Vielleicht noch ein Bericht als Demonstrationsteilnehmer. Ich war mit FreundInnen bei der Demonstration Wir hatten uns vorgenommen „nur“ zu demonstrieren und uns nicht am erwarteten Versuch, nach Lützerath durchzubrechen, zu beteiligen.
Als solcher, „normaler“ Demonstrationsteilnehmer wurde mir nie der Eindruck vermittelt, dass es die Polizei auf mich abgesehen hätte. Auf der Demonstrationsroute von Kayenberg entlang der Landstraße zur Abschlusskundgebung, die auf einem Acker ca. 1.500m von Lützerath entfernt stattfand, sind erste „Finger“ aus der Demonstration ausgeschert und über die Felder nach Osten in Richtung der Abbruchkante abgebogen. Die Abbruchkante war komplett ungesichert; es gab keinen Zaun und man konnte bis direkt zur Kante laufen, was einige tausend Demonstrierende auch getan haben. Wären da nicht die 10m Höhe gewesen, dann hätten die alle so in den Tagebau gelangen können. Ein paar Minuten lang sah man dort in der Ferne noch eine Reiterstaffel der Polizei an der Abbruchkante, die sich dann aber angesichts der Vielzahl der Demonstrierenden in Richtung Lützerath zurückgezogen hat.
Die Reaktion der Polizei zu diesem Zeitpunkt war, dass sie die Anmelderin aufgefordert hat, per Lautsprecheranlage an der Bühne durchzusagen, dass Menschen, die nun in Richtung Kante und Lützerath liefen, nicht mehr zur angemeldeten Versammlung gehörten. Einen Moment später hat ein lokaler Aktivist, der später als Redner vorgesehen war, sich das Mikrofon geschnappt und sinngemäß gesagt, dass er es wichtig fände, dass dieses Dorf heute gestürmt werde und jeder entscheiden müsse, was er für gerechtfertigt halte. Er wurde daraufhin neben der Bühne von der Polizei angesprochen, die eine Anzeige wegen Anstiftung zu Straftaten erhoben hat. Allerdings wurde er nicht davon abgehalten, ca. 20 Minuten später noch seine Rede zu halten, in der er diese Anzeige noch einmal kommentiert hat. Man sollte auch bemerken, dass seine Worte aus meiner Sicht keinen Effekt auf die Menge hatten; der harte Kern der Demonstrierenden, die nach Lützerath wollten, stand schon einen halben Kilometer entfernt und damit außer Reichweite der Lautsprecher. Die Versammlungsleitung hat noch ein paar deeskalierende Durchsagen gemacht (vor Gefahr an der Abbruchkante gewarnt; darum gebeten, Rettungswagen nach Lützerath durchzulassen), ansonsten verliefen die Versammlung und die Redebeiträge an der Bühne störungsfrei.
Das soll nicht die oben gezeigten Prügeleien relativieren, aber ich hatte den Eindruck, dass man auf der Demonstrationsroute und in einem 500m-Radius darum von der Polizei in Ruhe gelassen wurde. Erst, wenn man sich dem Zaun um Lützerath näherte, wurde die Polizei aggressiv.