Zur digitalen Souveränitat gehört noch mehr. Und die hier genannten Beispiele sind für Deutschland und Europa das kleinste Problem.
Social Media ist letztendlich verzichtbar. Ohne TikTok, Instagram, Facebook, YouTube,X und Co. wären wir eine bessere Welt. Diese Technologie hat weder zur Stärkung der Demokratie beigetragen, noch wirkt sich verheerend auf unsere Jugend und ihren sozialen Umgang untereinander aus. Ja, es gibt bessere Open Source Alternativen ohne Kontrolle durch BigTech. Hilft aber nichts, wenn der Mastadon Server dann wieder bei AWS läuft.
Kommen wir zu den großen Cloud Anbietern, Das geht von SaaS (Office und Co.) bis hin zu PaaS und SaaS Services, die in allen erdenklichen Fachanwendungen zum Einsatz kommen. Der Markt und die Abhängigkeit ist gigantisch. Es gibt zwar europäische Cloud Anbieter wie StackIt oder OVH. Die liegen aber weit hinten den Platzhirschen AWS, Azure und GCP. Die amerikanischen Anbieter bieten viel mehr Services, auf die sich viele Unternehmen verlassen, z.B. für Datenanalyse oder AI. Außerdem sind die europäischen Anbieter nicht wirklich souverän, da sie die grundlegenden Technologien nicht beherrschen.
Kommen wir zum Thema Open Source, das aus meiner Sicht viel zu naiv betrachtet wird. Die wichtigsten Open Source Projekte sind sicher Linux als Betriebssystem und Kubernetes als “Cloud Betriebssystem”. Wenn man sich anschaut, wer dort relevant beträgt, sind das nicht etwas Hobby Programmierer, sondern Angestellte von großen Firmen. Ganz vorne weg sind das Microsoft, Google, Amazon, IBM/Redhat, Alibaba. Irgendwo weit hinten abgeschlagen folgen dann SAP und SUSE als deutsche Unternehmen.
Linux zu nutzen ist eine Sache. Wirklich souverän = handlungsfähig ist aber nur, wenn man diese Technologien auch wirklich in die gewünschte Richtung entwickeln kann. Der Linux Kernel mit seinen 40 Millionen Lines of Code muss man erst mal verstehen, bauen, testen und debuggen können. Leider haben die großen deutschen und europäischen Unternehmen das gerne kostenlos genutzt, ohne adäquat mitzuwirken und somit Souveränität aufbauen.
Wenn wir die Kontrolle über diese Basistechnologien verlieren oder uns Trump die Cloud Provider abschaltet, gehen bei uns die Lichter aus. Da ist die Diskussion um Instagram & Co wirklich nebensächlich. Und von der Hardware will ich erst gar nicht anfangen. Die Speicherchips kriegen wir ja notfalls aus Asien (Korea, Japan), Prozessoren, Netzwerkequipment etc. kommen aber meist auch aus den USA.
Um wirklich souverän zu werden, müsste die Wirtschaft gigantische Summen investieren. Das Know-How aufbauen ist kurzfristig nicht realistisch. Ich sehe hier ein riesiges Erpressungspotenzial. Mal schauen was Trump macht, wenn die EU den “Anti Cohersion Mechanismus” anwendet.
Sehe hier leider ziemlich schwarz und keine Möglichkeit, wie man das kurzfristig managen will.