die Abtreibung durchführt, als auch für die Person (ist ja nicht immer eine Frau) die sie bekommt. Roe v Wade hat solche Gesetze für nichtig erklärt, indem es Abtreibungen unter Schutz des Rechts auf Privatsphäre setzt. Wichtig ist auch: dieses Recht auf Privatsphäre steht nirgendwo explizit in der Verfassung, sondern wurde durch frühere Rechtsprechungen vom 14. Zusatzartikel verschaffen.
Dieser neuer Entwurf, der Roe v Wade kippen soll, wirft diese Basis infrage. Damit lässt es auch unklar, was für Einschränkungen es zB für die Recht auf Privatsphäre mit sich bringen könnte, nicht nur in diesem Fall, sonder auch in den Folgenden Fällen die diese RichterInnen entscheiden werden. Mehr dazu hier.
Also dass der Abbruch der Schwangerschaft erlaubt ist, bis zu dem Zeitpunkt, zu dem das Kind unabhängig von der Mutter lebensfähig ist
Das stimmt nicht. In manchen Ländern ist es doch so, aber das hat nichts mit Roe v Wade zu tun, sondern mit den Gesetzen der Länder, die das erlauben. Roe v Wade hat nur festgelegt, was für Einschränkungen es auf Länderebene geben dürfte. Was genau für Einschränkungen erlaubt seien kann man hier (auf Englisch) lesen.
Praktisch betrachtet muss man auch dazu sagen, dass dieses Recht auf Abtreibungen in manchen Ländern (zB Texas) durch andere Mittel schon extrem eingeschränkt wurde, sodass es dort schon so gut wie illegal ist.
Wohlhabende Menschen werden auch mit der post-Roe-vs-Wade-Rechtslage kein Problem haben, weil es für sie kein Problem ist, mal eben zum Abtreiben einen oder zwei Bundesstaaten weiter zu fahren.
Kommt drauf an, was genau es für Gesetze auf Länderebene gibt. Texas zB versucht genau das zu verhindern, indem er jedem und jeder die Möglichkeit erteilt, solche Personen und ihre ÄrztInnen zu verklagen, und zwar für Summen die sich die meisten wohlhabenden Menschen gar nicht leisten können.
Ein guter Artikel dazu kann man hier (sorry, schon wieder auf Englisch) lesen.
NPR ist eine von mir aus sehr gute Quelle für Infos zu diesem Thema, aber leider nur auf Englisch verfügbar