Ukraine und Minderheitenrechte: Verbot russischer Musik

Hallo,

die Ukraine hat heute laut Spiegel Online verfügt, dass das Abspielen von Musik russischer Künstler (nach Staatsbürgerschaft) in der Öffentlichkeit ab sofort verboten ist. Zur Begründung hieß es wohl, russische Musik würde separatistische Tendenzen stärken und die Annahme der russischen Identität attraktiv machen.

So verständlich der Hass auf den russischen Aggressor im Krieg ist, ist das nicht ein eklatanter Versuch der Minderheitendiskriminierung, vor allem mit Fokus auf die laut Medien und privaten Kontakten in der Ostukraine stark verbreitete russlandnahe Bevölkerung?

Die starre Fokussierung auf die Staatsbürgerschaft der Künstler ignoriert zudem, dass es auch unter russischen Musikern solche gibt, die den russischen Angriffskrieg ablehnen.

Ich unterstütze die EU-Beitrittsperspektive der Ukraine sehr, aber zeigt sie damit nicht, dass sie die Werte der EU noch nicht verinnerlicht hat?

Mich würden eure Gedanken dazu interessieren. Möglicherweise übersehe ich ja etwas? Oder das Gesetz wurde von SPON falsch wieder gegeben?

EDIT: Außerdem wurde auch der Import von Büchern und ähnlichem aus Belarus, Russland und der Ostukraine verboten. Das erinnert an kulturelle Säuberungen. Hilft das Russland nicht auch beim Nazi Vorwurf?

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Das ist das große Problem dabei - neben den ethisch-moralischen Bedenken.

Selbstverständlich wird Russland diese Beispiele aufgreifen, um seiner Bevölkerung zu „beweisen“, dass Russen in der Ukraine unterdrückt würden.

Das Problem, dass die Ukraine es nach dem Fall der Sowjetunion nicht geschafft hat, die russischsprachigen Bevölkerungsteile richtig zu integrieren und nach dem Euromaidan verstärkt versucht hat, eine stärkere ukrainische Nationalbewegung zu fördern und dazu die Russifizierung aus der Sowjet-Zeit so weit wie möglich zurückzudrängen, ist natürlich die Basis für die russische Propaganda. Und wie Propaganda halt so ist, werden solche - in der Tat bedenklichen - Handlungen der Ukraine dann zum Genozid hochstilisiert. Jede Propaganda, jede Lüge, selbst jeder Verschwörungsmythos braucht halt einen minimalen wahren Kern, um Glaubwürdigkeit zu erzeugen.

Auf der anderen Seite muss man halt die Ukraine verstehen, die wiederum um ihre Existenz kämpft und durch den russischen Angriffskrieg quasi gezwungen wird, das eigene Volk gegen Russland aufzustacheln und entsprechend jede Ausbreitung der russischen Kultur in der Ukraine als Problem wahrnimmt. Es herrscht halt Krieg, so wenig man das auch wahrhaben möchte.

Diese Zustände sind absolut traurig und auch für die Menschenrechte in der Ukraine natürlich eine Katastrophe, eben weil die Ukraine - nachvollziehbar - aktuell jeden Menschen, der russischer Herkunft ist oder sich der russischen Kultur nahe fühlt, mit maximalem Misstrauen beäugt (oder, um es mit Melnyk zu sagen: „Alle Russen sind im Moment unsere Feinde“ - eine Aussage, von der er sich leider auch im Interview beim Zeit-Podcast „Das Politikteil“ nicht distanzieren wollte. Übrigens ein sehr empfehlenswertes Interview, hier verlinkt).

Staaten neigen leider zu solchen Handlungen - siehe z.B. die Internierung der japanisch-stämmigen Bevölkerung in den USA nach Pearl Harbor. Kurzum: Es geht auch noch deutlich schlimmer… ich hoffe, dass es in der Ukraine nicht auch so endet.

Die Frage, die sich die Ukraine sicherlich auch stellt, ist halt:
Welches Vorgehen hat die größeren negativen Auswirkungen? Russische Kultur scharf verbieten, weil diese als Propaganda für Russland wahrgenommen wird und entsprechende Auswirkungen haben könnte - oder sie halt nicht verbieten. Aus unserem rechtstaatlich-menschenrechtlichen Blickwinkel lautet die Antwort vermutlich, dass ein Verbot schädlich ist - aus dem Blickwinkel einer konkret betroffenen Kriegspartei sieht das vermutlich anders aus.

Wie so oft in diesem Krieg gilt halt, wie Brecht schon sagte: „Erst kommt das Fressen, dann die Moral“. Dinge wie Rechtstaatlichkeit und Menschenrechte sind „nice-to-have“, aber wenn man am Abgrund steht und die eigene Existenz gefährdet ist, wird das Abwenden einer konkreten, diesbezüglichen Gefahr halt höher eingeschätzt.

Wie ich schon öfter zu ganz anderen Themen (z.B. auch zum realexistierenden Sozialismus) gesagt habe: Desto kritischer die Situation für ein Land wird, desto mehr gehen Menschenrechte und Rechtstaatlichkeit verloren. Das war immer so, auch in Deutschland (Notstandgesetze '68), den USA (Internierung der Japaner, McCarthy-Ära-Antikommunismus) und anderen Demokratien. Und die Ukraine kämpft halt gerade um ihre Existenz - zu erwarten, dass sie ideologische Aspekte über ihre konkrete Existenz stellt, ist einfach unrealistisch.

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Wie kommen sie darauf? Sie verbreiten damit vollkommen unkritisch das Narrativ der russischen Propaganda.

In diesem Kommentar auf jeden Fall nicht.

Nach dem Bericht schon.

Die Ukraine hat im Moment andere Probleme als Manpower zur Verfügung zu stellen, um gleichgeschaltete Medien aus Russland einem Faktencheck zu unterziehen. Wenn ich die Berichte richtig verstehe, handelt es bei den russischen Medien um eine riesige Propagandamaschine, die Putin dazu dient seine Lügen zu verbreiten.

Wikipedia

Medien in Russland (russisch Средства массовой информации Sredstwa massowoj informazij, abgekürzt СМИ) umfassen Kommunikationsmedien wie Zeitungen, Radio, Fernsehen und Internet. Sie stehen zunehmend unter Vorgaben der russischen Regierung und gelten mittlerweile als gleichgeschaltet.[1] Verbreitet wird viel Propaganda im Rahmen eines Informationskrieges, der wiederum Teil der hybriden Kriegsführung gegen „den Westen“ ist.

Die derzeit größten Unternehmen auf dem russischen Medienmarkt sind die staatlichen Medienholdings WGTRK respektive Rossija Sewodnja und die Gazprom-Media, eine Tochterfirma des sich mehrheitlich in Staatsbesitz befindenden Konzerns Gazprom[4]. Nicht-staatliche Medien erreichen schon 2015 nicht mehr als zehn bis 15 Prozent der russischen Bevölkerung,[5] welche sich zu 90 Prozent im Fernsehen informiert.[6] Durch die 2012 eingeführte Bezeichnung als „ausländischer Agent“ verloren seither unabhängige Medien ihre wirtschaftliche Grundlage, da durch die unklare Gesetzeslage ein Inserent in einem solchen Medium ebenfalls als ausländischer Agent registriert werden kann.

Mit dem russischen Überfall auf die Ukraine Ende Februar 2022 führte der Staat eine faktische Kriegszensur ein.[7][8][9] Nachdem bereits zahlreiche unabhängige Medien ihre Tätigkeit eingestellt hatten, setzte zuletzt die bedeutendste unabhängige Zeitung Nowaja Gaseta ihr Erscheinen am 28. März 2022 aus Sorge um ihre Lizenz vorerst aus.[10]

Desinformation
Das Schweizer Radio und Fernsehen (SRF) meldete am 2. März, dass die Kommentarseiten der SRF-Medien seit Anerkennung der selbsternannten Republiken eine starke Zunahme von Troll-Kommentaren aufwiesen; täglich würden von tausenden gesichteten Kommentaren solche gelöscht, richtiggestellt oder eingeordnet. In Deutschland sei das Problem noch viel größer.[522]

Historische Vergleiche hinken immer, aber ich stelle mir gerade vor, wie die „Deutsche Wochenschau“ im Jahre 1944 in einem englischen Kino läuft.

Was die Musik aus Russland betrifft. Ihrer Forderung wird entsprochen.

Aus dem Bericht

Russische Musik würde die Annahme einer russischen Identität attraktiver machen und ziele auf eine Schwächung des ukrainischen Staates ab, hieß es im Text. Ausnahmen gelten nur für Künstler, welche den russischen Einmarsch in die Ukraine öffentlich verurteilt haben. Dafür werde es eine spezielle Ausnahmeliste des Geheimdienstes SBU geben.

Ja!

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Ich sehe hier eigentlich keinen wirklichen Fehler der Ukraine. Soweit ich weiß, hat es kein einziges Land der ehemaligen Sowjetunion geschafft, ihre russischsprachigen Bürger zu integrieren. Nicht einmal Deutschland schafft das richtig gut, auch wenn das andere Gründe haben kann.

Eine Erklärung dafür dürfte in der Funktionsweise von Imperien und Nationalstaaten liegen. Sowohl im Zarenreich als auch in der Sowjetunion wurde Russischsprachigkeit durch Karriereperspektiven aktiv gefördert. Wer eine Minderheitensprache (Ukrainisch, Rumänisch, Tscherkessisch, etc.) sprach, kam damit nicht weit. So verteilten sich dann auch russischsprachige Menschen über das gesamte Territorium der Sowjetunion, teilweise über das Militär aber auch über zivile Institutionen, und bildeten die Eliten auf regionaler und überregionaler Ebene.

Der Zerfall des Imperiums (hier der Sowjetunion, Parallelen gibt es aber auch z.B. zur KuK-Monarchie) und die Ausrufung von Nationalstaaten verschiebt nun den Fokus weg vom Russischen und der russischen Kultur und hin zur Nationalsprache und -kultur. Das kann anders eigentlich auch gar nicht gehen, da sich die Nationalstaaten unabhängig erklären, weil sie sich als etwas anderes begreifen. Für die Russischsprachigen, die zuvor die Eliten bildeten, findet nun ein realer Machtverlust statt. Nun ist es im Regelfall nicht mehr die russische Sprache, die einen Wettbewerbsvorteil bei der Karriereplanung bietet, sondern die Nationalsprache des Landes, die den Aufstieg in die Eliten ermöglicht.

Im Ergebnis ist die Reaktion der „alten“ Elite oft ein Schwelgen in Nostalgie sowie eine wachsende Überhöhung der russischen Sprache und Kultur. Es geht soweit, dass man sich wünscht, der große starke Führer Russlands möge doch das Gebiet in dem man wohnt subjektiv „rechtmäßig“ annektieren (auch hier wieder Parallelen aus der deutschen Geschichte…), damit es zur alten Größe zurückkehren kann oder alles so wird, „wie es eigentlich sein soll“. Insofern fällt es der russischen Propaganda natürlich auch sehr leicht, diese Menschen zu erreichen, da alles russische mental sowieso mit einem Gütesiegel versehen ist.

Es gibt kaum Modelle, um ein solches Dilemma wirklich aufzulösen, insbesondere wenn einer der maßgeblichen Akteure schlicht böswillig handelt. Vor/während und nach dem zweiten Weltkrieg wurden unterschiedliche Ansätze verfolgt - allesamt mit grausamen Resultaten. Ob nun die Annektion des Sudetenlands inkl. der vollständigen Besetzung Tschechiens direkt danach oder die massenhaften Vertreibungen, die man nach dem Krieg überall sehen konnte, z.B. die Deutschen raus aus Polen/Tschechein, die Ukrainer/Belarusen aus Polen, die Polen aus Ukraine/Belarus, oder auch die Aufteilung des indischen Subkontinents.

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„Du sollst die Kultur des Feindes nicht konsumieren“ gehört aber eindeutig auf die Moralseite des Brecht-Zitats. Das kommt von den Herrn die uns lehren, „wie man brav leben / Und Sünd und Missetat vermeiden kann.“

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Ich stimme dir zu. Interessant auch dazu die SVR Studie 2022

Die Auswertungen zeigen, dass (Spät-)Aussiedlerinnen und (Spät-)Aussiedler insgesamt gut integriert sind: Die Arbeitsmarktbeteiligung ist hoch und es liegen sowohl gute deutsche Sprachkenntnisse als auch eine hohe Identifikation mit Deutschland vor.

Aber…

Besondere Herausforderungen zeigen sich vor allem für (Spät-)Aussiedlerinnen und (Spät-)Aussiedler aus dem Gebiet der ehemaligen Sowjetunion.

Das Thema ist sehr komplex, aber Integration ist nun mal keine Einbahnstraße.

@moderat Vielleicht kann man ja auch mal positive Dinge (auch in der Überschrift) hervorheben. Es geht nämlich auch anders.

Ich stimme vielen, was @Markus.37 in seinem Post schreibt, zu, aber ich glaube, dass Du auch das Senden russischer Staatsmedien mit dem Abspielen von Musik von KünstlerInnen russischer Staatsangehörigkeit verwechselst. Bei einem Verbot von Propagandasendern mögen Deine vorgebrachten Argumente berechtigt sein, aber darum geht es hier nicht.

Ein Gesetz, das von nun an das Abspielen bestimmter Musik alleine wegen der Herkunft der KünstlerInnen verbietet, klingt für mich überzogen und nicht mit europäischen Werten vereinbar. Das Konzept einer „whitelist“ des SBU, auf der alle „guten“ russischen KünstlerInnen stehen, erscheint mir absurd und kontraproduktiv. Gerade in Russland navigieren viele kritische KünstlerInnen an der Grenze des Erlaubten, wenn sie Kritik an Putin, Oligarchen, Korruption, Bürgermeistern, Militarismus, etc. formulieren. Die Nennung auf einer ukrainischen „Whitelist“ würde ihnen im Zweifelsfall nur schaden.

Mein erster Gedanke war auch die Frage, ob man nun Stress kriegt, wenn man auf der Straße das Thema aus Tschaikowskys erstem Klavierkonzert summt. Das ist tatsächlich nicht so, denn das Verbot trifft nur KünstlerInnen, die nach 1991 die russische Staatsbürgerschaft hatten. Die New York Times stellt das etwas besser dar, als der Spiegel.

Nichtsdestotrotz finde ich das einen total falschen Move der Rada, der auch bei mir massiv Sympathien verspielt. Selbst eine Resolution mit der Bitte an den Präsidenten, ein entsprechendes Verbot - und am besten nur in Radio und Fernsehen und nicht auf der Straße - für die Dauer des Krieges anzuordnen, hätte ich für weniger schädlich gehalten. Nun ist das Verbot der Musik von KünstlerInnen mit russischer Staatsbürgerschaft in der Ukraine Gesetz und das halte ich für ein ziemlich unnötiges Problem.

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Das Verbot bezieht sich ja anscheinend auf das Abspielen in der Öffentlichkeit und halte dieses, in der aktuellen Situation, mit dem Verweis auf den öffentlich Frieden für durchaus gerechtfertigt. Man stelle sich ein Autokorso mit einer Z-Flagge und einem aktuellen russischen Popsong laut abspielend irgendwo in der Ukraine vor. Natürlich gebe es die dementsprechende (Über) Reaktionen. Ich sehe dann schon die Themen hier aufpoppen… und in anderen sozialen Medien wird der Teufel los sein.

Ich bin kein Kenner der russischen Kultur-/ Musikszene und kenne nur die Künstler, die es zu einem gewissen Ruhm im Westen gebracht haben. Ich habe nur mitbekommen, dass jene die sich (vermeintlich) kritisch geäußert haben, verhaftet, faktisch ein Berufsverbot erhalten haben oder gleich emigriert sind.

Um das Gesetz letztendlich beurteilen zu können, benötige ich aber tatsächlich mehr Informationen. Leider habe ich noch keinen brauchbaren Bericht zu dem Thema in der deutschen Presse gefunden. Einzig der Deutschlandfunk hat das Gesetz verlinkt. Hilft mir aber wenig, da ich kein Ukrainisch spreche.

In Ukraine ist seit dem 24. Februar mit gutem Grund das Kriegsrecht ausgerufen. Ich kenne mich nicht mit dem ukrainischen Rechtssystem aus, aber ich nehme mal an, dass die Polizei dadurch die Handhabe hat, um solche Demonstrationen zu unterbinden. Da braucht es kein Musikverbot.

Danke für den Tipp. Hier ist der am 20. Juni 2022 verabschiedete Text im Original. Man kann mit Übersetzerprogrammen und etwas Fleiß halbwegs den Inhalt lesen. Hier noch ein paar Details:

  • Das Gesetz verbietet nicht nur das öffentliches Abspielen der Musik sondern z.B. auch Streaming.
  • Um auf die Whitelist zu kommen, müssen russische KünstlerInnen öffentlich in einer bestimmten Weise Putins Krieg verurteilt haben, um dann beim ukrainischen Geheimdienst eine Aufnahme aktiv zu beantragen.
  • Der ukrainische Geheimdienst kann die Aufnahme von Personen auf die Whitelist ohne Angabe von Gründen („Die hat zwar das richtige gesagt, aber ich mag keinen Punkrock. Stehe mehr so auf Schlagersängerinnen …“) ablehnen.

Vielleicht kann das noch jemand anderes besser einordnen, aber ich finde das in dieser Dauerhaftigkeit und mit dem Feigenblatt dieser Ausnahmeregelung unnötig und ein totaler Schuss ins eigene Knie. Ich kann mir auch vorstellen, dass das in der ukrainischen Diaspora nicht gut ankommen wird.

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Mit dem Verweis auf das Kriegsrecht hast Du wahrscheinlich (?) recht, hätte dann aber die gleiche Wirkung. Der Vorteil ist natürlich, sobald kein Kriegsrecht mehr herrscht, würde „Normalität“ in allen Bereichen einkehren.

  • Das Verbot Lieder zu streamen ist natürlich Blödsinn, solange die Texte nicht gegen geltendes Recht verstoßen.

  • Ist zwar die Umkehrung der Beweislast, aber gibt es z.B. auch bei den „Anti-Mafia-Gesetzen“ in Italien. Verweise aber auch zum nächsten Punkt.

  • Natürlich muss es objektive und rechtsstaatliche Kriterien geben, die auch dementsprechend überprüfbar sein müssen. Deswegen liegt die Beweislast natürlich beim Staat. Es kann nicht sein, dass Künstler, die sich objektiv neutral verhalten haben, bestraft werden. Es gibt in einem Rechtsstaat keine Sippenhaft.

Muss das Gesetz eigentlich noch von irgendjemanden, ähnlich wie bei uns durch den Bundespräsidenten, unterschrieben werden?

Vielen Dank für den Link😉

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Wenn ich Menschen das Ausleben ihrer Kultur verbiete, ist das nicht Diskriminierung? Wie bezeichnen Sie es wenn Deutschland den Muezzin-Ruf in einigen Städten kategorisch verbieten würde? Dabei ist mir natürlich klar, dass man einen russischen Angriffskrieg nicht direkt mit den Attacken von wenigen, die Religion nicht repräsentierenden, Fundamentalisten vergleichen kann.

Kritik an einer kritischen Handlung heißt nicht sich für den Feind stark zu machen oder den Kritisierten fallen zu lassen. Ich habe diese Denkweise, „bist du nicht für mich, dann bist du gegen mich“ noch nie verstanden. Kritik ist Anreiz Dinge zu reflektieren und besser zu machen, kein Dolch im Rücken. Uneingeschränkte Solidarität und Loyalität gegenüber jemandem, ist hingegen fremd. Fehler können passieren, aber man muss sie benennen dürfen. Dieses Denken mag aber in meiner liberalen Sozialisierung
begründet liegen.

Darum ging es hier gar nicht. Warum vermischen Sie das?

Kennen Sie die Diskussion um die Listen für Abtreibungsärzte? Da wird immer darauf hingewiesen, dass diese Prangerwirkung hätten und viele Ärzte sich weigern dort zu erscheinen, da man Angst vor Angriffen hätte. Wie viele russische Künstler trauen sich wohl dort auftauchen zu wollen? Wäre es nicht besser eine Blacklist zu führen mit Musikern, die sich mit Putin solidarisieren? Das wäre zumindest verständlich. So führt man aber eine Sippenhaft ein und die verträgt sich nicht mit westlichen Wertvorstellungen (okay, zumindest von denen abseits der Stammtisch-Parolen).

D’accord!

Ist das dann der Fehler der Russen oder der Ukrainer? Wir müssen alle verstehen, Russen!= Russland. Ukrainer != Ukraine. Letztlich sind es Menschen und die haben alle Menschenrechte, zumindest im Westen.

Wenn der Ruf gegen geltendes Recht verstößt oder dazu auffordert gegen geltendes Recht zu verstoßen, muss der Staat eingreifen. Für mich gehören Lügen und Hassbotschaften dazu.

Wo vermische ich was?

Entschuldigung, aber der muss jetzt sein „Zwei Blöde, ein Gedanke“ :sunglasses:

Alle haben das gleiche Recht und nicht nur im Westen, auch wenn es nicht überall umgesetzt wird. Inwieweit Putin die Russen repräsentiert, ist ein ganz anderes Thema.

Es ging eigentlich darum solche (Über) Reaktionen zu vermeiden, aber das kann passieren wenn man nur das liest was man rauslesen möchte.

Interessant, sie meinen also aufgrund eines nichtssagenden Berichtes eine reflektierte Kritik abgeben zu können. Kannten oder kennen sie überhaupt den Gesetzestext? Ich behaupte, sie fühlten sich in ihrer vorgefassten Meinung durch den Bericht bestätigt.

Lieber Markus, danke für deine Hinweise. Ich finde deine Gedanken wirklich spannend, aber manchmal fällt es mir etwas schwer ihnen zu folgen. Ich werde ein paar Aussagen zitieren und meine Unklarheiten erläutern. Vielleicht kannst du die dann ausräumen? Ich würde mich freuen!

Es ging oben um Musiker und Printerzeugnisse wie Bücher u.a., nicht explizit solche die Fake News en Masse verbreiten (Social Media, TV). Ich habe deine Sippenhaft-Aussage eigentlich so verstanden als seien wir uns einig, dass man so etwas ablehnt.

Um im Vergleich zu bleiben, das wäre wie wenn der Muezzin nur zum Gebet ruft und sich sonst völlig neutral verhält, man ihn aber an Aussagen radikalisierter Glaubensbrüder misst und verbietet. Wie passt dein Lügen-Vorwurf zum Muezzin-Vergleich?

Na ja, auf das Thema Bücher und Musik reagieren Sie mit

Dabei ging es um die russischen Medien wie

, die du im Beitrag per Zitat aufführst, m.E. aber nicht. Oder verstehe ich das vielleicht falsch?

Kein Grund für eine Entschuldigung. Ist doch super wenn wir uns da einig sind. :slight_smile:

Volle Zustimmung. Mein Satz sollte eher Resignation darüber ausdrücken, dass Menschenrechte eben nicht in jedem Land der Welt umgesetzt werden. Sorry wenn das nicht klar genug war.

Es kann doch aber nicht sein, dass ich solche Überreaktionen dadurch zu verhindern versuche, dass ich einer Minderheit sage sie solle ihre Kultur nicht mehr öffentlich Leben. Von einem Rechtsstaat, auch wenn er in einem Krieg ist, erwarte ich dass er seine Bevölkerung auf den Unterschied zwischen ethnischen Russen im eigenen Land, Russen im Ausland & der widerlichen russischen Regierung hinweist und immer wieder Respekt den friedlichen Russen in der Ukraine gegenüber einfordert. Melnyks „Alle Russen sind unsere Feinde.“ empfinde ich daher persönlich als, … naja lassen wir das. Sagen wir, auch Kriegstreiber benutzten in der Geschichte solche Rhetorik und er distanziert sich ja nicht einmal davon.

Auf welcher Basis? Ich schrieb oben explizit

und wies damit auf meine Unsicherheit und vorbehaltliche Haltung bei dem Thema hin. Warum unterstellst du mir dann eine Vorgefasstheit? Liegt es daran, dass ich mir erdreiste eine Handlung der ukrainischen Regierung zu kritisieren ohne ebensoviele Sätze auf Schmähkritik gegen Putin aufzuwenden? Falls ja, das liegt einfach daran, dass ich Themen gerne sauber halte und ungern miteinander vermische.

Falls das nicht deutlich genug war möchte ich mich dafür entschuldigen.

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Hallo Myste,

ich weiss das ich manchmal „Gedankensprünge“ in meiner Argumentation habe und auch dazu zu neigen, auch aufgrund von vorschnellen Folgerungen meinerseits, Menschen und deren Meinungen überhart zu beurteilen/ verurteilen. Deine Fragen/ Anmerkungen werde ich versuchen ausführlich (sobald ich Zeit habe) zu beantworten. Das schöne ist, durch Nachfragen werde ich gezwungen meine Überzeugungen immer wieder zu hinterfragen und eventuell zu ändern. Das hält meinen Geist in Schwung​:heavy_heart_exclamation: :wink:

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