Unterstützung für die Ukraine heute = Unterstützung für weltweite Abrüstung morgen?

Ich will noch mal einen anderen Gedanken zu der Frage, wie stark „der Westen“ die Ukraine unterstützen sollte, bringen:

Die Ukraine hatte ja nach dem Zerfall der UDSSR Anfang der 90er-Jahre noch sowjetische Atomraketen auf ihrem Gebiet. Diese hat die Ukraine dann 1994 nach dem „Budapester Memorandum“ gegen Sicherheitszusagen u.a. von Russland aber auch USA und GB vernichtet.

Aktuell finden ja wieder Verhandlungen der USA mit dem Iran statt, mit dem Ziel den Iran zum Verzicht auf Atomwaffen zu bewegen. Die aktuelle Lage in der Ukraine ist dabei aber in keiner Weise hilfreich, da ja alle Welt sieht, wie gefährlich es ist, wenn man als „kleinerer Staat“ keine atomare Abschreckung besitzt.

Eine entschlossene Unterstützung westlicher Staaten wäre aus dieser Perspektive also auch ein gewisser Beitrag für künftige atomare Abrüstungsbestrebungen.

Der Gedanke stammt aber nicht direkt von mir, sondern aus dem NDR-Podcast zum Ukraine-Krieg.

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Diesem Gedanken liegt eine westliche Betrachtung des Ukraine-Konflikts zugrunde.

Der Iran wird hingegen tendenziell von Russlands Regime unterstützt (ich stütze mein Wissen auf die subjektive Objektivität eines früheren iranischen Kollegen). Gut möglich, dass man dort vor allem die russische Darstellung teilt, dass man einer möglichen NATO-Bedrohung zuvor kam und in der Ukraine vor allem Menschen in der Ost-Ukraine geschützt werden, die die westliche Regierung in Kiew mit Waffen aus den USA seit 2015 beschießt.

Wäre das der Fall, dürfte eine heftige Intervention des Westens wohl eher Abrüstungsinitiativen blockieren, denn man hätte den Eindruck eines säbelrasselnden Westens.

DISCLAIMER: Bitte versteht den Artikel nicht als Übernahme der Argumentation Russlands im Ukraine-Konflikt. Mir geht es nur darum aufzuzeigen, dass es eine andere Betrachtungsweise geben kann, die zu einem komplett gegensätzlichen Effekt führen könnte.

Der Iran ist unter seiner aktuellen Führung eine repressive Diktatur und unterstützt Terrororganisation in der gesamten Region. Natürlich stehen die an der Seite Russlands und verbreiten dessen Propaganda. Nur warum sollte uns das kümmern? Wichtig ist im Bezug auf den Iran nur, weiterhin zu verhindern, dass dieses Regime Atomwaffen entwickelt.

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Das in der Ostukraine seit 2015 gekämpft wird, ist aber auch die Schuld Russlands. Und alle Welt weiß das. Russland hätte 2014 auch einfach nur wirtschaftlichen Druck auf die Ukraine ausüben können, um die Situation der Russisch-sprachigen Bevölkerung im Osten der Ukraine zu verbessern.

Daher finde ich die Theorie, dass Russland lediglich die Ost-Ukraine verteidigt, vorgeschoben und Länder die so Argumentieren „wollen“ z.B. einfach aufrüsten und brauchen halt einen Vorwand.

Generell würde ich dir bei anderen Kriegen des Westens dabei aber recht geben, wie z.B. dem Irakkrieg von 2003. Der hat das Sicherheitsgefühl „kleinerer Länder“ sicher nicht gestärkt.

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Für Staaten außerhalb der Pax Americana war es schon immer so, dass sie Freiwild sind. Siehe die zahlreichen Militärinterventionen des Westens.

Was sich durch den russischen Angriff jedoch geändert hat, das ist das Bedrohungsempfinden für die europäischen Staaten. Es ist nun klar, dass zwischen deren Freiheit und einer Dominierung durch ein militärisch übermächtiges Russland lediglich der Schutzschirm des US-Militärs steht. Und an dessen Beständigkeit gibt es nach der Wahl von 2016 begründete Zweifel. Ohne die sich für die europäische Sicherheit ins Zeug legenden USA bliebe dann nur die Hoffnung, dass Frankreich und Deutschland zusammen mit UK in die Bresche springen (kaum zu erwarten, wenn die letzten drei Monate zum Maßstab nimmt) oder sie sich mittels der ultimativen Abschreckungswaffe selbst schützen.

Der Iran hat seine militärischen Gegenspieler doch vor der eigenen Haustür: Israel und Saudi-Arabien. Davon verfügt Israel bereits über Atomwaffen. Diese beiden Staaten waren es auch maßgeblich, die über ihren Einfluss in den USA das Abkommen mit dem Iran zum Scheitern brachten. Was in der Ukraine passiert, dürfte demgegenüber für das Kalkül und Bedrohungsgefühl des Iran kaum eine Rolle spielen.

Da stimme ich im Grunde zu.
Allerdings ist es immer noch etwas anderes wenn so ein Angriffskrieg tatsächlich gerade läuft. Übrigens gibt es ja nicht nur die „Pax Americana“. Es gibt ja auch noch Nord-Korea, dass von China unterstützt wird und z.B. in Europa steht Belarus nach eigener Vorstellung unter dem Schutz von Russland (Quelle):

2001 wollte Lukaschenko der endgültigen Zerstörung der Startrampen zunächst nicht zustimmen […]. Schließlich vertrat er jedoch die Meinung, […] dass Russland ohnehin Weißrussland mit Atomwaffen verteidigen würde.

Solche geopolitischen Abkommen sind natürlich immer noch besser als noch mehr Atomwaffen in den einzelnen Ländern.

Hallo Guenter, ich interpretiere das Argument von @Myste anders.

Oben wurde von @Matder geschrieben, dass ein entschlossenes Einschreiten der USA dem Iran Sicherheit geben müsste, sofern man die USA als Schutzmacht gewinnen könne.

@Myste stellt hingegen ein Szenario dar nachdem der Iran ein hartes Einschreiten der USA in der Ukraine als zusätzliche Aggression des Westens verstehen könnte (einem Westen zu dem auch mind. einer seiner Rivalen gehört). Ich verstehe es also eher so, als ging es darum die Lücke in @Matder Argumentation aufzuzeigen.